Montag, 15. Dezember 2014

Die Dopamin- und Opioidrezeptoren-Schaukel...oder warum Diäten wirklich scheitern....



Verzeiht mir meine gestrige, ungeplante Abwesenheit. Nicht nur hatte ich eine großartige Bioladenweihnachtsfeier, ich hab auch noch zu viel getrunken und anschließend einen Mann mit nach hause genommen, mit dem ich gestern früh mein Fahrrad wieder holen musste, nachdem wir am Samstag Abend mit dem Taxi zu mir gefahren waren. Damit fiel bloggen als auch joggen aus ;-)

Überhaupt fiel gestern ziemlich viel aus, da ich nach zu großem Alkoholkonsum genau so motivationslos bin, wie wenn ich unter zu großem Stress stehe. Für meinen Körper macht das aber auch keinen Unterschied. Für ihn ist beides Stress. Hingegen mag ich mein Leben nicht, wenn ich keine Lust auf nichts habe und immer, immer wieder, wenn mal so Tage wie gestern kommen frage ich mich, wie ich es früher nur ertragen konnte fast jeden Tag zu trinken. Wenn dein Leben aber aus sich heraus keinen Sinn macht und du das Gefühl nicht kennst eine Aufgabe zu haben, die ich erfüllt, dann merkst du das vielleicht gar nicht. Die Abwesenheit von Motivation. Ich hab sie früher jedenfalls nicht gemerkt.

Dabei hatte ich zusätzlich die Gelegenheit an mir selbst ein Phänomen zu beobachten, worüber ich am Samstag noch nachgedacht habe, was, wenn die ganze Suchttheorie tatsächlich der ureigenste Angriffspunkt innerhalb der Adipositasgenese ist, wahrscheinlich auch die Ursache für Jojodiäten und Rückfälle ist.

Es verhält sich ja so: Wenn jemand sehr viele dopamin- und endorohinausschüttende Sachen isst, dann stellt der Körper fest: „Ui, ich kriege hier viel zu viel von diesen Botenstoffen! Da muss ich ja wohl hingehen und die Anzahl der Rezeptoren senken, so dass hier weniger ankommt.“ Und das macht er dann. Jemand der Tag ein Tag aus Schokolade isst und viel Sport treibt und dünn ist hat runterregulierte Dopamin- und Opioidrezeptoren. Bei ihm kommt nicht so viel Genuss an. Ebenso jemand, der fettleibig ist und alles isst was er will und das jeden Tag.

Wenn aber unsere fettleibige Person auf Diät geht und weniger Dopamin- und Endorphinausschüttende Substanzen isst oder sie sogar komplett streicht, dann erhöht der Körper die Anzahl der Dopamin- und Opioidrezeptroren wieder. Und wenn jetzt innerhalb dieser Diät mal eine Ausnahme gemacht und ein Stück Kuchen gegessen wird schmeckt dieser Kuchen noch um Längen besser, als er einem jemals geschmeckt hat, weil man mehr Rezeptoren für die Genussbotenstoffe hat. Und so ist der Jojoeffekt eigentlich gar nicht im Gewicht begründet, durch einen Setpoint oder sonst was, sondern in der Hoch- und Runterregulierung von Rezeptoren.

So ist das auch mit Alkohol. Und weil ich den so selten trinke ist der Rausch für mich umso schöner und ich neige dazu zu viel zu trinken.;-) Früher, als ich dauernd trank, war das nicht so...

Aber was heißt das jetzt in letzter Konsequenz? Nie wieder mehr irgendwas superdopaminausschüttendes essen?

Das komische ist, dass das meistens schleichend losgeht. So schreibt das auch Kathleen DesMaisons in Potatoes Not Prozac. Meistens tastet man sich langsam an Rückfälle ran. Ein Bissen hier, ein Bissen da, meistens nachdem man schon sehr lange „brav“ war und irgendwann kommen Emotionen dazu und dann braucht man seine hochregulierten Rezeptoren besonders. Man kriegt doppelt so viele gute Gefühle wie vorher. Wenn man sich dann danach aber Vorwürfe und schlechte Gefühle macht und gelernt hat die wiederum mit Nahrungmitteln in den Griff zu kriegen, sitzt man im Teufelskreis.

