Mittwoch, 12. August 2015

Expertenrunde Kohlenhydrate



Ich will euch die Fortsetzung der Expertenrunde LowCarb nicht vorenthalten, denn auch wenn diese kürzer ist, so ist die Diskussion über Kohlenhydrate nicht minder interessant, obwohl ich auch da Einwände habe. Oder sagen wir, Ergänzungen.



Es ist lustig, weil Dr. Jacobs die Diskussion beginnt mit der These von LowCarbern, dass Kohlenhyderate ja nicht essentiell seien, weil der Mensch sie grundsätzlich aus glucogenen Aminosäuren selber herstellen kann. Das ist ein Argument für LowCarber sie nicht zu essen. Dann wird über Affen geredet, unsere nächsten Verwandten, die in freier Wildbahn hauptsächlich Blätter und nicht etwa Bananen und Obst essen, was Dr. Jacobs zu der Aussage verleitet, dass Dr. Joachim Mutter mit deinem "Grün essen" dann wohl doch Recht habe.

Hat er natürlich nicht, zum einen weil, wie der Artikel im Quarterly Review of Biology dargelegt hat, dass Menschen eine an Stärke angepasste Amylase haben, was Affen nicht haben und zum anderen, weil Dr. Joachim Mutter noch ganz andere völlig absurde und wilde Theorien hegt, wie dass man im Darm sein eigenes Eiweiß synthetisieren kann und keines essen muss, was wissenschaftlich nicht belegbar, aber seine Erklärung dafür ist, dass es Menschen gibt, die mit viel zu niedrigem Eiweißverzehr dennoch Muskelmasse aufbauen können.

Dr. Mutter erregt bei mir ähnliches Am-Kopf-Kratzen wie Dr. Strunz und Dr. Dr. Probst...

Auch interessant ist, was Dr. Jacobs bezüglich der Höchstgeschwindigkeit von Geparden vs. Pferden erzählt sowie ihrer Ausdauerleistung. Geparden, als Fleischfresser, sind tolle Sprinter und erreichen auf 200 m eine Höchstgeschwindigkeit von 51 km/h. Pferde können über 2,5 km satte 61 km/h an den Tag legen. Auch das deckt sich mit der Beobachtung aus dem Quarterly Review of Biology, dass um überleben zu können es für Homo Sapiens und seine Vorgänger essentiell war schnell und ausdauernd rennen zu können und das kann ihm ohne Kohlenhydrate nicht möglich gewesen sein.

Es geht dann natürlich auch noch um die Entwicklung des Hirns, die aber schlussendlich nicht mehr viel mit dem Verzehr von Fleisch zu tun haben kann, da Fleischfresserr eben keine riesigen Gehirne haben und sich auch Affen, die gelegentlich Fleisch essen, nicht in Richtung Mensch entwickelt haben. Abgesehen davon, dass das Gehirn nur Glucose verbrennen kann, außer bei Ketose. Es macht daher in jeder Hinsicht mehr Sinn die Entwicklung des Hirns auf das Kochen und den Verzehr von Stärke zu schieben. Vor allem, wenn man dann noch betrachtet, dass sich jeder Hochkultur jemals auf der Grundlage von Ackerbau und reichem Vorhandensein vorn Stärkeprodukten entwickelt hat. Nicht Jäger und Sammler haben eine Hochkultur entwickelt, sondern ortsständige Kulturen mit Ackerbau.

Dann geht es noch kurz um Diabetes und um den Riesenfehler vieler Ärzte "Die ja alle keine Ahnung von Ernährung haben" - müssen das Kollegen über Kollegen sagen und vor allem so pauschalisieren??? - und den Patienten nicht darüber aufklären, dass Diabetes viel mehr von Fett als von Zucker gefüttert wird. Das ginge auch aus diversen Studien hervor und es stimmt natürlich auch. Fett macht die Zellen insulinresistent. Aber mal völlig unabhängig davon, ob ein Arzt Ahnung von Ernährung hat oder nicht, er hat Leitlinien. Ich hab in denen für Diabetes nachgelesen, weil Diabetes immer noch meine Lieblingskrankheit ist und da steht eindeutig drin, der Patient solle Fett und tierische Produkte meiden, Vollkorn, Obst und Gemüse essen und natürlich auch Zucker reduzieren. Hat man jemals irgendwo irgendeine andere Ernährungsempfehlung gelesen? Die DGE empfiehlt das auch! Nur dass ich und Barnard, Onish, Esselstyn und Co. halt noch einen drauf setzen und alles tierische streichen.

