Dienstag, 17. September 2013

Diabetes + Glutenintolleranz...



Heute kam ich ein bisschen in die Zwickmühle...

Wir haben einen Patienten auf Station, der Zeit seines Aufenthalt schlechte Bluteisenwerte und schlecht heilende Wunden hat. Um auszuschließen, dass er keine inneren Blutungen hat, hat man vor 1,5 Wochen eine Magenspiegelung gemacht. Bei der Untersuchung kam ein Verdacht auf Sprue, also Glutenunverträglichkeit, heraus. Seither bekommt der Mann glutenfreie Kost.

Lustig war nur, dass ihm niemand etwas darüber gesagt hat. Ihm wurde glutenfreies Essen bestellt und er wunderte sich darüber, dass das Brot nicht schmeckt.

Tatsächlich lief das aber noch etwas anders. Noch vor seiner ersten glutenfreien Mahlzeit habe ich ihn mit einem Eis in der Waffel in seinem Bett erwischt, welches er sich in der Caféteria gekauft hatte: Natürlich auch zuckerhaltig, was er sowieso nicht darf. Und dann auch noch glutenhaltig.

Der Patient ist absolut incompliant. Compliance ist ein Wort was immer dann verwendet wird, wenn ein Patient auf das hört was der Arzt ihm sagt. Es gibt gute Compliance und schlechte Compliance. Gute Compliance bedeutet, der Patient folgt den ärztlichen Anweisungen. Der Patient ist complient.

Der Mann isst Zucker, Bonbons, Eistee und alles, was er kriegen kann. Er scheint nicht zu begreifen, was man ihm in Bezug auf seinen Zucker sagt. Vielleicht, so dachte ich aber auch, sagt ihm keiner wirklich, was er darf, was nicht und warum nicht. Was Gluten ist und was Glutenunverträglichkeit bedeutet hat ihm jedenfalls keiner erklärt. Ich hab es versucht und seinem Schwager, der ihn besucht, habe ich es auf dessen Nachfragen auch erklärt.

Die glutenfreie Kost scheint aber anzuschlagen. Seine Durchfälle sind weniger geworden. Aber was er kaufen und essen kann, wenn er wieder zuhause, bzw. im Männerwohnheim ist, wo er lebt, hat ihm keiner gesagt.

Daher habe ich ihm versprochen, ich würde ihm mal ein glutenfreies Brot in der Verpackung mitbringen, damit er weiß, wie dass gekennzeichnet ist, welche Hersteller es gibt und wo man es kaufen kann.

Beim Einkaufen fiel mir aber dann ein, dass sie meisten abgepackten, glutfreien Brote ja aus Reismehl, Maismehl, Kartoffelmehl und co. hergestellt werden und dass die fast alle einen ziemlich hohen glykämischen Index haben. Und da dachte ich mir: Als glutenintolleranter Diabetiker, kriegt man noch ne ganze Latte an Problemen mehr. Wenn man dann auch nicht kochen kann, bzw. Lust hat sich mit Rezepten zu befassen, ist eigentlich alles vorbei. Keine Rettung. Zubereitung von Quinoa zu erklären, bzw. was das ist und was man damit machen kann, schießt hier weit über das Ziel hinaus, wenn normale Diabetiker schon nicht wissen, wie sie ihren Zucker ersetzen können und welches Brot sie essen sollten. Da der Patient aber eh dauernd Zucker nascht, dachte ich mir, sei das mal egal. Da ist jemand, dem nicht zu helfen ist...

Genau wie dem Patienten der Analphabet ist: Dem ist der Zucker egal, dem kann man keine Rezepte oder wissenschafltiche Projekte zu lesen geben und wenn man ihm sagt Fleisch sei ungesund sagt er nur: "Es ist aber lecker". Ich sagte: "Davon stirbt man aber" Er: "Dann wäre ich schon lange Tod". - Ich hatte nicht die Eier ihm zu antworten, er sei schon halb tot. Er hat kaum noch Augenlicht, seine Füße sind hinüber, seine Zähne alle raus und was mit seinen Nieren und Gefäßen ist, weiß ich nicht zu beurteilen.

