Freitag, 28. August 2015

"The Hunger Fix" - Zucker-/Esssucht nach Dr. Pamela Peeke



Dr. Vera Tarman, Autorin von Food Junkies: The Truth About Food Addiction hat über ihr Buch gesagt, es sei das erste Buch überhaupt, dass ein Schulmediziner über Esssucht geschrieben hat. Es sieht so aus, dass sie sich täuscht, den ihr Buch ist Anfang 2015 erschienen und das von Dr. Pamela Peeke The Hunger Fix: The Three-Stage Detox and Recovery Plan for Overeating and Food Addiction bereits 2013.

Ich bin natürlich mal wieder über Chef AJ auf Pamela Peeke aufmerksam geworden, die ein Interview mit ihr geführt hat, was nicht wirklich viel Neues gebracht hat. Ein bissche was aber schon. Sie erklärt, dass Esssüchtige häufig mit emotionalen Traumata in der Kindheit zu tun hatte, woraus sie gelernt haben, dass man das mit bestimmten Nahrungsmitteln bekämpfen kann, und sie erzählt viel über Überkreuz-Süchte - ich weiß gar nicht ob es einen deutschen Begriff dafür gibt - nämlich wie die eine Sucht eine andere Sucht triggert  bzw. wie man sich einer anderen Sucht zuwendet, wenn man die eine bleiben lässt.



Ich hab ihr Buch natürlich sofort gekauft und bin leider erst dazu gekommen, ein paar Seiten zu lesen, aber so weit gefällt es mir, weil sie es schafft, die Gefühle die der Betroffene hat mit der Wissenschaft da hinter abzugleichen und zu erklären.

Sie hat auch eine Website auf welcher sie sich präsentiert und dort wiederum gibt es ein paar wunderbare MRT Aufnahmen von Gehirnen, die welche auf der Zustand Normal, auf Kokain und bei Adipositas abgebildet wird. Kokain und Adipostitas sieht hier so gut wie gleich aus.

Ich verstehe nur ihren Plan nicht. Sie unterscheidet zwischen "False fixes" und "Healthy fixe" - Zu den falschen gehören Kuchen, Kekse, Spaghetti mit Fleischbällchen, Pizza, Eis, Cheeseburger, Berliner und zu den gesunden gehört alles mögliche...Sie hat Rezepte auf der Seite die Weißmehl enthalten, Zucker, Fett, Fleisch, Eier, Weißmehl....Ich check's nicht...

Denn unterdessen, also in den letzten 2 Tagen bin ich völlig abgestürzt, deshalb kann es so einfach wie Dr. Peeke es sich hier macht, nicht sein. Es ist wieder genau das passiert, was Kathleen DesMaison in Bezug auf Rückfälle beschreibt. Man fängt mit einem bisschen was an, wird nicht getriggert, denkt alles ist gut und dann kurze Zeit später kommt der totale Rückfall. Bei Zigaretten ist das genau so. Eine Zigarette hier, dann eine da, man wird nicht mehr süchtig und irgendwann kauft man doch ne Schachtel und dann ist es um einen geschehen und man raucht sie alle weg...

Ich wollte eigentlich nur jeden Sonntag ein ein-Personen-veganes-Süßkramrezept kreieren, aber hab es übertrieben und fast jeden Tag eine Klitzekleinigkeit veganen Süßkram gegessen oder hergestellt. Tja, und dann war ich vorgestern im Bioladen an der Backtheke und konnte, wegen der vorherigen kleinen Rückfälle, bei der Bioladen-Verkostung nicht widerstehen. Hab mehr genascht als ich wollte und festgestellt meine Impulskontrolle ist hinüber. - Und ich habe wieder gelernt wie scheiße sich das anfühlt keine Impulskontrolle zu haben! Wie wenig ich das leiden kann...Also folgender Plan: Challenge unter der Woche, Ausnahmen am Sonntag. Theoretisch müsste das Belohnungssystem damit zurecht kommen, also mal schauen ob das eine Variation für die Zukunft ist.

Mit gefällt nämlich der Gedanke besondere Sachen für besondere Tage aufzubewahren, weil ich irgendwie zumindest theoretisch so aufgewachsen bin. Es gab nämlich Milka Schokolade immer Samstag abends beim Fernsehen. Unter der Woche nicht. Da gab es aber Marmelade, gesüßten Joghurt, Nuss-Nugat-Creme, Weißmehl und weiß der Geier was für'n Scheiß, Mit 13-14 Jahren hatte ich alle Backenzähne voll Amalgam! - Allein dass lässt schon auf Zuckersensibilität schließen. Und mir gefällt auch der Gedanken, also jetzt nicht für mich, sondern für Omnivore, sein Fleisch auf Sonntags zu beschränken. Damit man auf weniger gesunde Sachen nicht für immer verzichten muss, sich nicht eingeschränkt fühlt, sondern in dem Maße konsumiert, dass sie nicht schaden und man gleichzeitig erkennt, dass da ein besonderer Stellenwert hinter steckt.

Naja, High Carb Christian hat dann noch kein Mini-Interview mit mir gemacht, wo das Prinzip der Zuckersucht/Zuckersensibilität mal kurz angesprochen wird, aber leider kommen wir in der kurzen Zeit nicht bis ins Detail.


