Sonntag, 7. Dezember 2014

Kalorienreduktion vs. Sucht...



Ich hab am Donnerstag beim Joggen mal über das Konzept der Kalorienreduktion nachgedacht. Angeregt dadurch, dass eine Leserin mir von ihrem neuen Diätkonzept berichtete: CRON. Steht für KalorienReduktion mit Optimaler Nährstoffversorgung - halt auf Englisch. Die Idee ist so einfach wie logisch. Kalorien einsparen, die der Körper sich dann aus seinem eigenen Fettgewebe holen soll, statt aus Nahrung. Was hier neu zu sein scheint ist, dass man auch darauf achtet, dass man sich nicht einseitig ernährt, sondern auch darauf achtet, seinen Vitamin- und Mineralstoffbedarf zu erfüllen, was grundsätzlich auch super ist. Darüber hinaus werden die Kalorien nur um etwa 20% reduziert, so dann man nicht hungern muss.

Auch die Schulmedizin operiert so. Wenn jemand abnehmen soll, werden ihm die Kalorien reduziert. Im Krankenhaus gibt es speziell 1200 kcal-Essen für die SuperMegaAdipösen (deren Grundumsatz man damit natürlich runter schraubt, aber Krankenhäuser und Ernährung passt sowieso nicht zusammen. Das muss man komplett und total sanieren!) Jeder weiß, dass man durch Kalorienreduktion abnehmen kann, oder dadurch, dass man noch mehr verbrennt. Sogar Weight Watchers arbeitet schlussendlich so, nur dass man da keine Kalorien sondern Punkte zählt. In Anbetracht dessen, dass man Substanzen in Lebensmitteln aber missbrauchen und auch süchtig nach ihnen werden kann, können diese Konzepte aber auch wirklich gar nichts bewirken. Nicht dauerhaft. Und auch das weiß jeder...

Meine Schwester hat eine Freundin, die nach der Geburt ihrer Kinder zugenommen hat. Mit Hilfe von Weight Watchers hat sie danach wieder einn bisschen was abgenommen und wenn sie über ihrer Diät berichtet, hat sie immer auch davon erzählt, dass sie auch immer Schokolade gegessen habe. Nicht viel. Halt 1-2 Stückchen und dann halt auch immer viel Obst und Gemüse. Sie berichtete immer darüber wie toll sie sich damit gefühlt habe so viel Obst und Gemüse zu essen, aber sie hat das Gewicht auch immer wieder zugenommen. Derartige Diäten werben ja sogar damit, dass auch Schlemmerleckereien erlaubt sind! Halt in kleinen Mengen.

Solche Geschichten kennt man von allen Seiten, von Weight Watchers als auch von Kalorienreduktionsddiäten. Weight Watchers weiß, dass man für den Rest seines Lebens Punkte zählen muss, wenn man damit sein Gewicht halten will und hat auch dafür Programm. Ich denke, die Lösung zu dem Problem ist eben, dass all die Menschen dazu neigen, also alle, die Jojo diäten, Essen zu missbrauchen oder sogar danach süchtig zu sein und wenn sie während der Diät ihre Droge weiter Konsumieren dürfen, schlägt die Sucht irgendwann wieder ordentlich zu. Spätestens dann, wenn man Stress oder Probleme hat.

Bei den Theaterproben Anfang Oktober lief unserem Team ein befreundeter Schauspieler über den Weg, den wir alle schon länger nicht mehr gesehen haben. Mein Regisseur fragte ihn: „Sag mal, hast du gefühlte 20 kg abgenommen“ als er ihn näher betrachtete. Und der
Schauspieler sagte: „Ja, exakt, hab ich. Genau 20 kg.“  Da wurde ich neugierig und fragte nach, wie er es gemacht habe und er sagte: „Ich hab 2 Jahre keine Schokolade und kein Eis mehr gegessen“

Das erschien mir dann doch sehr traurig, aber vielleicht genau deswegen. Weil ich es genau so gut kann Eis und Schokolade in schwierigen Situationen missbrauchen. Womöglich sogar kurzfristig süchtig danach zu werden.

Ich glaube jemandem der Übergewichtig ist, kann man 2 Sachen absprechen: Dass er vollwertig isst und dass er Essen nicht missbraucht. Das gilt für alle Ernährungsformen. Omnivor, vegetarisch, vegan, roh. Es gibt dann aber auch durchaus Normalgewichtige, die Essen ebenfalls missbrauchen, aber gute Gene haben oder Sport treiben.

