Sonntag, 29. September 2013

Schock - schwere Not: Blutzucker!



Ich hab in den letzten Wochen im Krankenhaus beim Zuckermessen immer wieder mal zwischendurch meinen eigenen Blutzucker gemessen um mal zu gucken, wie der sich über den Tag vertreilt entwickelt. Dabei stellte sich raus, dass er sich immer zwischen 85 und 88 bewegt, egal ob die letzte Mahlzeit 1, 2 oder 3 Stunden  her war. Diabetes hat man ab einem Nüchternblutzucker von 125. Viele Patienten hab trotz Antidiabetika und Insulin einen Blutzucker von 150-300, was schon mal erschreckend ist.

Heute früh habe ich verschlafen. Ich hab wohl vergessen meinen Wecker zu stellen und bin um 6:02 Uhr selbstständig wach geworden. Um 6 Uhr war Dienstbeginn. Dabei habe ich dann die Gelegenheit genutzt auch mal meinen Nüchternblutzucker zu messen, da ich keine Zeit mehr hatte zuhause zu frühstücken. Dennoch war das kein echter Nüchternblutzucker, da ich wie bekloppt in die Pedalen meines Fahrrads getreten habe um rechtzeitig im Krankenhaus zu sein und körperliche Aktivität sorgt nun mal dafür, dass Glykogen freigesetzt wird um dem Körper über das Blut Glucose als Energie zur Verfügung zu stellen. Außerdem habe ich, im Krankenhaus angekommen, in Ermangelung von Grüntee einen Kaffee getrunken. Mein "Nüchternblutzucker" war 88.

Aber jetzt kommts: Da ich kein Essen dabei hatte, war ich auf die Nahrungsmittel zum Frühstück angewiesen, die es im Krankenhaus eh gibt. Also habe ich folgendes um ca. 8:30 Uhr gefrühstückt:

2 Graubrot, dünn mit Butter bestrichen und Diätmarmelade
2 Bananen
1 Weißmehlbrötchen mit Magerquark und Marmelade
1 Kaffee

Um 11 Uhr ging ich wieder rum und habe bei den Patienten Blutzucker gemessen und auch interessehalber bei mir selber. Ich hatte einen Wert von 110! Nie zuvor gesehen. Ich dachte mich trifft der Schlag und gleichzeitig war das das Selbe, was ich immer bei den Patienten beobachte, wenn ich vor dem Mittagessen Blutzucker messe. Das Krankenhausfrühstück treibt den Zucker in ungeahnte Höhen!!!
Warum, zum Geier, geben die denen solches Essen? Soll denen Diabetes angefüttert werden? Stecken alle in den Klauen der Pharmaindustrie? Wo soll denn das hin führen?

Ich bin gestern an einem alten Wahlplakat der SPD vorbei gefahren auf dem stand:

Weg mit der Zweiklassen-Medizin: Bürgerversicherung wählen!

Ich sag euch eins: Es gibt keine Zweiklassenmedizin. Alle Diabetiker werden gleich schlecht behandelt. Die Reichen und die Bettelarmen. In manchen Krankenhäusern gibt es für manche Privatpatienten jedoch nachmittags Kuchen. Möglichweise auch ein Indikator dafür, dass man sich Privatpatienten krank halten will...

Jedenfalls geh ich davon aus, dass mein Körper einen Blutzucker von etwa 85 für optimal hält, wenn er so viel Glykogen in mein Blut frei läßt, wenn ich nichts gegessen habe, aber Energie brauche z.B. zum Fahrradfahren.

Barnard hat wieder mal absolut Recht! Nahrung mit niedrigem glykämischen Index gibt den Zucker viel langsamer und damit gleichmäßiger an das Blut ab und sorgt so dafür, dass immer Energie zur Verfügung steht. Die Bauchspeicheldrüse wird nicht übermäßig belastet und so kann sie kontinuierlich niedrige Mengen Insulin produzieren.

Wir haben ja den 180 kg-Mann auf Station liegen und der hat regelmäßig einen Blutzucker von 300. Er kann sich kaum bewegen und daher sind seine Zellen völlig insulinresistent. Er kam mit entgleistem Diabetes zu uns und spritzt sich in aller gegelmäßigkein horrende Einheiten Insulin, was total sinnlos ist, da es eh nicht von den Muskel- und Leberzellen, die ja resistent sind, angedockt werden kann. Für ihn gibt es nur die eine Möglichkeit "Gemüsetage" zu machen, damit sich irgendwas bessern kann. Die verweigert er aber, obwohl ich immer weiter auf ihn einrede und ihn gestern auch schon so weit hatte, dass er zustimmt. Da das Diabetesschulungsperson aber am Wochenende frei hat, konnte ich ihm die Zustimmung nicht gleich erfüllen.