Und ganz am Schluss kommt noch der Kameramann zu Wort, welcher rein zufällig Lars von Rohe Energie ist und der erzählt von seiner LowCarb-Vergangenheit. Satte 10 Jahre hat der LowCarb gemacht!!! Und ist dann wohl irgendwann zu Rohkost und von da zu veganer Ernährung gekommen. Er erzählt von seinen permanenten Kopfschmerzen unter LowCarb und wie er pro Tag 10 Ibuprofen nahm und damit seine Leber geschädigt hat. - Heilige Scheiße! - Und Dr. Bihlmeier erzählt noch, dass Rheumatiker, aufgrund ihrer Schmerzen und nicht anschlagender Medikamente manchmal dazu bewegt werden können, sich pflanzlich zu ernähren und dann auch bei der Stange bleiben, weil sie feststellen, dass ihre Schmerzen wirklich besser werden. Diabetiker haben leider keine Schmerzen, eher das Gegenteil, die spüren ihre abfaulenden Gliedmaßen nicht mal, und haben daher keine Not. Zu dumm. Es gibt nämliche mehr Diabetiker als Rheumpatienten.

Menü des Tages am 10. August 2015

Brokkoli mit Paprika


Glutenfreie Haferflocken mit Banane, Apfel, Pflaume, Kakaonibs, 2 TL Chia, Paranuss, Mohn, Weizenkeime



Orientalisches Gemüse mit Kichererbsen und Quinoa


3 TL Cashewmus

Zucchini, Kichererbsen, Quinoa und Salz


4 TL Cashewmus

Habt ihr schon mal Cashewmus gegessen? Heilige Scheiße ist das lecker!


Das hat mein Chef gut gemacht. Es ist genau so lecker wie Nutella nur nicht so süß...finde ich jetzt mal gerade, weil ich schon sehr lange keinen Zucker mehr esse. Aber Cashews sind von Natur schon ziemlich süß und so esse ich Cashewmus zum Dessert...und kriege davon Sodbrennen! - Jetzt hab ich's was der Grund für mein Sodbrennen nach Verzehr von zu viel Kuchen ist: Das Fett. Nicht das Weißmehl oder der Zucker.

Und natürlich gerät mein Omega 3:6 Verhältnis damit ins Wanken, was ich total vergessen hatte. Oder besser, ich hatte es nicht vergessen sondern mir fiel nur ein, dass ich keine wirkliche wissenschaftliche Relevanz dafür gefunden haben. Gibt es aber doch. Gerade für Veganer oder für Menschen die keinen Fisch essen. Linol- und Linolensäure wird im Körper vom selben Enzym umgesetzt und - ich weiß jetzt nicht wirklich viel über die Affinität der einzelnen Moleküle zu dem Enzym weiß. Moment....Google: Linolensäure Affinität Enzym

So, ich dachte ich schreib mal schnell auf, was ich gerade gemacht habe,;-)))

Ich wünschte ich hätte folgendes Google-Ergebnis schon viel früher gehabt, denn hier im Vitalstofflexikon steht wirklich alles drin was man über essentielle Fette wissen muss.

Also, ich hab soeben Blödsinn erzählt über Veganer und Omega 3:6-Verhältnis:

Linolensäure (Omega 3 aus Pflanzen)hat eine größere Affinität zu deb Enzymen namens delta-6 und delta-5 Desaturase, wird also bevorzugt umgesetzt und bei Frauen noch besser, weil Östrogen dazu beiträgt genauso wie B6, Calcium, Maagnesium und Zink. Also gibt es wirklich keinen Grund, auch nicht für Nicht-Fisch-Esser, explizit darauf zu achten, ein vernünftiges Fettsäureverhältnis an den Tag zu legen. Die Affinität regelt es alleine obwohl auch das Vitalstofflexikom darauf hinweist, dass man es mit einem ungünstigen Verhältnis auch übertreiben kann.

Omega 3:6 wird eh das nächste Video, dann gehe ich darauf noch mal näher ein.

