Samstag, 20. Dezember 2014

Über die Suchtexperten und Fachliteraturautoren...



Wenn man erstmal anfängt sich mit dem Thema Esssucht zu beschäftigen, ist die Literatur dazu schlussendlich überwältigend! - Ich schrieb ja bereits, dass wenn man Food Addiction in den Suchpiloten der Medizinbibliothek Köln eingibt 101 Seite mit Hinweisen angezeigt werden. Einer der ziemlich weit oben ist Food and Addiction: A Comprehensive Handbook von Kelly D. Brownell und Mark S. Gold. Gold ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Esssucht und beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren damit. Das Buch wurde herausgegeben von der Oxford University Press 2012 und beinhaltet Beiträge von Teilnehmern der ersten Konferenz für Esssucht 2007, der Yale Conference on Food and Addiction. Einpaar alte Bekannte sind darin vertreten, nämlich Joan Ifland, die ihren Doktor in Addictive Nutrition mittlerweile gemacht hat, aber auch Barbara Rolls Phd, die von Barnard in Dr. Neal Barnard's Program for Reversing Diabetes: The Scientifically Proven System for Reversing Diabetes Without Drugs erwähnt wird, weil die daran geforscht hat, wie das Sättigungsgefühl zustande kommt, und erkannt hat, dass der Magen stark auf Gewicht reagiert, weshalb es Sinn macht wasserhaltige Nahrung zu essen im Gegensatz zu Brot. Sie hat auch ein Buch darüber geschrieben The Volumetrics Weight-Control Plan, was leider auch nicht auf Deutsch erschienen ist  Food and Addiction ist selbstredend auch nicht auf Deutsch erschienen. Alle wichtige Medizinliteratur ist auf Englisch!

Naja, um es zu verlinken, habe ich Food and Addiction dann auch in Amazon eingegeben und es nicht gefunden. Dafür aber eine Seite voll mit Verweisen über Esssucht. Alles auch wieder auf Englisch. Aber das Buch was tatsächlich so heißt, erscheint nicht. Also habe ich Food and Addiction Gold in Amazon eingegeben, tja, und da erschien dann die richtige Fachliteratur, nicht nur die Trivialsachen, die Otto Normalverbraucher verstehen kann, sondern die Literatur der Wissenschaftler selbst. Food and Addiction kostet satte 95 € ein weiteres Buch von Marc S. Gold Eating Disorders, Overeating and Pathological Attachment to Food: Independant or Addictive Disorders? kostet 112 €. Ich nehme an, weil der Verlag nicht so viele Exemplare von derartigen Büchern verkauft, aber wundert es dann, dass das Wissen nicht durchdringt, vor allem nicht, wenn die Industrie das gar nicht will und die Politik sich mit anderen Sachen rumschlagen muss, die wichtiger sind? Zucker und Fett ist ja auch Opium für's Volk und so hält es wenigstens still und begehrt nicht auf.

In Food and Addiction kommt auch Kay Shepard M.A. zu Wort, die ebenfalls mehrere Bücher über Essucht geschrieben hat, sie ist Betroffene nicht Forscher und auf ihre Ideen gründet eigentlich alles was die Food Addicts Anonymus so machen. Sie war es auch, die die 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker auf Esssucht übertragen hat. Zwei ihrer Bücher habe ich bestellt, eines ist schon da From the First Bite: A Complete Guide to Recovery from Food Addiction, aber das ist mir zu wenig biochemisch und zu sehr esoterisch. Die Anonymen Alkoholiker geben nämlich all ihre Probleme einfach an Gott ab, sagen sie seien machtlos über ihre Sucht und das ist ein Konzept was mir widerstrebt auch wenn es dem ein oder anderen möglicherweise zusagt. Es liegt eine gewisse Befriedigung darin frei von Schuld zu sein, besonders wenn Schuldgefühle einen dazu bringen, dass man weiter seine Drogen konsumiert. Das Buch, was ich noch nicht habe ist Kays Erstling Food Addiction: The Body Knows