Die meisten Leute trinken nicht dauernd, weil man davon dusselig wird und am nächsten Tag nicht mehr ordendlich funktioniert. Bei Essen ist das leider nicht so. Mit dopamin- und endorphinsteigerndem Essen kann man sogar noch besser arbeiten als ohne. Auch das ist ein Punkt, den die DSM nicht so richtig anerkennt, wenn es darum geht Esssucht zu defninierten. Sucht hält einen davon ab, den Alltag zu erfüllen. Ist bei Nikotin zwar auch nicht wirklich so, aber bei Spiel- und Trunksucht. Hingegen gibt es auch Bingeeater und Bulimiker, die den Alltag nicht mehr meistern können weil sie Essanfälle planen, Ünergeben planen, heimlich essen planen etc. müsen. Aber deren Hirnbiochemie ist genau so, wie die von Zuckersensiblen nur extremer. Es gibt halt immer Abstufungen...Bei jeder Sucht.

Komischerweise hat der Alkohol meinen Zuckerappetit nicht wieder angefacht. Vielleicht weil Bier herbe schmeckt und ich mit meinem Vater süßen Wein getrunken hatte. Mein Essverhalten war gestern ziemlich normal, ich fühle mich wieder von der Zuckergier befreit und denke, dass das mit der Hoch- und Runteregulation der Rezeptoren eine Tricky-Sache ist. Ich denke auch immer noch, dass ich von raffiniertem Zucker echt die Finger lassen muss, auch Agave, Reissirup, Ahornsirup etc., mehr noch, als von allen anderen Sachen. Es gibt absolut nicht, was mich so schnell anfixt wie Zucker: Nicht Nikotin, Alkohol, Koffein...Und der ist dabei vegan!;-)

Und dennoch vergeht mir beim Gedanken an Weihnachten ohne Schokolade der Spaß. Ich hab im Bioladen ein paar hochwertige Schokoladensachen gekauft, für unsere Weihnachtsteller, aber ich kann nicht wirklich sagen, ob ich die für meinen Vater gekauft habe oder nur für mich. Ich traue ihm tatsächlich zu, dass für ihn Weihnachten auch völlig ok ist mit „Apfel, Nuss und Mandelkern“. Er wird sie essen, wenn sie da ist, aber ich glaube, er braucht sie nicht wirklich. Ich brauche sie. Ich will sie!!! Und dann denke ich zurück an letztes Jahr, mein Weihnachten im veganen Schokoladenrausch, weil ich kurz davor in München war und kurz davor das Veganz dort aufgemacht hat. Die meiste Zeit war ich an den Weihnachtstagen nämlich nicht erfüllt von Glücksrausch, sondern hatte Probleme mit einem zu niedrigen Serotoninspiegel, der ja auch Zuckerrausch folgt, was ich damals aber noch nicht wusste. Ich war enttäuscht, dass der Rausch ausgeblieben war bzw. die meiste Zeit die Kehrseite vorherrschte. Wirklich glücklich und zufrieden bin ich nämlich nicht, wenn ich Schokolade esse, sondern wenn ich etwas mache, was mich erfüllt: Zielen im Leben nachgehen, Wissen anhäufen, das Leben verstehen, Bioware verkaufen, Bloggen etc. Und das mache ich fast immer und den ganze  Tag über und nie mit Drogen. Das Leben ist meine Lieblingsdroge! Aber manchmal, manchmal denke ich die Leute die Drogen nehmen sehen so glücklich aus und eigentlich hatte ich da ja auch immer Spaß dran und dann tue ich es doch!;-) Manchmal auch um Teil der Gesellsschaft zu sein. Und immer stelle ich fest: Lohnt sich nicht. Es ist so kurzweilig. So hohl...Besser ist, sein Belohnungssystem für die Dinge zu nutzen für die die Natur es eingerichtet hat.

Menü des Tages am 14. Dezember

11 Uhr: Kaffee mit Zucker
Brokkoli mit Salz und Chili


Haferflocken mit Banane, Zimt, Sunwarrior, Kakaonibs, Chia


16:40 Uhr: 1 kleiner Kohlrabi, roh
Salat aus Spinat, Gurke, Paprika, Tomate, Mais, weiße Bohnen, fettfreier Ölersatz, Essig, Chili


Nudeln mit Linsen-Bolognese


2 Nur-Bananen Chocolate Chip Cookies



20:40 Uhr: 3 Nur-Bananen Chocolate Chip Cookies

Ich hab gestern und vorgestern zwei großartige Rezepte entwickelt. Das erste entstand darauf, dass ich Attilas Vegan for Fun durchgeblättert habe und das gesündeste Rezept daraus machen wollte. Ich hab kein einziges Rezept gefunden, was ich als gesund angesehen habe. Also habe ich das allererste Rezept des Buch, was eine Tofubologenes ist, mit dem Rezept für Linsenblognese kombiniert, was ich schon mal von Chefkoch.de veganisiert habe, aber nach Attilas Rezept gewürzt habe, zumindest fast, und dann hab ich noch jegliches Fett weggelassen. Ein Traum!!!