Menü des Tages am 27. August 2015

Zucchini und Tomate


Glutenfreie Haferflocken, Polenta, Zimt, Paranuss, Chia, Sunwarrior, 2 Bananen


1 Möhre, 1 Banane, 2 Paranüsse

Spinat-Kartoffel-Burger, Gemüsepfanne und Kartoffeln


zudem viel zu viele American Cookies, die bei Denns im Angebot sind...böse...

Tja, und wie es hier ab nächste Woche so weiter geht, kann ich noch nicht ganz absehen. Mein Alltag wird sich ändern, da ich mit der Famulatur in der Präventivmedizin, Endokrinologie und Diabetologie an der Uniklinik anfange. Dienstbeginn ist 8 Uhr morgens, was auch immer Vorlesungszeit im Semester war. Aber aus dem Semesterrhythmus bin ich ja auch momentan raus...So spontan, gefällt mir das mit den Semesterferien gerade sehr gut und ich hab gar nicht wirklich Lust auf die Famulatur, obwohl ich, als ich sie vereinbart hatte, leidenschaftlich erfüllt davon war.

Und wenn ich erstmal da bin und mich wieder auf's neue mit Zucker-/Esssucht beschäftige und davon Betroffenen und gerade selber auch mit mir zu kämpfen habe, wird bestimmt ne Menge Leidenschaft dafür möglich sein.

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. kannst du mal nen beitrag zum thema impulskontrolle machen? oder hast vlt schonmal einen geschrieben? finde das total spannend, weil ich damit große probleme habe, und ich bin sicher nicht die einzige. also so mit konkreten tipps und erfahrungen.... grade sowas wie dein bioladen-job könnt ich nie machen, weil ich die ganze zeit nur aufs essen stieren würde.

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  2. Gib einfach mal Impulskontrolle in die Suchfunktion rechts oben ein, dann findest du schon einiges.

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  3. Ich selber habe vor ca. 3,5 Jahren Industriezucker von heute auf morgen konsequent aus meinem Leben gestrichen. Weil ich überzeugt war, dass dieser Zucker nicht gesund ist. Dabei habe ich folgende Erfahrungen gemacht:

    Am Anfang steht immer die Entscheidung: ich konsumiere keinen Industriezucker mehr. PUNKT. Kein „Wenn aber dies und das passiert, dann brauche ich doch…“ und „ich könnte ja mal ein wenig…“ oder „beim Geburtstag von Tante Ulla“ usw. usf. Ich glaube nicht, dass es funktioniert, wenn man sich zig Auswege im Kopf bereithält. Ich musste zu meinem eigenen Erstaunen (und Erschrecken!) die Erfahrung machen, dass selbst Kleinstmengen, die ich irgendwo in unserem Afrika-Urlaub unwissend konsumiert habe, mich wieder komplett zurückgeworfen haben und ich von ganz vorne beginnen musste.

    Obwohl ich zwar nie der Zucker-Junkie war (ich habe zwar täglich etwas Süßes gegessen, aber durch die Prägung vom Elternhaus dosiert), habe ich körperlich spürbaren Entzug durchgemacht (mit Zittern, nervöses Hin- und Herlaufen usw.). Mit dieser Härte hatte ich nicht gerechnet. Ersatz waren für mich Trockenfrüchte, Bananen, Nüsse, Honig u.ä. Zwar habe ich in den ersten Wochen bei Heißhunger noch Unmengen Rosinen verdrückt, aber mit der Zeit regulierte sich das von alleine. Die Mengen wurden weniger, das Bedürfnis nach Süße ließ nach – auch nach Industriezucker. Es war herrlich. Ich glaube nicht, dass ich es ohne diesen Ersatz so schnell bzw. überhaupt geschafft hätte.

    Rund 2,5 Jahre nach meiner Entscheidung musste ich aus einer Situation, die es nicht anders zuließ, dann ein Stück Kuchen (natürlich war er mit Zucker gebacken) essen. Ich erwartete geschmacklich den Himmel auf Erden -ich liebte bis zu meiner Abstinenz eigentlich Kuchen für mein Leben gern- und danach wieder einen Entzug. Das Ergebnis überraschte mich: Der Kuchen schmeckte mir überhaupt nicht. Er war mir viel, viel zu süß (mein Mann sagte mir später, dass er „ganz normal“ gesüßt war). Der ganze Tag war mir übel, meinem Magen ging es nicht gut. Seitdem weiß ich, dass sich von früher in meinem Kopf ein Bild manifestiert hat („Das ist lecker“), das gar nicht mehr der Wirklichkeit entspricht. Nun kann ich ohne Versuchung jede Süßigkeit, jeden Kuchen getrost durchwinken, denn: er interessiert mich einfach nicht mehr! Ich habe nicht mehr das Gefühl auf etwas ganz Leckeres zu verzichten. Ich weiß, dass es nur das Bild ist, das ich in meinem Kopf habe.

    VG, Christine

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  4. Ein Ausstieg aus der Zuckersucht läuft nicht über den kalten Entzug. Der Prozess des Umlernens braucht seine Zeit. Tipps und Techniken zum Ausstieg aus der Zuckersucht gibt es hier: http://zuckerersatz-info.de/zuckersucht-ueberwinden/

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    1. Dem stimme ich nicht notwendigerweise zu und wüsste auch nicht, dass es darüber wissenschaftliche Studien gibt.. Und ich stimme auch nicht dem ersetzen von Zucker durch Stevia, Eythrit oder Xylitol zu, weil allein der süße Geschmack auf der Zucker Dopamin ausschüttet und damit die Sucht am Leben erhält.

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