Sonntag, 30. Oktober 2016

Gibt es einen "Cholesterin-Bluff"?


Ich hasse es, dass ich schon wieder dieses elende Thema Cholesterin ansprechen muss, aber es gibt einfach immer wieder LowCarber, Fleischesser und Paleo-Anhänger, die versuchen sich einzureden, dass ein hoher Cholesterinspiegel absolut kein Problem ist. Und kürzlich strahlte ARTE eine Doku aus, die das Thema aufgriff elche mir jetzt als Link zugespielt wird, als "Beweis" das Cholesterin kein Problem ist und die Schulmedizin die Menschen verarscht. Ich wurde auch von einem Leser auf diese Doku angesprochen. - Eigentlich lenke ich nicht gerne die Aufmerksamkeit auf Bullshit, aber weil ich so oft darauf angesprochen wurde, äußere ich heute meine Meinung dazu. Und das ist für mich genau so nervig wie eine Präsidentschaftsdebatte mit Donald Trump anzuschauen, dem man zuhört, wie er sich selbst widerspricht und dem man zuhört, während er alles, was an ihm selbst zu bemängeln ist, auf andere projiziert. Es ist fast unerträglich das mit anzusehen und so ist es auch fast unerträglich sich diese Doku anzusehen. Also, schaut sie nicht, wenn euch sowas nervt (was ich auch vor hatte) und schaut sie, wenn ihr wissen wollt, woher eure "Gegner" oder eure Pastienten, ihre Argumente beziehen.



Es geht los mit den vorgestellten "Experten". Die meisten sind Journalisten, ein paar Medizinhistoriker, die erklären sollen, wie es dazu kam, dass Cholesterin für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich gemacht wurde. Dann gibt es einen reichlich übergewichtigen französischen Allgemeinmediziner und Journalisten. Dann kommt Gary Taubs zu Wort, ein Physiker und Journalist, der aber Bücher über LowCarb schreibt, dann Sally Fallon, die Englisch studiert hat und Vorsitzende der Weston Price Foundation ist, dann der Vorsitzende der Vereinigung von Cholesterinskeptikern und ein Kardiologe, der die einzige Person ist, die man von all diesen Leuten überhaupt ernst nehmen kann abgesehen von dem Forscher, der entdeckt hat, dass auch zu hohe Homocysteinwerte ein Risikofaktor sind. Der Film "Die Cholesterinlüge" der auch schon einen in die Irre führenden Titel trägt, ist da um Längen fundierter, weil er eigentlich nur darauf hin weist, dass es neben Cholesterin noch andere Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt.

Es geht wie immer los mit dem Problem, dass in den 50er Jahren niemand wusste, was die Ursache von Herzinfarkten ist und man vermutete, dass es etwas mit der Ernährung zu tun hatte. Man vermutete gesättigtes Fett als Ursächlich und dann kam Ancel Keys auf die Idee die Siebenländer Studie durchzuführen. Er verglich hier die Ernährungsweisen und Inzidenzen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettverzehr und stellte einen Zusammenhang fest. Forschungsgrundlage war USA, Finnland, Jugoslavien, Griechenland, Japan, Italien und die Niederlande. Je mehr gesättigtes Fett gegessen wurde desto mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen gab es, Seither tut sich die Wissenschaft schwer diesen Zusammenhang nicht zu sehen und laut der Doku werden alle Forscher unterdrückt, die versuchen einen anderen Zusammenhang zu erkennen.

Der übergewichtige französiche Allgemeinmediziner beklagt, dass Frankreich kein Teil der Studie gewesen wäre, denn dann wäre das französische Paradox ja ins Spiel gekommen, was besagt, dass Franzosen weniger Herzinfarkte haben obwohl sie viel Fett essen, was später dann mit dem Konsum von Rotwein erklärt wurde. Er findet, dass die Framingham Heart Study eine wesentlich bessere Studie gewesen sei, und dass die nichts über einen Zusammenhang zwischen Cholesterin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen finden konnte. Und das ist schlicht und ergreifend gelogen, denn auf der Website der Framingham Heart Study kann man nachlesen, was diese Studie alle raus gefunden hat und da ist gelistet, dass man 1961 fand, dass erhöhtes Cholesterin mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung steht.

Ancel Keys, den ich in der Recherche für diesen Artikel übrigens gegoogelt habe, starb erst 2004 hundertjährig und wartete sein Leben lang darauf, dass irgendwer seine These über einen Zusammenhang von Nahrungsfetten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Frage stellen würde, was der übergewichtige Allgemeinmediziner ebenfalls kritisiert. Keys war von Haus aus Biologie und arbeitete gemeinsam mit seiner Frau, einer Biochemikerin.

Zwischendurch wird die Behauptung aufgestellt, dass Cholesterin ja auch sehr wichtig sei, for allem für das Gehirn, weil Nervenzellen von einer Myelinscheide umgeben sind, die dazu dient Reize zu transportieren. Das suggeriert dem Zuschauer natürlich, wenn er kein Cholesterin isst, würde sein Gehirn nicht funktionieren. Im direkt darauf folgenden Beitrag wird das eigentlich dann sofort auch wieder widerlegt, weil echte Wissenschaftler sodann erklären, dass das Hirn sein ganzes Cholesterin selber herstellt, weil Cholesterin nicht über die Blut-Hirn-Schranke kann. Was das im Umkehrschluss dann aber auch bedeutet wird nicht erklärt. Nämlich, da das Hirn ausschließlich Glucose als Energiequelle verwenden kann, muss man vor allem Glucose essen und den Nervenzellen ausreichend Energie zu liefern Cholesterin für die Myelinscheiden herzustellen. Das Cholesterin was das Hirn für sich selbst herstellt ist auch nicht daran beteiligt den Serumcholesterinspiegel zu erhöhen und damit keine Gefahr für die Blutgefäße.

Interessant wird es dann als ein Pathologe zu Wort kommt, der vor Jahrzehnten bereits einen Zusammenhang zwischen hohen Homocysteinwerten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt hat und Cholesterin als nur in 2. Linie als Relevant erachtete. Das habe ihn Forschungsgelder gekostet und es wurde in Wissenschaftskreisen nicht gerne gesehen, da er nicht alle Schuld beim Cholesterin suchen wollte. - In 70% der Fälle ist die Ursache für hohe Homocysteinwerte ein Mangel an B-Vitaminen, welche ja bevorzugt in Vollkorngetreide zu finden sind. Mag sein, dass es wirklich so ist, dass Cholesterin nur ein Marker für falsche Ernährung ist und das die wirkliche Ursache ist, dass man zu wenig Vollkorngetreide isst. Damit schafft man aber immer noch kein Argument für eine Paleo- oder LowCarb Ernährung, denn da ist Getreide verboten.

