Donnerstag, 26. September 2013

Einführung: Nahrungsmittelsucht...



Gestern habe ich im Krankenhaus zum ersten Mal einen Arzt sagen hören:

"Sie können nicht immer nur alles auf die Ärzte schieben, sie müssen auch mal selber was tun"


Diese Worte kamen von dem Arzt der so nett war einen Mann, der 222 kg wiegt "stämmig" zu nennen und er befand sich gerade im Gespräch mit Ehefrau und Tochter eines 180 kg Mannes, die ebenfalls beide sehr "stämmig" sind. Ich hab mich hinter der Tür versteckt und gelauscht...

Dabei schilderten Frau und Tochter wie sie schon mehrfach versucht hätten ihn zu Bewegung und Diät zu bewegen aber alle Versuche seien gescheitert. Der Mann würde dann cholerisch werden und sie anschnautzen, kurze Zeit später täte es ihm leid und er würde sich entschuldigen. Dabei seien beide schon, er und seine Frau, dann in Tränen ausgebrochen. - Wenn sich das nicht alles wie Sucht anhört, weiß ich es auch nicht. Wie ein Streit in einer Alkoholikerfamilie...

Kommen wir also zur Sucht. - Mich erreichte gestern die E-Mail einer Leserin, die sich sehr wohl bewußt war, dass sie zuckersüchtig ist, die sich aber ein Leben ohne Schokolade nicht vorstellen kann und will. Deshalb möchte ich an dieser Stelle etwas klar stellen: Eine Sucht nach bestimmten Nahrungsmitteln ist um Längen nicht so ausgeprägt wie Sucht nach Zigaretten z.B. Sie machen nicht so schnell süchtig wie diese. Es ist auch nicht so wie bei einem Alkoholiker, der, selbst wenn er trocken ist, immer noch ein Alkoholiker ist und keinen Rückfall erleiden darf.

Bei Nahrungsmitteln geht es viel mehr darum sich aus den Fängen der Verführung zu befreien, sich aus der Sklaverei zu lösen und ihnen die Macht zu nehmen so dass man sie dann später wieder als Genußmittel verwenden kann, sie einen aber nicht krank und dick machen. Am Genuß, per se, ist nämlich nichts falsch.

Das Belohnungszentrum im Hirn hat einen Sinn. Es belohnt uns, wenn wir unsere Art erhalten. Es macht uns schöne Gefühle beim Sex, aber auch schon während eines Flirts. Auch dann, wenn ein unerwarteter Leckerbissen auf unserer Zunge landet. In allen diesen Fällen wird Dopamin ausgeschüttet und das Gehirn speichert die Erinnerung daran. Da liegt die Wurzel allen übels - also, allen Essensübels.

Unsere Nahrungsmittel sind so verarbeitet dass sie fast automatisch eine Dopaminausschüttung bewirken, und wie das bei Drogen so ist, braucht man auf die Dauer immer mehr.

Hinzu kommt etwas, was Barnard auch in Dr. Neal Barnard's Program for Reversing Diabetes: The Scientifically Proven System for Reversing Diabetes Without Drugs berichtet. Es scheint Menschen zu geben, die, womöglich genetisch bedingt (vorstellbar wäre aber auch, dass es ein Rezeptorproblem wie beim Diabetes geben könnte), weniger Dopaminrezeptoren besitzen als andere. Das sind die Personen, die besonders suchtgefährdet sind. Sie brauchen mehr von dem Stoff um das Selbe zu spüren, wie jemand anderes mit weniger Stoff. Für Otto Normalverbraucher reicht ein Stück Schokoladenkuchen aus um optimale Glücksgefühle zu haben. Für jemanden mit zu wenig Dopaminrezeptoren müssen es 3 Stück Kuchen sein.