Das ist schon ein interessantes Phänomen mit der Esssucht, Binge Eating, der Abhängigkeit von Essen und dem Missbrauch von Zucker gerade, weil er so geläufig ist, genau wie Weißmehl und Fett und weil wir es unseren Kindern zu Weihnachten und zu Geburtstagen geben. Oder auch, wenn wir wollen, dass sie uns nicht nerven. Wenn sie quengeln und wir keine Zeit haben etc. Aber was glaubt ihr, warum das Zeug für sowas funktioniert? - Und es wird auch nicht jeder abhängig, eigentlich nur der, der es jeden Tag konsumiert und dann immer mehr davon, daher ist grundsätzlich Weihnachten und Geburtstag schon ok. Was aber nicht ok ist ist, dass das Bewußtsein für die Mechanismen einfach nicht vorhanden ist und auch nicht, dass Leute, die sich selbst dabei beobachten, 1500 kcal in Eis oder Schokolade verzehen nicht erkennen, dass das eine Binge Eating Attacke ist und Abhängigkeit/Missbrauch von Essen. Und da sind wir gleich wieder bei den Alkoholikern, die abstreiten ein Problem zu haben...aber das Alkohol Probleme machen kann, ist weitaus akzeptierter. - Dabei fällt mir ein: Meine Oma wollte wohl nicht, dass mein Vater Maurer wird, weil auf dem Bau immer so viel gesoffen wird! Sie hat wohl auch gesagt, dass mehr als 2 Schnaps am Tag Sünde sei, genau wie Zucker pur zu essen. Das lässt mich gerade schmunzeln und rührt mich auch sehr, denn eine derartige Mentalität stünde und heutzutage vielleicht gut zu Gesicht. Als Kind habe ich mich allerdings darüber geärgert, dass meine Oma immer nur Äpfel zu Besuch mitbrachte, während meine andere Oma, die ich natürlich lieber mochte...genau deswegen...Toffifee schenkte! Ich armes, manipuliertes Kind...

Menü des Tages am 19. Dezember 2014

6:45 Uhr: Brokkoli mit Salz und Chili


Haferflocken mit Wasser, Banane, Kakaonibs, Sunwarrior, Orange, Reissirup


11 Uhr: Restepfanne aus diversen Gemüsen, Hirse und schwarzen Bohnen


1 Kaki
1 Banane

13:40 Uhr: 2 Bananan
½ Süßkartoffel

17:45 Uhr: Marokkanischer Süßkratoffeleintopf


paar Chips und 2 Spekulatius im Bioladen verkostet

20:45 Uhr: Rest Marokkanischer Süßkartoffeleintopf

Ich hab euch erzählt, dass ich bis Silverster nicht mehr in den Bioladen muss, richtig? Pustekuchen! Eine Kollegin hat sich krank gemeldet und ich musste gestern den Laden abschließen, was ich nur ein paar Mal gemacht habe bisher und schon ziemlich lange nicht mehr. Ich hab mich nicht getraut in aller Ruhe Pause zu machen, hab zu wenig Süßkartoffeleintopf gegessen, dann wieder Hunger gehabt und ein paar Chips genascht, aber echt nur 10 Stück oder so und während ich die Endabrechnung gemacht habe zu Spekulatius gegriffen. Ich weiß nicht, ob mich das getriggert hat, dass ich abends noch den Rest des Eintopfs essen musste oder ob ich echt noch Hunger hatte. Vielleicht beides.

Na, egal, Weihnachten rückt immer näher und ich denke zurück an letztes Jahr. Ich hatte Die Lustfalle: Warum Gesundsein so schwerfällt und was Sie dafür tun können letztes Jahr gelesen und hab 2-3 Monate zuckerfrei und alkoholfrei gelebt, ach, und auch völlig nikotinfrei, weil ich wollte, dass mein Belohungssystem wieder normal wird. Das war die einzige Motivation. Was ich durch das Lesen der Lustfalle aber noch nicht begriffen hatte war, dass es nach dem Serotoninanstieg durch den Zucker und die Substanzen auch wieder zu einem Abfall kommt, wo man deprimiert und motivationslos ist und sich das Leben sinnlos anfühlt. (Passiert übrigens auch nach Alkohol). Ich hab letztes Jahr Weihnachten gedacht: „Dann gönn ich mir mal 3 Tage lang die volle künstliche Dopamin- und Serotonindröhnung“ aber schlussendlich habe ich mehr von dem Abfall empfunden als von dem Glück, den die Substanzen bringen und ich habe absolut und total den Sinn von Weihnachten hinterfragt, denn künstliche Stimulation mit Serotonin und Dopamin mit dem darauffolgenden Abfall kann es ja wohl auch nicht sein! - Was eigentlich an diesem Jahr nichts ändert, aber vielleicht bin ich durch die Erinnerungen an letztes Jahr motiviert weniger zu essen...Wer weiß!