Im Film "Die Cholesterinlüge" wird als weiterer Risikofaktor das Carnitin gesehen, eine Substanz, die auch nur in Fleisch vorkommt und deshalb nach "Carne" italienisch/latein für Fleisch benannt wurde. Ich will nicht ausschießen, dass Cholesterin nicht das Hauptproblem ist sondern vielleicht das Carnitin und Homocystein und Cholesterin ist dann nur ein Marker, aber bis dato weiß man das nicht und es spricht absolut nichts dagegen seinen Cholesterinspiegel mit fettarmer, vollwertiger, pflanzlicher Nahrung zu senken, denn dann nimmt man gleichzeitig kein Carnitin auf und senkt sein Homocystein.

Und weil es immer wieder so schön ist, wird dann auf Dr. Goerge Mann verwiesen, der die Massai untersucht hat, die nur Milch und Blut essen und keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Die Massai werden, genau wie die Inuit immer wieder als Beispiel angeführt, dass Verzehr tierischer Produkte kein Problem darstellt. Das mag für die Massai und die Inuit zutreffen, aber nicht für Mitteleuropäer. Sowohl Massai als auch Inuit sind ein sehr kleiner genetischer Pool, anders als zum Beispiel die Amerikaner. Für die Massai weiß ich es nicht, aber bei den Inuit ist bekannt, dass sie über eine genetische Mutation verfügen, die sie besser mit dem Verzehr vieler tierischer Produkte umgehen lässt, als uns das gelingt. Solche Mutationen gibt es immer in Bevölkerungen, welche bis heute einen sehr kleinen genetischen Pool haben. Die Pima Indianer sind auch so ein Beispiel. Deren Gene kommen auf Teufel komm raus nicht mit westlicher Ernährung klar und sie haben die höchste Diabetesrate von allen Bevölkerungen auf der ganzen Welt. Solche Bevölkerungen mit Mitteleuropäern und Amerikanern zu vergleichen geht am Thema vorbei.

Dann folgt der Einwurf "Zucker" der ebenso einen Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben könnte. Hauptforscher ist hier Dr. John Yudkin, quasi der Gegenpol zu Ancel Keys. Yudkin starb 1995 85-jährig, was aber nichts heißen soll. - Nur weil Zucker schädlich ist, soll Fett gesund sein? - NEIN! - Zucker ist auch Scheiße und der Zuckerkonsum muss ebenfalls gesenkt werden. Keine Frage.

Und dann 1980, so der französische Allgemeinmediziner, entdeckte man Zufällig, durch einen Unfall dass man Cholesterin mit Medikamenten senken konnte. Erst kamen die Fibrate, die man heute nur noch zur Senkung von Triglyceriden verschreibt, auf den Markt und später die Statine. Über deren Nebenwirkungen werden hier nur Anekdoten erzählt. Klar ist, dass sie Muskelschmerzen bereiten können, aber es wird postuliert, dass sie, weil sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden können auch die Cholesterinsynthese im Hirn beeinträchtigen können und damit zu Demenz beitragen. - Diese These finde ich interessant, haben dazu aber keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen (noch nicht), denn das wäre ein weiterer Grund sein Cholesterin eben nicht mit Statinen zu senken, sondern mit der richtigen Ernährung.

Immer wieder schön ist auch die Geschichte der beiden Nobelpreisträger Joseph Leonard Goldstein und Michael S. Brown, welche den Cholesterinrezeptor entdeckten und dafür 1985 mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie ausgezeichnet wurden. Grundlage ihrer Forschung war ein 6-jähriges Mädchen, welches einen Herzinfarkt bekam, weil sie genetisch zu wenig Cholesterinrezeptoren besaß und damit einen zu hohen Cholesterinspiegel. Dieser Fall dient auch als Beispiel, dass Cholesterin per se ein Problem ist, wenn es das Blut nicht verlassen kann, weil keine Rezeptoren da sind (oder alle Rezeptoren bereits belegt sind, weil so viel Cholesterin da ist), die "Experten" in dieser Doku behaupten, das beweise doch gar nichts. Das sei wie Zebras mit Pferden vergleichen. Verstehe ich nicht...kann mir aber gerne jemand erklären...

Dann kommt der Kardiologe zu Wort, der darauf hin weist, dass vor 2005 noch viele Studien leicht gefälscht werden konnten und dass die Studienergebnisse, die man bei Einführung von Statinen vorlegen konnte, dass Statine die Inzidenz von Herz-Kreislauf-Ereignissen um 30% senken, man nach 2005 nie wieder reproduzieren konnte. Aktuell kann man durch Statine nur eine Besserung um 3% nachweisen (so Wikipedia) und auch das ist interessant. 3% ist zwar auch schon was, aber eben nicht sonderlich viel. Das spricht auch wieder dafür, dass Cholesterin nur so eine Art Marker ist, aber vielleicht nicht die Ursache. Vielleicht wird der Cholesterinspiegel mit Statinen aber auch nicht weit genug abgesenkt. Es gibt ganz klare Richtwerte die eingehalten werden sollen, je nach Krankheitsstadium und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die völlig aus der Luft gegriffen sind. Andererseit, Cholesterinsenker senken natürlich nicht das Homocystein und das Carnitin, was wieder für eine Ernährungsumstellung spricht.

Dann kommt man wieder auf mediterrane Ernährung zu sprechen und schlägt so den Bogen zum Französichen Paradox (was von der WHO sogar bestritten wird). Mediterrane Ernährung könne die Infarktrate um 50% senken. - Super! Dann guckt euch mal an, was die Ernährung von Ornish und Esselstyn kann!

Und nachdem das alles dann dargelegt wurde und der Film vorbei ist, werden alle "Experten" gefragt ob sie ihre Cholesterinwerte kennen. Die meisten kennen sie nicht und nur eine Person kann sie nennen, nämlich Sally Fallon von der Weston Price Foundation. Sie hat 189 mg/dl und liegt damit im erwünschten Bereich. Sie sagt dazu: "Ich wünschte, sie wären höher"

Zudem wird eingeblendet: "Setzen sie keine Medikamente ohne Rücksprache mit ihrem Arzt ab" - Die Filmemache wissen offensichtlich ganz genau, dass die damit eine Bombe in die Bevölkerung werfen und die Zuschaue sich jetzt alle weigern werden weiter Statine einzunehmen. Und was glaubt ihr passiert, wenn die zum Arzt rennen? Der Hausarzt wird ihnen erklären, dass es russisches Roulett ist, die Medikamente abzusetzen, sie werden versuchen müssen alle ihre Überzeugungskraft zu mobilisieren, um den Patienten davon abzuhalten und wenn sie sehr, sehr klug sind, gelingt es ihnen dann vielleicht den Patienten zu einer Ernährungsumstellung zu bewegen.

Ich habe mich wirklich unglaublich über diese Doku geärgert, die das selbe ist wie diese dämlichen Verschwörungstheorien der "Reichsbürger" oder der Leute, die behaupten dass die Amerikaner das Wetter mit Hilfe von Kondensstreifen kontrollieren oder der Leute die sagen der Klimawandel sei ein Witz, den die Chinesen erfunden haben, um die amerikanische Wirtschaft zu schädigen. Es gibt leider so unglaublich viele dumme Leute da draußen, die jeden Blödsinn glauben. Die Rohkost ist auch so ein Blödsinn. Leute, die nicht einschätzen können ob eine Info im Internet auf solider wissenschaftlicher Basis steht oder eben nicht. Dass ausgerechnet ARTE diese Doku ausgestrahlt hat, ist umso schlimmer, aber es betrifft eigentlich ca. 40% der Bevölkerung, die 40% die in den USA Trump wählen und die zu dumm sind irgendwas zu hinterfragen und zu durchschauen, nicht mal die offensichtlichsten Lügen. Meinetwegen kann jeder einzelne an seiner Unbildung zu Grund gehen, aber das schlimme ist, sie ziehen andere mit rein.

Ich wurde gestern gebeten mich zu einem YouTube Kanal eines ketogenen LowCarbers zu äußern, der angeblich auch Studien vorweisen kann um seine Behauptung zu stützen. Man kann mit Studien aber nicht LowCarb beweisen. Es geht nicht! - Allein schon die Tatsache, dass mit ketogenem LowCarb der pH-Wert des Bluts sinkt und damit die Sauerstoffbindung an die Erythrozyten negativ beeinflusst wird ist ein Faktor, dass man mit LowCarb zu wenig Ballaststoffe zu sich nimmt ein weiterer, dass man zu wenig Vollkorngetreide zu sich nimmt und damit hohe Homocysteinwerte entwickelt noch einer und dass man, wenn man nicht-vegetarisches LowCarb macht, auch einen hohen Carnitispiegel hat ein weiterer. - Das Cholesterin mal völlig außen vor gelassen...Es ist so traurig, dass es so kompliziert ist Leuten klar zu machen, dass sie solch einem Blödsinn aufsitzen und es ermüdet mich auch abgrundtief. Es ist eine Sisyphosaufgabe und das schlimme ist, wie bei der Rohkost, es kommen immer wieder neue Leute, die auf den selben alten Blödsinn rein fallen, den wir schon tausendfach dementiert haben.

Auch ARTE zeigte nach der Doku eine Diskussion zwischen diesem Kardiologen aus dem Film und einem deutschen Arzt, der es gefährlich fand, solche Behauptungen aufzustellen und kritisierte, dass es gar nicht stimme, dass man nach 2005 keine positiven Studien bezüglich Statinen und Inzidenz von Herz-Kreislauf-Ereignissen finden konnte. So nannte er z.B. die Hope 3 Studie als Beleg.

Diese Diskussion findet ihr hier:


Menü des Tages am 29. Oktober

Zucchini und Tomaten
Haferflocken mit Chia, Carob, Banane und Heidelbeeren


Trauben
Banane mit Mandelpüree
Laugenbrezel

Suppe mit Linsen, Kürbis, Paprika, Gewürzen


1 Banane mit Mandelpüree


Vollkornnudeln mit Zwiebeln und Shiitakepilzen


1 Honigmelone



Ich bin ja immer wieder schockiert darüber wenn Leute leichtfertig darüber hinweg gehen, dass sie einen Lebensstil pflegen, welcher sie zugrunde richtet und die Schädlichkeit einfach ignorieren. Das passiert mit Zucker, das passiert aber auch mit Fleisch. Seit der WHO-Erklärung im vergangenen Jahr, dass verarbeitetes Fleisch krebserregend ist, ist absolut nichts passiert. Nur gut, dass das Thema Sucht, einen Teil davon erklärt.

In Bezug auf Alkoholismus habe ich in einem Lehrbuch von dem CAGE-Test gelesen, mit dem man Alkoholismus diagnostizieren kann. Ich finde, man kann den ohne Probleme auf Zucker und Fleisch übertragen. Einfach das betreffende andere Wort einsetzen:

C (cut down): Haben Sie schon mal versucht, ihren Alkohol(Zucker/Fleisch)Konsum zu reduzieren?
A (annoyed): Haben Sie sich schon mal geärgert, weil ihr Trinken (Essen) kritisiert wurde?
G (guilty): Haben Sie schon mal Schuldgefühle wegen ihres Trinkens (Essens) gehabt?
E (eye operner): Benötigen sie manchmal Alkohol (Zucker, Fett) um morgens "in Gang zu kommen"?

Wenn zwei von den vier Fragen bejaht wurden, besteht Alkoholismus.

Alles Liebe,

Silke


Mittwoch, 26. Oktober 2016

Ernährung und Depressionen



Eine liebe Leserin hat mir einen Artikel zukommen lassen, von dem sie dachte, dass er mich interessieren könnt. Recht hatte sie.:-)

Es ist eine Rezension des kürzlich auf Deutsch erschienenen Buchs Die Wahrheit über weibliche Depression: Warum sie nicht im Kopf entsteht und ohne Medikamente heilbar ist der amerikanischen Psychiaterin Kelly Brogan MD. Sie beschäftigt sich hier besonders mit Frauen, weil diese weit häufiger an Depressionen erkranken als Männer und demnach auch öfter Antidepressiva verschrieben bekommen. Diesen soll man, so der Artikel, noch schwerer entkommen können, als Alkohol und Opiaten. Kelly Brogan setzt bei ihrer Therapie von Depressionen auf Lifestyle Maßnahmen wie Ernährungsumstellung, ausreichend Schlaf, Bewegung und Meditation. Als förderlich für die Entstehung von Depressionen sieht sie besonders einen hohen Blutzuckerspiegel, Entzündungen und einer dadurch gestörten Gehirnbiochemie und Störungen in den Hormonachsen. Sie soll in ihrem Buch diesbezüglich Studien aufzeigen und ich habe es mir deshalb dann auch sogleich bestellt.

Allerdings, wenn man sich ihre Website anschaut, fällt gleich das Wort Paleo ins Auge. - Ich weiß wirklich nicht, warum alle Leute, die die Schädlichkeit von Zucker erkannt haben, sogleich in das Paleo- oder LowCarb-Lager abdriften müssen. Laut des Artikels sieht Brogan bezüglich Ernährung die Probleme im Zucker, in den falschen Fetten, beim Gluten und Milchprodukten. Und streng genommen passt das auch zu Paleo. - Aber wieso sollte man Paleo machen wenn man auch zuckerfrei, mit der passenden Menge gesunder Fette ohne Gluten und ohne Milchprodukte leben kann? Die Challenge-Ernährung geht auch so?

Ich hatte erst kürzlich Diskussionen auf YouTube mit Paleo-Anhängern, die unter mein Weizenwampen- Video kommentiert haben. Sie haben angefangen sich nach Dr. Davis zu ernähren, und dann ging es bei ihnen gesundheitlich bergauf. Gefühlt jedenfalls. Ihren Cholesterinspiegel konnten sie mir nicht nennen. - Einen hohen Cholesterinspiegel spürt man aber nicht. Einen hohen Blutdruck auch nicht. Und deshalb ist in 15-50% der Fälle, je nach Literatur, der plötzliche Herztod das erste Anzeichen überhaupt, dass man eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat.

Eine Kommentatorin schilderte, ihre Autoimmunerkrankung sei viel besser, seit sie nach Dr. Davis lebe und ja, Gluten kann ein Problem bei Autoimmunerkrankungen sein, aber man muss das Gluten dann doch nicht mit tierischen Fetten ersetzen und in einen Herzinfarkt rennen!

In Ernährungsdingen gibt es kein schwarz-weiß, da gibt es alle möglichen Schattierungen von allem. Das Wort "gesund" sagt überhaupt nichts aus, weshalb ich schwer der Meinung bin, dass ein Arzt seinen Patienten nicht nur fragen sollte ob er sich gesund ernährt sondern wie genau diese "gesunde Ernährung" denn aussieht. Es gibt Menschen, die glauben LowCarb ist gesund. Dann stehen sie mit einem Cholesterinspiegel von 280 mg/dl beim Arzt, der Arzt fragt, wie der Patient sich ernährt und dieser sagt: "Ziemlich gesund". LowCarb ist aber nicht gesund. Paleo ist da schon besser, aber eben nicht das beste was man machen kann. Wenigsten sparen sie sich die Milchprodukte und essen viele unverarbeitete Nahrungsmittel. Und ich glaube nicht, dass man mit Paleo einen Cholesterinspiegel von unter 150 mg/dl bekommen kann, selbst wenn Paleo Erfinder Loren Cordain genau wie Esselstyn und Ornish, diesen als optimal anerkennt. Das wissen seine Anhänger aber gar nicht, weil das nicht in seinem Buch steht, sondern in einer Studie, an der er mitgewirkt hat. Wer mit Paleo optimale Cholesterinwerte hat, hat medizinisch meinen Segen, obwohl er natürlich dennoch über seine Carnismus-Mentalität nachdenken sollte sowie über seinen Beitrag zum Klimawandel.

Und dann war gestern Vorlesung Psychiatrie zum Thema Depressionen und es war ein Patient zugegen, der von seiner Depression erzählte. Diese wurde ausgelöst durch den Tod seines Lebensgefährten an einer Hirnblutung. Er fing daraufhin an viel Alkohol zu trinken, vernachlässigte sein Leben, bekam einen Herzinfarkt, hielt sich dennoch nicht an die Lebensstil-Empfehlungen bis es endlich Klick machte und er sich an die Psychiatrie wandte. - Für so jemanden sind derartige Empfehlungen, einfach nur die Ernährungsweise zu wechseln natürlich nicht das A und O. Für so jemanden ist Depression natürlich sehr wohl eine Krankheit, bei der wahrscheinlich ohne Antidepressiva überhaupt nichts geht. Jemanden der eh schon keinen Antrieb, keine Freude und keine Motivation mehr hat kann man nur sehr schwer dazu kriegen zu kochen und Sport zu machen. Präventiv sind derartige Ratschläge aber sicherlich sehe nützlich.

Ich nehme auch an, dass sich Dr. Kelly Brogan hier nur mit Personen befasst, die eine leichte bis mittelschwere Depression haben, welche auch Kathleen DesMaisons mit ihrem Programm Potatoes Not Prozac anspricht. Schwere Depressionen mit Selbstmordgedanken sind ein ganz anderes Thema.

Und last but not least heißt es in dem Artikel: "Frühere traumatische Erlebnisse (zum Beispiel aus der Kindheit) oder die Rolle des Unterbewusstseins, sind nicht Gegenstand ihrer wissenschaftlichen Untersuchungen." - Ich glaube nicht, dass man das komplett außen vor lassen kann oder sollte, denn Depressive haben auch, eine ganz bestimmte Denkweise, die sie irgendwann man erlernt haben. Vor allem katastrophisieren und generalisieren sie. Ein Buch, das Dr. Lisle mir im True North empfohlen hat ist Feeling Good: Depressionen überwinden, Selbstachtung gewinnen: Sich wieder wohlfühlen was sich ausschließlich damit beschäftigt, wie man genau diese Gedanken verändernt. Auch der Autor, Dr. David Burns, ist Psychiater.

Also, man kann bestimmt ne Menge mit Ernährung machen (allerdings besser nicht mit Paleo) mit ausreichend Schlaf und Ruhe und Sport, aber auch mit Achtsamkeit in Bezug auf seine Gedanken und Gefühle. Aber ob man den traumatischen Verlust eines Angehörigen damit überwinden kann? Oder sonstige Traumata?

Ich denke, in Anbetracht dessen, dass wir einen viel zu hohen Bedarf an Psychiatern und Psychotherapeuten haben und die Patienten ewig warten müssen, bis sie einen Therapieplatz bekommen, sollten die Menschen, die nicht wirklich essentiellen Bedarf an einem Therapeuten haben, vorerst versuchen mit Hilfe von derartigen Selbsthilfebüchern zurecht zu kommen. Ich hab in der Hausarztpraxis genug Leute gesehen, die wirklich dringend einen Platz brauchen und kenne persönlich zu viele Leute, die eigentlich auch alleine zurecht kommen sollten. Im übrigen sind Depressionen tatsächlich auch regelrecht eine Zivilisationkrankheit, vielleicht von Ernährung verursacht, vielleicht aber auch einfach nur, weil es uns zu gut geht. Der Teufelskreis der Lust lässt auch hier grüßen.

Menü des Tages am 25. Oktober 2016

Blumenkohl mit Tomate


Haferflocken mit Chia, Banane, Carob, Zimt, Weintrauben



Nudelpfanne mit Lauch, Pilzen, Chinakohl und schwarzen Bohnen
1 Banane

2 Kölsch

Äh, ja, ich habe nur 2 Mal gegessen. Essen war nichts so wichtig. Bei mir hat sich ganz schön was geändert durch meinen konsequenten Zuckerverzicht, durch die stressige Famulatur und tatsächlich auch dadurch, dass jetzt endlich mal interessante Vorlesungen in der Uni statt finden.:-) (Leider vergesse ich dadurch dann auch mein Essen zu fotografieren,...) - Da ist plötzlich ein Stimulus, der mir bisher im Leben gefehlt hat. Auch das ein wichtiger Faktor für Depressionen und Süchte: Wenn man sich den lieben langen Tag mit was beschäftigen muss, was einen von Natur aus eigentlich nicht sonderlich interessiert. Ein Depressiver sollte sich nicht nur mit seinen Gedanken und seiner Lebensweise auseinander setzen sondern auch damit, ob sein Job ihm Freude macht. - Das Medizinstudium ist so umfangreich, dass für jeden was dabei ist. Leider geht damit auch die Gefahr einher, dass manche Dinge nichts für einen sind...

Dankbarer Weise habe ich dann gestern auch endlich das OK für eine Doktorarbeit bekommen, die sich Gott sei Dank auch mit meinen Themen auseinander setzt. - 1,5 Jahre habe ich jetzt gebracht um was zu finden, weil ich unbedingt was zum Thema Sucht machen wollte und das war jetzt reiner Zufall. Das Thema ist Alkohol und Drogenmissbrauch bei minderjährigen Flüchtlingen aufgrund von posttraumatischem Stress zur Selbstmedikation in Anhängigkeit von der Religion. Das ist fast schon geisteswissenschaftlich, was mir liegt, es ist gesellschaftlich relevant, es bedarf keiner Tierversuche und es beschäftigt sich mit Sucht. Was lange währt wird hoffentlich endlich gut. - Das einzige was schwerer ist als eine Doktorarbeit zu bekommen, ist eine Filmrolle zu bekommen...außer dass es manchen Leuten, die sich nicht bemühen, einfach so zu fliegt...

Alles Liebe,

Silke


Samstag, 22. Oktober 2016

Die Weltgesundheitsorganisation und ihr Kampf gegen den Zucker



Die Uni hat diese Woche wieder begonnen, aber ich bin immer noch völlig überlastest von der Famulatur. Dafür zeigt sich, dass das 8. Semester, zumindest aus meiner Perspektive, das erste interessante Semester seit Biochemie ist. Dieses Semester stehen die Psychofächer an, worauf ich quasi schon seit dem ersten Kontakt mit Psychosomatik im ersten Semester warte. Psychosomatik war schon auf der Schauspielschule einer meiner Interessensbereiche und auch danach bei meiner Beschäftigung mit Louise L. Hay. Auch mein Deutsch-LK brachte mich wieder damit in Kontakt, da die deutsche Sprache voll ist mit Psychosomatik: "Das geht mir an die Nieren", "Das juckt mich nicht", "Ich hab Schiß", "Da bleibt mir die Luft weg" etc. etc...

Außerdem beschäftigen sich die Psychofächer mit Süchten. Diese Woche kam "Alkohol und Entzug" dran, es wird um Depressionen gehen, um ADHS und viele weitere interessante Sachen und plötzlich kann ich mich während Vorlesungen auch konzentrieren und schweife in Gedanken nicht ab, weil ich das Thema eigentlich für irrelevant halte, es aber lernen muss, weil es Klausurrelevant ist. (ADHS!!!) Cholesterin- und Blutdrucksenker zum Beispiel, sowie ihre Wirkmechanismen. Die Patienten sollen einfach fettarm, vollwertig und pflanzliche essen und dann brauchen sie weder diese Medikamente noch ihre Nebenwirkungen auf sich nehmen. - Nur wie kriegt man sie dazu? - Und hier kommen die Psychofächer und die Süchte ins Spiel und deshalb sind diese Dinge ungemein interessant für mich. :-)

Unterdessen hat die WHO dem Zucker den Krieg erklärt. Am 11. Oktober war Welt-Übergewichts-Tag und die WHO hat eine Stellungnahme abgegeben, wie von Staatswegen versucht werden soll den Zuckerkonsum einzuschränken. Darüber berichtete die Lancet in ihre aktuellen Ausgabe. Diese Stellungnahme beruht auf einer globalen Expertenmeinung sowie 11 systemischen Analysen. Und um mit guten Beispiel voran zu gehen, hat die WHO alle Verkäufe von Zuckergetränken in ihren Hauptsitzen verboten sowie erklärt, ab sofort auf Zuckergetränke bei jedwenden Veranstaltungen zu verzichten. Und ich finde, das sollte auch für alle Krankenhäuser gelten.

In der Hausarztpraxis war ein Patient mit Lungenkrebs, dem die Ärztin mal wieder gepredigt hat, er müsse das Rauchen einstellen. Das wollte er aber nicht. Seine Erklärung: Wenn Rauchen wirklich so ungesund wäre, würden ja nicht etliche Ärzte rauchend vor den Eingängen der Kliniken stehen.

Das Gesundheitswesen muss schon mit gutem Beispiel voran gehen, Ärzte, die Rauchen, sollten dies wenn dann heimlich machen, ohne Kittel und nur da, wo Patienten sie nicht sehen können. Noch besser ist, sie stellen sich ihrer Sucht und suchen sich professionelle Hilfe. Die wird von Krankenkassen angeboten und es gibt Medikamente, die man sich zur Rauchenetwöhnung verschreiben lassen kann. Das selbe gilt für Kuchen und Süßigkeiten sowie FastFood. So lange das in den Cafeterrien von Kliniken verkauft wird, können wir und den Kampf gegen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch gleich sparen!

Die WHO fordert zudem die Subvention von Obst und Gemüse sowie die Erhebung von Steuern auf ungesunde Nahrung. Außerdem soll verboten werden ungesunde Produkte, wie Saft und Schokomilch als "gesund" zu bezeichnen, wenn sie in Wirklichkeit Zuckerbomben sind. Die Richtlinien sollen dazu dienen, Regierungen zu ermutigen Zuckergetränke aus Schulen und Krankenhäusern zu entfernen und die Besteuerung von Nahrung zu ermöglichen welche Salz, Zucker und Fett enthält, sprich ungesund ist.

Und natürlich wird dazu aufgefordert diese Schritte dann auch wissenschaftlich zu evaluieren. So habe Neuseeland zum Beispiel bereits zuckerhaltige Getränke aus allen Krankenhäusern entfernt, was sowohl von Patienten, Anbietern und Regierung gut aufgenommen wurde, aber die Resultate kennt man bisher eben noch nicht.

Die WHO predigt sich also, genau wie ich, weiter den Arsch wund und keiner will es hören. Genau wie beim Fleischkonsum und seinem Krebspotential. Gegen Neuseeland ist Deutschland und auch die USA echt Entwicklungsland.

Und weil ich in meiner Freizeit derzeit nichts anderes mache als den Präsidentschaftswahlkampf zu verfolgen (es ist  nämlich wichtig, dass Leute im Weißen Haus sitzen, die wissen, wer Dr. Ornish ist) , habe ich mir ein Video angeschaut von "Dr. House" Darsteller Hugh Laurie bei der Late Show mit Stephen Colbert, der als Brite, zu seiner Meinung zum Wahlkampf gefragt wird. Und der kluge Mann sagt, dass doch faktisch kein einziger Amerikaner durch ISIS ums Leben kommen wird. Man sollte sich als Amerikaner nicht so von der Panikmache vor ISIS ins Boxhorn jagen lassen. Die meiste Amerikaner würde doch an Diabetes sterben, also wenn ISIS clever wäre, würden sie überall in den USA Doughnuts verteilen.;-)



Das selbe gilt für Deutschland. Wie viele Menschen sterben in diesem Land durch islamischen Terror verglichen mit Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. - Nachher geht ISIS noch hin und hält sich an die Empfehlungen der WHO und schafft es so die Weltherrschaft zu übernehmen! - Ups, ich hoffe nicht, dass hier Terroristen mit lesen, denn dann ist es vorbei mit der westlichen Rechtstaatlichkeit...;-)

Menü des Tages am 20. Oktober 2016

Brokkoli mit Tomaten


Haferflocken mit Chia, Zimt, Birne und Banane


2 vegane Lebkuchen

4 Scheiben Multikornbrot mit veganem Aufstrich

Einige Trauben
Eintopf aus Brokkoli, Blumenkohl, Paprika, rote Linsen, Vollkornreis, Gewürze

Ich war gestern im Bioladen und hab danach vergessen Fotos zu machen. - Ich habe jetzt im Bioladen mehrfach bei Verkostungen was Süßes gegessen und hatte das Gefühl, dass sich in meiner Reaktion darauf was verändert hätte. Etwa so als gäbe es diese "nicht Aufhören können" nicht mehr, denn ich konnte immer aufhören bzw. hatte irgendwann keine Lust mehr und nicht etwa nach 1000 Stück!

Es kann sein, dass ich gestern rausgefunden habe wieso.

Wie hatte eine Vorlesung zu Alkohol und Entzug von einem Kinder- und Jugendspychiater, der nebenbei erwähnte, dass alles, was mit neuronaler Prägung und Synapsenbildung zu tun hat, ca. 3 Monate in Anspruch nimmt, weshalb Entzüge auch etwa diese Zeitspanne brauchen. - Ich habe glaube ich 150 Tage oder so keinen Zucker gegessen und damit länger als 3 Monate. Allerdings habe ich in meinem ganzen Leben noch nie 3 Monate lang keinen Zucker gegessen. Noch nicht mal länger als 1 Monat. Vielleicht liegt es daran, dass es mir bisher immer so schwer fiel aufzuhören. Jetzt würde ich gerne Literatur diesbezüglich lesen...

Alles Liebe,

Silke


Sonntag, 16. Oktober 2016

Kohlenhydrate reduzieren Appetit, steigern das Immunsystem und wirken lebensverlängernd durch die Produktion von FGF21



Im heutigen Blogbeitrag sollte es eigentlich um den Gesundheitszustand von Hillary Clinton und Donald Trump gehen, bzw. um die jeweiligen Arztbriefe, die veröffentlicht wurden. Während im Fall Clinton ein "normaler" Arztbrief veröffentlicht wurde, in welchem Cholesterinwerte und Medikation erwähnt waren – sie hat eine Schilddrüsenunterfunktion und nimmt L-Thyroxin sowie B12, weil sie wahrscheinlich sehr oft mit ihrem Mann gemeinsam isst und hat einen Cholesterinwert von unter 200 mg/dl (Richtwert), was nur 5% aller Patienten in der Hausarztpraxis haben, in welcher ich soeben eine Famulatur abgeleistet habe. Im Arztbrief über Trump stand hingegen nur Geschwafel darüber, dass er sich hervorragender Gesundheit erfreue, keine Werte und auch sonst nichts medizinisches.?" - Der Arztbrief entsprach also genau seinem Regierungskonzept. Große Klappe, nichts dahinter...Ich bin immer wieder erstaunt wie viele Leute auf diesen König der Projektion reinfallen und warum scheinbar niemand, außer sein Ghostwriter checkt, dass alles, was er an anderen auszusetzen hat, genau das ist, was auf ihn selber zutrifft.

Aber dann tauchte eine verschollene FB-Freundin von mir wieder auf, ebenfalls Medizinstudentin, allerdings an einer anderen Fakultät und fragte mich: "Hast du schon was davon gehört?" mit einem Link zu einem Beitrag auf Univadis, der sich auf eine neue Studie in Cell Metabolisme bezieht und betitelt ist: Kohlenhydrate aktivieren lebensverlängerndes Hormon.(Man kann sich bei Univadis kostenlos einloggen und den Beitrag dann lesen)

Hier geht es um das Hormon FGF21 (Fibroblast Growth Factor 21) welches 2005 entdeckt wurde. Es ist in der Lage den Appetit zu zügeln, das Immunsystem zu verbessern und das Leben zu verlängern. So zeigen zumindest diverse Studien an Mäusen, wie diese Yale School of Medicine Studie.

Und immer wenn man ein Hormon entdeckt, was den Appetit zügeln kann und damit zur Schlankheit beiträgt, versuchen Wissenschaftler es synthetisch herzustellen und es dann einfach zu spritzen. So war das auch, als man das Appetitzügelnde Hormon Leptin entdeckt hat. Man dachte, das sei der Stein der Weisen nur um dann festzustellen, dass dicke Menschen bereits eine Resistenz gegen das Hormon entwickelt hatten. - Das ist die Krux bei der Regulation des Appetits durch das Belohnungssystem und Hormonen. Die Hormone sagen STOP und das Belohnungssystem sagt WEITER woraufhin der Körper resistent wird, gegen die Signale der Hormone. Deshalb sollte man keine hyperstimulierenden Nahrungsmittel verzehren.

In dieser neuen Studie hatte man Nagern 25 unterschiedlichen Diäten ausgesetzt und festgestellt, dass bei eine proteinarmen, kohlenhydratreichen Kost, die Produktion von FGF21 am größten ist.

Wenn man FGF21 hingegen in synthetischen (wahrscheinlich auch zu großen Mengen) spritzt, kommt es bei Mäusen zu einem Abbau der Knochensubstanz und damit zu Osteoporose. Quelle - Ich hege die Theorie, dass es auch hier, wie immer in der Biologie, um die perfekte Menge einer Substanz geht um die optimale Wirkung zu erzielen und diese Menge hat nun mal die Natur festgelegt.

