Sonntag, 29. September 2013

Schock - schwere Not: Blutzucker!



Ich hab in den letzten Wochen im Krankenhaus beim Zuckermessen immer wieder mal zwischendurch meinen eigenen Blutzucker gemessen um mal zu gucken, wie der sich über den Tag vertreilt entwickelt. Dabei stellte sich raus, dass er sich immer zwischen 85 und 88 bewegt, egal ob die letzte Mahlzeit 1, 2 oder 3 Stunden  her war. Diabetes hat man ab einem Nüchternblutzucker von 125. Viele Patienten hab trotz Antidiabetika und Insulin einen Blutzucker von 150-300, was schon mal erschreckend ist.

Heute früh habe ich verschlafen. Ich hab wohl vergessen meinen Wecker zu stellen und bin um 6:02 Uhr selbstständig wach geworden. Um 6 Uhr war Dienstbeginn. Dabei habe ich dann die Gelegenheit genutzt auch mal meinen Nüchternblutzucker zu messen, da ich keine Zeit mehr hatte zuhause zu frühstücken. Dennoch war das kein echter Nüchternblutzucker, da ich wie bekloppt in die Pedalen meines Fahrrads getreten habe um rechtzeitig im Krankenhaus zu sein und körperliche Aktivität sorgt nun mal dafür, dass Glykogen freigesetzt wird um dem Körper über das Blut Glucose als Energie zur Verfügung zu stellen. Außerdem habe ich, im Krankenhaus angekommen, in Ermangelung von Grüntee einen Kaffee getrunken. Mein "Nüchternblutzucker" war 88.

Aber jetzt kommts: Da ich kein Essen dabei hatte, war ich auf die Nahrungsmittel zum Frühstück angewiesen, die es im Krankenhaus eh gibt. Also habe ich folgendes um ca. 8:30 Uhr gefrühstückt:

2 Graubrot, dünn mit Butter bestrichen und Diätmarmelade
2 Bananen
1 Weißmehlbrötchen mit Magerquark und Marmelade
1 Kaffee

Um 11 Uhr ging ich wieder rum und habe bei den Patienten Blutzucker gemessen und auch interessehalber bei mir selber. Ich hatte einen Wert von 110! Nie zuvor gesehen. Ich dachte mich trifft der Schlag und gleichzeitig war das das Selbe, was ich immer bei den Patienten beobachte, wenn ich vor dem Mittagessen Blutzucker messe. Das Krankenhausfrühstück treibt den Zucker in ungeahnte Höhen!!!
Warum, zum Geier, geben die denen solches Essen? Soll denen Diabetes angefüttert werden? Stecken alle in den Klauen der Pharmaindustrie? Wo soll denn das hin führen?

Ich bin gestern an einem alten Wahlplakat der SPD vorbei gefahren auf dem stand:

Weg mit der Zweiklassen-Medizin: Bürgerversicherung wählen!

Ich sag euch eins: Es gibt keine Zweiklassenmedizin. Alle Diabetiker werden gleich schlecht behandelt. Die Reichen und die Bettelarmen. In manchen Krankenhäusern gibt es für manche Privatpatienten jedoch nachmittags Kuchen. Möglichweise auch ein Indikator dafür, dass man sich Privatpatienten krank halten will...

Jedenfalls geh ich davon aus, dass mein Körper einen Blutzucker von etwa 85 für optimal hält, wenn er so viel Glykogen in mein Blut frei läßt, wenn ich nichts gegessen habe, aber Energie brauche z.B. zum Fahrradfahren.

Barnard hat wieder mal absolut Recht! Nahrung mit niedrigem glykämischen Index gibt den Zucker viel langsamer und damit gleichmäßiger an das Blut ab und sorgt so dafür, dass immer Energie zur Verfügung steht. Die Bauchspeicheldrüse wird nicht übermäßig belastet und so kann sie kontinuierlich niedrige Mengen Insulin produzieren.

Wir haben ja den 180 kg-Mann auf Station liegen und der hat regelmäßig einen Blutzucker von 300. Er kann sich kaum bewegen und daher sind seine Zellen völlig insulinresistent. Er kam mit entgleistem Diabetes zu uns und spritzt sich in aller gegelmäßigkein horrende Einheiten Insulin, was total sinnlos ist, da es eh nicht von den Muskel- und Leberzellen, die ja resistent sind, angedockt werden kann. Für ihn gibt es nur die eine Möglichkeit "Gemüsetage" zu machen, damit sich irgendwas bessern kann. Die verweigert er aber, obwohl ich immer weiter auf ihn einrede und ihn gestern auch schon so weit hatte, dass er zustimmt. Da das Diabetesschulungsperson aber am Wochenende frei hat, konnte ich ihm die Zustimmung nicht gleich erfüllen.


Wenn man aber Nahrung mit niedrigem glykämischen Index isst, hat man auch nicht diesen Insulinüberschuss und das hat den Vorteil, dass Insulin, das Speicherhormon, nicht auch noch alle anderen Sachen, neben der Glucose einspeichert. Z.B. Fett. Der Typ spritzt sich Insulin, was die Muskel- und Leberzellen nicht aufnehmen können, seine Fettspeicher sind aber nicht von Insulinresistenz betroffen und so wird er fetter und fetter...

Also: Esst kein Weißbrot, keinen Zucker, keine Marmelade. Ein schneller Blutzuckeranstieg führt auch zu einem schnellen Abfall und dann ganz schnell wieder zu Hunger. Und wenn man dann wieder mit Weißmehl und Zucker anfängt, wenn man Hunger hat, führt das in einen Teufelskreis. Es gibt jedoch eine einzige Ausnahme: Nudeln. Selbst Weißmehlnudeln haben einen niedrigen glykämischen Index von 50. Dafür aber keine Ballaststoffe und daher ist es auch bei Nudeln besser Vollkorn statt Weißmehl zu verwenden...

Menu des Tages am 28. September

Buchweizenknuspis, Rosinen, Mohn, Leinsamen, Banane, Sojamilch und Stevia



Vollkornbrot mit Carobella
5 Pflaumen

135 g gekochte Linsen mit Sojasauce
1/2 Zimtcupcake
1 St. Hafer-Zitronenkuchen (misslungen, daher kein Rezept)

29 g veganer Mozzarella

Salat aus Reis, Paprika, Feldsalat, Zwiebel, Sellerie, 1 TL Olivenöl, Apfelessig, Salz, Pfeffer, Wanderlust-Gewürz, Stevia


1 Bonbon

Mit Grauen sehe ich den nächsten 2 Wochen entgegen, bis das Pflegepraktikum vorbei ist. Mein Urlaub im Bioladen geht nämlich heute auch zuende und ich muss die nächsten 2 Wochen beides machen. Und auch noch meinen Geburtstag am Donnerstag vorbereiten, wo es natürlich keinerlei Fertignahrung gibt, und ich muss Theaterflyer verteilen... Ich fürchte Sport muss ich komplett ausfallen lassen und wie viel ich bloggen kann, weiß ich auch noch nicht...Am 11. Oktober bin ich dann entgültig FREI!

Gestern gab's 2000 kcal, die Nährstoffbilanz war mittelprächtig. Ich bin immer noch dabei eher den Kühlschrank und den Vorratsschrank zu leeren, als darauf zu achten, dass ich alle Nährstoffvorgaben des Cronometers erfülle. Ist suboptimal, geht aber gerade nicht anders. Auf der Waage war ich nicht...Hab verschlafen...

Alles Liebe,

Silke

Freitag, 27. September 2013

Pharmakologie und Käse...



Es ist vollbracht. Mein wissenschaftliches Projekt ist abgegeben. Und mal wieder bin ich schwer erstaunt darüber gewesen, wie sympathisch mir der Prof. ist. Erstaunt bin ich, weil der Mann von Haus aus Pharmakologe ist und ich eine heimliche Angst hege, dass er mir Handschellen anlegt, weil ich Krankheiten ohne Medikament aber mit Essen heilen will. - Tatsächlich ist das aber gar nicht so. Vielleicht, denke ich, ist es aber auch gerade umgekehrt: Er weiß um alle Nebenwirkungen, die Medikamente haben, und ist daher an Alternativen interessiert. Bei unserem ersten Treffen, letztes Jahr, erzählte er, dass er normalerweise keine wissenschaftlichen Projekte betreue, aber meines würde ihn interessieren. Außerdem forscht er ja auch daran, wie man mit Spirulina Heuschnupfen heilen kann...

Ach so, kleiner Exkurs Medikamente:

Ich hatte etwas Freizeit im Krankenhaus und es standen gerade fast alle Medikamente, die wir im Haus haben, auf dem Schreibtisch des Schwesternzimmers. Also habe ich mir mal den Beipackzettel des beliebtesten oralen Diabetesmedikaments überhaupt, Metformin, durchgelesen. Nebenwirkungen sind hauptsächlich eine Schädigung der Nieren, aber auch Schwindel und noch ein paar Dinge mehr.
Wir erinnern uns: Die Nurses Health Study hat gezeigt, dass bereits geschädigte Nieren, durch tierisches Eiweiß weiter geschädigt werden. Und das ist wirklich schräg, da zum einen hoher Blutzucker die Nieren schädigt, aber auch das Medikament dagegen das gleiche macht! Wenn nun ein Diabetiker weiter Fleisch isst und weiter sein Metformin schluckt ist so oder so früher oder später die Konsequenz Nierenversagen und weiterhin Dialye.
Wir erinnern uns weiter: In der Niere wird Vitamin D zu Calcitriol, seiner aktiven Form, umgewandelt und ist wichtig damit sich Kalzium in die Knochen einlagern kann.
Was folgt also aus Nierenschädigung: Osteoporose. Gleichzeitig übersäuert tierisches Eiweiß den Körper und es wird ebenfalls Bicarbonat aus den Knochen abgebaut um das Blut in seinem neutralen pH-Wert zu halten...Und so zieht das Ganze einen Rattenschwanz an Problemen nach sich (und das ist bei jeder Krankheit so) der ein Körperteil nach dem anderen schädigt und irgenwann ist man kaputt. Nimmt 1000 Medikamente gegen 1000 Zipperlein und stirbt trotzdem daran. Super oder? - Letztes Jahr hatte ich einen Patienten, der durch den Schwindel, den Metformin verursacht, nicht mehr Fahrrad fahren konnte, daher trieb er keinen Sport mehr, was zur Folge hatte, dass er auch mit Sport seinen Typ-II-Diabetes nicht mehr verbessern konnte. Auch das: Super oder?
*Ironiemodus aus*

