Samstag, 19. Oktober 2013

Erleuchtung oder How to lose Weight without losing your Mind...



Ereignisreiche Tage liegen hinter mir, in denen fast mehr in mir passiert ist als außen. Mal wieder weiß ich nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen, bin völlig überwältigt von den Eindrücken und finde es gleichzeitig furchtbar, dass ich nicht die Zeit hatte täglich darüber zu schreiben.

Neben den 3 Drehtagen habe ich Die Lustfalle gelesen und meine Faszination wuchs von Kapitel zu Kapitel. Ich habe den Eindruck, dieses Buch ist das Puzzelstück, welches mir zur totalen Erkenntnis über alle Lebensbereiche, mit denen ich mich jemals beschäftigt habe, noch fehlte. Douglas Lisle ist briliant, einleuchtend, wohl formuliert, auf der Höhe jeglicher Medizin, Psychologie und Evolutionstheorie. Ein Must-Read. Das wahrscheinlich wichtigste Buch, was jemals geschrieben wurde!

Nicht nur erklärt er die Lustfalle in Bezug auf Essen, sondern auch in Bezug auf die Medizin. Und dadurch ist mir endlich klar geworden, warum die Schulmedizin in so vielerlei Hinsicht eine Einbahnstraße ist. Besonders in Bezug auf Diabetes und Herzkreislauferkrankungen.

Da wir alle, also jede Spezies auf diesem Planeten, alles mit möglichst wenig Schmerz, möglichst großer Lust und möglichst wenig Aufwand machen wollen, schon Atome sind so gestrickt, dass sie alles mit möglichst wenig Aufwand machen wollen, bedient die Schulmedizin natürlich auch genau dieses Prinzip. Der Patient will es so. Schmerzen werden durch Medikamente weg gemacht, Krankheiten durch Behandlung der Symptome vorerst zum verschwinden gebracht.

Dabei erörtert Douglas Lisle auch intensiv, dass Symptome nicht die eigentlichen Erkrankungen sind, sondern hauptsächlich Warnhinweise, dass wir mehr auf uns Acht geben sollen. Schmerzen sind Zeichen dafür, dass wir uns schonen müssen, Fieber ein Abwehrmechanismus des Körpers und überhaupt sei häufig die beste Maßnahme zur Heilung nicht, das Hinzufügen einer Substanz, sondern das Weglassen. Meine Katze wurde auch dann wieder gesund, als sie 16 Tage das Fressen einstellte. Heilfasten halt. Unser Körper hat nun mal unseren Verstand übersteigende Selbstheilungskräfte. Die hat er sich im Laufe von Millionen Jahren angeeignet und wir, die wir jetzt leben, sind nun mal die jeweils erfolgreichsten Nachkommen, der jeweils erfolgreichsten, am besten angepasstesten, am besten überlebensfähigsten Individuen unserer Spezies.

Aber da gibt es dann noch ein paar mehr Fakten. Das ganze Neurotransmitter-Ding, welches durch Genussmittel angefeuert wird und durch hochkonzentrierte Nahrung. Dabei ist die Quintessenz davon eigentlich auch in diesem wunderbaren Video zu finden. Ein Vortrag von Douglas Lisle zu Thema:

How to loose weight, without loosing your mind.



Er geht darin vor allem auf den Mechanismus ein, der zur Sättigung führt, und der funktioniert grundsätzlich bei absolut jedem. Der Magen hat Rezeptoren für Dehnung und für Nährstoffgehalt und er bestimmt darüber, wann man satt ist und wann nicht. Wenn die Dehnung fehlt, z.B. dann, wenn Ballastoffe fehlen, was immer der Fall ist, wenn man Fleisch, Milchprodukte und Weißmehl isst, bleibt ein Teil des Sättigungssystems auf der Strecke. Ein weitere Faktor ist bei konzentrierter Nahrung aber auch, dass die Nährstoffrezeptoren irritiert sind, wenn man Sachen isst, die in der Natur so nicht vorkommen. Sachen mit sehr viel Fett und sehr viel Zucker und sehr wenig Ballaststoffen. Der Körper registriert zwar, wenn man, sagen wir, 30 g Butter oder Öl isst, dass da jetzt viel Fett aufgenommen wurde, aber die exakte Berechnung des Nährstoffgehalts funktioniert nicht mehr richtig. Statt der 270 kcal, die 30 g Öl enthalten rechnen die Rezeptoren nur ca. 150 und man hat noch mehr Hunger, als man eigentlich haben sollte.

Und so isst man dann über die Jahre immer ein bisschen zu viel und die Pfunde häufen sich an. Das ist nicht bei jedem einzelnen Individuum katastrophal ausgeprägt, aber scheinbar bei den meisten. Einige wenige können tatsächlich alles essen was sie wollen und nehmen nicht zu. Wobei ich mich dann auch frage, ob das dauerhaft funktioniert und ob die nicht vielleicht doch gesünder essen. Und natürlich kriege auch die die Konsequenzen ihrer Fehlernährung irgendwann in Form von Krebs und Herzkreislauferkrankungen zu spüren.

Es liegt daher nicht an der Überfülle, dass wir übergewichtig und krank sind, es liegt daran, dass sowohl unser Sättigungssystem nicht mehr richtig funktioniert als auch unser Belohnungssystem. Wilde Tiere, die das Glück haben in einem Habitat zu leben, welches ebenfalls übervoll mit Nahrung ist, wie unsere zivilisierte Gesellschaft, werden nämlich auch nicht fett und fressen wild um sich rum. Was Tiere machen, wenn die reichlich Nahrung haben - und das hat mich völlig umgehauen - ist nämlich mehr Sex zu haben. Was ein Teil einer Erklärung ist, warum ich in den letzten 12 Jahren Armut, die ich bis quasi dieses Jahr hatte, weder viel Sex hatte, noch mich fortgepflanzt habe. Es wäre evolutionstechnischer Blödsinn, da die Nahrung und die Ressourcen noch nicht mal für mich reichten!

Und so war mir dann endlich, nach jahrelangem Suchen endlich klar, warum was gesund ist und was nicht, was falsch ist und falsch läuft und was man machen kann.

Trotz großartiger Erfolge, die ich mir Rohkost hatte, hat es mich nie richtig überzeugt, weil es irgendwie nicht plausibel war. Immerhin kochen wir als Spezies schon seit Jahrtausenden und dafür muss es doch auch einen Grund geben. Auch "vegan" ist für mich nicht wirklich plausibel, denn da wird auch Industrieschrott verzehrt und, seien wir mal ehrlich, auch beim Ackerbau sterben Tiere, wenn sie unter den Mähdrescher kommen. Das Freilegen von Ackerflächen raubt Tieren auch ihren Lebensraum.

So kam es quasi immer dazu, dass ich, wenn die Gelegenheit es ergab, Ausnahmen gemacht habe. Und so habe ich noch nie, nicht mal in meinen 100% Rohkostzeiten bei Dreharbeiten keinen Süßkram gegessen, fast nie keinen Kaffee getrunken und auch allzu häufig war ich verführt dazu, eine zu rauchen. Schlicht und ergreifend deshalb, weil mir immer klar war, dass das, wenn ich es an einem einzigen Tag mache, kaum Konsequenzen für meinen Gesundheit hat.

Das war dieses Mal anders. Es hat zwar keine Konsequenzen für meine Gesundheit, aber durchaus für mein Belohnungssystem! Daher bin ich da diesmal völlig anders ran gegangen. Ich war erstmals wirklich überzeugt davon, dass ich das wirklich nicht konsumieren will, weil ich will, dass mein Belohnungssystem weiterhin auf der Reihe bleibt. Ich will mit meinem Leitsystem im reinen sein, ich will echte gute Gefühle haben und mich davon leiten lassen. Echte wahre Lust nicht eine die durch Drogen und Genussmittel induziert wird. Denn wenn man das macht, ist das eigenen kurzgeschaltet und funktioniert nicht mehr, oder wesentlich schlechter. So kriegt der Blogname dann plötzlich auch wieder eine treffende Bedeutung: die Suche nach echter, wahrer, purer, reiner und damit roher Lust und nicht notwendigerweise der Verzehr 100%iger Rohkostnahrung - die dummerweise auch das Belohnungssystem irritiert wenn es sich um Nüsse, Agavendicksaft, Obstsmoothies, Obstsäfte oder sehr fetthaltiges Fleisch und Öle handelt.