Am meisten freue ich mich eh, dass heute mein Happy Tree geliefert wird und dann ist wirklich Weihnachten. Nicht durch Schokolade. Und ich freue mich voll darauf, wie der Kater darauf reagiert! Er hatte ein Weihnachten mit mir bei meinem Vater und fand den Baum dass super! - Weihnachtsglück kommt eigentlich, wenn man was für die Kleinen tut, oder?;-) Am besten was, was sie nicht krank, fett und süchtig macht!

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. "Es liegt eine gewisse Befriedigung darin frei von Schuld zu sein, besonders wenn Schuldgefühle einen dazu bringen, dass man weiter seine Drogen konsumiert."
    Das ist doch ein jahrhundertelang erprobtes Erfolgskonzept der Kirche. Sorge dafür, dass die Leute sich vom Tag der Geburt an schuldig fühlen, dann kannst Du später mit der Sündenvergebung eine Menge Kohle machen und Macht (Druck) ausüben. (welcher die Schäfchen dann auf Dauer Süchtig hält) Da haben dann fast alle was von. Pastor, Politiker, Fabrikant und Mediziner...
    Bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass Du auf Deinem Weg bleibst :-)

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  2. Nichts desto trotz gehören da Zwei zu. Die meisten wollen sich doch auch von der Lebensmittelindustrie verarschen lassen! (ihre Schuld möglichst leicht loswerden (Pillen) oder lassen sich einreden, dass sie schuldig sind (disziplinlos).- Sogar die Biobranche prfitiert davon!

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  3. ups. sorry.
    glaubst du denn nicht, dass deine esssucht auch psychologische gründe hat? du schreibst nie darüber, versuchst nur das verhalten zu ändern. ich denke ohne den ursachen nachzugehen, wird man immer wieder in das verhlaten zurückkehren. es ist wie bei jeder anderen sucht. abstinenz allein hilft langfristig nicht.
    LG

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  4. Nein, nicht wirklich. Alle Gefühle sind nur Neurotransmitter und deprimierende Gefühle gehen auf zu wenig Serotonin zurück. Stress hat jeder Mal und wer irgendwann mal gelernt hat bei Stress zu essen ist nun mal so geprägt. Durch die richtige Ernährung gehen die psychologischen Gründe häufig automatisch weg, außer natürlich jemand erlebt gerade einen Schicksalsschlag, verliert einen lieben Menschen und sieht gerade keinen Ausweg außer Drogen.
    Natürlich kann man das auch von beiden Seiten betrachten, somatopsychisch wie psychosomatisch und wem es leichter fällt an seinen psychischen Problemen zu arbeiten als an seiner Ernährung, der kann auch da anfangen.

    Psychotherapie wird von den Krankenkassen aber bis zu Abwinken bezahlt und Depressionen sind als Krankheit anerkannt und dennoch wächst die Zahl der Herzkreislaufpatienten und der Diabetiker, daher denke ich das die psychischen Gründe keine große Rolle spielen oder besser, dass man mit der richtigen Ernährung keine psychischen Probleme hat.

    Und was mich persönlich betrifft: Ja, ich bin ein Stressesser und ja, ich könnte daran arbeiten besser damit umzugehen. Aber ICH bin nicht das gesellschaftliche Problem der Diabetespandemie und sterbe unter Garantie nicht an Herz-Kreislauf-Erkrankung. LG

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  5. Hallo Silke,

    deinen Vergleich mit dem Binge-Eating und Alkoholmissbrauch finde ich sehr anschaulich und gelungen.

    Essen ist etwas, was man machen muss um zu überleben und dahingehend ist es wichtig, ein gutes Essverhalten zu haben oder zu erlernen. Alkohol kann man dahingegen "einfach" ganz weglassen.

    Den Satz "Alle Gefühle sind nur Neurotransmitter und deprimierende Gefühle gehen auf zu wenig Serotonin zurück. " finde ich richtig interessant und werde mich mal richtig informieren.

    Viele Grüße

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  6. "Alle Gefühle sind nur Neurotransmitter und deprimierende Gefühle gehen auf zu wenig Serotonin zurück." Dazu habe ich gestern einen guten Vergleich gelesen... Und zwar, dass man das nicht so einfach sagen kann. Zwar helfen SSRI in vielen Fällen gegen Depressionen, aber nicht, weil zu wenig Serotonin da war .. Aspirin hilft gegen Kopfschmerzen, aber nicht, weil der Körper vorher zu wenig Aspirin hatte.
    => http://www.scientificamerican.com/article/is-depression-just-bad-chemistry/
    Ich denke, dass man gerade durch Denkmuster auch unheimlich die Biochemie des Gehirns beeinflussen kann. Meine Cousine macht gerade bei einer Studie mit, wie diverse Werte durch Meditation beeinflusst werden können.

