Freitag, 7. August 2015

Ist Phytinsäure schädlich oder der beste Schutz vor Osteoporose?





Ich bin von der wunderbaren Gabriele Lendle, deren Buch Vegan international: In 115 veganen Rezepten um die Welt ich nur wärmsten empfehlen kann (ihre anderen Bücher sind wahrscheinlich auch phantastisch obwohl die sich leider nicht in meinem Besitz befinden) gebeten worden ein Video über Phytinsäure zu machen und ob diese schädlich für den Menschen sei. Das wird nämlich von vielen Rohköstlern und auch Paleo-Anhängern immer wieder gerne behauptet.

Da das nicht das erste Mal war, dass ich darauf angesprochen wurde, bin ich diesem Wunsch gerne nach gekommen und habe meine Meinung dazu in diesem Video dargelegt.



Ich muss dazu sagen, dass ich Phytinsäure nie wirklich recherchiert habe, da sie nicht in Biochemie in der Uni angesprochen wurde und auch der Wikipedia-Eintrag darüber nicht durchblicken lässt, dass irgendwas daran schädlich sein soll, daher habe ich dem nie allzu große Relevanz beigemessen.

Um es kurz zu sagen, Phytinsäure ist ein Bestandteil aller Samen, also Getreide, Saaten, Nüssen und Hülsenfrüchten und besteht aus Phoshat und einem zweiwertigen Kation, einem Mineralstoff und kann vom Körper nicht aufgespalten werden. Daher kann dieser Mineralstoff, weil er an Phophat gebunden ist, vom Körper auch nicht genutzt werden. Nun mag man argumentieren, dass dann zwar der Mineralstoff aus der Saat nicht aufgenommen werden kann, aber dem Körper irgendwie schaden kann Phytinsäure damit auch nicht, Ein wenig mehr ins Detail gehe ich in dem Video.

Am selben Tag aber, oder besser, quasi direkt nachdem ich dieses Video auf Faebook geteilt hatte, hat auch Dr. Michael Greger MD sein Video über Phytinsäure auf Facebook geteilt und das ist natürlich um Längen besser als meins und viel wissenschaftlicher und er zeigt nicht nur, dass Phytinsäure nicht schädlich ist, sondern auch, dass sie sogar ein sehr wirksamer Schutz vor Osteoporose sein kann und legt dafür natürlich auch Studien vor.



Zunächst geht er aber darauf ein, warum man ursprünglich angenommen hat, dass Phytinsäure ein Mineralienräuber ist und zitiert zwei Studien, eine aus dem Jahr 1949 wo man  Hunderbabies als Studienobjekte herangezogen hat. Eine weitere Studie aus dem Jahr 1979 bezieht sich auf Ratten und zeigte auch, dass Phytinsäure sich negativ auf die Absorbtion von Mineralstoffen auswirkte. Nun sind weder Hundebabies noch Ratten Menschen und die Studien sind auch enorm alt.

Also was macht man? Man macht neue Studien und diesmal mit Menschen.

Eine Studie aus dem Jahr 2008 Phytate (myo-inositol hexaphosphate) and risk factors for osteoporosis, was eine Kohortenstudie mit 1900 Personen war, zeigte, dass die Personen die am meisten phytinsäurehaltige Nahrungsmittel verzehrte, die geringste Osteoporoserate aufwiesen, was der vorherigen Studienlage eigentlich widersprechen müsste, da Calcium ein zweiwertiges Kation ist und wenn dieses durch Phoshat gebunden wird, müsste eigentlich eine geringere Knochendichte zu verzeichnen sein.

Nun kann man natürlich argumentieren, dass da auch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben könnten, da die Phytinsäurekonzentration in den einzelnen Probanden nicht gemessen wurde, sondern nur in einem Fragebogen eruiert wurde, wie viel phytinsäurehaltige Nahrung der Proband verzehrt hatte.

Also musste eine weitere Studie her.