Naja, zurück zu meinem Treffen mit dem Prof. Er bat mich mal kurz zusammen zu fassen, was Barnard denn genau macht, um Typ-II-Diabetes durch Essen in den Griff zu kriegen. Ich hab acht gegeben auf meine Wortwahl, nix über vegane oder pflanzliche Ernährung erzählt, sondern bin darauf eingegangen, dass Barnard vor allem das Fett in der Ernhrung reduziert und so das intramyozelluläre Fett, das Fett in den Muskelzellen, beseitigt, welches die Zellen insulinresistent macht. Der Prof bezweifelte daraufhin, dass das ginge, weil unser Körper ja die wunderbare Fähigkeit hat fast alle Moleküle in fast alle anderen Moleküle umzuwandeln und natürlich auch Fett selber herzustellen welches er auch einlagern kann. Da hatte er Recht, daran habe ich bisher nicht gedacht und das Argument, dass Glucose ja wesentlich schlechter und weniger effiktiv in Fett verwandelt werden kann als Fett aus der Nahrung, fiel mir in dem Moment nicht ein. Der Prof. räumte aber gleichzeitig ein, dass wenn es bei Barnard in Studien funktioniert hätte, dann solle es wohl so sein.
Was mir aber einfiel war vom Diabetes-Schulungsteam bei mir im Krankenhaus zu erzählen, die ja mit exakt der selben Ernährung für 3 Tage die Insulinresistenz knacken. Davon hatte der Prof. der im ersten Semester Diabetes an der medizinischen Fakultät unterrichten noch nie gehört. Das fand ich schon ziemlich bitter Er wusste nur, dass Sport das  intramyozelluläre Fett beseitigen und so die Insulinresistenz verbessern kann - Was er mir dann aber zeigte war ein Artikel aus irgendeinem Ärzteinformationsblatt in welchem stand, dass eine Gewichtsreduktionsdiät in Studien keinerlei Auswirkungen auf Typ-II-Diabetes und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen gehabt hätte. Also habe ich nachgefragt was genau das für eine Ernährung gewesen sei. Das wußte er auch nicht. Stand nicht drin in dem Artikel. Keine Prozentsätze an Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate, keine Angaben über komplexe oder einfache Kohlenhydrate, keine Angabe über gesättigte oder ungesättigte Fett. Der Prof sagte: "Wenn eine Ernährungsumstellung eh keine Wirkung zeigt, dann gibt es auch keinen Grund die Patienten damit zu quälen" - Ich hab es ihm abgenommen, dass er es wirklich nicht besser wusste. - Dass Diabetsberater ohne  Hochschulstudium es besser wissen als ein Professor der genau diese Krankheit unterrichtet...Und dieses Blatt war möglicherweise von der Pharmaindustrie selber rausgegeben...

Jedenfalls liest er es jetzt, was wahrscheinlich für alle Beteiligten eine gute Sache ist, und ich vermittele weiter zwischen den Instanzen des Gesundheitssystems: Der Uni, der Diabetikerschulung und bald auch dem Leiter der Inneren unseres Krankenhauses, der ja immerhin "Angina Pectoris" an der Uni unterrichtet, in der Diabetikerschulung vor Arteriosklerose warnt und gleichzeitig auf seiner Station tolleriert, dass Schweinebauch serviert wird...Irgendwie hat es noch nicht überall Klick gemacht. Mich begeistert immernoch am meisten das Diabetesschulungspersonal, wobei die wahrscheinlich noch mehr auf den Suchtcharakter von Lebensmitteln eingehen müssten um die Menschen mehr zu bewegen.

A propos: Eine Leserin schickte mir vor ein paar Wochen schon einen Link zum Blog eines Arztes, eines Endokrinologen aus Wien, der seit Dezember darüber bloggt, wie er 365 Tage zuckerfrei leben will. Das ist unter diesem Aspekt vielleicht auch sehr interessant.

Menu des Tages am 26. September

Buchweizenknuspis mit Sojamilch, Linsen, Leinsamen, Pflaumen, Nektarine, Mohn, Zimt, Stevia, Rosinen


1 Paranuss
3 Grüntee
2 weiße Pralinen à la Attila

Rohkost-Brownie
8 g veganer Mozzarella




Marinierter, roher Kohlrabi mit Vollkornnudeln


1 Banane

1 Banane
Vollkornbrot mit Zucchini-Paranuss-Hummus
Möhrenschnitze

Ich hab veganen Mozzarella gekocht weil eine Teilnehmerin meines Workshops zu mir sagte: "Wenn du einen Käseworkshop machen würdest, würde ich sofort wieder kommen!" - Veganer sind versessen auf Käse, weil die Erinnrung daran, irgendwie noch so schön ist. Weiß heißt, irgendwie: Käse enthält eine große Menge an Kasomorphinen und auch die machen süchtig und glücklich. Kasomorphine tragen auch in Muttermilch dazu bei, dass das Baby beim Stillen gleichzeitig beruhigt wird. Auf Kasomorophine werde ich aber an ander Stelle nochmal eingehen.

Als ich am Wochendende aber auch Barnard Breaking the Food Seduction: The Hidden Reasons Behind Food Cravings---And 7 Steps to End Them Naturally nochmal gelesen habe, besonders das Kapitel über Käse, welcher vor allem auch viele tierische Fette enthält, häufig sogar mehr als Fleisch damit auch viele Kalorien und ein Schlaganfall- und Herzinfarkrisiko birgt und eben auch die Kasomphine, wurde mir klar, dass ich wirklich einen Käseworkshop anbieten muss und habe Rezeptideen zusammengesammelt. Veganer Mozzarella war die erste Umsetzung. Und der schmeckte wirklich wie Mozzarella, wird fest, zerläuft bei Hitze und hat nur 2/3 der Kalorien und des Fetts von herkömmlichem Mozzarella. Tolle Sache also!

Aber auch ich musste beim Essen denken: Irgendwas fehlt...Es war nicht der Geschmack, nicht die Konsistenz, nicht das Mundgefühl...es war der Kick. Der Kasomorphinkick. Das ist wie wenn man Kräuterzigaretten raucht. Man raucht, aber es kickt nicht. - Scheiße, wir hängen echt voll dran...An all den Suchtmitteln.

Da man sich aber nicht nur der Substanzen entwöhnen muss sondern sich auch in Verhaltensweisen umgewöhnen muss, sind vegane Käse dennoch eine gute Idee. Ich denke mir also noch mehr aus...

2000 kcal, Nährstoffe recht ok, 30% Fett, heute auf der Waage 59 kg. C'est la vie...

Alles Liebe,

Silke

Donnerstag, 26. September 2013

Einführung: Nahrungsmittelsucht...



Gestern habe ich im Krankenhaus zum ersten Mal einen Arzt sagen hören:

"Sie können nicht immer nur alles auf die Ärzte schieben, sie müssen auch mal selber was tun"


Diese Worte kamen von dem Arzt der so nett war einen Mann, der 222 kg wiegt "stämmig" zu nennen und er befand sich gerade im Gespräch mit Ehefrau und Tochter eines 180 kg Mannes, die ebenfalls beide sehr "stämmig" sind. Ich hab mich hinter der Tür versteckt und gelauscht...

Dabei schilderten Frau und Tochter wie sie schon mehrfach versucht hätten ihn zu Bewegung und Diät zu bewegen aber alle Versuche seien gescheitert. Der Mann würde dann cholerisch werden und sie anschnautzen, kurze Zeit später täte es ihm leid und er würde sich entschuldigen. Dabei seien beide schon, er und seine Frau, dann in Tränen ausgebrochen. - Wenn sich das nicht alles wie Sucht anhört, weiß ich es auch nicht. Wie ein Streit in einer Alkoholikerfamilie...

Kommen wir also zur Sucht. - Mich erreichte gestern die E-Mail einer Leserin, die sich sehr wohl bewußt war, dass sie zuckersüchtig ist, die sich aber ein Leben ohne Schokolade nicht vorstellen kann und will. Deshalb möchte ich an dieser Stelle etwas klar stellen: Eine Sucht nach bestimmten Nahrungsmitteln ist um Längen nicht so ausgeprägt wie Sucht nach Zigaretten z.B. Sie machen nicht so schnell süchtig wie diese. Es ist auch nicht so wie bei einem Alkoholiker, der, selbst wenn er trocken ist, immer noch ein Alkoholiker ist und keinen Rückfall erleiden darf.

Bei Nahrungsmitteln geht es viel mehr darum sich aus den Fängen der Verführung zu befreien, sich aus der Sklaverei zu lösen und ihnen die Macht zu nehmen so dass man sie dann später wieder als Genußmittel verwenden kann, sie einen aber nicht krank und dick machen. Am Genuß, per se, ist nämlich nichts falsch.

Das Belohnungszentrum im Hirn hat einen Sinn. Es belohnt uns, wenn wir unsere Art erhalten. Es macht uns schöne Gefühle beim Sex, aber auch schon während eines Flirts. Auch dann, wenn ein unerwarteter Leckerbissen auf unserer Zunge landet. In allen diesen Fällen wird Dopamin ausgeschüttet und das Gehirn speichert die Erinnerung daran. Da liegt die Wurzel allen übels - also, allen Essensübels.

Unsere Nahrungsmittel sind so verarbeitet dass sie fast automatisch eine Dopaminausschüttung bewirken, und wie das bei Drogen so ist, braucht man auf die Dauer immer mehr.

Hinzu kommt etwas, was Barnard auch in Dr. Neal Barnard's Program for Reversing Diabetes: The Scientifically Proven System for Reversing Diabetes Without Drugs berichtet. Es scheint Menschen zu geben, die, womöglich genetisch bedingt (vorstellbar wäre aber auch, dass es ein Rezeptorproblem wie beim Diabetes geben könnte), weniger Dopaminrezeptoren besitzen als andere. Das sind die Personen, die besonders suchtgefährdet sind. Sie brauchen mehr von dem Stoff um das Selbe zu spüren, wie jemand anderes mit weniger Stoff. Für Otto Normalverbraucher reicht ein Stück Schokoladenkuchen aus um optimale Glücksgefühle zu haben. Für jemanden mit zu wenig Dopaminrezeptoren müssen es 3 Stück Kuchen sein.

Barnard hat seine Diabetesstudienteilnehmer auf die Anzahl der Dopaminrezeptoren hin untersucht und festgestellt, dass sich unter ihnen besonders viele mit zu wenig Rezeptoren befanden. Die Menschen sind also nicht ausschließlich selber schuld an ihrem Übergewicht und ihrer Krankheit sondern werden von Transmittern und Rezeptorem dazu getrieben einfach immer mehr zu essen als jeder andere. Das hatte für Barnards Studienteilnehmer auch zur Folge, dass die Gewichtsabnahme durch reine Fettreduzierung und vegane, vollwertige Ernährung nicht so hoch war wie bei den Menschen die eine normale Anzahl an Dopaminrezeptoren haben.

Zurück zum Krankenhausalltag. Aufgrund dieser Süchte und der dadurch bedingten Unwilligkeit der Patienten ihre Ernährung umzustellen, haben Ärzte resigniert. Sie erwähnen es schon gar nicht mehr. Sie wissen aber auch nicht konkret das Verhalten des Patienten als Sucht zu benonnen. Es wird eher als mangelnde Disziplin, "wie kann man sich nur so gehen lassen" oder Dummheit abgetan. Und ich glaube, auch der Patient spürt das...

Ich war in meinem Leben schon 25 kg schwerer und niemand hat mir dafür so viele Vorwürfe gemacht, wie ich mir selbst. Ich hatte keine Krankheiten - Diabetes, Schlaganfallrisiko, Herzinfarkt oder was auch immer und daher hat niemand an mich appeliert Gewicht zu verlieren. Jemand der 200 kg wiegt hat aber auch schon länger mit sich gehadert, als ich es jemals tat. So ein Gewicht isst man sich über Jahrzehnte an, Jahrzehnte macht man sich selbst Vorwürfe und über Jahrzehnte machen einem die Ärzte Vorwürfe. - Vorwürfe sind aber NIE gut und NIE das richtige Mittel. Nirgends im Leben. Weder im Umgang mit sich selbst noch mit irgendwelchen anderen Menschen.

In meinen Augen ist daher das fehlende Glied hier ganz klar die Erkennung der Biochemie in diesem Zusammenhang. Welche Transmitter lösen hier was aus und warum greift man aus biochemischen Gründen zu welchem Nahrungmittel. Und das sollte den Patienten auch erklärt werden, damit sie weniger Schuld mit sich rumtragen, denn die führt ja wieder nur zu Frustessen. Und das ist der Grund warum ich es mir und euch hier erklären will, was da passiert. Ich hab zwar drüber gelesen, aber es auf die Schnelle erklären, dass ein Patient es versteht, kann ich nicht. Bei Diabetes kann ich das jetzt und das führt zu sehr befriedigenden Patientengesprächen.

Was also tun, wenn man nach Zucker, Schokolade, Käse oder Fleisch süchtig ist? Wie kann man das überhaupt erkennen? Wie wird man süchtig?

Ich merke nach mehreren Tagen hintereinander mit Kaffee, dass ich eine tägliche Lust darauf entwickele. Mit Schokolade geht es mir auch so. Auch mit roher! Zum Beispiel habe ich letzte Woche jeden Tag Schokolade in Form eines Brownies gegessen. Das hatte zur Folge, dass ich am Sonntagabend plötzlich feststellte, dass ich Lust auf Schokolade habe - bei meinem Vater gab es aber keine. Das, meine Lieben, war eine Entwicklung zur Sucht. Plötzlicher Heißhunger darauf und ein fast unwiderstehlicher Drang danach. Mit Kaffee geht mir das auch so: 3 Tage mit Kaffee und ich habe Appetit darauf. Hauptsächlich in Momenten, wo ich müde bin, was bei zu langem wach sein durch vorherigen Kaffee natürlich automatisch passiert. - Gleichzeitig konnte ich am Wochenende aber auch beobachten, dass das einmalige Kaffeetrinken am Sonntag, mich nicht in die Fallen der Versuchung geführt hat. Ich bin nicht kaffeeabhängig, daher kann ich "mal" Kaffee trinken. Ab Montag gab es wieder grünen Tee. - Und tatsächlich habe sogar ich genau das mit Käse an mir beobachtet. Der Bioladen hat nämlich Käseverkostungen an denen ich schon Mal genascht habe. Wenn ich das 2-3 Tage hintereinander mache, entwickle ich einen Heißhunger auf Käse. Schon bei nur 2-3 Würfeln Käse.

Um das zu durchbrechen sollte man, ich schätze Mal, 3 Monate ohne das Nahrungmittel verbringen wonach man süchtig ist und es durch Alternativen ersetzten. Fleisch durch Fleischersatz, Käse durch veganen Käse, Zucker durch Stevia und Schokolade durch Carob. Ich habe es nicht bewußt ausprobiert, aber das scheint mir ein Zeitraum zu sein der bei bereits lange andauernden Sucht ausreichen sollte um daraus auszusteigen.

Früher Mal habe ich mir sowohl Fleisch als auch Käse nicht bewußt und auch nur schleichend abgewöhnt. Aber ich weiß auch noch wie schwer das war. Was genau die suchterzeugenden Substanzen sind und wie sie wirken, werde ich in den nächsten Tagen/Wochen noch erörtern.

Menu des Tages am 25. September 2013

Buchweizenknuspis, roh, mit Sojamilch, Kokosmilch, Rosinen, Apfel, Banane, Mohn, Leinsamen und Stevia


3 Grüntee
2 weiße Pralinen à la Attila
1 Paranuss

200 g Sojajoghurt mit Vanille und Stevia
1/2 Banane
1 Rohkost-Brownie





Süßkartoffel, gebacken, mit Salz, Kokosöl und "Wanderlust"-Gewürz von Herbaria



210 g Sushi
1 Scheibe Graubrot

Das war Scheiße gestern! - Viel zu wenig Gemüse, meine Mineralstoffe und Vitamin waren fast alle zu weit unten. Ich hab nur gerade das Problem, dass ich den Kühlschrank leeren muss. Ich hab Geburtstag nächste Woche und brauche Platz Dinge zu lagern und unterzubringen, sonst wird das nichts. Zumal ich natürlich auch jeden Tag ins Krankenhaus muss.

Aber eine erstaunliche Erfahung war es trotzdem, da es eindeutig klar macht wie
schlecht ernährt der Rest der Bevölkerung ist. Man braucht täglich eine große Gemüsemahlzeit. Am besten einen Salat oder, als zweitbeste Wahl, eine Gemüsepfanne. Alles andere geht nicht!!! Wer das nicht isst, hat verloren. Morgens, mittags und abends Weißmehlprodukte mit Fleisch und Milchprodukten geht überhaupt garnicht!!! Das kann nicht ausdrücklich genug erwähnt werden.

Für meinen Geburtstag steht übrigens folgender Plan: Kein Weißmehl, kein Zucker, kein Koffein. Wein erlaubt. Ich will nicht am 4. Oktober so einen Durchhänger haben, wie nach dem McDonald's Schokoladenkuchen. Ach ja, a propos, gestern zuföllig bei Facebook gefungen ein Artikel aus dem Express darüber das Zucker so giftig sei wie Nikotin und Heroin. Na, herzlichen Glückwunsch!

Alles Liebe,

Silke

Mittwoch, 25. September 2013

Alles nur die Suchtfalle?...



4 Wochen des Pflegepraktikums sind rum und 14 Schichten habe ich noch vor mir. Ich fange an mental die Tage abzuhaken und sehne mich danach, dass es vorbei ist. - Und dennoch habe ich auch gestern wieder krasseste Erfahrungen gemacht.

Die erste Geschichte ereignete sich, als ich in einem der Zimmer ein Bett abziehen musste und am Fernsehen eine Berichterstattung über die Rücktrittswelle bei den Grünen gezeigt wurde. Das kommentierend erzählte ich einem Patienten, der auf diesem Zimmer liegt, einem regelrechten "Stammgast" von uns, dass ich schwer für eine Abschaffung der Massentierhaltung bin. Die Antwort des Patienten darauf war:

"Und was sollen wir dann essen?"


Darauf erörterte ich, was ich gestern hier erörtert habe. Dass eine Abschafftung der Massentierhaltung zu weniger Zivilisationskrankheiten führen würde, dass dadurch die Volkswirtschaft angekurbelt würde und daher schwarz-grüne eine hervorragende Lösung wäre, die Probleme in diesem Land zu beseitigen. Auch das größte Problem: Das völlig kranke Gesundheitssystem. Je mehr Leute krank sind, desto schwerer ist es dieses umzugestalten. - Und da fast alle Patienten Zivilisationskrankheiten haben, wäre die Abschaffung der Massentierhaltung ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Es gab aber auch Erfolge!  Ein Patient kam auf mich zu und sagte. "Sie hatten Recht!Ich hab jetzt darauf bestanden morgens Schwarzbrot zu kriegen und keine Brötchen mehr und seitdem ist mein Blutzuckerspiegel viel niedriger" - Das ging allein durch das Schwarzbrot so weit, dass die Medikamente für diesen Patienten zu stark geworden sind, worauf das Krankenhaus damit reagierte indem es ihm Traubensaft oder Dextro gibt. Ich habe ihm gesagt er solle auch darauf bestehen, dass seine Medikation reduziert wird, nicht sein Blutzucker durch Gabe von Traubenzucker der Medikation angepasst. So krank geht es da nämlich zu. Und dieser Patient hat einzig und allein sein Brot ausgetauscht. Was mit noch mehr Veränderungen zu bewerstelligen ist, weiß er noch gar nicht. Mit ihm habe ich nie über Barnard gesprochen-
Dass im Krankenhaus überhaupt Weizenbrot aufgetischt wird, statt Röggelchen ist auch so eine Sache die mich wahnsinnig macht. Weizen hat den höchsten glykämischen Index und sogar bei Vollkornweizen ist der noch tierisch hoch. Der Patient beklagte sich bei mir zudem darüber, dass die Schwarzbrotscheiben viel zu dünn seien und das Graubrot, welches er dazu bekommen habe, sei dick und zum Großteil aus Weißmehl. Das alles ist wirklich zum Mäuse melken...

Der größte Klops kam dann gestern Nachmittag im wahrsten Sinn des Wortes. Der Patient wurde schon bei der Übergabe beim Schichtwechsel angekündigt, nämlich ein Koloss von über 200 kg. Das ist dann der Dritte den wir von dieser Sorte auf Station haben.

So schwer übergewichtige Menschen machen uns riesige Sorgen und zwar nicht nur wegen ihres Gesundheitszustandes. Das Problem ist das Krankenhausequipment. Die Betten tragen, ebenso wie die OP-Tische, nämlich nur bis 250 kg. Kürzlich erst ist uns die Hydraulik eines elekrischen Bettes durch eine so schwer übergewichtige Person kaputt gegangen.

Fettsucht macht uns aber auch die Pflege zur Katastrophe besonders, weil wir auf diabetische Füße spezialisiert sind. Wenn ein 200 kg Mensch an seinen Füßen operiert wird, darf er sie lange Zeit nicht belasten, was zur Folge hat, dass er nicht ins Bad kann. Nur leider schafft es eine 60 kg-Person wie ich auch nicht eine 200 kg-Person auf eine Bettpfanne zu wuchten oder auch nur zu drehen. Daher wurde überlegt dem Patienten eine Katheter zu legen, aber auch das ist so schwer, dass es nicht eine Person alleine machen kann. Da muss einer den Katheter legen und der andere muss die Fettschürze hoch halten, damit überhaupt gearbeitet werden kann. Männer von einem solchen Kaliber können auch keine Urinflasche benutzen, weil sie mit den Händen nicht mehr bis zu ihren Genitalien kommen. Ist das nicht furchtbar?

Naja, der Patient kam und ich durfte dem Arzt bei der Wundversorgung und Aufnahme assistieren. Stellte sich raus, dass beide Füße so entzündet waren, dass es zu einer Blutvergiftung gekommen war. Außerdem, so der Arzt, steht der Patient kurz vor einem Schlaganfall, wenn er nicht schläunigst anfängt Blutverdünner zu nehmen. ASS sei aber viel zu schwach. Die Schwester stöhnte gestern Abend auf: "Soooo viele Medikamente nimmt der?!"

Der Mann hat alles, was man sich so an-essen kann. Er ist regelrecht kaputt gegessen. Seine Fußknochen sind komplett zertrümmert, weil die Blutgefäße im Fuß durch Zucker geschädigt und durch Arteriosklerose verstopft sind und die Knochen nicht mehr durchblutet wurden. Augrund seines Körpergewichts sind die Knochen einfach zusammengebrochen.

Und dann gestern Abend beim Abendessen klingelte dieser Patient. Ich ging hin und der sagte zu mir: "Ich denke, für zwei Scheiben Brot ist das ein bisschen wenig Wurst" - Ich war schwer am überlegen was ich sagen sollte, da der Arzt jedenfalls keine Anstalten gemacht hat, dem Patienten irgendwas zum Thema Ernährung zu sagen. Der Arzt war sogar so vorsichtig ihn "stämmig" zu nennen und nicht fettsüchtig, was per Definition zutrifft.

Meine Antwort war: "Ich denke Wurst ist ungesund.;-) Legen Sie statt dessen die Gurken drauf." Patient: "Gurken mag ich aber nicht" - Daraufhin hat er geschmollt...

Da ich am Wochendende Barnards Breaking the Food Seduction: The Hidden Reasons Behind Food Cravings---And 7 Steps to End Them Naturally nochmal gelesen habe, ist die einzige Erklärung, die ich für all das habe, was ich im Krankenhaus beobachte folgende: Sucht

Essenssucht ist nicht so stark wie Sucht nach Zigaretten, Drogen und Alkohol, aber sie ist klar vorhanden wie jeder weiß der seine Erfahrung mit Kaffee An- und Entwöhnung hat oder wer sich beim Vegan-werden schon mal Käse abgewöhnt hat. Ich denke zudem: Die Sucht läßt Ärzte und Diabetespersonal nicht so weit gehen zu sagen, dass komplett auf tierische Produkte, Weißmehl und Zucker verzichtet werden soll.

Folgende Überlegung: Es wäre eine Raucherstation, aber alle Ärzte, Schwestern und Beträuungspersonal rauchen auch, haben aber noch keine Krankheit davon bekommen oder keine die so schlimm ist, dass man ins Krankenhaus muss. Es gibt aber Medikamente, die die Schäden des Rauchens eindämmen und den Patienten weiter rauchen lassen würden. Ich finde in diesem Szenario erklärt sich ganz klar, dass nur deshalb nicht durchgegriffen wird, weil die Heiler selber betroffen sind. Klar, fokussiert man sich dann auf Medikamente!

Plan für die nächsten Wochen für dieses Blog ist also: Ich fasse nochmal zusammen, mit allem drum und dran, warum Schokolade, Zucker, Käse und Fleisch süchtig machen, über welchen Mechanismus, welche Transmitter und Hirngebiete davon betroffen sind und wie man da wieder raus kommt!

Menu des Tages am 24. September

Rohkost Buchweizenpfannkuchen mit Reissirup (heute im Newsletter)


50 g grüne Linsen
3 Grüntee

1 roher Brownie
1 Banane
1 weiße Praline nach Attila
1 Pflaume
glutenfreies Sojamilchbrot mit Zucchini-Paranuss-Hummus

Salat aus Rucola, Zwiebel, Kartoffel, Möhre, Salz, Senf, Pfeffer, 1 TL Olivenöl, Majoran


210 g Sushi
1 Banane
riesiger Krankenhaussalat

In dem Zimmer mit unserem neuen Koloss, liegt ein weiterer Koloss, ebenfalls ein 200 kg Mensch, der ebenfalls "Gemüsetage" verweigert hat. Barnard schreibt in Breaking the Food Seduction: The Hidden Reasons Behind Food Cravings---And 7 Steps to End Them Naturally, dass eine Studie durchgeführt wurde in welcher den Teilnehmern 1000 $ angeboten wurde, wenn sie 1 Woche auf Fleisch verzichten. Nur jeder Vierte hat sich darauf eingelassen. Auch das wieder ein demonstratives Zeichen, dass wir es hier wirklich mit Sucht zu tun haben. Dass die Sucht jedoch viel milder ist, hat auch den Nachteil, dass sie nicht wirklich als Sucht wahrgenommen wird.

Seit Jahren rede ich mit meinem Vater über Kaffee. Kaffee, per se nichts wirklich schlechtes, macht aber süchtig, wenn man ihn jeden Tag trink. Sehr schnell. Nach 2-3 Tagen hintereinander, will man sofort jeden Tag welchen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung und aus Schilderungen meiner Leser. Mein Vater ist fest davon überzeugt, dass er Kaffee auch bleiben lassen könnte. Komischerweise macht er es nicht, auch nicht angesichts von Schlafstörungen. Ich hab ihm also auch erzählt was Barnard schreibt, dass die Halbwertzeit von Koffein 6 Stunden sei und dass die Hälfte des Koffeins einer Tasse Kaffee am Nachmittag noch beim Einschlafen im Blut ist. Jetzt hat mein Vater angefangen nur morgens früh Kaffee zu trinken und nimmt sich zur Arbeit koffeinfreien mit. Jetzt schläft er besser.

Ein weiterer Patient gestern, der trotz Blutdrucksenker immernoch einen zu hohen Blutdruck hat, erzählte mir, nachdem ich ihm riet mal zu versuchen Salz und Kaffee zu reduzieren, dass er koffeinfreien Kaffee nicht mag. - Auch da brauchte es wieder medizinische Argumentation: Geschmacksknospen leben, laut medizinischer Fakultät Köln und Histokurs, nur 12 Tage. Dann werden sie erneuert. Rein geschmacklich muss man also nur 12 Tage lang durchhalten um sich umzugewöhnen. Das hat ihn wieder offen dafür gemacht Koffein wegzulassen.

Aber worauf wollte ich hinaus: Ich hab den Salat der Gemüsetage zum Abendessen essen dürfen. Eine wunderbare Mischung diverser Rohkost mit einem fettarmen, veganen Dressing mit nur 13 Kalorien und es schmeckte richtig gut. Die Patienten dürfen dazu auch immer noch Brot essen. - Aber wer nicht will...da kann man dann auch nichts machen. Außer vielleicht sich cleverere Argumentationswege zu überlegen, was ich mir gerade vornehme...

Alles Liebe,

Silke

Dienstag, 24. September 2013

Die echte Alternative für Deutschland...



Als am Sonntag Abend in der Elefantenrunde Jürgen Trittin die Worte "Herzlichen Glückwunsch, Frau Merkel" und "Abschaffung der Massentierhaltung" quasi in einem Satz von sich gab, wurde ich regelrecht euphorisch, weil mir plötzlich klar wurde, was eine schwarz-grüne Koalition in Deutschland bewirken könnte und warum das ganz und gar kein Widerspruch ist, auch wenn Kleingeister einfach nicht in der Lage sind zu erkennen, wie sich Schwarz und Grün gegenseitig befruchten könnten. - Ich glaube nicht, dass es zu einer schwarz-grünen Koalition kommt, aber ich träume schon seit 20 Jahren davon und zwar aus einem Grund wie diesem:

Eine Abschaffung der Massentierhaltung würde Fleisch unglaublich teuer machen. Da Fleisch (und alle tierischen Produkte) einer der Hauptübeltäter bei Diabetes und der absolute Schuldige bei Herzkreislauferkrankungen ist, täte es dem deutschen Volk gut, weniger davon zu essen. Eine Abschaffung der Massentierhaltung würde auch die Qualität des Fleisches, welches noch gegessen wird, verbessern.

Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass falsche Ernährung der Volkswirtschaft schadet, wenn ich nicht im 2. Semester Medizinische Soziologie belegen hätte müssen. Der Staat ist nämlich an kranken Menschen ganz und gar nicht interessiert. Kranke Menschen kosten Geld! Sie belasten das Gesundheitssystem, leeren die Kassen, können nicht arbeiten gehen und schaden dadurch ihrem Unternehmen und am schlimmsten von allem: Sie zahlen keine Steuern, während sie krank sind. Die Diabetes-Schulungsabteilung wurde mit Geldern aus dem Konjukturpaket II finanziert, weil der Staat der Diabetiker überdrüssig ist.

Würden also die Grünen in einer Koalition mit der CDU für eine Abschaffung der Massentierhaltung argumentieren, dass dies der Volkwirtschaft nütze, könne man ganz gemütlich aufeinander zu rücken.

In Anbetracht dessen, dass die Grünen eh keine Themen mehr haben, nachdem der Atomausstieg gegessen ist, wäre es für sie vielleicht wirklich an der Zeit sich nicht nur den Tier- und Umweltschutz auf die Fahne zu schreiben, sondern auch den Menschenschutz mit in ihr Parteiprogramm aufzunehmen. Anhand des Themas Massentierhaltung kann man besonders gut erkennen, das die drei Themen zusammenhängen. Die Grünen könnten sich auch dafür stark machen Zucker und Weißmehl zu rationieren statt sich mir einem Veggie Tag, der eine reine Bevormundung der Bürger ist, stark zu machen.

Und anhand meines Bioladen-Chefs, der in den 70er Jahren angefangen hat über die Dörfer zu tingeln und 15 unterschiedliche Bioprodukte zu verkaufen und der jetzt ein europaweit operierendes Biounternehmen führt, kann man erkennen, dass sich Ökologie und Ökonomie überhaupt nicht ausschließen müssen. Sowohl die Grünen als auch die CDU müssen nur mal anfangen etwas quer zu denken und Gemeinsamkeiten dort suchen, wo sie bisher noch nie hingeguckt haben.

Wenn dann durch angekurbelte Volkwirtschaft durch weniger Kranke ordentlich Geld in den Kassen ist, könnte die schwarz-grüne Regierung anfangen die richtigen Bioproduzenten zu subventionieren und gesundes, leckeres Essen auch für die ärmeren Bevölkerungsschichten erschwinglich machen, was zu noch weniger Kranken und noch mehr Wirtschaftwachstum führen würde. Toll, oder? Und davon profitiert dann ganz Deutschland. Wir könnten leben wie im Schlaraffenland!