Wenn man aber Nahrung mit niedrigem glykämischen Index isst, hat man auch nicht diesen Insulinüberschuss und das hat den Vorteil, dass Insulin, das Speicherhormon, nicht auch noch alle anderen Sachen, neben der Glucose einspeichert. Z.B. Fett. Der Typ spritzt sich Insulin, was die Muskel- und Leberzellen nicht aufnehmen können, seine Fettspeicher sind aber nicht von Insulinresistenz betroffen und so wird er fetter und fetter...

Also: Esst kein Weißbrot, keinen Zucker, keine Marmelade. Ein schneller Blutzuckeranstieg führt auch zu einem schnellen Abfall und dann ganz schnell wieder zu Hunger. Und wenn man dann wieder mit Weißmehl und Zucker anfängt, wenn man Hunger hat, führt das in einen Teufelskreis. Es gibt jedoch eine einzige Ausnahme: Nudeln. Selbst Weißmehlnudeln haben einen niedrigen glykämischen Index von 50. Dafür aber keine Ballaststoffe und daher ist es auch bei Nudeln besser Vollkorn statt Weißmehl zu verwenden...

Menu des Tages am 28. September

Buchweizenknuspis, Rosinen, Mohn, Leinsamen, Banane, Sojamilch und Stevia



Vollkornbrot mit Carobella
5 Pflaumen

135 g gekochte Linsen mit Sojasauce
1/2 Zimtcupcake
1 St. Hafer-Zitronenkuchen (misslungen, daher kein Rezept)

29 g veganer Mozzarella

Salat aus Reis, Paprika, Feldsalat, Zwiebel, Sellerie, 1 TL Olivenöl, Apfelessig, Salz, Pfeffer, Wanderlust-Gewürz, Stevia


1 Bonbon

Mit Grauen sehe ich den nächsten 2 Wochen entgegen, bis das Pflegepraktikum vorbei ist. Mein Urlaub im Bioladen geht nämlich heute auch zuende und ich muss die nächsten 2 Wochen beides machen. Und auch noch meinen Geburtstag am Donnerstag vorbereiten, wo es natürlich keinerlei Fertignahrung gibt, und ich muss Theaterflyer verteilen... Ich fürchte Sport muss ich komplett ausfallen lassen und wie viel ich bloggen kann, weiß ich auch noch nicht...Am 11. Oktober bin ich dann entgültig FREI!

Gestern gab's 2000 kcal, die Nährstoffbilanz war mittelprächtig. Ich bin immer noch dabei eher den Kühlschrank und den Vorratsschrank zu leeren, als darauf zu achten, dass ich alle Nährstoffvorgaben des Cronometers erfülle. Ist suboptimal, geht aber gerade nicht anders. Auf der Waage war ich nicht...Hab verschlafen...

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. Viel Kraft für den Endspurt ... und nochmals Danke für deine Einblicke, die doch sehr nachdenklich machen...

    AntwortenLöschen
  2. was sind denn Buchweizenknuspis??? Ich finds übrigens sehr toll, wie du dich engagierst im Krankenhaus. Weiterhin viel Durchhaltevermögen! LG

    AntwortenLöschen
  3. Buchweizenknuspies sind eingeweichte Buchweizenkörner, die dann im Dörrgerät getrocknet werden!:-) Danke! und Gerne!:-)

    AntwortenLöschen
  4. du hast heute im Newsletter ein leckeres Rezept drin. Schreibst was über Hafer aber den find ich nicht im Rezept - statt dessen hast du Buchweizen eingeweicht - ist bestimmt auch lecker ;-)

    AntwortenLöschen
  5. Siehste, das passiert, wenn ich voll im Stresssss bin. - Danke für den Hinweis! - gibt ne Korrektur...

    LG Silke

    AntwortenLöschen
  6. alles Gute zum Geburtstag!!! - hoffentlich läßt du bald mal wieder was von dir hören (lesen) ;-)

    AntwortenLöschen