Freitag, 20. September 2013

Krankenhauswahrheit...




Gestern war der erste Tag, so weit ich mich erinnern kann, dass ich vor lauter Überarbeitung keine Lust auf Bloggen hatte, also habe ich es gelassen. Jetzt liegen 12 Tage am Stück hinter mir und ich sage euch, das sollte verboten werden!!! So ist es kein Wunder, wenn Pflegepersonal die höchste Rate an psychischen Erkrankungen hat. Statt dessen kriegt mein Bioladen Negativpresse weil Überstunden gemacht werden müssen. Das sind mir die Richtigen. Ich jedenfalls arbeite lieber 6 Tage, habe 1 Tag frei und dann wieder 6 Tage, als 12 Tage durch und dann 3 Tage frei. Das macht völlig bekloppt.

Zudem habe ich heute aus erster Hand erfahren, dass es Absicht ist, dass genau das Essen serviert wird, was serviert wird. Die Leute sollen das Essen kriegen, was sie zuhause auch kriegen und ihre Medikation wird dementsprechend angepasst. Es wurde mir gesagt, ich solle keine Diabetesberatung durchführen, das würde die Patienten nur verwirren. - War mir eigentlich klar, dass das früher oder später kommen würde aber ich habe mal die Chance genutzt so lange ich konnte.

Ich denke aber eher, dass das Krankenhausessen die Leute verwirrt. Viele essen zuhause nämlich durchaus Schwarz- oder Roggenbrot und sind dann im Krankenhaus entsetzt darüber, dass ihr Blutzucker so hoch ist. Ich finde, die Patienten werden für dumm verkauft aber das sind sie nicht. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer das ist, im Ernährungsdschungel seinen Weg zu bahnen und wie verwirrt man aufgrund all der gegensätzlichen Aussagen sei kann. Ich fürchte jeder muss da irgendwie seinen Weg finden. Vielleicht bleibt aber irgendwas hängen von dem was ich gesagt habe, am besten einfach die Worte: Gabel statt Skalpell. Wenn auch nur einer der Patienten sich die Mühe macht das zu googeln, ist schon viel gewonnen.

Außerdem habe ich heute mit dem Leiter der Schulungsabteilung gesprochen, der mir erzählte, dass diese 3 "Gemüsetage" schon ausreichend würden, um die Insulinresistenz zu knacken. Danach bekommen die Leute Diabetikeressen, sollen fettarm essen und Sport treiben. Ich fragte: "Ja, aber kommt dann die Insulinresistenz nicht zurück." Da musste er einräumen, dass das auf längere Zeit schon so sei, wenn die Leute nicht fettarm, ballaststoffreich und wenig tierische Fette essen, sowie sich bei Süßem nicht zurückhalten.

Warum geht keiner hin und sagt den Leuten: "Hören Sie, mit einer derartigen Ernährung werden 3/4 aller Studienteilnehmer, die so gegessen haben binne 2-3 Wochen von ihren Medikamenten befreit!"?

Auch hier ist das Ziel, ähnlich wie ich bei dem Cholesterinflyer schrieb, dass die Leute zwar schon besser essen sollen, aber auch immer noch auf Medikamente angewiesen sind. Wieso??? Alles nur die Pharmalobby??? Das kann doch nicht das Ziel von Heilung sein?

Heute traf ein neues Opfer einer weiteren Zivilisationskrankheit im Krankenhaus ein. Ein Patient mit Teerstuhl. Das ist tiefschwarzer Stuhlgang, der auf Blut im Darmtrakt hindeutet. Der Patient musste ganz viel abführen, hat eine Darmspiegelung bekommen und das Ergebnis davon war Darmkrebs. Auch diese Krankheit absolut typisch für zu hohen Fleischkonsum. Auch das lehrt die Uni und auch das schon im ersten Semester. Er soll jetzt operiert werden, vielleicht Chemo aber auf jeden Fall flüssige Kost. Ich hoffe nur, dass sie ihm nicht flüssiges Fleisch verabreichen, damit auch er möglichst das essen kann, was er zuhause isst...

Menu des Tages am 19. September


Haferflocken, Sojamilch, Kokosmilch, Cranberries, Mango, Zimt, Stevia, Mohn

1 Riegel Ombar dark
3 Grüntee

5 Pflaumen
1 rohen Brownie
Milchbrot mit Zucchini-Paranuss-Hummus







2 Scheiben Milchbrot und rohe Apfel-Möhren-Suppe


2 St Weiße Schokolade nach Attila

Salat aus Eisbergsalat, Tomate, geröstete Kichererbsen, Zwiebel, Rotweinessig, Olivenöl. Majoran


Heute 57,4 kg. Das läuft wirklich wie geschmiert. Außer, dass ich jetzt Wochenende habe, heute Abend mit Kommilitoninnen verabredet bin und morgen zu meinem Vater fahre. Es wird gegessen...

Bereits gestern hätte ich meine Tage kriegen sollen, aber dem war nicht so. Meistens bin ich ja zu früh dran, zu spät eigentlich nie. Ich schätze, das hängt mit dem Stress zusammen. Das Krankenhaus ist körperlich und psychisch tödlich.

Für heute Abend wurde ich gebeten was Leckeres mitzubringen. Die Gastgeberin schrieb: "Du lebst doch vegan und ich lerne gerne dazu" ;-) Naja, nicht so ganz. Ich mache Bananen-Tiramisu, roh, und bringe Nudeln, rohes Basilikumpesto, Tomaten und Oliven mit. Außerdem veganen Weißwein. Ich freue mich sehr mal anderes Gesichter und eine andere Umgebung zu sehen. Aber ich krieg die Krise, wenn ich morgen früh wieder um 3:30 Uhr wach werde...

Ja, und dann habe ich Milchbrot gebacken, inspiriert durch meinen Patienten, der Diabetiker ist und glutenintollerant. Das Rezept, welches ich erfolgreich veganisiert habe, ist aus einem Buch meiner Mutter und besteht aus Vollkornreismehl, Sojamilch, Salz, Reissirup, Hefe und Leinsamen. Ich habe in dem Rezept einfach Kuhmilch durch Sojamilch und Ei durch Leinsamen ersetzt. Funktionierte einwandfrei und war auch ziemlich lecker. Natürlich nicht so weich und fluffig, wie Aldi-Milchbrötchen, aber 1000 Mal gesünder. Vollkornreis hat einen glykämischen Index von 50. Leider glaube ich nicht, dass ich den Patienten jemals zum Backen kriege...

Alles Liebe,

Silke

1 Kommentar:

  1. Das lässt mich irgendwie nicht los, dass die Patienten das bekommen "was sie auch zu Hause haben".... um so schlecht zu kochen müsste ich mich schon ziemlich anstrengen..... Danke für deine Einblicke in die Welt der 2er-Diabetiker.

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