FGF21 ist ebenfalls erforderlich um im Thymus die T-Zellen für die Herstellung der Immunität anzukurbeln. Je älter man wird, desto mehr schrupft der Thymus und wandelt sich in Fettgewebe um, was dazu führt, dass die Wahrscheinlichkeit, sich Infekte einzufangen, im Alter zunimmt. Die Wissenschaftler in Yale hoffen durch eine Steigerung von FGF21 das Immunsystem älterer Menschen und Krebskranker, die sich einer Knochenmarkspende unterziehen müssen, zu stärken. Ich nehmen an, auch Patienten mit HIV könnten von erhöhtem FGF21 proditieren.

Und das passt alles sehr gut zu allem, was wir bisher schon über eine fettarme, vollwertige, pflanzliche Ernährung wissen und erklärt auch, warum ich nie krank bin.;-) Wenn ich mir was ein fange ist es super-mild und nach wenigen Tagen vorbei. Krank geschrieben war ich noch nie in meinem Leben.

Nach 4 Wochen Hausarztpraxis habe ich beobachte, dass es Pi Mal Daumen 3 Krankheitskategorien gibt zu jeweils 30%:

1) Herz-Kreislauf/Diabetes/Adipositas/Metabolisches Syndrom

2) Infekte: Erkältung, Schnupfen, Nebenhöhlenentzündung, Mandelentzündung

3) Rücken-/Kopfschmerzen/Burnout/Depressionen

Und 10% sind dann noch irgendwelche skurrielen Sachen, die in keine Kategorie fallen. Krebspatienten oder Leute, die sich die Leber durch Alkohol oder Fett zerstört haben. Aber diese 90% der Erkrankungen der oberen 3 Kategorien werden verursacht durch 2 Dinge: Falsches Essen und Stress was wahrscheinlich auch ziemlich gut miteinander wechselwirk– und das kann der Patient selber in die Hand nehmen bzw. jeder einzelne von und kann darauf achten, dass es bei ihm nicht so weit kommt. - Der ein oder andere hat mich belächelt, weil ich nicht vollzeit als Arzt arbeiten will. Die letzten 4 Wochen habe ich vollzeit als Arzt gearbeitet und nebenbei im Bioladen und es waren schreckliche 4 Wochen. Wochen in denen ich über meine Grenzen gegangen bin, was ich wenigstens spüre - die meisten Menschen spüren es nämlich nicht und dann kommt die Psychosomatik ins Spiel. Niemand sollte so viel arbeiten müssen, dass er davon krank wird. Mal abgesehen davon, dass ein kranker Mitarbeiter keinem Unternehmen nützt und auch er überlastet auch nicht optimal arbeiten kann.

Meine Schwester, die, seit sie Mutter ist, nur noch 6 Stunden am Tag arbeitet, statt zuvor 7 Stunden sagte, sie kriegt in 7 Stunden auch nicht mehr Arbeit erledigt, als in 6 Stunden. Also, wozu das Ganze? - Außerdem wird eine Tätigkeit langweilig, wenn man sie zu viel machen muss. Ich gehe lieber Teilzeit als Arzt arbeiten und nebenbei in den Bioladen. Das macht das Leben wesentlich spannender.

Menü des Tages am 15. Oktober 2016

4 Tassen Kaffee

Brokkoli und Tomaten



Haferflocken mit Erdnussbutter, Apfel, Carob, Leinsamen, Zimt

Fertigsuppe mit Sojachunks
4 Scheiben Kraft-Ballast-Brot mit Tomate/Paprika, Senf und Avocado


2 Scheiben Kraft-Ballast-Brot mit Tomate, Avocado und Senf


Banane mit Mandelpüree


2 Kölsch

Ich hab in den letzten 4 Wochen, die Erfahrung gemacht, dass es essentiell ist, dass ich regelmäßig Wasser trinke. Wenn ich das nicht mache, meldet sich mein Belohnungssystem und will Kaffee, Alkohol, was Süßes oder Fett. - Und trinken ging nicht ausreichend. Statt der üblichen 3 Liter waren es meist nur 1-1,5l.

Früher hieß es immer bei Diäten solle man viel trinken, weil Wasser satt macht und den Magen füllt und weil es Giftstoffe ausspült. Ich glaube ersteres ist ausschließlich auf das Belohnungszentrum zurück zu führen. - Nicht trinken macht Gelüste.

Aber Gott sei Dank ist das jetzt vorbei. Morgen geht die Uni wieder los. Ich kann Kaffeee ausschleichen und konzentriere mich darauf nicht durchzudrehen wenn die Klausurphase beginng. Drückt mir die Daumen...

Alles Liebe,

Silke


Sonntag, 9. Oktober 2016

Über die Ineffektivität der Schulmedizin bei Zivilisationskrankheiten



Ich bin immer wieder entsetzt über die Diskrepanz zwischen schulmedizinischer Praxis und dem Plant-based Studien-Wissen. Ich habe schon mehrfach erwähnt, dass ich weitgehend den Respekt vor der Schulmedizin verloren habe, besonders in Anbetracht der Beobachtungen, die ich im True North machen durfte. Schulmedizin in der Bekämpfung von Zivilisationskrankheiten ist absoluter Schwachsinn. - Ist ja auch logisch, die Krankheiten werden ja durch die Zivilisation verursacht, deshalb heißen sie so.

Ich mache gerade meine Famulatur in der Hausarztpraxis und das raubt mir jegliche Energie für anderes. Das ist furchtbar und führt mich an den Rand depressiver Verstimmungen, weil sich mein Leben sinnlos anfühlt. Allerdings lerne ich unglaublich viel, was man für das Schulmedizinstudium wissen muss – leider ist dieses Wissen aber faktisch nichts wert. Man besteht damit Klausuren. Heilen kann man damit nicht. Nur helfen. Und ich bin entsetzt darüber, wie wenig dem Patienten vermittelt wird was die Ursache für die Erkrankung ist, also Diabetes, Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nämlich die Ernährung in der westlichen Welt.

Ich denke 95% aller Patienten, denen in der Praxis Blut abgenommen wird, haben einen zu hohen Cholesterinspiegel, nämlich einen über 200. Neuer Richtwert ist da übrigens jetzt 190 mg/dl. Und die Ärztin sagt jedem dieser Patienten, dass sie aus einem leicht erhöhten Cholesterinspiegel (200-250 mg/dl) nichts machen würde, so lange keine anderen Risikofaktoren bestehen. - Das sehe ich selbstredend völlig anderes, denn dieser hohe Cholesterinspiegel führt ziemlich wahrscheinlich irgendwann zu Bluthochdruck, und man muss es doch gar nicht so weit kommen lassen. Abgesehen davon haben auch schon Menschen mit einem Cholesterin von unter 200mg/dl einen Herzinfarkt bekommen. Geschützt ist man, laut Framingham Heart Study nur mit einem Cholesterin von unter 150 mg/dl. Das hat kein einziger Patient, den ich in den letzten 3 Wochen gesehen habe. Und die Ärztin wundert sich darüber, dass sie bereits Patienten in ihrer Praxis hatte, die absolut keinen Risikofaktor für Herzinfarkte aufwiesen, aber dennoch einen bekamen. Daher geht sie davon aus, dass noch andere Dinge, die man bisher nicht entdeckt hat, die Ursache für Herzinfarkte sind. Ich denke selbstredend, dass der Richtwert viel zu hoch ist. - Aber was will man machen? 100% der Bevölkerung Statine verschreiben???

