Freitag, 13. September 2013

Krankenhausfrust...



Ich denke, ich bin schon wieder frustriert von der Schulmedizin, was zum einen damit zusammen hängt, dass mein Patient gestern weniger motiviert war als ich, zum anderen damit, dass ich wieder einen Anschiss bekommen habe, weil mein Zuckermessen so lange dauert.

Es ist nämlich so, dass bei den Patienten 3 Mal am Tag Zucker gemessen wird und dann passiert nichts mehr. Also quasi nichts mehr, die Insulindosis für das darauffolgende Essen wird angepasst. - Aber die Patienten haben immer wieder Rückfragen, wie es sein kann, dass der Zucker so hoch oder so tief ist, wenn man doch nur das und das gegessen hat und wie da die Zusammenhänge sind. Und da ich die Heilung des Patienten als Ziel sehe und nicht die Verwaltung, erkläre ich dann die Zusammenhänge. Aus solchen Koversation heraus ergeben sich dann auch Gespräche wie mit dem Patienten, der mein wissenschaftliches Projekt jetzt gelesen hat.

Aber wenn ich einen Anschiß kriege, werde ich kritisch und fange dann auch an alles zu bemängeln, was die Leute falsch machen, die mich kritisieren und so fällt mir dann alles auf, was falsch läuft.

Zum Beispiel ist da ein Patient, dessen Blutzucker immer zu niedrig ist. Er misst selber und stellt auch seine Insulinmenge selber ein. Ich hab ihm gesagt, wenn der Zucker top ist, brauche er sich auch gar nicht zu spritzen. Daraufhin erzählte er mir, dass sein Diabetologe gesagt habe, er solle trotzdem spritzen und den niedrigen Zucker, dann durch das Essen von Traubenzucker ausgleichen! - Die ham se doch nicht alle!!! - Es ist immer besser, die Medikation zu vermindern, statt das Essen zu erhöhen! Gott sei Dank hat eine Schwester ihm das später auch nochmal gesagt und er hat dann tatsächlich nicht gespritzt und am nächsten Tag war sein Zucker auch nicht gravierend höher als bei einem Gesunden. Ich hab keine Ahnung wie er das gemacht hat, oder ob er eigentlich gar kein Diabetiker ist, oder ob er diagnostiziert wurde als er gerade eine Stress-oder Süßkramphase hatte und sich das mittlerweile regeneriert hat. Oder ob er normalerweise einfach anders isst.

Das selbe Prinzip bei Abführmitteln: Da wird einer Patientin erst ein Abführmittel geben und dann wird sich gewundert, warum sie den Stuhl nicht einhalten kann und der flüssige Kot dann im ganzen Zimmer verteilt ist, so dass mit zwei examinierten Krankenschwestern geputzt werden muss, während ein anderer Patient blutet und keine Zeit dafür ist die Wunder zu verbinden. Warum nicht einfach Ballaststoffe in das Krankenhausessen geben, damit die Darmtätigkeit angeregt wird??? Und dann natürlich Aufklärung des Patienten und Anteilnahme und Verständnis für seine Situation. Wer nicht entspannt ist, kann auch nicht kacken! - Entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise.

Die Patientin die die "Gemüsetage" zur Insulinresistenzverbesserung bekam hat gesagt, sie möchte nach Hause und wird heute entlassen. Die "Gemüsetage" wurden dran gegeben. Bringt ja eh nichts. Sie will einfach nicht...

Unterdessen habe ich mal heimlich nachgefragt, ob ein Patient der auf Station liegt, wenn er das wünsche, diese "Gemüsetage" statt des normalen Essens bekommen könnte. Und da liebe ich diese Diabetesberaterin mit der ich darüber gesprochen hatte. Sie kriegt nämlich ein Leuchten in die Augen, wenn die von den "Gemüsetagen" spricht. Sie sagt, dass sei so krass, wie sich der Blutzucker dabei verbessere, weil die Insulinresistenz zurück geht. Ein "Gemüsetag" geht wie folgt: Morgens Vollkornbrot mit Marmelade ohne Butter oder Margarine, mittags gekochtes Gemüse mit Reis, abends einen riesigen Salat mit fettarmem Dressing. Totale Basics der typischen fettarmen, vollwertigen, pflanzlichen Ernährung.

Auch wieder heimlich habe ich das meinem Patienten erzählt, denn ich will ja niemandes Authorität untergraben. Aber der war dann nicht so begeistert, wie ich es war und das hat mich auch wiederum enttäuscht...Er bat nicht darum ab sofort mal 3 Gemüsetage zu testen um zu gucken, wie sich sein Blutzucker verbessert. Aber er kommt eh Ende des Monats in die Schulung.

Begeistert war er hingegen von meinen diabetikertauglichen bombastischen Bananenmuffins. Die bestehen fast nur aus Hafervollkornmehl und aus Bananen und die Bananen hat keiner der 3 Diabetiker-Testesser heraus geschmeckt. Komisch, war aber so. Ich hatte ein bisschen Schiss, dass, trotz nur 14% Fett in den Muffins, der Blutzucker, aufgrund all der anderen Sachen, die die im Krankenhaus zu essen kriegen, also Fleisch, Butter etc. doch etwas zu hoch steigen könnte. Dem war aber nicht so. Da kann man mal sehen wie Kohlenhydrate wirken, wenn sie mit Ballaststoffen daher kommen. Der Zucker wird tatsächlich langsamer zur Verfügung gestellt und die Bauchspeicheldrüse kommt mir der Produktion von Insulin hinterher.