Ich habe 4 Tage lang ohne Kalorienbeschränkung gelebt und wurde am Freitagabend krank. Hab mir ne Erkältung eingefangen, durch die Überlastung im Krankenhaus. Oder psychosomatisch gesprochen:
Ich hab die Nase voll!

Gemerkt habe ich es schon am rauhen Hals, Freitag Abend, an dem ich mit Kommilitoninen verabredet war. Meine Hirse-Penne mit Basilikumpesto, Cocktailtomaten und Oliven kam super an, genau wie das Bananen-Tiramisu, welches ich auf Silkes Süßen veröffentlichen werde. Eine Kommilitonin, die normalerweise kein Tiramisu mag, sagte, das sei das erste, das ihr schmecken würde!








Bei meinem Vater gab es auch wieder alles vegan, außer, dass ich Honig in meinen Tee gegeben habe, welcher einfach großartig bei mir funktioniert, wenn ich erkältet bin. Was offensichtlich immer nur dann vorkommt, wenn ich Pflegepraktikum machen muss! War letztes Jahr auch so.

Das ist eine Zumutung! Ich komme mir vor wie versklavt!

Heute geht's wieder los. 10 Tage am Stück, dann 3 Tage frei und nochmal 5 Tage am Stück. Dann ist es vorbei und ich brauche nie wieder als Krankenschwester arbeiten. Was im übrigen eh sinnlos ist, da dort kein einziger Mensch geheilt wird. Ich hab also Grund, die "Nase voll" zu haben.

Alles Liebe,

Silke

Freitag, 20. September 2013

Krankenhauswahrheit...




Gestern war der erste Tag, so weit ich mich erinnern kann, dass ich vor lauter Überarbeitung keine Lust auf Bloggen hatte, also habe ich es gelassen. Jetzt liegen 12 Tage am Stück hinter mir und ich sage euch, das sollte verboten werden!!! So ist es kein Wunder, wenn Pflegepersonal die höchste Rate an psychischen Erkrankungen hat. Statt dessen kriegt mein Bioladen Negativpresse weil Überstunden gemacht werden müssen. Das sind mir die Richtigen. Ich jedenfalls arbeite lieber 6 Tage, habe 1 Tag frei und dann wieder 6 Tage, als 12 Tage durch und dann 3 Tage frei. Das macht völlig bekloppt.

Zudem habe ich heute aus erster Hand erfahren, dass es Absicht ist, dass genau das Essen serviert wird, was serviert wird. Die Leute sollen das Essen kriegen, was sie zuhause auch kriegen und ihre Medikation wird dementsprechend angepasst. Es wurde mir gesagt, ich solle keine Diabetesberatung durchführen, das würde die Patienten nur verwirren. - War mir eigentlich klar, dass das früher oder später kommen würde aber ich habe mal die Chance genutzt so lange ich konnte.

Ich denke aber eher, dass das Krankenhausessen die Leute verwirrt. Viele essen zuhause nämlich durchaus Schwarz- oder Roggenbrot und sind dann im Krankenhaus entsetzt darüber, dass ihr Blutzucker so hoch ist. Ich finde, die Patienten werden für dumm verkauft aber das sind sie nicht. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer das ist, im Ernährungsdschungel seinen Weg zu bahnen und wie verwirrt man aufgrund all der gegensätzlichen Aussagen sei kann. Ich fürchte jeder muss da irgendwie seinen Weg finden. Vielleicht bleibt aber irgendwas hängen von dem was ich gesagt habe, am besten einfach die Worte: Gabel statt Skalpell. Wenn auch nur einer der Patienten sich die Mühe macht das zu googeln, ist schon viel gewonnen.

Außerdem habe ich heute mit dem Leiter der Schulungsabteilung gesprochen, der mir erzählte, dass diese 3 "Gemüsetage" schon ausreichend würden, um die Insulinresistenz zu knacken. Danach bekommen die Leute Diabetikeressen, sollen fettarm essen und Sport treiben. Ich fragte: "Ja, aber kommt dann die Insulinresistenz nicht zurück." Da musste er einräumen, dass das auf längere Zeit schon so sei, wenn die Leute nicht fettarm, ballaststoffreich und wenig tierische Fette essen, sowie sich bei Süßem nicht zurückhalten.

Warum geht keiner hin und sagt den Leuten: "Hören Sie, mit einer derartigen Ernährung werden 3/4 aller Studienteilnehmer, die so gegessen haben binne 2-3 Wochen von ihren Medikamenten befreit!"?

Auch hier ist das Ziel, ähnlich wie ich bei dem Cholesterinflyer schrieb, dass die Leute zwar schon besser essen sollen, aber auch immer noch auf Medikamente angewiesen sind. Wieso??? Alles nur die Pharmalobby??? Das kann doch nicht das Ziel von Heilung sein?

Heute traf ein neues Opfer einer weiteren Zivilisationskrankheit im Krankenhaus ein. Ein Patient mit Teerstuhl. Das ist tiefschwarzer Stuhlgang, der auf Blut im Darmtrakt hindeutet. Der Patient musste ganz viel abführen, hat eine Darmspiegelung bekommen und das Ergebnis davon war Darmkrebs. Auch diese Krankheit absolut typisch für zu hohen Fleischkonsum. Auch das lehrt die Uni und auch das schon im ersten Semester. Er soll jetzt operiert werden, vielleicht Chemo aber auf jeden Fall flüssige Kost. Ich hoffe nur, dass sie ihm nicht flüssiges Fleisch verabreichen, damit auch er möglichst das essen kann, was er zuhause isst...

Menu des Tages am 19. September


Haferflocken, Sojamilch, Kokosmilch, Cranberries, Mango, Zimt, Stevia, Mohn

1 Riegel Ombar dark
3 Grüntee

5 Pflaumen
1 rohen Brownie
Milchbrot mit Zucchini-Paranuss-Hummus







2 Scheiben Milchbrot und rohe Apfel-Möhren-Suppe


2 St Weiße Schokolade nach Attila

Salat aus Eisbergsalat, Tomate, geröstete Kichererbsen, Zwiebel, Rotweinessig, Olivenöl. Majoran


Heute 57,4 kg. Das läuft wirklich wie geschmiert. Außer, dass ich jetzt Wochenende habe, heute Abend mit Kommilitoninnen verabredet bin und morgen zu meinem Vater fahre. Es wird gegessen...

Bereits gestern hätte ich meine Tage kriegen sollen, aber dem war nicht so. Meistens bin ich ja zu früh dran, zu spät eigentlich nie. Ich schätze, das hängt mit dem Stress zusammen. Das Krankenhaus ist körperlich und psychisch tödlich.

Für heute Abend wurde ich gebeten was Leckeres mitzubringen. Die Gastgeberin schrieb: "Du lebst doch vegan und ich lerne gerne dazu" ;-) Naja, nicht so ganz. Ich mache Bananen-Tiramisu, roh, und bringe Nudeln, rohes Basilikumpesto, Tomaten und Oliven mit. Außerdem veganen Weißwein. Ich freue mich sehr mal anderes Gesichter und eine andere Umgebung zu sehen. Aber ich krieg die Krise, wenn ich morgen früh wieder um 3:30 Uhr wach werde...

Ja, und dann habe ich Milchbrot gebacken, inspiriert durch meinen Patienten, der Diabetiker ist und glutenintollerant. Das Rezept, welches ich erfolgreich veganisiert habe, ist aus einem Buch meiner Mutter und besteht aus Vollkornreismehl, Sojamilch, Salz, Reissirup, Hefe und Leinsamen. Ich habe in dem Rezept einfach Kuhmilch durch Sojamilch und Ei durch Leinsamen ersetzt. Funktionierte einwandfrei und war auch ziemlich lecker. Natürlich nicht so weich und fluffig, wie Aldi-Milchbrötchen, aber 1000 Mal gesünder. Vollkornreis hat einen glykämischen Index von 50. Leider glaube ich nicht, dass ich den Patienten jemals zum Backen kriege...

Alles Liebe,

Silke

Mittwoch, 18. September 2013

Die Krankenhausessen-Theorie...



Ich denke, ich hab heute rausgefunden, warum das Krankenhausessen so mies ist. Ich hörte es munkeln, dass die Leute im Krankenhaus möglichst das gleiche Essen kriegen sollen, wie sie zuhause auch essen. Dann kann man ihre Medikation so einstellen, dass ihr Blutzucker gut reguiert ist.

Ist das in irgendeiner Weise sinnvoll?

Es wird immer so große Stücke darauf gehalten, dass der Mensch den freien Willen hat das zu konsumieren, was er konsumieren möchte. Egal wie ungesund: Zucker, Weißmehl, Zigaretten. Der Staat sollte nicht darüber entscheiden, was das Volk verzehren darf.

Hier aber, passiert genau das Selbe: Statt Aufklärung wird einfach projiziert, was die Menschen wohl zuhause essen und ihnen genau das vorgesetzt: Schweinebauch mit Kartoffeln, Joghurt und einen Keks zum Dessert. Und niemand macht sich die Mühe den Leuten zu erklärem, dass sie von genau diesem Essen ihren Diabetes bekommen haben! Die freite Wahl zwischen Krankheit und Ernährungsumstellung wird ihnen nicht gelassen. Genau wie Barnard schreibt: Die Patienen waren sauer, dass ihnen keiner gesagt hat, was sie tun könnten, ihren Diabetes in den Griff zu kriegen.

Es gibt da aber eben auch Patienten, die zuhause viel besser essen, weil sie schon seit Jahren Diabetiker sind und bereits an sich gearbeitet haben und die sind darüber übenso entrüstet wie ich. Der einzige mit stabilem Blutzucker ist der, von dem ich gestern geschrieben habe, der jegliches Krankenhausessen verweigert und sich alles von seiner Frau mitbringen läßt. Schockierend!

Statt den Leuten mal zu zeigen wie es richtig (richtiger) gehen würde, wird noch schlimmeres Essen aufgetischt, als sie zuhause bekommen und die Patienten sind völlig verwirrt über diese Widersptüche!

Ein Patient kam gestern ganz neu. Erstmalige Diagnose von Typ-II-Diabetes. Der hat noch keine Ahnung von irgendwas und ist ein unbeschriebenes Blatt. Dem hab ich alles erzählt was ich weiß, gesagt was er essen soll, was gut ist, was schlecht und das so einfach gehalten wie es ging: Viel Obst und Gemüse, Vollkorn, wenig Fleisch, wenig Fett. Schußendlich, eigentlich weiß es wirklich absolut jeder, der schon mal ne Bildzeitung in der Hand gehabt hat, was gesund und was ungesund ist. Er sagte, das würde eine echt große Umstellung für ihn werden. Seine Frau koche gerne gut und deftig, Braten mit Sauerkraut etc. Ich hab ihm von dem Gabel statt Skalpell-Kochbuch erzählt, dass das alles superlecker sei und wenn seine Frau Lust am Kochen hätte, würde ihr das vielleicht Spaß machen. Er hat es sich sofort notiert. Und ich habe ihm gesagt, er solle sich bloß kein Beispiel am Krankehausessen nehmen. Sein Blutzucker war nach dem Frühstück so hoch, dass es zur Ketoaszidose kam. Der Arme...Bereit sein Essen zu ändern, aber er weiß nicht wie. Keiner sagt's ihm...