Wenn man Esssüchtigen bei einer Reduktionsdiät weiterhin jeden Tag ihre Droge erlaubt, dann ist das so, wie wenn man Rauchen reduzieren soll. Der Schmacht ist weiterhin da, man leidet darunter sogar noch stärker als normal und hat gleichzeitig Angst vor den Konsequenzen. Das macht so viele schlechte Gefühle und schränkt die Lebensqualität erheblich ein, dass man irgendwann so nicht mehr weiter leben will. Viel einfacher ist es da komplett den Absprung zu schaffen um von dem Verlangen danach frei zu werden. Ich persönlich mag mich mit beiden Gedanken noch nicht anfreunden. Weder mit dem, dass ich niemals mehr Rauchen werde, noch mit dem, dass ich nie wieder mehr lustspendene Nahrung essen werde. Auch nicht damit nie wieder Alkohol zu trinken. Ich glaube momentan auch nicht, dass das erforderlich ist. Was aber erforderlich sein kann ist das was der Schauspielerkollege gemacht hat: Eine Substanz sehr, sehr lange nicht mehr zu konsumieren wenn man erhebliche Probleme damit hat. Vielleich kann man sie in Zukunft dann irgendwann wieder als reines Genussmittel betrachten.

Jetzt glaube ich natürlich nicht, dass dieser Kollege auf alles verzichtet hat, was süchtig machen kann. Vielleicht hat auch jeder so sein Trigger-Food. Mir sind Chips zum Beispiel völlig egal. Auch Kuchen ist nicht meine Spezialität. Bei mir ist es ebenfalls Schokolade und Eis. Praktischerweise kann ich Gelüste auf beides mit Bananen oder Bananensofteis bekämpfen. Ein bisschen muss man dann auch in sich rein horchen...'

Es ist so wie McDougall sagt: Eier sollten für Ostern sein, Kuchen für Geburtstage, Schokolade für Weihnachten und Valentinstag und Braten für Sonntage. Früher ass man all diese Dinge nicht jeden Tag, sondern nur zu speziellen Anlässen. Das war ein ungeschriebenes Gesetz und erlaubt einem damit auch nur Nahrung an speziellen Tagen zu missbrauchen und überhaupt garnicht süchtig danach zu werden. Wir verhalten uns aber als sei jeden Tag Ostern, Weihnachten, Geburts-, Feier- und Sonntage in einem und das macht uns fett, süchtig und krank.

Menü des Tages am 6. Dezember

Haferflocken, Banane, Lucumapulver, Reismilch, Wasser, Zimt, Kakaonibs,  Chia, Hanfsamen, Sunwarrior Vanille


1 Cherimoya
3 Amaranth-Maiswaffeln

Brokkoli mit Salz und Pfeffer
Mexikanische Kichererbsenpfanne
Gourmetreismischung


1 Kaki

3 Amaranth-Maiswaffeln

Brokkoli mit Salz und Pfeffer
Mexikanische Kichererbsenpfanne mit Gourmetreismischung
1 Banane

1 Banane

Ich war gestern nicht in der Bäckerei und die Kollegin, die in der Bäckerei war, ist sehr nachlässig mit Nachfüllen der Verkostungen.;) Ist stelle aber fest, dass es von Tag zu Tag leichter ist zu widerstehen. Was wäre wenn man Süßkram oder Kuchen wirklich nur für Sonntag zum Verzehr einplant und die Woche über nicht? Was wäre auch, wenn man die Woche über die Familie vegan ernährt und ihnen dann am Sonntag alles auftischt, was lecker ist, aber krank macht?

Das lustige oder besser tragische an der Esssucht ist, dass sie an Versuchstieren bis zum Abwinken untersucht wurde, am Menschen auch bestätigt ist, dass aber klinisch absolut nichts unternommen wird um den Betroffenen zu helfen. Dass es bisher keine definitiven Diagnosesysteme gibt, keine Kriterien für die Differenzierung von Genuss, Missbrauch und Sucht aufgestellt wurden und dass es abgesehen davon keine Entwöhnungsprogramme gibt.

Mein Kommilitone, der gar nicht will, dass Menschen sich besser ernähren, weil wir Ärzte dann ja nichts mehr verdienen (er selber hat ebenfalls einen BMI außerhalb des gesunden Bereichs), war auch der Auffassung, dass die Menschen einfach zu faul zum Kochen sind. Ich glaube nicht, dass das Faulheit ist. Ich glaube sie genießen das ungesunde Essen genau so wie ein Raucher sagt, er sei nicht süchtig, wolle auch eigentlich nicht aufhören zu rauchen, denn er genieße die Zigarette so. Klar, wissen die Menschen nicht wie man sich richtig ernährt und wie man schmackhaft und gesund kocht, aber Faulheit ist das nicht, denn wenn sie sich in Reduktionsdiäten stürzen kümmern sie sich auch auch ums Kochen – von den Shake-Diäten mal abgesehen. Und sie versuchen es auch immer, immer wieder und sie leiden auch unter ihrem Übergewicht. Und sie vestehen nicht, warum sie immer und immer wieder scheitern. Sie scheitern, weil ihnen niemand erklärt das und warum und wie sie süchtig sind. Weil ihnen niemand erklärt, dass bei Stress der Cortisolspiegel ansteigt und der Blutzuckerspiegel sinkt und dass Weißmehl und Zucker am besten helfen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen zu lassen, dass ein schneller Anstieg aber auch zu einem schnellen Abfall führt, was den Serotoninspiegel senkt und damit zu depressiver Stimmung führt. Dass Zucker und Weißmehl, wie auch Fett Betaendorphine und Dopamin ausschüttet was einem die Stimmung verbessert. Das alles nach einem stressigen Arbeitstag ist doch unglaublich verführerisch, oder? Und so unglaublich leicht zu bewerkstelligen. Die 200g Tafel Schoko von Aldi muss nur leer gemacht werden und kostet auch nur 1,50 €. Ach ja, Lebensmittelhersteller gehen selbstredend ganz bewußt hin und versuchen Nahrungmittel möglichst suchterregend zu produzieren.

