Sonntag, 25. Januar 2015

Und täglich ruft die Verführung...



Mit mir ist was komisches passiert, als ich am letzten Challengetag den Zusammenhang zwischen meinem Lern- und Essverhalten aufgetan habe. Nicht nur habe ich jetzt keinen Hunger beim Lernen, ich tue mich sogar schwer, mich zum Abendessen zu motivieren. Vorher hat mich der nachmittäglichliche Obstsnack schon zum Abendessen motiviert. Jetzt stelle ich ganz klar fest, dass ich beim Lernen eigentlich gar keinen Hunger habe, sondern Durst und trinke dann was. Aber es kommt auch bis zu 5-6 Stunden nach dem Mittagessen kein Hunger auf und ich fasse das gar nicht!

Lernen macht mir aber immer noch keinen Spaß. Es ist so einsam, weshalb ich es nur 3 Stunden mache, aber das müsste reichen bis 27. Februar. Ich hätte mich gestern fast raus geredet, weil es geschneit hat und ich mir gesagt habe, dass ich eigentlich auch zuhause bleiben könnte. Aber irgendwas hat mich dann doch so diszipliniert sein lassen in die Uni zu fahren. Die Uni ist aber Sonntags natürlich zu, jedoch die Uniklinik nicht und so habe ich mich in die Cafeterria gehockt, da  gab's dann wenigstens warmen Kräutertee (der mir jetzt, nach der Challenge, sogar richtig gut schmeckt!) und all diese schrecklichen Sachen, von denen ich völlig vergessen hatte, dass sie in der Uniklinik verkauft werden!!! Auf dem Weg zu Caféterria kamen mir schon Ärzte mit Styroporpackungen mit Essen drin entgegen, weil die wohl keine Zeit hatten, es dort zu essen. Tagesgericht waren Pommes. Mein zweiter Block viel auf die Kuchenauslage mit unglaublich viel Sahne drauf und mein dritter auf das Regal mit Schokoriegeln. Regelrecht unter ging das Salatbuffet.

Und alle, sowohl Patienten als auch deren Besucher aßen entweder Pommes mit Cola oder Kuchen und Kaffee. Ich war kurz davor von Tisch zu Tisch zu gehen und zu sagen: „Kein Wunder, dass ihr und eure Angehörigen krank seid, wenn ihr nur son' Mist esst!“ - Es geht nicht in meinen Kopf, warum Menschen das nicht erkennen können! Ich nehme aber auch an, dass wir in der Kölner Uniklinik noch gut dran sind: die Cleveland Clinic hat einen McDonalds integriert.

Ein Grund könnte sein, dass Sendungen, die die Menschen aufklären nicht nachmittags laufen, wenn Skripted Reality Formate laufen, sondern um Mitternacht. Eine Challengeteilnehmerin hat einen Link zu einer Fernsehsendug gepostet, die Donnerstag Abend um 5 vor 12 lief: Leschs Kosmos Die Ess-Lüge - Die verborgene Macht der Natur. Sie dauert 30 Minuten und behandelt wie der Mensch von der Rohkost zum gekochten Essen und dann zur Industrienahrung kam, wie er süchtig danach ist und wie er Tiere ausbeutet um seine Sucht zu befriedigen. Abschließend geht es um den ersten synthetischen Burger aus im Labor gezüchteten Muskelzellen, der vielleicht irgendwann dafür sorgt, dass keine Tiere mehr für den menschlichen Fleischgenuss sterben müssen.

Und während ich so fasziniert davon war, wie effektiv man emotionale Probleme bearbeiten kann, wenn man einfach das Essen weg lässt, was man verzehrt, damit man diesem Problemen nicht ins Auge sehen muss, habe ich über das Problem einer Leserin nachgedacht. Sie schrieb mir, dass sie nun mal gerne Weißmehlbrötchen esse. Am liebsten mit Nuss-Nougat-Creme oder selbstgemachter Marmelade. Sie fragte mich, ob sie, wenn sie alle Nährstoffe bekäme und sonst fettarm und pflanzlich essen würde, dennoch Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankung bekommen könnte wegen dieser Weißmehlbrötchen. Und ob sie die bleiben lassen sollte.

Das erinnerte mich irgendwie an einen Raucher, der fragt ob er bei 5 Zigaretten auch Lungenkrebs bekommen würde, da er das Rauchen leider genießt.