Der Plan war zum einen selber etwas zum Essen mitzunehmen aber nicht alles. Ich wollt
auch gucken, wie ich mit gesellschaftlichen Situationen zurecht komme und welche Kompromisse ich ggf. würde machen müssen. Mitgenommen hatte ich einen Vollwertblondie und einen Organic food bar, was zwar beides auch nicht die optimale Nahrung für das Belohnungssystem ist, aber besser als alles was es dort gab.

Mittwoch Nachmittag fragte ich, den Aufnahmeleiter, wann denn das Mittagessen angesetzt sei, weil ich Hunger hatte. Er darauf: "Hast du kein Brötchen gegessen?" Ich: "Ich esse sowas nicht. Kein Weißmehl und ich vermeide auch Süßigkeiten, wenn ich kann". Darauf er: "Warum hast du das nicht eher gesagt? Dann hätte ich für dich was anderes besorgt! Ich kann für die Darsteller genau das besorgen, was die haben möchten, das ist überhaupt kein Problem!" Und daraufhin erzählte er mir die Geschichte, wie er Anfang des Jahres mal keine Süßigkeiten mehr gekauft hätte und nach 3 Wochen sei ihm das Team aufs Dach gestiegen, weil es keine Süßigkeiten gab, so dass er sie dann doch wieder gekauft hätte. Beim Fernsehen gibt es immer nur folgendes zu essen: Kaffee, Brötchen und Süßigkeiten - aber ich treffe auch immer wieder Leute dort, die es genau so stört wie mich, dass man sich beim Fernsehen einfach nicht halbwegs anständig ernähren kann. - Aber der Gruppenzwang lässt uns dann alle nachgeben...

Für meine Kaffeegelüste hatte ich koffeinfreien, löslichen Kaffee mitgenommen, der noch von meinem Geburtstag über war. Ich bin nämlich ein großer Freund der Selbstverarsche. Das Rauchen habe ich mir mit Nikotinkaugummis abgewöhnt und diese dann wiederum mit normalen Kaugummis. So geht das auch mit Kaffee, denn es ist nicht nur der Suchtstoff, der einen das konsumieren lässt, sondern auch die Gewohnheit. Douglas Lisle schreibt in einem Kapitel auch sehr außergewöhnlich über Gruppenzwang und Experimente über soziale Integrität. Ein jüdischer Forscher kam in den 60er Jahren, zu seinem eignen Missfallen, auf den Gedanken, dass wahrscheinlich nicht alle Deutschen im Dritten Reich das manifestierte Böse waren, sondern dass es nur ein paar Nazis gab und die anderen aus sozialer Integrität mit gerannt sind.

So ist das auch bei Drogen, bei meinen Alkoholproblemen bei Dates und überhaupt in gesellschaftlichen Situationen. Ich tue mich sehr schwer damit nicht "mitmachen" zu können. Allein schon der Gedanke daran löst schlechte Gefühle bei mir aus und der Gedanke daran dann wieder den expliziten Wunsch nach Genussmitteln. Teufelskreis.

Daher bin ich auch kein Freund der Cold-Turkey-Variante der Entwöhnung. Also von jetzt auf gleich sofort mit allem aufzuhören was ungesund ist. Man sollte sich da besser nach und nach rantasten und nach und nach schlechtere Nahrungsmittel durch bessere austauschen. Jetzt alles auf ein mal bleiben lassen zu müssen löst so viel Unwohlsein aus, dass man am liebsten sofort zu ungesunden Sachen greifen möchte, weil sie beruhigen oder glücklich machen. Wie schrieb Allan Carr: Die meisten Raucher finden sich vor den Türen der Krebskliniken. Krebs erzeugt Angst und das wiederum den Wunsch nach einem Beruhigungsmittel: Nikotin

Mittags wurde in einem Restaurant in Ehrenfeld, der veganen Hochburg Kölns wie's scheint, gegessen, denn das Restaurant Speisemeister hatte explizit ein veganes Gericht auf der Karte, was ich bestellt habe. Süßkartoffelgratin. Donnerstag hatte ich einen großen grünen Salat und dazu kein Weizenweißmehlbrot. Weizen irritiert auch das Belohnungssystem, da das Gluten zu opiatähnlichen Teilchen zerlegt wird, welches die Opiatrezeptoren ansteuert und dann beruhigt. Mir wurde in den letzten 3 Tagen auch klar warum meine Mutter überhaupt erst durchgedreht ist, nachdem sie auf Gluten verzichtet hat. Ihre Droge, ihr Beruhigungsmittel war weg und sie hat sich unweigerlich darauf gestürzt unsere Familie zu zerstören.