Unterdessen sagte meine Waage heute früh 63,5 kg. Das niedrigste Challenge-Gewicht ist wieder da!:)

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. Hallo Silke,

    danke, dass du deine Gedanken über die "Cron" Ernährungsweise geteilt hast. Du hast geschrieben, dass sie neu sei, was so nicht stimmt. Im Focus gibt es zum Beispiel einen Artikel von 2007 darüber:

    http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/antiaging/lifestyle/medizin-weniger-essen-laenger-leben_aid_223986.html

    Darin ist auch von einem Psychologen die Rede, der vor 50 Jahren in seinem Medizinstudium schon davon gehört hat.

    Etwas, was offensichtlich ist, ist, dass die "Cronies" alles keine Sportler sind, bzw. bin ich in meiner Recherche noch nie auf jemanden gestoßen, der als "Cronie" neben seiner Kalorienzufuhr auch noch großartig Sporteinheiten dokumentiert bzw. vermerkt, dass die Nettokalorien eben statt 1800 durch Sport 1500 waren.

    Ich glaube auch, dass manche Menschen es instinktiv machen, nämlich Kalorien nur minimal aufnehmen und den Körper nicht (zumindest regelmäßig) unnötig mit schwerverdaulichen oder zu großen Mahlzeiten belasten und dabei auch auf ihre 1800 Kalorien pro Tag kommen, was für einen "Cronie" mit einer bestimmten Größe ja schon als täglicher Intake reicht. Wenn ich mir meine "zarten" Freundinnen anschaue und mit denen mal einen Tag verbringe stelle ich fest, dass es tatsächlich welche gibt, die instinktiv, also vollkommen unbewusst, so wenig bzw. so gesund (kalorienarmes Obst und Gemüse) essen, dass sie kaum 1600 bis 1800 Kalorien esse.

    Je nach Stresslevel scheint es bei dir auch Tage zu geben, bei denen du bei diesem Kalorienintake bist.

    Ich denke, dass man diese "Art" sich kalorienarm zu ernähren, falls man es als eine Art bezeichnen kann, ohne sich als "Cron" zu bezeichnen und sich zu kasteien (von der Umstellung an sich evtl. abgesehen) ganz natürlich und unproblematisch leben kann. Das macht sie sehr interessant.

    Danke für deinen tollen Blogeintrag.

    Viele Grüße,

    Hannah

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  2. Liebe Hannah,

    wir alle haben einen instinktiv funktionierenden Sättigungsmechanismus. Der funktioniert allerdings bei manchen Nahrungsmitteln nicht, die zu sehr verabreitet sind und der funktioniert auch mehr, wenn der Lustgewinn durch Nahrung, welche Dopamin und Endorphin ausschüttet, größer ist, als das Sättigungssignal.

    Genau darum handelt es sich bei Übergewicht um eine Nebenwirkung einer Sucht. Darauf wollte ich hinaus!

    LG Silke

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  3. "Das lustige oder besser tragische an der Esssucht ist, dass sie an Versuchstieren bis zum Abwinken untersucht wurde, am Menschen auch bestätigt ist, dass aber klinisch absolut nichts unternommen wird um den Betroffenen zu helfen. Dass es bisher keine definitiven Diagnosesysteme gibt, keine Kriterien für die Differenzierung von Genuss, Missbrauch und Sucht aufgestellt wurden und dass es abgesehen davon keine Entwöhnungsprogramme gibt."
    Das trifft es sehr gut.

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  4. "Ach ja, Lebensmittelhersteller gehen selbstredend ganz bewußt hin und versuchen Nahrungmittel möglichst suchterregend zu produzieren."

    Auch das ist mir im Laufe der vergangenen 2 oder 3 Jahre immer bewusster geworden, nicht zuletzt, weil es auch "immer ärger" wurde.
    Aber nicht nur Menschen"nahrung" wird von der LMI suchtmachend produziert, sondern auch Tier"nahrung".

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