Wir schreiben jetzt 2010: Phytate levels and bone parameters: a retrospective pilot clinical trial.
Hier hat man den Phytinsäuregehalt des Urins von 180 postmenopausalen Frauen bestimmt und festgestellt, dass die mit dem höchsten Konsum an Phytinssäure, bzw. mit dem höchsten Uringehalt an Phytinsäure die beste Knochendichte hatte. Gemssen wurde Ferse, Wirbelsäule und Hüfte. Man schob den erhöhten Uringehalt selbstredend auf höheren Verzehr.

Aber das reicht der Wissenschaft natürlich immer noch nicht, also kam es im Jahr 2013 zu einer weiteren Studie Protective effect of myo-inositol hexaphosphate (phytate) on bone mass loss in postmenopausal women. wo man ganz gezielt den schützenden Effekt von Phytinsäure auf die Knochenstabilisierug messen wollte. 157 postmenaupausale Frauen wurden hier eingeteilt in 3 Gruppen, solche mit hohen, mittleren und niedrigen Phytinsäurewerten im Urin. Das Ergebnis war, dass die mit den höchsten Phytinsäurewerten die niedrigeste Osteoporoserate hatten.

Ich bin mal von einer Leserin mit Phytinsäure konfrontiert worden, die mir erzählte Phytinsäure sei schädlich und Angelika Fischer könne das auch wissenschaftlich begründen, weshalb sie deren Ernährungsphilosophie anhängen würde.

Ich lade alle beider hiermit gerne dazu ein, diese Studien irgendwie wissenschaftlich zu widerlegen!

Dr. Greger erklärt auch warum sie Phytinsäure so positiv auf Osteoporose auswirkt, denn sie hemmt die Bildung von Osteoklasten, dass sind die Zellen, die die Knochensubstanz abbauen. Damit wirkt Phytinsäure ähnlich wie das Osteoporosemedikament Fosamax, nur ohne seine Nebenwirkungen. In dem Fall Nekrose der Knochensubstanz. Der Knochen dünnt dann nicht aus, sondern er stirbt einfach ab und verfault. Bei lebendigem Leib.

Und jetzt mal Butter bei die Fische:

Anhand der Studienlage aus Uppsalla, die riesige Kohortenstudie die letztes Jahr raus kam und zeigte wie sehr der Konsum von Milchprodukten mit Osteoporose und Frakturen assoziiert ist und dieser Studienlage bezüglich Phytinsäure. Fällt da irgendwem noch was bessere ein um Osteoporose zu verhüten als fettarm, vollwertig und pflanzlich zu essen?

Menü des Tages am 6. August 2015
Brokkoli


Haferflocken mit Banane, Apfel, Chia, Paranuss, Mohn und Zimt


Reispasta mit Pilzen und getrockneten Tomaten


2 Kohlrabi
Kartoffelsalat mit Dill und Kapern


1 Melone

Ich hab ne Melone zum Dessert gegessen, weil ich noch Kalorien offen hatte nach meinem Abendessen. Kalorien verwirren mich irgendwie ;-)

Manchmal macht meine Küchenwaage komische Sachen, weil ich echt oft das Gefühl habe, dass sie falsch wiegt und manchmal habe ich das Gefühl, ich hab irgendwie einen höheren Bedarf und dann wieder, weil ich gestern nochmal Dr. Wranhams Video Catching Fire: How Cooking made us Human geschaut habe, weiß ich auch irgendwo, dass nicht alles was ich esse auch wirklich von meinem Körper resorbiert wird. Gerade bei ganzer Vollwertkost!

Aber das erinnert einen daran, dass Kalorien einfach echt nicht alles sind. Manche Nahrungsmittel verbrauchen mehr Energie um überhaupt resorbiert zu werden und andere werden leichter aufgenommen. Irgendwie komisch, dass diese Richtlinien mit den Kalorien dennoch halbwegs funktionieren.

Alles Liebe,

Silke

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