Also, zunächst Mal ist dieses genießen oder gerne essen das Belohnungssystem und kein „Gefühl“.
Binne 4 Tagen isst man alle anderen Sachen genau so gerne. So schnell geht die Umgewöhnung , wenn man konsequent ist.

Bei der Challenge war ich so erstaunt, dass alle Teilnehmer, auch die, die zu Anfang echt Probleme hatten morgens Gemüse zu essen, es zum Ende der Challenge gar nicht mehr davon lassen wollten. Ich glaube fast alle setzen, genau wie ich, das morgendliche Gemüseessen fort.

Andererseits halte ich es nicht wirklich für fatal ein Brötchen mit Marmelade morgens zu essen, also nicht für die Gesundheit. Ich halte es eher für fatal für die Psyche. Nicht, wenn man es ein Mal macht, sondern wenn man es jeden Tag macht und sich weigert das zu ändern, weil man es genießt! Eine Sucht ist das, was man jeden Tag macht und nicht, wenn man sich ein Mal im Monat die Kante gibt. Oder ein Mal im Monat Kaffee und Kuchen konsumiert. Es ist die Regelmäßigkeit und nicht der grundsätzliche Konsum, der ein Problem darstellt. Wie gesagt, kein körperliches sondern ein psychisches. Irgendwas wird damit verdrängt, etwas, das dem Betreffenden helfen könnte zu wachsen und ein glücklicherer Mensch zu werden.

Das kann natürlich jeder für sich entscheiden und mich als angehenden Arzt interessiert das auch nicht wirklich. Selbst, wenn ich Psychiater werden würde, würde mich das nicht wirklich interessieren, da der Mensch ja nicht sein Leben damit ruiniert Chancen zum Wachsen nicht zu nutzen. Ich weigere mich aber auch eine Absolution zu erteilen, dass der tägliche Konsum von Weißmehlbrötchen und Marmelade, die zur Hälfte aus Zucker besteht definitiv keine Herz-Kreislauf-Erkrankung und Diabetes macht. Da gehört schon einiges mehr zu.

Menü des Tages am 24. Januar 2015

9:10 Uhr: Brokkoli mit Tomate


Couscous mit 1 TL Leinsamen, 10 g Mangeln, Lucuma, Sunwarrior, Banane, Heidelbeeren, Zimt


12:15 Uhr: Zucchini mit Salz und Pfeffer


Veggie Chili mit Vollkornreis


1 Apfel

18:10 Uhr: 500 g Brokkoli mit Knoblauch, Salz und Pfeffer


60 g Heidelbeeren



Ich hab gestern in den Cronometer eingegeben und 9,9% Fett verzehrt. So ungefähr soll das weiter gehen. Die Ernährung war absolut optimal, alles da und ich war satt.

Ich persönlich hab bei der Challenge gar nichts abgenommen, manche bis hin zu 5 kg und ich frage mich, ob es damit zusammen hängen könne, dass ich nur beim Frühstück die Regel befolge stärkefreies Gemüse zuerst zu essen. Also habe ich mal bei allen Mahlzeiten erst das Gemüse gegessen. Abends kam sogar gar keine Stärke hinzu, weil ich von 600 g Brokkoli, die ich gekocht hatte nur 500 g essen konnte. Dann war ich voll. Es waren dann auch nur 1582 kcal aber alle Nährstoffe ausreichend vorhanden. Ich werde das mal ein paar Tage beobachten, wie ich mich so verhalte, wenn ich immer Gemüse zuerst kriege.

Es erscheint mir immer noch wie Zauberei, dass ich plötzlich satt sein kann. Ich glaube auch, dass das Weglassen von Belohnungsessen einen zwingt, seine Belohnung durch was anderes zu bekommen. Also, jetzt nicht andere Drogen sondern Dinge, für die das Belohnungssystem eigentlich geschaffen wurde. Ein bisschen ist ein Ehrgeiz jetzt erwacht, die Klausur gut zu bewältigen.:-)

Heute Abend bin ich mit einem Freund verabredet und es wird zu ersten Mal seit Silvester Alkohol geben. Ich bin gespannt, wie ich den vertrage und auch, wie es mir morgen geht bzw. ergeht.

Alles Liebe,

Silke

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