Sonntag, 28. Dezember 2014

Liebe und Neurotransmitter...



I fucking love Science verkauft Ketten mit einem Anhänger, die eine Struktur eines Moleküls zeigen. Ich weiß nicht genau ob es daran liegt das Weihnachten ist, dass man da Schmuck verschenkt oder man besonders auf diese Substanzen abgeht aber das hier kann man kaufen:


Serotonin und Dopamin. Technisch betrachtet, die einzigen beiden Dinge, die einem Freude bereiten. Und die zwei arbeiten ja unterschiedlich. Serotonin macht Zufriedenheit und Dopamin ermöglicht einem den „Kick“ zu empfinden, zum Beispiel beim Orgasmus. Mir ist nicht bewusst ob es ein Medikament gibt, was beides gleichzeitig ,beheben kann. Ich glaube auch nicht, dass das möglich ist weil es laut Inke Jochims z.B. Bulimiker mit zu hohem oder zu niedrigem Dopaminspiegel gibt aber in beiden Fällen mit zu wenig Serotonin.

Beides wird aus Aminosäuren aufgebaut, Serotonin aus Tryptophan und Dopamin aus Phenylalanin/Tyrosin. Zu wenig Eiweiß bzw. richtige Aminosäuren kann daher auf die Psyche schlagen.

Ich habe gestern und vorgestern das gemacht, was ich quasi jedes Jahr zwischen den Jahren mache, nämlich Filme geguckt. Erstens Tatsächlich...Liebe, ein wirklich wunderbarer Weihnachts-Episodenfilm der alle Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen beleuchtet mit ihren Vor- und Nachteilen und dann, inspiriert dadurch, dass Hugh Grant so ein coole Typ und Schauspieler ist, gehe ich zu Bridget Jones über und reflektiere über meinen Liebeskram des vergangenen Jahres. Bridget Jones, die bei jedem Männerfrust zu Schokolade, Alkohol und Zigaretten greift.

Das Buch dazu habe ich schon vor 15 Jahren gelesen mich tot gelacht dabei und mich selbst erkannt. Mittlerweile bin ich nicht mehr so aber ich setzte mich damit auseinandern, wo die ganzen Gefühle so her kommen. Douglas Lisle beschreibt „Werbeverhalten“ in der Lustfalle sehr schön. In dem Moment wo man einen potentiellen Partner entdeckt wird Serotonin ausgeschüttet und dann noch mehr, wenn man das Gefühl hat, dass der ggf. die Gefühle erwidert. Das ist Weg der Natur dir zu sagen, du sollst dem weiter nachgehen, hier gibt es eine Chance die Art zu erhalten. Wenn der potentielle Partner sich dann zurück zieht fällt dein Serotoninspiegel ab und du kriegst ihn nur mit Zucker oder Alkohol kurzfristig wieder hoch. Anschließend stürzt er aber wieder ab.

Es liegt ein großes Problem da hinter zu erwarten, dass ein anderer einen glücklich machen soll, denn dann dreht man durch: Man klammert und erhebt Besitzansprüche und genau das treibt den anderen dann  wieder noch weiter von einem weg. Man kann daher auch regelrecht süchtig nach einem Partner werden. Serotonin wird aber auch ausgeschüttet, wenn man eine sinnvolle berufliche Aufgabe hat, auf einen Abgabetermin hin arbeitet, ein Projekt umsetzt oder einem Job entgegenfiebert. Nicht wenn man einen unbefriedigenden Job ohne Aufstiegschancen hat, wie viele Angehörige der Unterschicht.

Ich hab mich viel in der Unterschicht rumgetrieben. In Callcentern oder mit arbeitslosen Künstlern rumgehangen die das alles nicht hatten. Die hatten Drogen. Ich hab aber auch meine Erfahrungen gemacht mit beruflich erfolgreichen Männern, die mich regelrecht vergessen haben, weil sie ihr Serotonin über Wochen in ihren Jobs bekommen haben.

Ich frage mich wie es wohl wäre, wenn man seine Neurotransmitter immer auf normalem Maß hätte, wenn man weder Drogennahrungmittel noch richtige Drogen hätte. Würden Beziehungen dann länger halten und ohne so viel Drama auskommen? Bin ich selbst, mit meinen relativ ausgeglichenen Neurotransmittern vielleicht einfach gar nicht kompatibel?

Der Typ, den ich nach der Weihnachtsfeier mit nach hause genommen habe trinkt viel, raucht viel und kifft. Mit einem anderen Typen hatte ich was Anfang des Jahres und da stellte sich im Laufe der  Zeit zwei Dinge raus: Der Mann nahm Antidepressiva und als ich mich zurück zog, weil er katastrophal küsste, dass er klammerte wie bescheuert. Antidepressiva setzten gleichzeitig die sexuelle Lust außer Kraft, also war das auch nichts.

Nur Dopamin, zum Beispiel durch einen Orgasmus, funktioniert aber auch nicht, wenn das Serotonin nicht hoch genug ist. Heißt so viel wie Sex ohne Sinnhaftigkeit ist auch nichts, es sei denn du hast einen tollen Job!