Er soll eh wahrscheinlich in die Schulung kommen und da wird ihm vielleicht ein bisschen was beigebracht. Einer, bei dem ich hoffe, dass es noch nicht zu spät ist...

Menu des Tages am  17. September

Kürbis Porridge


3 Grüntee
2 Weiße Pralinen à la Attila

Schokoladenkuchen
Kürbis Porridge

Curry-Tofu-Scramble


rohes Brot mit Zucchini-Paranuss Hummus (heute im Newsletter)


1/2 Zucchinibrownie

Kürbis Porridge
etwas Curry-Tofu-Scramble

Ich hatte vergessen, wie viel Fett Tofu hat, in der Zeit in der ich ihn kaum gegessen habe. Waren gestern auch wieder 30% Fett trotz all der Haferflocken im Porridge: 2020 kcal, 79 g Eiweiß (auch der Tofu) und mit den B-Vitaminen tat ich mich etwas schwer. Ich muss mehr Salat essen.

Gestern war ein Test im "Vorkochen". Ich habe vom Oatmeal und vom Tofu-Scramble größere Portionen gekocht, um was in Reserve zu haben, da das Krankenhaus mir ja doch recht viel Zeit raubt. 10 Tage am Stück habe ich hinter mir... Das einzig Gute: Man nimmt ab. 57,5 kg waren es heute früh. Das Krankenhaus ist einen Kalorienverbrennungsmaschine.

Alles Liebe,

Silke

Dienstag, 17. September 2013

Diabetes + Glutenintolleranz...



Heute kam ich ein bisschen in die Zwickmühle...

Wir haben einen Patienten auf Station, der Zeit seines Aufenthalt schlechte Bluteisenwerte und schlecht heilende Wunden hat. Um auszuschließen, dass er keine inneren Blutungen hat, hat man vor 1,5 Wochen eine Magenspiegelung gemacht. Bei der Untersuchung kam ein Verdacht auf Sprue, also Glutenunverträglichkeit, heraus. Seither bekommt der Mann glutenfreie Kost.

Lustig war nur, dass ihm niemand etwas darüber gesagt hat. Ihm wurde glutenfreies Essen bestellt und er wunderte sich darüber, dass das Brot nicht schmeckt.

Tatsächlich lief das aber noch etwas anders. Noch vor seiner ersten glutenfreien Mahlzeit habe ich ihn mit einem Eis in der Waffel in seinem Bett erwischt, welches er sich in der Caféteria gekauft hatte: Natürlich auch zuckerhaltig, was er sowieso nicht darf. Und dann auch noch glutenhaltig.

Der Patient ist absolut incompliant. Compliance ist ein Wort was immer dann verwendet wird, wenn ein Patient auf das hört was der Arzt ihm sagt. Es gibt gute Compliance und schlechte Compliance. Gute Compliance bedeutet, der Patient folgt den ärztlichen Anweisungen. Der Patient ist complient.

Der Mann isst Zucker, Bonbons, Eistee und alles, was er kriegen kann. Er scheint nicht zu begreifen, was man ihm in Bezug auf seinen Zucker sagt. Vielleicht, so dachte ich aber auch, sagt ihm keiner wirklich, was er darf, was nicht und warum nicht. Was Gluten ist und was Glutenunverträglichkeit bedeutet hat ihm jedenfalls keiner erklärt. Ich hab es versucht und seinem Schwager, der ihn besucht, habe ich es auf dessen Nachfragen auch erklärt.

Die glutenfreie Kost scheint aber anzuschlagen. Seine Durchfälle sind weniger geworden. Aber was er kaufen und essen kann, wenn er wieder zuhause, bzw. im Männerwohnheim ist, wo er lebt, hat ihm keiner gesagt.

Daher habe ich ihm versprochen, ich würde ihm mal ein glutenfreies Brot in der Verpackung mitbringen, damit er weiß, wie dass gekennzeichnet ist, welche Hersteller es gibt und wo man es kaufen kann.

Beim Einkaufen fiel mir aber dann ein, dass sie meisten abgepackten, glutfreien Brote ja aus Reismehl, Maismehl, Kartoffelmehl und co. hergestellt werden und dass die fast alle einen ziemlich hohen glykämischen Index haben. Und da dachte ich mir: Als glutenintolleranter Diabetiker, kriegt man noch ne ganze Latte an Problemen mehr. Wenn man dann auch nicht kochen kann, bzw. Lust hat sich mit Rezepten zu befassen, ist eigentlich alles vorbei. Keine Rettung. Zubereitung von Quinoa zu erklären, bzw. was das ist und was man damit machen kann, schießt hier weit über das Ziel hinaus, wenn normale Diabetiker schon nicht wissen, wie sie ihren Zucker ersetzen können und welches Brot sie essen sollten. Da der Patient aber eh dauernd Zucker nascht, dachte ich mir, sei das mal egal. Da ist jemand, dem nicht zu helfen ist...

Genau wie dem Patienten der Analphabet ist: Dem ist der Zucker egal, dem kann man keine Rezepte oder wissenschafltiche Projekte zu lesen geben und wenn man ihm sagt Fleisch sei ungesund sagt er nur: "Es ist aber lecker". Ich sagte: "Davon stirbt man aber" Er: "Dann wäre ich schon lange Tod". - Ich hatte nicht die Eier ihm zu antworten, er sei schon halb tot. Er hat kaum noch Augenlicht, seine Füße sind hinüber, seine Zähne alle raus und was mit seinen Nieren und Gefäßen ist, weiß ich nicht zu beurteilen.

Dennoch nicht resigniert, habe ich heute früh allen Patienten, die sich über ihren hohen Blutzuckerspiegel vor dem Mittagessen gewundert haben, empfohlen sie sollten sich mal echtes Vollkornbrot oder Vollkornhaferflocken von jemandem zum frühstücken mitbringen lassen und dass ich wette, dass der Blutzucker dann um Längen besser ist. Das Krankenhausfrühstück jedenfalls macht hohen Blutzucker. Zudem habe ich regelrecht Werbeansprachen für Stevia mit Erythrit gehalten: Dass es aussieht wie Zucker, schmeckt wie Zucker, aber keine Kalorien und keine Glucose enthält.

Das geht aber leider nur mit intellektuellen Patienten. Älteren Herren, sie gut verdient haben, über Politik diskutieren und bei denen medizinische Argumente aufgrund ihrer Logik fußen. Diesen Leuten hat einfach noch nie ein Arzt gesagt, was sie mit ihrer Ernährung alles verändern können. Was ebenso traurig ist, wie ein Analphabet, der nicht mal seine Krankheit googeln kann.

Menu des Tages am 16. September

1 Bombastischer Bananenmuffin
Schokoladenkuchen
Hafer-Zitronen-Kuchen (Rezept misslungen, daher kein Link ;-)))
1 Paranuss
3 Grüntee

Tortilla mit rohem Basilikumpesto und Möhren
3 g Spirulina

Vollkornnudeln mit rohem Basilikumpesto, Zucchini, Tomate, Zwiebel, Petersilie, Salz und Pfeffer


1/2 Zimtcupcake

1 weiße Schokoladenpraline nach Attila
Curry-Tofu-Scramble


Zum Frühstück nur Kuchen, was zwar eigentlich nicht viel anders ist als eine Haferflockenschale, aber dennoch kommt es mir sehr seltsam vor... Satt bleiben war wieder schwer um die Mittagszeit rum. Ich hatte mir sicherheitshalber ein paar Möhren mitgenommen und habe die zwischendurch geknabbert. Das ging.  Besser ist es aber in der Frühstückspause im Krankenhaus etwas mit mehr Fett zu essen. Das hält länger satt.

Gewicht war heute wieder unter 58 kg nämlich 57,9. Gesamtkalorien 2018, 31% Fett, 61,2 g Eiweiß. Alles gut.

Ich krieg nur schon wieder Schlafstörungen, genau wie letztes Jahr im Krankenhaus. Ich werde mitten in der Nacht wach und kann nicht mehr einschalfen. Heute bin ich um 3:39 Uhr aufgestanden obwohl der Wecker erst um 4:30 Uhr klingelt. Das hab ich, wenn ich um 4:30 Uhr aufstehen muss um im Bioladen zu arbeiten nicht. Dafür gehe ich um 20 Uhr ins Bett. Ich sollte Bäcker werden!

Wie kann man diesen Beruf ein Leben lang ausübern??? Ich würde bekloppt werden. Tatsächlich haben aber auch Angehörige der pflegende Berufe die größte Zahl an psychischen Erkrankungen. Ich weiß wieso. Und ich gehe auf dem Zahnfleisch, weil ich schon 9 Tage hintereinander arbeite und noch 3 vor mir habe. Man muss auch ein Mal in der Woche was anderes sehen! Das geht doch so nicht...In 3 Wochen ist es auch schon wieder vorbei.

Alles Liebe,

Silke

Montag, 16. September 2013

Die Philosophie der Cholesterinsenker-Industrie...



Ich hab nen Flyer im Krankenhaus mitgenommen zum Thema "Erhöhter Cholesterinspiegel" ein "Ratgeber für Patienten" herausgegeben von der Firma Hennig Arzneimittel. Bei der Beschreibung der Cholesterinproblematik ist alles genau so, wie es der Schulmedizin erntspricht, wie es auch Barnard und Esselstyn beschreiben. Also gesättigte Fette sind schlecht, erhöhen den Cholesterinspiegel, führen zu Arteriosklerose, Ballaststoffe senken den Cholesterinspiegel etc. Und dann listet die Firma Hennig Arzneimittel eine gesunde Ernährung auf: Fett reduzieren, auf versteckte Fette in Wurst, Käse und Kuchen achten, weniger tierische Produkte, MEHR pflanzliche Öl, wobei solche mit mindestens 50% ungesättigte Fetten empfohlen werden, fettarme Zubereitung der Speisen, maximal 300 mg Chlesterin am Tag essen, also 1 Ei und mindestens 35 g Ballaststoffe.



Zudem solle man Normalgewicht anstreben, Sport machen, auf Alkohol und Tabak verzichten, viel Trinken, Stress vermeiden und - jetzt kommt's - cholesterinsenkende Medikamente nehmen.