Gestern hatte ich nicht so viel Glück, da bei einem Pizzadienst bestellt wurde, ich hatte keine Zeit oderndlich in die, auf einem Smartphone angezeigte Speisekarte zu schauen und habe einen Fitnesssalat bestellt. Der enthielt dummerweise Käse und war zudem echt mies. Den Käse habe ich gegessen, obwohl ich den am Donnerstag, als mir ein Dinkelvollkornbrötchen leider auch mit Käse, gegeben wurde, weggeschmissen habe. Normalerweise hätte ich ihn gegessen, einfach nur, weil er umsonst war, weil wegwerfen es auch nicht besser macht und weil eine Scheibe Käse noch keinen Krebs oder Herzinfarkt macht. Ich hab ihn weggeworfen, weil er mein Belohnungssystem irritiert. - Gestern nicht, dafür habe ich dazu Roggenvollkornbrot gegessen, was ich mitgebracht hatte um zumindest das Fett im Käse auszugleichen und meinen Sättigungsmechanismus besser zu unterstützen.

Schlussendlich habe ich mich aber durchweg besser gefühlt. Mehr im Reinen mit mir selbst, konnte auf mein natürliches Ruhebedürfnis eingehen und habe mich schlussendlich gefragt: Hat mir Drehen bisher immer nur deshalb Spaß gemacht, weil ich da Drogen konsumiert habe? - Es war nämlich superanstrengend und hat kaum Spaß gemacht, weil das Niveau, was ich gerne hätte, einfach nicht erreicht wurde und weil ich die Hauptrolle hatte und in jeder, aber auch jeder Szene drin war. Für so viel Arbeit war das zu wenig Geld, auch wenn ich exakt die Tagesgage hatte, die ich haben wollte und dafür 1,5 Monate im Biolanden arbeiten muss Nächstes Mal muss ich für eine Hauptrolle mehr verlangen.

Und tatsächlich war ich heute früh auch wieder bei nur 59,3 kg. Das mit dem Sättigungsmechanismus, was Douglas Lisle in dem Video beschreibt, war mir nämlich neu und eigentlich habe ich meinem Sättigungsmechanismus auch noch nie vertraut. Ich bin nämlich in der Lage auch bei vollwertiger, pflanzlicher, fettarmer Nahrung zu viel zu essen, so dass ich dennoch zunehme. - Aber das, so die Erkenntnis über das Belohnungssystem liegt in meinem Fall dann daran, dass immer noch Genussmittel teil meiner Nahrung waren und wenn ich die dann weg lasse habe ich das Bedürfnis die ausbleibenden Botenstoffe doch durch zu viel Essen zu bekommen. Zu100% habe ich das noch nicht begriffen, aber was da die letzten 3 Tage passierte, war für mich eine völlig neue Welt. Könnte es doch sein, dass man wirklich, also sogar ich, wenn die richtigen Nahrungsmittel verzehrt werden, so lange essen kann, bis man satt ist? Ich glaube ja. Auch wenn ich dem Braten noch nicht traue...Und ich muss auch noch mehr mit Nahrungsmitteln experimentieren. Sie dürfen weder zu stark konzentriert sein, noch einen zu hohen glykämischen Index haben, damit das reibungslos funktioniert. Und man darf sie nicht als Ersatzbotenstoffbereitsteller für Genussmittel verwenden.

Heute fahre ich zu meinem Vater, daher hört ihr erst wieder am Montag von mir. Aber jetzt bin ich definitiv wieder da. Der Stress ist vorbei. Das hat auch mein Körper bemerkt, da ich meine Tage bekommen habe, die letzten Monat - Schuld ist das Krankenhaus - ausgefallen sind, was mir fast noch nie in meinem Leben passiert ist!!!

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. "...die Suche nach echter, wahrer, purer, reiner "

    L iebe

    und/oder Anerkennung

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  2. LIebe Silke...jetzt wo du das buch gelesen hast...verkaufst du es mir? ich bin sehr neugierig geworden.

    Liebe Gruss...Bianca

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