Barnard hat seine Diabetesstudienteilnehmer auf die Anzahl der Dopaminrezeptoren hin untersucht und festgestellt, dass sich unter ihnen besonders viele mit zu wenig Rezeptoren befanden. Die Menschen sind also nicht ausschließlich selber schuld an ihrem Übergewicht und ihrer Krankheit sondern werden von Transmittern und Rezeptorem dazu getrieben einfach immer mehr zu essen als jeder andere. Das hatte für Barnards Studienteilnehmer auch zur Folge, dass die Gewichtsabnahme durch reine Fettreduzierung und vegane, vollwertige Ernährung nicht so hoch war wie bei den Menschen die eine normale Anzahl an Dopaminrezeptoren haben.

Zurück zum Krankenhausalltag. Aufgrund dieser Süchte und der dadurch bedingten Unwilligkeit der Patienten ihre Ernährung umzustellen, haben Ärzte resigniert. Sie erwähnen es schon gar nicht mehr. Sie wissen aber auch nicht konkret das Verhalten des Patienten als Sucht zu benonnen. Es wird eher als mangelnde Disziplin, "wie kann man sich nur so gehen lassen" oder Dummheit abgetan. Und ich glaube, auch der Patient spürt das...

Ich war in meinem Leben schon 25 kg schwerer und niemand hat mir dafür so viele Vorwürfe gemacht, wie ich mir selbst. Ich hatte keine Krankheiten - Diabetes, Schlaganfallrisiko, Herzinfarkt oder was auch immer und daher hat niemand an mich appeliert Gewicht zu verlieren. Jemand der 200 kg wiegt hat aber auch schon länger mit sich gehadert, als ich es jemals tat. So ein Gewicht isst man sich über Jahrzehnte an, Jahrzehnte macht man sich selbst Vorwürfe und über Jahrzehnte machen einem die Ärzte Vorwürfe. - Vorwürfe sind aber NIE gut und NIE das richtige Mittel. Nirgends im Leben. Weder im Umgang mit sich selbst noch mit irgendwelchen anderen Menschen.

In meinen Augen ist daher das fehlende Glied hier ganz klar die Erkennung der Biochemie in diesem Zusammenhang. Welche Transmitter lösen hier was aus und warum greift man aus biochemischen Gründen zu welchem Nahrungmittel. Und das sollte den Patienten auch erklärt werden, damit sie weniger Schuld mit sich rumtragen, denn die führt ja wieder nur zu Frustessen. Und das ist der Grund warum ich es mir und euch hier erklären will, was da passiert. Ich hab zwar drüber gelesen, aber es auf die Schnelle erklären, dass ein Patient es versteht, kann ich nicht. Bei Diabetes kann ich das jetzt und das führt zu sehr befriedigenden Patientengesprächen.

Was also tun, wenn man nach Zucker, Schokolade, Käse oder Fleisch süchtig ist? Wie kann man das überhaupt erkennen? Wie wird man süchtig?

Ich merke nach mehreren Tagen hintereinander mit Kaffee, dass ich eine tägliche Lust darauf entwickele. Mit Schokolade geht es mir auch so. Auch mit roher! Zum Beispiel habe ich letzte Woche jeden Tag Schokolade in Form eines Brownies gegessen. Das hatte zur Folge, dass ich am Sonntagabend plötzlich feststellte, dass ich Lust auf Schokolade habe - bei meinem Vater gab es aber keine. Das, meine Lieben, war eine Entwicklung zur Sucht. Plötzlicher Heißhunger darauf und ein fast unwiderstehlicher Drang danach. Mit Kaffee geht mir das auch so: 3 Tage mit Kaffee und ich habe Appetit darauf. Hauptsächlich in Momenten, wo ich müde bin, was bei zu langem wach sein durch vorherigen Kaffee natürlich automatisch passiert. - Gleichzeitig konnte ich am Wochenende aber auch beobachten, dass das einmalige Kaffeetrinken am Sonntag, mich nicht in die Fallen der Versuchung geführt hat. Ich bin nicht kaffeeabhängig, daher kann ich "mal" Kaffee trinken. Ab Montag gab es wieder grünen Tee. - Und tatsächlich habe sogar ich genau das mit Käse an mir beobachtet. Der Bioladen hat nämlich Käseverkostungen an denen ich schon Mal genascht habe. Wenn ich das 2-3 Tage hintereinander mache, entwickle ich einen Heißhunger auf Käse. Schon bei nur 2-3 Würfeln Käse.