Und ich denke mir: "Ihr habt sie doch nicht mehr alle?!" Die Firma geht hin und empfehlt den Menschen eine Ernährung, die den Cholesterinspiegel so richtig schön mittig einstellt, damit man weder behaupten kann, die Medikamente seien nicht stark genug, noch, dass der Patient ohne Medikamente leben könnte.


Wenn man doch sicher weiß, dass Cholesterin der Übeltäter ist (so 100% weiß man das tatsächlich noch nicht, ein hoher Cholesterinspiegel korreliert aber fast immer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen) warum nimmt man nicht gleich alles aus der Ernährung raus, was den Cholesterinspiegel ansteigen läßt - alle tierischen Produkte, gesättigten Fette, und raffinierten Zucker - und isst nur noch das, was den Cholesterinspiegel sinken läßt - Ballaststoffe (ich gehe jedoch fest davon aus, dass auch die Antioxidanzen in Obst und Gemüse noch ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Plaque sind, da sich nur oxidiertes Cholesterin in den Blutgefäßen ablagert)?

Ich wußte nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, aber da fand ich wieder, dass Esselstyn Recht hat: "Moderation kills!" Man muss seine Ernährung einfach so radikal umstellen, dass der Cholesterinspiegel ins gesunde sinkt. Wenn dass mit mittelmäßigen Methoden geht, hat jeder meinen Seegen, wenn nicht, muss man radikalere Handlungen unternehmen und halt echt auf 10% Fett runter gehen.

Das selbe beim Blutzucker. Wenn ein Mittelweg den Blutzucker auf gesunde Werte senkt, ist mir schnuppe, wenn zwischendurch was Süßes und Fleisch gegessen wird, wenn das aber nicht ausreicht, muss halt totaler Verzicht geübt werden! Punkt.

Ich hatte heute im Krankenhaus ein Gespräch mit einem Patienten, der kein Krankenhausessen anrührt. Seine Frau bringt ihm alles rein. Der Patient mit den zuckerfreien Spekulatius. Es ging um die Frühstücksbrötchen. Man kann zwischen Weißmehl und Körnerbrötchen wählen, wobei die Körnerbrötchen natürlich so sind, wie in jeder normalen Bäckerei: Maximal 30% Vollkorn, Rest Weißmehl und Zuckerkulör.
Ich hab nämlich in den letzten Tagen ein Phänomen beobachtet: Vor dem Mittagessen ist der Blutzucker bei allen Patienten immer besonders hoch. Sie alle fragen sich, wie nur ein oder ein halbes Brötchen das schaffen kann. Ganz einfach: Der Zucker aus Weißmehl geht so schnell ins Blut, dass die Bauchspeicheldrüse überfordert ist. Wenn der Zucker langsamer ins Blut geht, kann auch eine geschädigte Bauchspeicheldrüse noch ausreichend Insulin produzieren und den Blutzuckerspiegel alleine niedriger halten. Daher Produkte mit einem niedrigen glykämischen Index wie Haferflocken. Haferflocken gibt's im Krankenhaus natürlich nicht. Weißbrot gibts, mit Butter, Käse, Wurst oder Marmelade.

Krank ist jemand, weil er glaubt, dass er ein Medikament gegen das was er isst schlucken muss! Das ist doch bekloppt! Das ist eine Geisteskrankheit und keine körperliche. Ein Medikament gegen Nahrung? Das geht nur klar, wenn jemand Typ-I-Diabetiker ist und keinerlei eigenes Insulin mehr produzieren kann. Und auch dem sei angeraten auf seine Ernährung zu achten

Am Freitag war das Mittagessen besonders mies. Es gab Fisch mit Panade, die dicker war als der Fisch. Kaum jemand hat es gegessen, die Blutzuckerwerte am Abend waren alle super. - Und das fällt niemandem auf. Ich habe heute mal angeboten Vollkornhaferflocken mit Sojamilch mitzubringen statt des herkömmichen Frühstücks. Keiner hat angenommen. Sie stecken fest in den Klauen der Sucht.

Das Zimmer, in welchem der Patient liegt, der mein wissenschafltiches Projekt gelesen hat, ist mein Lieblingszimmer. Den Patienten dort habe ich heute erzählt, dass man ja die Wahl hat zwischen Nierenverlust, Augenverlust, Fußverlust oder dem Verlust von Fleisch als Nahrungsmittel (und natürlich Zucker und Weißmehl). Alle 3 Patienten haben sich dafür entschieden lieber auf ihre eigenen Organe und Extremitäten zu verzichten, statt auf Fleisch.

Menu des Tages am 15. September

Amaranth gepufft, Chia, Rosinen, Banane, Zimt, Hafermilch, Kokosmilch und Stevia
3 Grüntee

2 Bombastische Bananenmuffins
1 koffeinfreier Kaffee
1 Scheibe Brot

weißer Reis mit 1 Gemüsestick

1 Zucchinibrownie
109 g Möhren



Mangold, gedünstet, mit Zwiebel, Salz, Pfeffer und Basilikumpesto
4 Paranüsse
1 Glas Rotwein
3 Möhren

Ich hatte gestern entsetzlichen Hunger. Ich habe nur 20% Fett gegessen und habe festgestellt, dass das in der Frühschicht einfach nicht lange genug sättigt. Ich kann morgens als erstes zwar fettarm essen und zwischen 5 und 8 Uhr ohne Nahrung bleiben. Von 9 bis 14 Uhr halte ich aber nur aus, wenn ich zwischen 8 und 9, wenn die Schwestern Pause machen, was Fetthaltigeres esse, als die Muffins. Das hat dazu geführt, dass ich Krankenhausessen, nämlich weißen Reis mit einem bisschen Sauce und einen Gemüsestick gegessen habe. Nicht vegan, nicht vollwertig, nicht lecker. Aber ich hatte Hunger. Ich versuche in Zukunft bessere Entscheidungen zu teffen. - Kann aber auch sein, dass das alles mit meinem Zyklus zu tun hat...

So waren es dann 2201 kcal und mein Gewicht war heute früh 58,2 kg. Durch den Workshop habe ich, trotz fetthaltiger Nahrung und wahrscheinlich zu vielen Kalorien, nicht zugenommen. Ob das daran liegt, dass der Körper in einer einzigen Mahlzeit das Zuviel, besser verkraften kann oder daran, dass ich auch etwas Alkohol getrunken habe, oder einfach nur daran, dass ich gestern auch ne Stunde joggen war, weiß ich nicht einzuschätzen. Es sagt mir aber zu...

Alles Liebe,

Silke

Sonntag, 15. September 2013

Leben, was man predigt...



Ich dachte gestern, der Tag würde wohl superanstregend werden: Erst Frühdienst im Krankenhaus und dann nachmittags der Workshop. Anders ging es nicht. Da ich letztes Wochenende frei hatte, musste ich dieses durcharbeiten. Darauf, dass ich einen Workshop auf diesen Termin gelegt hatte, konnt keine Rücksicht genommen werden...

Aber dann war alles doch völlig anders. Im Krankenhaus war es relativ ruhig und der Workshop war so nett, als wäre es eine Party, die ich gebe. Überhaupt keine Anstrengung, eine supernette Truppe und es fühlt sich nichts wie Arbeit an. So soll das sein. Impressionen findet ihr hier. Einfach auf Start klicken. Das meiste sind Schnappschüsse.

Dabei erwischte ich mich beim Workshop auch wieder dabei, wie leidenschaftlich ich auch da über das Thema Diabetes refferieren kann und frage mich wo das eigentlich her kommt. In meiner Familie gibt es keinen Diabetes, niemand, den ich liebe, ist betroffen. Es ist einfach die am einfachsten mit pflanzlicher Kost zu heilende Zivilisationskrankheit, die 10% aller Deutschen betrifft, 200 Mio Menschen weltweit und geht binne 3 Wochen weg, wenn man sich pflanzlich, vollwertig und fettarm ernährt. Die Krankheit frisst 20% aller Krankenkassenbeiträg, macht die Menschen arbeitsunfähig, raub ihnen ihre Lebensqualität, kostet sie Augen, Nieren und Füße und treibt sie in den Tod durch Herzinfarkt. So ist das und nicht anders.

Dafür war ich heute im Frühdienst verzückt darüber, dass eine Krankenschwester mich auch bat, ob sie mein wissenschaftliches Projekt mal lesen könnte. Die ist hingegen eine wirklich engagierte Schwester, die viel Spaß an ihrem Beruf hat und wirklich helfen will. Ob sie das immer oder überhaupt kann, aufgrund der Verwaltungsumstände weiß ich nicht einzuschätzen. Das Krankenhausessen jedenfalls "macht" Diabetes. Dageben kann man Medikamente geben, so viel man will. Das bringt alles nichts...

Ach ja, was ich zum wissenschaftlichen Projekt noch sagen wollte: Ihr könnte gerne Korrekturen und Verbesserungsvorschläge anbringen, mich auf Rechtschreibfehler etc. hinweisen, aber berücksichtigt bitte dabei, dass meine Schwester das Projekt korrekturgelesen hat. Sie hat eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert und Germanistik studiert, aber nobody ist perfect. Wenn ihr Fehler findet, sagt mir die Seite und die Zeile, dann kann ich es korrigieren. Einfach nur zu schreiben: "Die vielen Rechtschreibfehler lassen es unseriös wirken und die Formatierung auch" - damit kann ich nichts anfangen. Zudem bitte ich bei Kritiken zu berücksichtigen, dass ich keine Ausbildung zum Schriftsetzer habe sondern Schauspielerin und Medizinerin bin. Eine Kritik wie "Die Formatierung ist nicht in Blocksatz" verstehe ich nicht. Ich versuche auch Fachausdrücke zu meiden, wenn ich Medizinkram beschreibe und sage nicht Sachen wie: "Der Sternocleidomastoideus muss punktiert werden" oder "Das C-Atom in der Stereochemie hat 4 unterschiedliche Substituenten". Ich versuche allgemeinverständlich, umgangssprachlich zu formulieren und wenn ich es nicht tue, noch näher zu erörtern. Ich kann nicht alle Fachbegriffe aus jeder Branche kennen und bin kein Word-Genie. Habt bitte Nachsicht...

Gut, Facebook hat mir jetzt gesagt was "Blocksatz" ist, ich habe es abgewandelt und stehe jetzt vor völlig neuen Problemen, dass ich Wörter in Zeilen verschieben muss usw.. Ich wage zu behaupten, dass die Uni auf so einen Schnickschnack auch überhaupt keinen Wert legt, denn meine StudiPat-Dossiers wurden nicht auf Formatierung und Rechtschreibung kontrolliert. Ich bezweifele auch, dass die Profs. Rechtschreib-Asse sind.

