Mittwoch, 7. Januar 2015

Arterhaltung und das Belohungssystem...



Douglas Lisle beschreibt in Die Lustfalle, das Belohnungssystem anhand des Verhaltens eines Vogels, des „gray Shrike“ den ich heute früh gegooglet habe und auf deutsch heißt der Vogel Würger. Das ist eine Sperlingsform. Eigentlich erklärt er an dem Vogel nicht nur das Belohungssystem sondern auch das was er „Die Motivationstriade“ nett: Alle Wesen sind darauf aus Lust zu gewinnen, Schmerz zu vermeiden und das mit so wenig Anstrengung wie möglich. Deshalb, so erklärt er ebenfalls, sind Ärzte so beliebt und regelrecht Götter in Weiß: Sie sind dazu in der Lage deine Schmerzen/Leiden weg zu machen und du brauchst dafür nur kurz eine Pille schlucken.

Der Würger muss, um ein Weibchen zu beeindrucken, gaaaaaanz viel Kram sammeln. Alles was so irgendwo im Wald rum liegt muss er in sein Revier holen denn, das Weibchen wählt den Partner unter den Männchen, welcher a meisten Kram besitzt. Und jetzt kommen wir zu dem Belohnungssystem-Punkt: Der Vogel macht das nicht, weil er, wenn er Koitus hat, einen Orgasmus erlebt, welcher ihn mit Dopamin versorgt (das weiß er alles gar nicht), er macht das, weil  die Natur es so eingerichtet hat das dieses ständige Sammeln von Kram bei ihm Serotonin ausschüttet. Er ist zufrieden, wenn er Kram sammmelt. Er ist zufrieden, wenn sich seine Chance zu Vermehren erhöht. - Das ist das Leitsystem was uns, ne, eigentlich nicht uns ;-))), aber allen Tieren sagt, ob sie sich für oder gegen die Arterhaltung verhalten.

Wir Menschen nehmen Pillen und Drogen. Wir zerstören unser Belohnungs- unser Leitsystem, aber wir pflanzen uns dennoch fort. Warum? Auch das erklärt Douglas Lisle. Wenn man dem Würger einen Knopf in sein Revier stellen würde, welchen er nur Drücken bräuchte und dann wäre ein Weibchen da, würde er das machen? Ja, würde er. Natürlich. Aber würde ihm dann nicht ein Großteil der positiven Erfahrung im Dasein verloren gehen? Ja, auch das. Deshalb gibt es tausende Bücher auf dem Markt, die Frauen raten nicht  allzu verfügbar zu sein. Der Mann schüttet dann kein Serotonin aus, aber wenn der Mann auf Drogen ist, ist das auch egal!

Alle Beziehungen von den ich jemals gedacht habe „Mensch, die zwei haben's drauf, die wissen wie man es macht, so eine Beziehung will ich auch!“ sind gescheitert. Das hat mich ziemlich desillusioniert. Ich behaupte quasi, dass ich keine funktionierende Beziehung kenne und wenn sie gerade jetzt funktioniert, wird auch das bald zu Bruch gehen. Ich habe einen langjährigen männlichen Freund mit dem ich mich immer darüber streite, denn er glaubt noch an Romantik. Ich nicht.Und wenn ich sowas lese, wie über das Belohungssystem und den Vogel, glaube ich noch weniger daran. Man hat Ratten tatsächlich Dopamin ausschüttende Substanzen mit einem Knopf in ihren Käfig gestellt und die haben den dann alle Nase lang gedrückt, dabei vergessen zu essen, setzen sich gefährlichen Situationen aus und haben damit quasi einen Dauerorgamus. Mein Freund, der an funktionierende Beziehungen glaubt ist hingegen ziemlich sicher Alkoholiker und Alkohol schüttet alle 3 Neurotransmitter aus Serotonin, Dopmain und Endorphine. Deshalb ist er so beliebt.:-) Vielleicht würde ich das auch glauben, würde ich mir meine Beobachtungen schön trinken.

Das hab ich in der Tat früher: Ich war zum Beispiel in jemanden verknallt und bin auf Ablehung gestoßen. Das tat weh. Nun müsste meine Motivationstriade mir eigentlich gesagt haben: Der Mann tut weh, geh von dem weg. Das hab ich aber nicht gemacht, sondern ich hab Alkohol getrunken und bestimmt auch was ungesundes gegessen. Abgesehen davon, dass ich sowieso schon auf Zigaretten und Kaffee war. Hätte ich mich anderes verhalten, wenn ich clean gewesen wäre? Hätte ich dann nicht chronisch die Erfahrung von Ablehnung gemacht? Das wirft alles ein völlig anderes Licht auf die Persönlichkeitsentwicklung und Lerntheorie...