Um das zu durchbrechen sollte man, ich schätze Mal, 3 Monate ohne das Nahrungmittel verbringen wonach man süchtig ist und es durch Alternativen ersetzten. Fleisch durch Fleischersatz, Käse durch veganen Käse, Zucker durch Stevia und Schokolade durch Carob. Ich habe es nicht bewußt ausprobiert, aber das scheint mir ein Zeitraum zu sein der bei bereits lange andauernden Sucht ausreichen sollte um daraus auszusteigen.

Früher Mal habe ich mir sowohl Fleisch als auch Käse nicht bewußt und auch nur schleichend abgewöhnt. Aber ich weiß auch noch wie schwer das war. Was genau die suchterzeugenden Substanzen sind und wie sie wirken, werde ich in den nächsten Tagen/Wochen noch erörtern.

Menu des Tages am 25. September 2013

Buchweizenknuspis, roh, mit Sojamilch, Kokosmilch, Rosinen, Apfel, Banane, Mohn, Leinsamen und Stevia


3 Grüntee
2 weiße Pralinen à la Attila
1 Paranuss

200 g Sojajoghurt mit Vanille und Stevia
1/2 Banane
1 Rohkost-Brownie





Süßkartoffel, gebacken, mit Salz, Kokosöl und "Wanderlust"-Gewürz von Herbaria



210 g Sushi
1 Scheibe Graubrot

Das war Scheiße gestern! - Viel zu wenig Gemüse, meine Mineralstoffe und Vitamin waren fast alle zu weit unten. Ich hab nur gerade das Problem, dass ich den Kühlschrank leeren muss. Ich hab Geburtstag nächste Woche und brauche Platz Dinge zu lagern und unterzubringen, sonst wird das nichts. Zumal ich natürlich auch jeden Tag ins Krankenhaus muss.

Aber eine erstaunliche Erfahung war es trotzdem, da es eindeutig klar macht wie
schlecht ernährt der Rest der Bevölkerung ist. Man braucht täglich eine große Gemüsemahlzeit. Am besten einen Salat oder, als zweitbeste Wahl, eine Gemüsepfanne. Alles andere geht nicht!!! Wer das nicht isst, hat verloren. Morgens, mittags und abends Weißmehlprodukte mit Fleisch und Milchprodukten geht überhaupt garnicht!!! Das kann nicht ausdrücklich genug erwähnt werden.

Für meinen Geburtstag steht übrigens folgender Plan: Kein Weißmehl, kein Zucker, kein Koffein. Wein erlaubt. Ich will nicht am 4. Oktober so einen Durchhänger haben, wie nach dem McDonald's Schokoladenkuchen. Ach ja, a propos, gestern zuföllig bei Facebook gefungen ein Artikel aus dem Express darüber das Zucker so giftig sei wie Nikotin und Heroin. Na, herzlichen Glückwunsch!

Alles Liebe,

Silke

1 Kommentar:

  1. Das merke ich auch! Party am Wochenende, schon habe ich Lust auf "ungesundes", Schokolade usw. Das mehrere Tage und schon bin ich wieder bei "heute brauche ich auch Schoki". Habe das aber gut im Griff, denn ich weiß: alles ist Gewohnheit :) Und mir geht es ja so viel besser ohne Zucker :) Dann höre ich einfach auf.
    Übrigens ganz toller Blog, finde es sehr interessant, das alles zu lesen!
    Liebe Grüße, die vegane-esoterisch-angehauchte-gerne-roh-Elfe ;D
    http://tanzende-elfe.blogspot.de/

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