Mittwoch, 27. April 2011

Déjà-vu...




Hallo Liebes,

Tag 753: 4:45 Uhr war es als der Wecker geklingelt hat und das war das zweite Mal klingeln. Ich hatte ihn von 4:30 Uhr weiter gestellt. 4:30 Uhr ist ja noch mitten in der Nacht! Viel nächtlicher als 5 Uhr, was schon eher an Morgen erinnert.

Der Grund dafür ist, dass mein Fahrrad gestern den Geist aufgegeben hat und ich zu Fuß zur Arbeit muss und dafür selbstredend länger brauche. Eigentlich ging mein Fahrrad aber schon vorgestern Abend kaputt, als ich im Theater war. Das Hinterrad hat sich zu einer 8 verbogen und das quasi ganz von selbst. Oder besser, als ich eine 5 cm hohe Bordsteinkante runter gefahren bin. Ich hab es gestern früh noch bis zur Arbeit damit geschafft, aber als ich aus der Firma kam war das Hinterrad platt, was bestimmt damit zusammen hängt, dass ich gestern früh aus Wut dagegen getreten habe. Also bin ich nach der Arbeit in die nächste Fahrradwerkstatt, wo mir eigentlich nur erklärt wurde, dass die Reparatur so gut wie ein Ding der Unmöglichkeit sei, denn mein Fahrrad ist von Aldi oder so. Mein Vater hat es mir geschenkt und es hat nur 100 € oder so gekostet. Das hat zur Folge, dass zum einen die Qualität mies ist, zum andere, dass es eigentlich unmöglich ist Ersatzteile dafür zu bekommen, weil alles in Kinderarbeit in China gefertigt wurde und es sich nur Läden wie Aldi leisten könnten so billig zu verkaufen, weil sie so große Mengen abnehmen. Und das hat wiederum zur Folge, dass eine Reparatur teurer ist, als sich ein neues Billigfahrad zu holen. Was ist denn das für eine Welt?

So schnell habe ich mich dann aber doch nicht abspeisen lassen wollen. Ich habe den Mechaniker gefragt was man machen kann, und was die günstigste Variante ist. Er hat mir vorgeschlagen nur Felge und Speichen auszutauschen, für den Rest sei es nicht möglich Ersatzteile zu besorgen, die müsse er übernehmen, aber allein das würde mich 60 € kosten. Meine Bremsen könne er auch nicht reparieren, sondern nur austauschen, weil es die Rückholfedern auch nicht zu bestellen gäbe. Mein Fahrrad ist vielleicht 2 Jahre alt, und alles ist Schrott. Nun, ich gebrauche es täglich und es steht immer draußen. Wenn dem nicht so wäre, wäre es vielleicht anders. Aber gut, ich kann es nicht ändern. Ich werfe Dinge, die man noch benutzen kann, nämlich ungerne weg. Eigentlich nie. Also wird das Fahrrad repariert. Kauft euch kein Aldifahrrad!!!

Das erstaunlich an dem Mechaniker war aber, dass ihm mindestens 5 Finger fehlen, was ich erst gesehen habe, als er den Katalog rausgeholt hat um nach Ersatzteilen zu schauen. An einer Hand fehlt ihm der Daumen, an einer anderen, wenn ich richtig gesehen habe, die anderen 4 Finger. Faszinierend! Und damit kann man Fahrräder reparieren? Ich nehme an, dass er weiß was er tut und vielleicht ist er sogar viel besser! Momentan habe ich nämlich keine Fahrradwerkstatt meines Vertrauens, denn in jeder gab es irgendwelchen Ärger, was ich dem Mechaniker gestern auch erzählt habe. Bei der einen wurde der Schlauch ausgetauscht, aber nicht kontrolliert, ob vielleicht noch Glassplitter in der Decke sind und das Rad war sofort wieder platt. In der anderen wurde meine Gangschaltung unaufgefordert nachgestellt und seitdem kann ich nicht mehr im 1. Gang fahren, weil die Kette springt und in der Dritten wurde mir gesagt, dass Fahrrad sei dann und dann fertig, und nur unter der Bedingung hatte ich es da gelassen, denn ich brauchte es dringend, und dann war es doch nicht fertig. Wenn jetzt ein Fahrradmechaniker mit nur 5 Fingern mein Fahrrad zufriedenstellender repariert als jemand mit 10 Fingern, was mich nicht mal wundern würde, da Menschen, die Hindernisse im Leben zu überwinden hatten, meist besser sind, weil sie dafür kämpfen mussten, erzähle ich das überall rum. Mein Computer wurde auch schon in einer Werkstatt, die bevorzugt körperlich Behinderte einstellt, besser repariert. Aber wenn ich das glaube, ist das auch so!

Ich hab das Fahrrad da gelassen, er bestellt jetzt Ersatzteile und lässt mich wissen, wann es fertig ist, und so lange stehe ich noch früher auf als bisher. Geht ja nicht anders.

Eine Leserin ist allerdings der Meinung, dass meine Müdigkeit mit Kochkostausnahmen zusammen hängt und dass sie es schade fände, dass ich die so oft gemacht hätte in letzter Zeit und dass ich Vorbild-Verantwortung zu tragen hätte und dass überhaupt mein Blog ja RoheLust heißen würde, wie ich dann also so was machen könnte. Boah, hab ich mich wieder aufgeregt darüber. Und während ich dann zu Fuß 3 Stadtteile abgeklappert habe um Flyer zu verteilen, habe ich fast nur darüber nachgedacht, warum mich das so aufregt. Warum mich Aufforderungen zur Veränderung meiner Person immer so aufregen.


Ich wurde, glaube ich, schon für so ungefähr alles kritisiert, was man so sein kann im Leben. Zu dick, zu dünn, zu groß zu klein, zu dumm, zu klug, zu nett, zu unfreundlich, zu roh oder eben wie jetzt auch wieder nicht roh genug. Wenn ich 100% roh bin und mir nur Gedanken um Essen mache, kriege ich negative Kommentare ab, dass ich dem Essen eine zu große Aufmerksamkeit in meinem Leben einräume und wenn ich es nicht tue, werde ich kritisiert, dass auch das falsch ist.

Es tut mir leid, aber ich kann es nicht euch allen Recht machen! Rohkost ist ein super Thema, was unglaublich viel im Leben verändern kann, woran man auch unglaublich lange rumdoktern kann um für sich selbst die optimale Rohkost zu finden. Außerdem finde ich persönlich das 100% Thema schon lange überholt. Mittlerweile darf sich auch jemand Rohköstler nennen, wenn er 80% Rohkost isst. Aber die Prozentregel finde ich ja auch doof. Es gibt im ganzen Rohkostbereich so unglaublich viele Ansätze, die alle ihre Berechtigung haben können. Es gibt Leute die Gekochtes mit einbeziehen, es gibt die Low Fat Front, die Low Carb Front, es gibt vegetarische, vegane und Fleischrohkost, Monorohkost, und jeder hat das Recht auszuprobieren was er möchte.

Ich lese die meisten Rohkostblogs in Deutschland regelmäßig, die alle später entstanden sind als meiner, und von denen nur einer oder 2 (soweit ich weiß) täglich geführt wird. Alle sind sie unterschiedlich und alle verfolgen einen anderen Ansatz. Aber niemandem erzähle ich was funktioniert und was nicht, weil ich „da nicht drin stecke“. Die Wissenschaft kommt nicht dahinter, was für alle Menschen richtig ist, wie kann es dann ein Einzelner?

Die Kommentare die mich in 753 Blogeinträgen am meisten beeinflusst, oder eigentlich einzig beeinflusst haben, waren die, in denen jemand von sich erzählt und nicht angelesenes Wissen abgelassen hat. Kommentare ohne ein „du musst, du sollst, du darfst“.  Ohne einen solchen Kommentar im letzten Jahr, wäre ich nie auf das Candida-Ding gekommen. Darin hat mir jemand seine Erfahrung mit High Carb Rohkost und die Veränderungen zu Low Carb erzählt. Und einen Link zu einer Internetseite gesetzt. Er hat nie gesagt: „Silke, du darfst kein Obst essen“, denn dann hätte ich automatisch dicht gemacht. Und das halte ich im Übrigen für eine absolut normale Reaktion. Vor ein paar Tagen habe ich geschrieben, dass Robert Betz sagt, Vorwürfe und Kritik zwingen den anderen automatisch in eine Verteidigungsposition, so das er dazu neigt sich zu rechtfertigen, aber nicht zuzuhören. Ich weiß nur aus Beziehungsbüchern, dass man einem Mann keine Vorwürfe machen soll, weil er sich dann zurück zieht. Ich weiß aber auch aus meiner eigenen Essensbekehrungserfahrung, dass es noch nie irgendwas gebracht hat, wenn ich Leute versucht habe zu gesünderer Ernährung zu bekehren. Jedenfalls nicht auf die verbale Tour. Zudem besteht ein riesiger Unterschied darin, ob man von jemandem gebeten wird, seinen Senf beizusteuern oder ob man es unaufgefordert tut. Im Falle des „unaufgefordert Tuns“, ist der andere meistens leider einfach von vorne herein nicht offen. Genauso wenig wie ich.

Man kann sich allerdings hinsetzen und den anderen anders visualisieren!;-)

Meine Leidenschaft sitzt gerade nicht bei der Rohkost, weil ich damit beschäftigt bin, meine Träume zu verwirklichen. Ist vielleicht ne Phase, weiß ich nicht, aber ich weiß bis heute auch immer noch nicht, ob 100% Rohkost, egal ob Fleisch, vegan oder vegetarisch überhaupt das Optimum für jeden ist. Angelika von allesroh.at hat ein Buch geschrieben, was diesen Sommer erscheint. Ich habe es natürlich noch nicht gelesen, sie hat aber ein bisschen was darüber erzählt und unter anderem erklärt sie darin wohl, warum manche Menschen 100% Rohkost brauchen, wie sie, und andere eben nicht. So lange das alles nicht geklärt ist, sollten wir uns alle am Riemen reißen anderen Leuten Dinge zu predigen, die wir selber nur gelesen aber nicht erfahren haben.

Vielleicht erkenne ich in ihr aber auch nur ein früheres Ich und es fuckt mich deshalb ab, vielleicht bin ich es aber auch leid, nicht genauso akzeptiert zu werden wie ich bin. Ich habe einen Gefallsucht-Hintergrund. Vielleicht spielen die Ursachen, aber auch keine Rolle. Mein Bierdurst kommt daher, dass ich mich in Situationen wieder finde, in denen ich früher schon mal war und mit denen ich Bier assoziiere. Das ist in diesem Bereich neu für mich. Eine weitere Konditionierung, die es zu erkennen und zu beseitigen gilt. Schlussendlich läuft es aber wieder darauf heraus: „What you think of me, is none of my business“. Wir haben immer wieder an anderen nur das auszusetzen, was auf uns selber zutrifft.

Was gab’s zu essen?:

2 Grüntee mit Steviosid
2 Bananen mit Mandelpüree

9:30 Uhr: 1 Banane
1 Grüntee mit Steviosid

11:15 Uhr: 2 handvoll Mandeln

12:10 Uhr: 1 Banane

15:30 Uhr: Schüssel gemischten Salat aus Rucola, Romana, Guacamole, ½ Paprika, ¼ Gurke

20:15 1,5 handvoll Mandeln

Schlussendlich hat sie mich aber darauf gebracht, dass mein Leben momentan vielleicht weniger anstrengend wäre mit 3 Jobs, Abi und bloggen, wenn ich Juicefeasten würde, denn das macht Matt Monarch in solchen Situationen. Verdauung braucht nämlich ne Menge Energie. Und mit Juicefeasten experimentieren die anderen Bloggerinnen ja momentan auch, auch wenn es nur ein Tag die Woche ist. Ich bin mir da noch nicht sicher, schließlich bleibt alles so anstrengend, denn nächste Woche sind die Abiprüfungen und mein Entsafter ist fürn Arsch. Außerdem habe ich Angst dann voll in den Entgiftungsmodus rein zu rutschen und im Endeffekt noch mehr Ruhe haben zu wollen. Also….unentschlossen.

Vielleicht fange ich mit nem grünen Saft an, ich sollte nämlich vielleicht mal wieder mehr Grünzeug essen. Ich meine mir einzubilden, dass meine Fingernägel auch schon mal fester waren.

Alles Liebe,

Silke

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Kommentare:

  1. Zum Thema Kritik von Kritikern:
    Ich zitiere: "Hier mein Leben mit mir selbst als Versuchskaninchen.:-) Viel Spaß"
    Wer kein Spass hat soll halt gehen. Ich lese gerne mit.
    Gruss Dirk

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  2. Danke Dirk,

    das finde ich auch!:-)))

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  3. Hey Silke,
    wer belehrt dich denn, was du schreiben sollst?
    Es wäre ja das erste Mal, dass ausgerechnet die Missionarstellung einen Unterhaltunsgwert in einem Roman hätte ;-)))
    Liebe Grüße
    Angelika
    www.allesroh.at

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  4. Hahaha :-)))))

    Schau mal in die gestrigen Kommentare...

    LG Silke

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  5. Ah, verstehe!
    Hm, es kommt wohl auf das Ziel an, das man anstrebt.
    Als Technikerin ist frau wohl zielorientierter und geht Dinge anders an als Schauspielerinnen.
    Jedenfalls finde ich (auch wenn ich keine/kaum Zeit habe Blogs zu lesen) einen Blog mit persönlichem Tiefgang einen interessanteren "Blick durchs Schlüsselloch", nämlich einen Blick in ein "fremdes Tagebuch".
    Die Frage ist wohl, was stünde echt in einem Tagebuch eines Menschen?
    Und wie du dein Tagebuch schreibst, so hatte ich auch früher meine eigenen geschrieben: Was mich gerade hunzt, was mich freut und wen ich liebe.
    Ich finde, du machst deine Rolle da authentisch und sehr gut.
    Du proklamierst ja auch nicht, Rohköstlerin zu sein sondern auf der Suche nach der rohen Lust zu sein.

    Und was wäre ein Roman ohne den Weg, mit all seinen Hürden und Abenteuern, bis es zum Höhepunkt kommt?
    ... und jeder Höhepunkt kann besser werden.

    Die meisten Rohköstler die ich kennengelernt habe, hatten/haben Phasen wo sie ernsthafter roh gegessen hatten und welche, wo ihnen Abstriche genehm waren.
    Und wenn ich unsicher wäre (und ich hatte auch Phasen der Zweifel zu manchen Praktiken), würde ich es bis zur neuen Überlegung auch nicht so ernsthaft machen. Da fehlt einem ja auch sonst die Lust, oder?

    Und woher ich meine Lust bekam meine Hürden in meinen Anfangsjahren zu überwinden .. das wird einmal ein ganz anderes Buch werden ;-))
    Prinzipiell lag es wohl auch am Leidensdruck, dem ich ausgesetzt war.
    Nicht jede Art der Rohkost-Praxis hilft - insb auf Dauer.

    Evtl ein Buchtipp von mir: Julia Ross, Was die Seele essen will.
    http://www.amazon.de/Was-Seele-essen-will-Wissenschaftlich/dp/3608946543

    LG Angelika

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