Dennoch nicht resigniert, habe ich heute früh allen Patienten, die sich über ihren hohen Blutzuckerspiegel vor dem Mittagessen gewundert haben, empfohlen sie sollten sich mal echtes Vollkornbrot oder Vollkornhaferflocken von jemandem zum frühstücken mitbringen lassen und dass ich wette, dass der Blutzucker dann um Längen besser ist. Das Krankenhausfrühstück jedenfalls macht hohen Blutzucker. Zudem habe ich regelrecht Werbeansprachen für Stevia mit Erythrit gehalten: Dass es aussieht wie Zucker, schmeckt wie Zucker, aber keine Kalorien und keine Glucose enthält.

Das geht aber leider nur mit intellektuellen Patienten. Älteren Herren, sie gut verdient haben, über Politik diskutieren und bei denen medizinische Argumente aufgrund ihrer Logik fußen. Diesen Leuten hat einfach noch nie ein Arzt gesagt, was sie mit ihrer Ernährung alles verändern können. Was ebenso traurig ist, wie ein Analphabet, der nicht mal seine Krankheit googeln kann.

Menu des Tages am 16. September

1 Bombastischer Bananenmuffin
Schokoladenkuchen
Hafer-Zitronen-Kuchen (Rezept misslungen, daher kein Link ;-)))
1 Paranuss
3 Grüntee

Tortilla mit rohem Basilikumpesto und Möhren
3 g Spirulina

Vollkornnudeln mit rohem Basilikumpesto, Zucchini, Tomate, Zwiebel, Petersilie, Salz und Pfeffer


1/2 Zimtcupcake

1 weiße Schokoladenpraline nach Attila
Curry-Tofu-Scramble


Zum Frühstück nur Kuchen, was zwar eigentlich nicht viel anders ist als eine Haferflockenschale, aber dennoch kommt es mir sehr seltsam vor... Satt bleiben war wieder schwer um die Mittagszeit rum. Ich hatte mir sicherheitshalber ein paar Möhren mitgenommen und habe die zwischendurch geknabbert. Das ging.  Besser ist es aber in der Frühstückspause im Krankenhaus etwas mit mehr Fett zu essen. Das hält länger satt.

Gewicht war heute wieder unter 58 kg nämlich 57,9. Gesamtkalorien 2018, 31% Fett, 61,2 g Eiweiß. Alles gut.

Ich krieg nur schon wieder Schlafstörungen, genau wie letztes Jahr im Krankenhaus. Ich werde mitten in der Nacht wach und kann nicht mehr einschalfen. Heute bin ich um 3:39 Uhr aufgestanden obwohl der Wecker erst um 4:30 Uhr klingelt. Das hab ich, wenn ich um 4:30 Uhr aufstehen muss um im Bioladen zu arbeiten nicht. Dafür gehe ich um 20 Uhr ins Bett. Ich sollte Bäcker werden!

Wie kann man diesen Beruf ein Leben lang ausübern??? Ich würde bekloppt werden. Tatsächlich haben aber auch Angehörige der pflegende Berufe die größte Zahl an psychischen Erkrankungen. Ich weiß wieso. Und ich gehe auf dem Zahnfleisch, weil ich schon 9 Tage hintereinander arbeite und noch 3 vor mir habe. Man muss auch ein Mal in der Woche was anderes sehen! Das geht doch so nicht...In 3 Wochen ist es auch schon wieder vorbei.

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. Ah - Complience. Über das Wort bin ich in Deinem wissenschaftlichen Projekt etwas gestolpert. Ich hatte mich gewundert, warum Du das nicht übersetzt hattest. So ist das nunmal in allen Disziplinen mit dem Fachjargon - und ich habe wieder was gelernt ;)

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  2. Ja, das ist meiner Schwester auch aufgefallen!:-)

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  3. Hey Silke,

    bitte bitte verzweifel nicht - einigen kannst du wohl nicht helfen, aber andere kannst du sicherlich mit deinem Wissen inspirieren!

    Meinst du statt complience vielleicht nicht compliance? (http://de.wikipedia.org/wiki/Compliance_%28Medizin%29)

    Viele Grüße
    Gulaschkanone

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  4. Hast Recht!:-) Mein Fehler...Ist korrigiert...Danke!

    LG Silke

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