Nichts desto trotz habe ich es ja veröffentlicht, wenn auch nur online und daher lerne ich gerne auch was Veröffentlichung von Arbeiten betrifft hinzu. Aber bitte jegliche Kritik konstruktiv und mit Worten, die man kennt! Und für die, die bemängeln, dass es "nur" eine Zusammenfassung von Barnards Buch ist: Das geht schon klar! Der Prof. weiß das! - Es ist nicht meine Doktorarbeit und es soll auch nicht im Lancet oder New England Journal of Medicine veröffentlich werden. Es ist für den Prof und für alle, die nicht ausreichend Englisch sprechen um Barnards Buch zu lesen.

Auch heute war es im Krankenhaus wieder ruhig. Mein Patient hat mich über mein eigenes Frühstück ausgefragt und ob ich Kaffee trinken würde. Schlussendlich glaube ich ja eh, dass man nur durch Leben-was-man-predigt Leute beeinflussen kann, wenn nicht gar ausschließlich durch Leben und gar nicht durch predigen. Das war jedenfalls interessant zu beobachten. Und wahrscheinlich ist auch das der Hintergrund, warum in der Diabetesschulung nur 3 Tage lang "Gemüsetag" gemacht wird. Die Diabetesberater würde es selber nicht länger als 3 Tage durchhalten oder nehmen es von sich selber an. Ich glaube, ich will da irgendwie einen Fuß in die Tür kriegen und die überreden ob man das auch mal länger machen kann, so die ganze Schulung durch, um dann zu gucken, wer komplett auf seine Medikamente verzichten kann...Das wäre ein Traum von mir: Es mit eigenen Augen sehen, was da passiert...

Menu des Tages am 14. September

Amaranth gepufft, Rosinen, Apfel, Hafermilch, Kokomilch, Chia und Stevia
2 Grüntee
Dr. Ritter Vitalschnitte Omega 3
Schokoladenkuchen

Bombastischer Bananenmuffin
2 Äpfel
Koffeinfreier Kaffee
Vivani Schokoriegel

Während des Workshops:

2 Möhren
Cruditee mit Ranchdip und Guacamole



Tomatencremesuppe



Mangoldröllchen mit Walnusspaté und Gemüse


Zucchinispaghetti mit Basilikumpesto, Cocktailtomaten und schwarzen Oliven


Mandel-Vanille-Kekse
Brownies mit Schokoladenglasur


2 Gläser Rotwein, weil der Tag so gut gelaufen war und ich einen Freifahrtschein für Kalorien hatte;-)

Heue habe ich hingegen mehr Hunger, was ich darauf schiebe, dass relativ viel Fett in der Gourmetrohkost war und zu wenig Eiweiß. Schlussendlich auch zu wenig Salat. Aber die Workshops sind ja auch nicht dazu da, zu lehren, dass man immer so essen soll, sondern wie man seine vollwertige Ernährung um Rohkost erweitern kann. Für Abnehmtipps, Gesundheitstipps und für den Austausch untereinander.

Ach ja, ganz vergessen: Es gab noch die neue Lovechock Kirsch/Chili, die ich beim Einkaufen für den Workshop bei mir im Bioladen als brandneu entdeckt habe. Schmeckt sehr nach Kirche mit einem Nachgeschmack von Chili. Sehr interessant.

Alles Liebe,

Silke

PS: Der nächste Workshop ist am 16. November 2013 um 14 Uhr

Freitag, 13. September 2013

Krankenhausfrust...



Ich denke, ich bin schon wieder frustriert von der Schulmedizin, was zum einen damit zusammen hängt, dass mein Patient gestern weniger motiviert war als ich, zum anderen damit, dass ich wieder einen Anschiss bekommen habe, weil mein Zuckermessen so lange dauert.

Es ist nämlich so, dass bei den Patienten 3 Mal am Tag Zucker gemessen wird und dann passiert nichts mehr. Also quasi nichts mehr, die Insulindosis für das darauffolgende Essen wird angepasst. - Aber die Patienten haben immer wieder Rückfragen, wie es sein kann, dass der Zucker so hoch oder so tief ist, wenn man doch nur das und das gegessen hat und wie da die Zusammenhänge sind. Und da ich die Heilung des Patienten als Ziel sehe und nicht die Verwaltung, erkläre ich dann die Zusammenhänge. Aus solchen Koversation heraus ergeben sich dann auch Gespräche wie mit dem Patienten, der mein wissenschaftliches Projekt jetzt gelesen hat.

Aber wenn ich einen Anschiß kriege, werde ich kritisch und fange dann auch an alles zu bemängeln, was die Leute falsch machen, die mich kritisieren und so fällt mir dann alles auf, was falsch läuft.

Zum Beispiel ist da ein Patient, dessen Blutzucker immer zu niedrig ist. Er misst selber und stellt auch seine Insulinmenge selber ein. Ich hab ihm gesagt, wenn der Zucker top ist, brauche er sich auch gar nicht zu spritzen. Daraufhin erzählte er mir, dass sein Diabetologe gesagt habe, er solle trotzdem spritzen und den niedrigen Zucker, dann durch das Essen von Traubenzucker ausgleichen! - Die ham se doch nicht alle!!! - Es ist immer besser, die Medikation zu vermindern, statt das Essen zu erhöhen! Gott sei Dank hat eine Schwester ihm das später auch nochmal gesagt und er hat dann tatsächlich nicht gespritzt und am nächsten Tag war sein Zucker auch nicht gravierend höher als bei einem Gesunden. Ich hab keine Ahnung wie er das gemacht hat, oder ob er eigentlich gar kein Diabetiker ist, oder ob er diagnostiziert wurde als er gerade eine Stress-oder Süßkramphase hatte und sich das mittlerweile regeneriert hat. Oder ob er normalerweise einfach anders isst.

Das selbe Prinzip bei Abführmitteln: Da wird einer Patientin erst ein Abführmittel geben und dann wird sich gewundert, warum sie den Stuhl nicht einhalten kann und der flüssige Kot dann im ganzen Zimmer verteilt ist, so dass mit zwei examinierten Krankenschwestern geputzt werden muss, während ein anderer Patient blutet und keine Zeit dafür ist die Wunder zu verbinden. Warum nicht einfach Ballaststoffe in das Krankenhausessen geben, damit die Darmtätigkeit angeregt wird??? Und dann natürlich Aufklärung des Patienten und Anteilnahme und Verständnis für seine Situation. Wer nicht entspannt ist, kann auch nicht kacken! - Entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise.

Die Patientin die die "Gemüsetage" zur Insulinresistenzverbesserung bekam hat gesagt, sie möchte nach Hause und wird heute entlassen. Die "Gemüsetage" wurden dran gegeben. Bringt ja eh nichts. Sie will einfach nicht...

Unterdessen habe ich mal heimlich nachgefragt, ob ein Patient der auf Station liegt, wenn er das wünsche, diese "Gemüsetage" statt des normalen Essens bekommen könnte. Und da liebe ich diese Diabetesberaterin mit der ich darüber gesprochen hatte. Sie kriegt nämlich ein Leuchten in die Augen, wenn die von den "Gemüsetagen" spricht. Sie sagt, dass sei so krass, wie sich der Blutzucker dabei verbessere, weil die Insulinresistenz zurück geht. Ein "Gemüsetag" geht wie folgt: Morgens Vollkornbrot mit Marmelade ohne Butter oder Margarine, mittags gekochtes Gemüse mit Reis, abends einen riesigen Salat mit fettarmem Dressing. Totale Basics der typischen fettarmen, vollwertigen, pflanzlichen Ernährung.

Auch wieder heimlich habe ich das meinem Patienten erzählt, denn ich will ja niemandes Authorität untergraben. Aber der war dann nicht so begeistert, wie ich es war und das hat mich auch wiederum enttäuscht...Er bat nicht darum ab sofort mal 3 Gemüsetage zu testen um zu gucken, wie sich sein Blutzucker verbessert. Aber er kommt eh Ende des Monats in die Schulung.

Begeistert war er hingegen von meinen diabetikertauglichen bombastischen Bananenmuffins. Die bestehen fast nur aus Hafervollkornmehl und aus Bananen und die Bananen hat keiner der 3 Diabetiker-Testesser heraus geschmeckt. Komisch, war aber so. Ich hatte ein bisschen Schiss, dass, trotz nur 14% Fett in den Muffins, der Blutzucker, aufgrund all der anderen Sachen, die die im Krankenhaus zu essen kriegen, also Fleisch, Butter etc. doch etwas zu hoch steigen könnte. Dem war aber nicht so. Da kann man mal sehen wie Kohlenhydrate wirken, wenn sie mit Ballaststoffen daher kommen. Der Zucker wird tatsächlich langsamer zur Verfügung gestellt und die Bauchspeicheldrüse kommt mir der Produktion von Insulin hinterher.

Einen klugen Patienten habe ich dann aber auch entdeckt: Der hatte laktose und zuckerfreie Spekulatius im Zimmer. Hatte seine Frau ihm gekauft. Gibt es sogar regulär im Supermarkt. Ist wahrscheinlich aber zu viel Fett drin...

Menu des Tages am 12. September

Buchweizenknuspis, Amaranthpops, Hafermilch, getrocknete Ananas, getrocknete Aprikosen, Mohn, Chia, Banane, Apfel und Stevia

Schokoladenkuchen

2 Möhren
1 Banane
1 Vollkornbrot

rohe Tomatencremesuppe


Bombastischer Bananenmuffin


Waldorfsalat, roh, auf Blattsalat

Waren 2017 kcal, etwas zu wenig Folsäure und Eisen, 30% Fett, 53,7 g Eiweiß, was zu wenig ist, aufgrund dessen, dass mein Hanfprotein leer ist. Gewicht heute 58,1 kg. Sehr schön.

Wir haben einen Patienten, der über 200 kg wiegt und der bekommt nur 1200 kcal zu essen. Ich würde sterben! Natürlich besorgt auch der sich nebenbei woanders was zu essen, und ich kann es ihm auch nicht verdenken. 1200 kcal schraubt nur den Grundumsatz runter und er muss mehr essen, damit das nicht passiert. Sie sollten ihm lieber 2000 kcal vollwertiges Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte geben.

Ich würde auch gerne ein typsches Krankenhausessen in den Cronometer eingeben um zu sehen ob halbwegs Nährstoffe vorhanden sind. Ich bezweifele es nämlich sehr, sehr stark. Und ich muss leider auch ergänzen, dass es natürlich kein Wunder ist, dass es die Schwestern nicht schert, was die Patienten zu essen kriegen. denn mindestens die Hälfte der Schwestern sind ebenfalls übergewichtig. Eine sogar Typ-II-Diabetikerin, die sich als fleischfressende Pflanze bezeichnet.

Komisch, die Ärzte nicht...

Alles Liebe,

Silke