    Das nur mal so als meine Gedanken dazu :)

    Gruß,
    Steffi

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  7. Liebe Steffi,

    das stimmt, aber nur bedingt. Ich glaube nicht, dass man dauerhaft Dinge wegdenken kann, die auf falsche Lebensführung zurück gehen. Wenn man die Lebensführung gemeistert hat kann man an seinen Gedanken arbeiten, Ich bin ein großer Fan vom Gesetz der Anziehung und der Psychosomatik oder umgekehrt, dass man erst an seinen Gedanken arbeitet und es dann schafft seine Lebensführung in den Griff zu kriegen. Gegen Depressionen helfen SSRI auch deshalb unter anderem nicht, weil NUR das Serotoninproblem gelöst wird nicht aber das Dopamin- und Betaendorphinproblem. Eine richtige Ernährung kriegt alles gleichzeitig in den Griff, weil sie in allen Belangen MIT dem Körper arbeitet, was deinem Artikel ja auch nicht widerspricht

    Aspiririn wirkt indem die Cyklooxygenase gehemmt wird, die die Prostaglandien herstellt, die den Schmerz signalisieren. Würde mich interessieren wie Serotonin statt dessen hilft!!! Die Autoren gehen ja auch davon aus, dass das Serotonin nicht der einzige Effektor ist, was der Einfachheit halber von mir, aber auch allgemein häufig gesagt wird.

    Ihr wehre mich auch nur dagegen, dass Menschen essen, weil sie Probleme haben oder Traumata. Dann wäre ja jedes Erdbeben- oder Tsunamiopfer fett oder jeder KZ-Insasse. Außerdem verbessert niemand seine schlechten Gefühle indem er Brokkoli isst, sondern es sind immer ganz bestimmte Nahrungsmittel auf die die Menschen zurückgreifen, solche, die das mit der Biochemie anstellen können, was auch Drogen können.

    LG Silke

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  8. Ich bin ja kein Wissenschaftler der Dinge untersuchen und beweisen kann, aber ich habe in beiden Richtungen gute Erfahrungen gemacht. Meditation (oder ähnliche Mentaltechniken) können durchaus stimmungsaufhellend wirken - genau so wie zuckerfreie gesunde Ernährung einen aktiver und munterer machen kann. Die Probleme, die aus meiner Sicht zumindest bislang bestanden sind: Es dauert bei beiden eine gewisse Zeit, bis der gewünschte Effekt eintritt. Oft ist das schleichen, so dass man sich dessen erst nicht bewusst wird. Zum anderen verschwinden die positiven Effekte, wenn man die Ernährung oder die Mentaltechniken wieder schleifen lässt und in alte Muster zurück fällt. Mir scheint es, als sei das Ganze ein lebenslanger Entwicklungsprozess.

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  9. Ich finde es schade, dass nur wenig deutschsprachige Lektüre vorhanden ist. Mein Englisch ist für solche Art von Werken einfach so madig. Diese Bücher für jedermann erzählen meiner Meinung nach immer die gleiche, oberflächliche Leier.

    Das Zuckersucht nicht offiziell anerkannt ist, schiebe ich der guten Lobbyarbeit in die Schuhe. Das fehlende Wissen und Interesse an der eigenen Ernährung ist meiner Meinung nach ebenfalls ein Grund.

    Ich denke ebenfalls, dass man sich nicht alle Verhaltensweisen einfach "wegdenken" kann. Es ist ein Teil der Arbeit. Besonders in Sachen Ernährung reicht ein einfaches Denkmuster nicht aus. Zusätzlich müssen Gewohnheiten gebrochen werden, Erkenntnisse und Schlüsselerlebnisse eintreten und Erinnerungen überspielt werden.

    Wie du bereits geschrieben hast, in der Kindheit gab es immer wieder Situationen in denen man durch Nahrung irgendetwas bewirken wollte, fernab des Hungers. Das ist Tief in uns verankert. Das zu überspielen braucht Zeit und Geduld. Von heut auf morgen wird man bei diesem Thema nicht viel erreichen. Schließlich ist die Kindheit auch die prägendste Zeit des Lebens.

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