Ach ja, Video von gestern: Rohkost debunked!!! - Mythos #3 Pottengers Katzen



Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. Hmm - aber weiter in dem Artikel heißt es doch: "Wird beispielsweise mehr Linolsäure als alpha-Linolensäure über die Nahrung zugeführt, kommt es zu einer gesteigerten endogenen Synthese der proinflammatorischen (entzündungsfördernden) Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure und zu einer verminderten körpereigenen Synthese der antiinflammatorisch (entzündungshemmend) wirksamen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA [11, 23, 37, 52]. Dies verdeutlicht die Relevanz eines mengenmäßig ausgewogenen Verhältnisses von Linolsäure zu alpha-Linolensäure in der Nahrung [37, 52]. Nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren der Nahrung im Sinne einer präventiv wirksamen Zusammensetzung 5:1 betragen [20, 23, 27, 37, 56, 59]."

    Das Verhältnis ist also doch schon wichtig oder sehe ich das jetzt falsch?

    Ich mag deine langen Artikel in letzter Zeit!

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  2. Danke!:-)

    Ja, klar, zu sehr übertreiben darf man es auch nicht. Es muss aber auch nicht 1:1 sein.
    Wobei ich mich schon sehr wundern würde, wenn der Körper, nur weil er Arachidonsäure vorrätig hat, er daraus, selbst wenn es keinen Grund gibt, Entzündungsmarker herstellen würde.
    Aber dazu habe ich noch nie was gelesen.

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  3. Hej - ich finde deinen Blog auch echt erhellend!

    Als Neurodermitikerin und sehr experiementierfreudige Person achte ich gerade sehr auf meine Reaktionen, was Nahrungmittel betrifft.
    Mir ist aufgefallen, dass eine sehr stärkehaltige Ernährung bei mir immer zu trockenen, roten, juckenden Stellen - erst zwischen den Fingern, dann anderswo - führt. Nach Mehl ist es schlimmer als nach Reis/Kartoffeln, tritt aber nach einer entsprechenden Menge auch da ein.

    Und esse ich viel Vollkorn, habe ich danach immer vermehrt Fußkrämpfe! (Die hab ich auch nach hohem Milchproduktekonsum und vermehrter Bewegung). Ich hab aber keine nachgewiesene Unverträglichkeit gegen irgendetwas.

    Wie sind da deine Beobachtungen? Weichst du dein Getreide eigentlich ein, oder fermentierst du das? Gibt es da irgendeine Wechselwirkung mit säurehaltigem Obst? Bei Paleo wird ja Phytinsäure immer so verteufelt. Aber ich weiß echt nicht, wie man das schaffen soll, so viel Gemüse/Obst bei Palo in sich reinzuschaufeln, dass man gesättigt wird (wenn man viel Fett außen vor lässt).
    Naja, wirklich ausprobiert hab ich's auch noch nicht... :)
    Ich würde mich sehr über deine Meinung dazu freuen, auch zu dem Phytinsäuregedöns!

    Liebe Grüße,
    Kathi!

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  4. Hallo Kathi,

    ich hab gerade erst über Phytinsäure einen ganzen Artikel geschrieben und auch ein Video gedreht!!! http://rohelust.blogspot.de/2015/08/ist-phytinsaure-schadlich-oder-der.html

    Alle Neurodermitiker die ich kenne, nehmen keine meiner Ernährungsratschläge an, also mein Vater und meine Schwester, daher kann ich dir dazu absolut nichts sagen. Beide essen Getreide und Milch. Durch Sonne wird die Neurodermitis besser.

    Ich weiche mein Getreide weder ein noch fermentiere ich es. Ich koche es (Reis), backe es (Brot) oder ich übergieße es mit heißem Wasser (Haferflocken)

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  5. Hallo Silke,
    da ich ausgesprochen Cashew-Nuss-süchtig bin (mehr als 100 gr pro Tag) hat mich dein Beitrag natürlich besonders interessiert. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Omega-3-6 Problematik hier nicht sonderlich gravierend ist, da Cashew-Nüsse nur ca. 5% mehrfach-ungesättigte Fettsäuren haben (aber ca. 25% einfach ungesättigte - im Wesentlichen Ölsäure).

    Nimmt man die von Dir angesprochene geringe Enzym-Affinität hinzu - was mir neu war -, dann entschärft sich die Problematik zusätzlich.
    Viele Grüße, Gunnar

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  6. 100 g Cashews am Tag sind viel zu viel!!!!

    Schnapp dir mal ein Programm zur Berechnung deiner Nahrung. Ölsäure verwendet ebenfalls die delta-6-Desaturase. Für dein Herz und deinen Cholesterinspiegel ist das auch viel zu viel Fett!

    LG Silke

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