Einen klugen Patienten habe ich dann aber auch entdeckt: Der hatte laktose und zuckerfreie Spekulatius im Zimmer. Hatte seine Frau ihm gekauft. Gibt es sogar regulär im Supermarkt. Ist wahrscheinlich aber zu viel Fett drin...

Menu des Tages am 12. September

Buchweizenknuspis, Amaranthpops, Hafermilch, getrocknete Ananas, getrocknete Aprikosen, Mohn, Chia, Banane, Apfel und Stevia

Schokoladenkuchen

2 Möhren
1 Banane
1 Vollkornbrot

rohe Tomatencremesuppe


Bombastischer Bananenmuffin


Waldorfsalat, roh, auf Blattsalat

Waren 2017 kcal, etwas zu wenig Folsäure und Eisen, 30% Fett, 53,7 g Eiweiß, was zu wenig ist, aufgrund dessen, dass mein Hanfprotein leer ist. Gewicht heute 58,1 kg. Sehr schön.

Wir haben einen Patienten, der über 200 kg wiegt und der bekommt nur 1200 kcal zu essen. Ich würde sterben! Natürlich besorgt auch der sich nebenbei woanders was zu essen, und ich kann es ihm auch nicht verdenken. 1200 kcal schraubt nur den Grundumsatz runter und er muss mehr essen, damit das nicht passiert. Sie sollten ihm lieber 2000 kcal vollwertiges Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte geben.

Ich würde auch gerne ein typsches Krankenhausessen in den Cronometer eingeben um zu sehen ob halbwegs Nährstoffe vorhanden sind. Ich bezweifele es nämlich sehr, sehr stark. Und ich muss leider auch ergänzen, dass es natürlich kein Wunder ist, dass es die Schwestern nicht schert, was die Patienten zu essen kriegen. denn mindestens die Hälfte der Schwestern sind ebenfalls übergewichtig. Eine sogar Typ-II-Diabetikerin, die sich als fleischfressende Pflanze bezeichnet.

Komisch, die Ärzte nicht...

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. Hallo Silke, vielen Dank für das Muffinrezept, die werde ich für meinen Vater backen. Ich habe allerdings Schwierigkeiten, das Hafermehl zu finden. Hast du einen Tip?

    Ansonsten finde ich es klasse, wie du dich um deine Patienten kümmerst! Da tun sich ja Abgründe auf, was so im Gesundheitswesen läuft. Aber das war mir klar, ich hatte schon oft genug mit Ärzten zu tun, die keine Ahnung von den aktuellen Erkenntnissen im Ernährunbsbereich hatten...

    Viele Grüße

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  2. Du kaufst Hafer und mahlst ihn selbst! Dinkel oder Weizenmehl geht aber sicher auch!

    LG Silke

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  3. Hi Lenore, falls Du so ein altersschwaches Teil wie meinen Blender hast: Haferflocken lassen sich viel einfacher schreddern :-)

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  4. ach so, natürlich! Ich hab zwar einen Vitamix, aber richtig fein kriege ich das Mehl trotzdem nie...ich werds mal mit Haferflocken probieren.

    LG

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  5. Was ist eigentlich aus dem Traubenkernpulver geworden? Vielleicht habe ich den auswertenen Post dazu nicht mitbekommen, aber das würde mich wirklich sehr interessieren. :)

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  6. Gab keinen auswertenden Post. Das ist super! - Die Packung ist nur gerade leer...Muss neues kaufen!

    LG Silke

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  7. Bin etwas buff...????
    Diabetes oder auch Zuckerkrankheit und dann diese ganzen Kohlenhydrate?
    Du verteufelst tierische Fette / gesättigte Fette wobei diese Lehre schon überholt, bzw. nicht bewiesen werden konnte, sonder eher das Gegenteil..???

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  8. Ich hab meine Studien vorgelegt. Wo sind deine???

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  9. Hallo Silke,

    ich entschuldige mich erstmal, da ich hier einfach aufgetaucht bin in Deinem Blog und nichts nettes geschrieben habe ;)

    So wie ich aufgetaucht bin so ziehe ich mich wieder zurück.

    Trotzdem möchte ich Dir noch 2 Beispiele nennen, nein keine Studien obwohl es sie gibt (welcher Studie sollen wir denn trauen?).

    Die Inuit (sie müssten eigenlich alle Herzkrank sein?)
    oder
    Okinawa.

    Ja ich habe meine Theorie doch werde ich sie keinem aufzwingen und bei Gemüse sind wir uns alle einig, das ist doch gut.

    LG
    Tony

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  10. Hallo Tony,

    die Inuit weisen eine genetische Veränderung auf, die sie gesättigte Fette besser tollerieren läßt. Evolution sei Dank.

    Okinawa isst kaum Fleisch. Wenn dann Fisch, aber hauptsächlich Gemüse.

    LG Silke

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