Das zweite waren Cookies, die Wendy gepostet hatte. Für challengetaugliche gesunde Kekse braucht man eigentlich nur 2 Bananen pürieren und eine halbe Tasse Haferflocken unterrühren. Das Ganze dann bei 175°C 20 Minuten backen. Man kann in den Teig rein geben, was einem gefällt und bei mir waren es Kakao Nibs, die allerdings nicht challengetauglich sind, Vanille und Zimt. Was soooo lecker und man wird auch satt davon und hat nicht das Bedürfnis ewig weiter zu essen. Das schüttet bei mir wirklich Serotonin aus!!!

Alles Liebe,

Silke

PS: Ich hab am Samstag auch noch ein Video mit Challenge-Fragen gedreht:-):



Kommentare:

  1. Ui bin ich jetzt sehr profan wenn ich mich frage wie es mit dem Mann weitergeht? Aber immerhin hast du ihn ja erwähnt ;). Würde mich auf jeden Fall sehr für dich freuen.

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  2. Männer haben auch negative Aspekte!!!;-)

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  3. Hallo Silke,
    ich teste gerade deine Challenge von AJ aus weil ich ein paar Pfunde aus gesundheitlichen Gründen wieder losbekommen muss (in Verbindung mit Sport). Welche Gemüsearten werden vor dem Frühstück empfohlen, z.B hatte ich heute Fenchel und Erbsen, ich halt mich an die Farbe grün :-)
    LG
    fotofee

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  4. AJ geht es da nicht wirklich um Grün sondern darum, dass es stärkefrei ist und dadurch mit sehr wenig Kalorien den Magen füllt. Fenchel fällt da rein, Erbsen zählen zu Hülsenfrüchten und enthalten Stärke!:-) Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini, Aubergine, Pilze, alle Kohlarten wie Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl,Wirsing, Lauch, Zwiebeln,Erbsenschoten(!) und alles was Blattgemüse ist.

    LG Silke

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  5. Die Challenge ist wirklich genial. Nach 8 Tagen "Gemüsefrühstück" hat sich mein Alkoholkonsum um 70% verringert (schmeckt meistens nicht mehr) und 600 g sind weniger auf der Waage. Mein Frühstück begann vor meinem Challengeprobelauf aus zwei Portionen Obst, vermutlich hatte das meinen täglichen Alkoholkonsum getriggert. An deiner richtigen Challenge werde ich bestimmt teilnehmen. Danke für die Inspiration und liebe Grüsse, Geronymo

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  6. Wow, krasse Sache! - Glückwunsch!!!

    LG Silke

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  7. Hallo Silke,
    ich denke schon die ganze Zeit darüber nach, aber es erschließt sich mir einfach nicht: warum regelt der Körper bei einem Überschuss die Rezeptoren runter? Wie passt das mit der Tatsache zusammen, dass Menschen, die weniger Botenstoffe ausschütten, weniger Rezeptoren haben?
    Und warum fühle ich mich schlecht, wenn ich ein paar Tage keinen Sport treibe? Müsste ich dann nicht theoretisch wegen runtergeregelter Rezeptoren auch so genügend Endorphin und Dopamin produzieren können?
    Es will einfach nicht rein, in meinen Kopf.
    Viele liebe Grüße
    Sonja

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  8. Liebe Sonja,

    ich glaube, das gibt es mehrere Faktoren, die Rolle spielen können. Es gibt Menschen, die haben genetisch zu wenig Rezeptoren. Die brauche mehr Stoff um die selbe Belohnung zu empfinden und neigen zu Sucht. Und es gibt Menschen mit normaler Anzahl an Rezeptoren, deren Körper die Anzahl runter reguliert, wenn sie zu viele Substanzen konsumieren/produzieren.

    Du fühlst dich schlecht, weil der Körper erstmal keine Endorphine produziert und ein paar Tage braucht, bis die Anzahl der Rezeptoren runter reguliert ist. Nach ein paar Tagen fühlst du dich ohne Sport auch nicht mehr schlecht, weil sich Rezeptoranzahl und Neurotransmittermenge angepasst haben.

    Aber ich weiß was du meinst: Mich macht der Cholesterinrezeptor bekloppt, weil ich denke, dass wenn man Cholesterin isst und die Biosynthese durch negative Rückkopplung reguliert wird und die Anzahl der Rezeptoren auch runter reguliert wird, wieso kommt es dann noch zu zu hohen Cholesterinspiegeln? Reichen die Regulationsmechanismen vielleicht nicht aus?
    Vielleicht gibt es auch noch andere Mechanismen und Wechselwirkungen, die da rein spielen.

    LG Silke

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