Und dann kommt Dr. Greger wieder daher und macht ein Video darüber wie man nicht an Diabetes stirbt und zeigt eine Studie aus dem Jahr 1979 erschienen im American Journal of Clinical Nutrition in der 20 schlanke, insulin-abhängige Diabetiker auf eine Ernährung gesetzt wird welche viele Kohlenhydrate und Ballaststoffe enthält und es ihnen nicht ermöglicht Gewicht abzunehmen, damit man nicht sagen kann, dass die Gewichtsabnahme die Verbesserung beim Diabetes verursacht hat. In dieser Studie dauerte es 16 Tage (!!!) bis die Hälfte der Männer auf ihr Insulin verzichten konnte und ihr Cholesterinspiegel im Durchschnitt auf 145 mg/dl gefallen war. - Wie viele Jahrzehnte will man das den noch irgnorieren? - Schlimm genug, dass Ornish seit 25 Jahren ignoriert wird, aber diese Tatsache wird seit 40 Jahren und länger irgnoriert. Greger erwähnt auch eine Studie aus den 30er Jahren...

In Anbetracht dessen macht es leider überhaupt keinen Sinn die unterschiedlichen Klassen Anti-Diabetika auswendig zu lernen und die unterschiedlichen Klassen Blutdrucksenker und auch nur die Idee Statine zu verschreiben ist purer Schwachsinn. Meine Ärztin ist allerdings der Meinung, man müsse die Medikation an die Gesellschaft anpassen und nicht etwa die Gesellschaft ändern.

Mitunter hat sie damit leider auch Recht. Da saß ein Patient im Sprechzimmer mit hohem Blutdruck und Cholesterinspiegel, der fragte, ab er mit Ernährung was machen könnte. Sie ließ das Stichwort "Mediterrane Ernährung" fallen, woraufhin er sagte, er würde gerne rheinisch essen, also mit Wurst und Braten und damit war das Thema Ernährungsumstellung gestorben. Er war bereit Medikamente zu nehmen - Dabei ist mediterran noch nicht mal ansatzweise so effektiv wie plant-based!

In der selben Woche kam eine Frau in die Praxis, die in Tränen aufgelöst war, weil ihr Mann 3 Wochen zuvor an einem Herzinfarkt gestorben war. Er war einer der Patienten, die absolut nicht hören wollten. Er wollte nicht zum Arzt und auch nicht seinen Lebensstil verändern. Und die Frau sitzt jetzt da und leidet unter seinem Tod. - Wenn man es schon nicht für die eigene Gesundheit tun will, dann vielleicht wenigstens für seine Lieben, die sich um einen sorgen....

Also, ich werde bekloppt in dieser Gesellschaft! - Dr. Goldhamer hat mit meiner Zimmergenossin, die auch Allgemeinmedizinerin ist, über Patienten gesprochen und ihr gesagt, es gäbe nur ca. 5% Patienten, die man mit Ernährungsthemen erreichen könnte und sie würde sich unglücklich machen, wenn sie versuchen würde, alle 100% von einer Ernährungsumstellung zu überzeugen. Ihr Ziel war es, zumindest jedem Patienten die Option aufzuzeigen.-  Es soll auf die Dauer aber unerträglich werden, die Unwilligkeit von Patienten zu ertragen.

Und deshalb bin ich gerade unglücklich, gestresst und genervt. Ich finde mein Leben zum kotzen wenn es so ist und ich werde die Schulmedizin maximal in Teilzeit ertragen können. Gestern war ich im Bioladen arbeiten und hatte die dankbare Aufgabe einfach nur Regale einräumen zu dürfen, was ich sehr gerne mache, weil es so meditativ ist und es einem erlaubt, sich mit seinen Gedanken zu beschäftigen. Ich habe nämlich  tatsächlich 3 Wochen lang nicht die Zeit gehabt mal ausgiebig zu denken. Auch das macht mich schwer unglücklich. Und jetzt wird mir klar, warum Ärzte scheinbar nie über den Tellerrand hinaus denken. Sie haben keine Zeit dafür.

Und obwohl meine Ärztin sich unglaublich Zeit für mich und die Patienten nimmt, und ich viel klausurrelevantes lerne,  mache ich drei Kreuze, wenn die Famulatur vorbei ist. Sie schlägt auf mein Gemüt. Ich freue mich lieber an den phantastischen Blutwerten der Mitglieder der Raus-aus-der-Lustfalle-Gruppe, als mich permanent über die schrecklichen Werte in der Gesellschaft zu ärgern...

Menü des Tages am 8. Oktober 2016

Brokkoli und Tomaten


Haferflocken mit Leinsamen, Banane, Birne, Carob, Zimt


Eintopf vom Vortag
Lovechock Kakaonibs

Süßkartoffel, Erbsen, Möhren, Schalotten, Chilisauce, Salz


Und in Anbetracht all dieser Stressoren, werdet ihr auch kommende Woche leider nichts von mir hören. Mir fallen auch keine Themen ein, wenn ich nicht die Zeit habe mal in aller Ruhe zu denken. Aber ich bin fest entschlossen, es in meiner beruflichen Zukunft nicht so weit kommen zu lassen, dass ich 70 Stunden die Woche arbeiten muss, nicht zum Reflektieren komme, das Joggen ausfallen lassen muss , meine Wohnung unterdessen verwahrlost und ich von Tag zu Tag unglücklicher werden und dennoch kein Menschenleben retten kann. So sollen andere Mediziner leben, wenn sie das wollen...

Ich meine wir haben zu wenig Ärzte.- Oder aber, wir haben zu viele Patienten. Billiger wäre die Patieten abzuschaffen und 50% davon wird man mit einer fettarmen, vollwertigen, pflanzliche Ernährung los. Es wird verdammt nochmal Zeit, dass das irgendjemand checkt, der in Schlüsselpositionen sitzt.

Aber vielleicht braucht es dafür dann doch eine "First Lady" Bill Clinton, der durch die Welt reist und nebenbei bei Staatsbanketten allen Politikern der Welt erzählt, dass vegane Ernährung sein Leben gerettet hat. Der Welt sei es zu wünschen!

Alles Liebe,

Silke