Eine Rettung gibt es dafür aber vielleicht: Das Oxytocin. Das ist ein Bindungshormon, was ausgeschüttet wird, wenn man körperliche Nähe erfährt, wenn ein Baby an der Mutterbrust saugt und auch, wenn man Sex hat. Vielleicht ist Oxytocin aber auch eine Katastrophe, weil man sich dann weiterhin mit jemandem körperlich verbunden fühlt, der einem nicht gut tut.

Das ist die naturwissenschaftliche Seite, aber weil die keiner verstehen kann, muss man sich dann in Helene Fischer rein steigern und seinem Partner vorwerfen, dass er keine Zeit hat atemlos mit einem durch die Nacht großes Kino zu erleben. Tatsächlich ist das Leben nämlich gar nicht wie im Kino, auch nicht wie in Tatsächlich...Liebe. Gerade bei Liebe weiß ich nicht ob die Kunst versucht das Leben zu imitieren oder es vielmehr das Leben ist, was versucht die Kunst zu imitieren. Auch so ein Film funktioniert natürlich über Neurotransmitter. In dem Moment, wo man sich positiv identifizieren kann, bekommt das eigene Leben gleich mehr Sinnhaftigkeit und das Hirn Serotonin.

Oder man geht über das Gesetz der Anziehung indem man sich gute Gedanken macht und man Serotonin ausschüttet, weil man positive Gedanken denkt und auf das Gute vertraut. So kann auch Religion Opium für's Volk sein.

Ich bin in keiner Beziehung, weil es sich nie richtig anfühlte, vielleicht auch, weil diese Serotonin-Dopamin-Schaukel bei mir vereinzelt zu extrem abging. Ein weiterer Faktor ist, dass die Wirkung genau wie die von Substanzen, irgendwann nicht mehr ausreicht. Man will immer noch mehr und wenn einem das vorenthalten wird, macht man dem Partner Vorwürfe. Ich mache keine Vorwürfe. Ich gehe. Ich weiß, dass Vorwürfe nichts bringen, egal ob berechtigt oder unberechtigt, derjenige der die Vorwürfe bekommt wird sich rechtfertigen und nicht zugeben, dass er unrecht hatte. Das muss man anderes bewerkstelligen.

Ich versuche mich gerade in meine Leben wieder rein zu finden, befinde mich, glaube ich, in Detox-Mode und habe nicht viel Lust auf anderes als Fernsehen. Die Balance fehlt. Heute wird wieder joggen gegangen, Brokkoli gegessen und gelernt und dann mal weiter schauen.

Menü des Tages am 27. Dezember 2014

Rest Lovechock Rocks
Haferflocken mit Cashews, Banane, Sunwarrior, getrockeneten Erdbeeren, Chia, Kakaonibs, Reissirup



4 Riegel Ombar Kokosmilch

Rest Gemüsepfanne mit Hirse und Linsen


2 Riegel Ombar Kokosmilch

2 Bananen mit Sojasahne und Reissirup



Coucous-Pizza


getrocknete Erdbeeren

Die Schokolade ist nun aus und ich habe, seltsamer Weise, nicht das Gefühl zugenommen zu haben. Die Hosen spannen nicht.

Es ist seltsam wie sich das ausschleicht, wie man von Schokolade mit voll dem Kick über geht zu Bitterschokolade, Rohkostschokolade und dann bei Bananen landet. Zugegeben mit Sojasahne und Reissirup. Ich hab die geschenkt bekommen und wollte sie an Weihnachten mit nach Hause nehmen, habe sie aber vergessen. Und jetzt stehe ich da und sie muss weg bis Silvester oder in den Müll. Sie ist neu auf dem Markt bzw. im Bioladen und sie ist sehr, sehr fest. Ist mein Kühlschrank zu kalt? Oder muss sie erst Raumtemperatur annehmen bevor man sie verwendet?

Und dann habe ich versucht ein Challenge-Pizza herzustellen inspiriert dadurch, dass ich mal ein Rezept für Polenta-Pizza irgendwo gesehen habe. Polenta gab es aber gerade nicht, also habe ich Couscous verwendet, was zwar toll schmeckte, aber der Boden fiel auseinander. Geht Polenta besser? Oder vielleicht noch besser Amaranth? Das ist komplett vollwertig und klebt unglaublich! Ich werde es also nochmal ausprobieren müssen.

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. Wieder einmal total interessant. Deine Fragen bezüglich der Kochkunst kann ich dir leider nicht beantworten. Ich habe noch nie Sojasahne verwendet.

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  2. Toller Beitrag. Besonders der interessante Einwurf zum Thema "Gedanken und Serotonin". Mich beschäftigt schon länger die Frage, ob die Biochemie nicht auf vielerlei Arten angesprochen werden kann. Du sprachst ja bereits vom Sex und vom positivem Denken. Ähnliches las ich neulich auch über Untersuchungen mit so genannten Dankbarkeitsübungen. Auch für Meditation gibt es eine Reihe Studien, die einen Serotonin Anstieg zeigen. Und natürlich die Ernährung. Hochspannendes Thema. Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse sich diesbezüglich im kommenden Jahr zeigen :-)

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