Gleichzeitig frage ich mich, warum ich, wenn ich ein Date habe, bis heute Alkohol trinken will. Reizen die Typen, mit denen ich mich treffe, so wenig, als dass ich ne Droge dazu brauche? Die Männer, in die ich mich so verliebt habe, nicht durch künstlich hergestellte Treffen übers Internet, haben mich auch nüchtern gereizt. Wenn man sich also Männer interessant trinkt, dann kann man sie mit nach hause nehmen und sich fortpflanzen, aber was macht man dann mit dem echten Serotonin? Das was Glück macht? Das bleibt dann außen vor. Man hat dann Arterhaltung und Drogen. - Kann man auch machen...

Und wo wir gerade bei der Tierwelt sind: Mein Kater hat ein ganz anderes Problem, was auch damit zuammen hängt. Er ist kastriert und hat demnach keine sexuellen Lustgefühle. Und obwohl er alles kriegt, was er an Fressen will, ist er nicht zu fett. Was ihn aber sehr belastet ist, wenn das Fressen nicht ausreichend schmeckt, denn dann hat er nicht genug Lustgewinn. Irgendwann hat er rausgefunden, dass Menschen ihn gerne streicheln wenn er frisst, das war vor allem meine Mutter, von der er sich sonst nicht streicheln lassen hat, aber das Streicheln erhöht seinen Lustgewinn. Jetzt ist er so gepolt, dass er, für ihn ungut schmeckendes Futter, auf Teufel komm raus nicht frisst, es sei denn, man streichelt ihn währenddessen!!!

Was passiert also, wenn ich clean bin? Kann ich lernen mich ausschließlich nach meinem Belohungssystem zu verhalten? Ihm vertrauen? Hat die Manipulation meines Belohungssystems mich davon abgehalten eine funktionierende Partnerschaft einzugehen? Wer will sich schon mit Beziehungsstress auseinander setzen, wenn man Serotonin ohne Stress im Schokoladenregal im Supermarkt kriegt?! Wie viele dysfunktionale Beziehungen und Familien gibt es, die nur noch bestehen weil der ein oder andere, oder die ganze Familie auf Drogen ist! Ich bin heilfroh, dass es mir zumindest gelungen ist das zu vermeiden. Aber vielleicht ist ein cleanes Belohungssystem ja in der Lage mich zu einem wirklich passenden Partner zu führen, mit der ganzen Serotoninausschüttung, die das Kram-Sammeln bringt und dann auch einem Dopaminkick, der dem irgendwann folgt und zur Arterhaltung führt. Da die Zeit läuft, sollte aber auch der andere Weg der Fortpflanzung nicht aus den Augen verloren werden...

Menü des Tages am 6. Januar 2015

6:55 Uhr: 375 g Brokkoli mit Salz und Pfeffer
1 Tomate


Yogi-Flocken mit Heidel- und Himbeeren


10:40 Uhr: 1 Miniromana
Glas Kichererbsen


2 Bananen
1 Kaki

13:40 Uhr: 95 g Maronen

15:10 Uhr: 2 Möhren
Geröstete Kichererbsen



18 Uhr: Miniromana
Sämige Kichererbsensuppe


Gestern war der Tag der Kichererbsen. Und besonders die Suppe war der absolute Hammer, dabei habe ich sie eigentlich nur gemacht, weil ich den Spitzkohl verbrauchen musste. Bei der Suppe habe ich mir richtig den Bauch voll geschlagen, wohingegen diese Maronen am Nachmittag eigentlich nur so viel waren, dass ich so grade nicht mehr Hunger hatte. Daher zwei Stunden später die Möhren, die natürlich auch nicht gesättigt haben. Ich hoffe ich finde heute noch etwas Zeit, die Rezepte zu posten. Es wird aber gerade schwer, weil das Buch Food Junkies: The Truth about Food Addiction gestern gekommen ist. Ach, und falls ihr euch gefragt habt, ob man auch nach guten Büchern süchtig werden kann. Ja, kann man. Die schütten Dopamin aus. Ich trauere jetzt immer noch dem zweitägigen Kick hinterher, den mir der neuste Roman von Anne Rice gebracht hat. Da kommt der Entzug aber auf natürliche Art und Weise...

Video von gestern:



Alles Liebe,

Silke


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen