Dienstag, 4. November 2014

Ketogene Ernährung bei Typ-II-Diabetes?...Ihre Nachteile...



Ich hab bzw. hatte eine Facebookfreundin, die mich vor 4 Jahren in meiner Rohkostphase anfreundete. Sie war dann eine Zeit lang dort präsent, verschwand aber irgendwann, als sich eine neue Beziehung bei ihr anbahnte. Kürzlich tauchte sie wieder auf und postete ihre Gedanken über LowCarb, irgendwelche Links und über die Erfahrungen übergewichtiger Familienangehöriger damit. Nie hat auch nur einer ihrer anderen Facebookfreunde das irgendwie kommentiert und ich fing an mich zu fragen, was sie wohl damit bewirken will, dass sie es postet. Sucht sie Bestätigung, oder sucht sie Widerspruch? Was ist die Motivation da hiter?

Irgendwann habe ich nachgefragt und sie erklärte, sie würde einfach nur ihre Gedanken teilen. Räumte innerhalb der Konversation aber auch ein, dass sie Typ II Diabetes habe und vor allem übergewichtig sei und abnehmen müsse. Ich hab ihr gesagt, dass ich wisse, wie das geht, dass ich mein wissenschaftliches Projekt darüber geschrieben habe und ihr den dorthin Link gegeben. Die Sache war nämlich die: Sie fragte sich unter anderem wie LowCarb zur China Study passen würde, welche sie gelesen hat. (Passt natürlich nicht - LowCarb lügt!)

Schlussendlich kam ich aber mit allen Erklärungen nicht durch. Sie hatte nicht das Hintergrundwissen zu entscheiden ob LowCarb gut oder schlecht ist und dass ich Medizin studiere hatte ihr auch nicht gereicht. Zwei ihrer Ärzte hatten ihr nämlich in ihren LowCarb Bestrebungen unterstützt.

Also, warum machen Ärzte das? Sind die dumm?

Natürlich nicht! - Die Idee hinter LowCarb für einen Diabetiker ist, dass es nicht zu hohen Blutzuckerspiegel kommen kann, weil keine Kohlenhydrate verzehrt werden und ohne hohen Blutzucker kommt es dann auch nicht zu den Diabetes-Folgeerkrankungen wie Neuropathie, Retinopathie und Angiopathie, sprich es kommt dann nicht zu Nierenversagen, Erblindung und Absterben der Extremitäten. Gegen den Typ II Diabetes selbst kann eine LowCarb-Ernährung aber rein gar nichts ausrichten. Man bleibt weiter insulinresistent, wegen all des Fetts in den Zellen und die Bauchspeicheldrüse muss auch weiterhin Insulin produzieren, weil ja auch Ketonkörper, Aminosäuren und kurzkettige Fette zur Insulinausschüttung führen. Mit ein bisschen Glück nimmt der Diabetiker aber bei dieser Ernährung ab.

Was LowCarb Ernährungen alles nicht können, haben wir hier schon oft besprochen, aber welche Schäden sie anrichten können nur wenig. Tatsächlich gibt es für die Auswirkungen von über mehrere Jahre durchgeführte LowCarb-Ernährungen auch keine Studien. Die Experten sind sich aber einig, auch die an der MedFak in Köln, dass diese Auswirkungen nicht gut sein können.

Kurzfristige Auswirkungen sind hingegen bekannt und die möchte ich euch nicht vorenthalten. Und das sind jetzt die Auswirkungen eine ketogenen Ernährung, nicht eine normalen LowCarb Ernährung, die noch weitaus ungesünder ist, weil eine ketogene Ernährung tatsächlich in der Lage sein kann den Cholesterinspiegel zu senken und Blutfettwerte zu verbessern, was LowCarb nicht kann.

Also, ketogene Ernährungesweisen können durch die Übersäuerung zu niedrigen Phosphatwerten im Blut führen, was zu schlechterer Gehirnfunktion, Nierensteinen und Osteoporose führen kann. Quelle: Metabolic and endocrine effects of metabolic acidosis in humans 

Ketogene Ernährung hat bei untersuchten Personen zudem zu Kopfschmerzen, Mundgeruch, Verstopfung, Durchfall, Schwäche, Ausschlag Schlaflosigkeit und Rückenschmerzen geführt.
Quelle: The effect of a low-carbohydrate, ketogenic diet versus a low-glycemic index diet on glycemic control in type 2 diabetes mellitus 

Das sind die kurzfristigen Effekte, die man in kauf nehmen muss, wenn man mit ketogener Ernährung Gewicht verlieren will.

Da ketogene Ernährungsweisen reich an tierischen Produkten sind und tierisches Eiweiß zu diversen Erkrankungen führt, steigt das Risiko für diverse Krebsarten und Zivilisationserkrankugen.
Quelle: Low protein intake is associated with a major reduction in IGF-1, cancer, and overall mortality in the 65 and younger but not older population  

Zudem fehlen bei ketogener Ernährung vor allem die Ballaststoffe.

Und leider hilft sie halt kein Stück bei der Heilung von Typ II Diabetes. Mit fettarmer, vollwertiger, pflanzlicher Ernährung kann man seine Insulinresistenz überwinden und dann auch mal Ausnahmen machen bei der Ernährung und etwas fetthaltiger essen oder auch Mal Zucker oder Weißbrot. Man kann also quasi zurück zu einer Ernährung die „normal“ ist, wenn der Diabetes überwunden ist. Bei LowCarb muss man, um seinen Diabetes im Griff zu haben, immer und für immer so weiter essen. Der Körper wird nie wieder in die Lage zurück versetzt seine Nährstoffverteilung durch Insulin selber in die Hand zu nehmen. Heilung ist nicht möglich.

Ich hab diese Facebookfreundin dann entfernt, weil ich das nicht mehr mit ansehen konnte: Links zu LowCarb Seiten von Laien wie Patric Heizmann wo ich einfach nur kotzen muss, wenn ich so viel Dummheit auf einem Haufen sehe. Und das furchtbare ist, dass es tatsächlich sein kann, dass sie mit ketogener Ernährung  beim nächsten Arztbesuch bessere Cholesterin und Blutzuckerwerte hat als vorher. Da rührt mich echt der Donner! Wie kann man an jemanden appellieren, der scheinbar gute Erfahrungen macht. Artherosklerose misst kein Hausarzt zu Diagnose von Herzkreislauferkrakungen, nur immer diesen elenden Cholesterinwert, der leider viel zu wenig Aufschluss auf das wirkliche Risiko einen Herzinfarkt oder Schlafanfall zu erleiden gibt.

Ach ja, weil ich mündlich in MedSoz geprüft wurde, habe ich lernen müssen, wie die Leitlinien so funktioniern. Im Informationszeitalter gibt es das natürlich alles online. Bei www.ammf.org
Schöne neue Welt! - Sogar die Leitlinien empfehlen eine Ernährung die arm an Fett, vor allem gesättigtem Fett und arm an freien Zuckern ist. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/057-001_S2_Ernaehrungsempfehlungen_zur_Behandlung_und_Praevention_des_Diabetes_mellitus_06-2010_06-2015.pdf

Wieso gibt es auf Diabetesstationen im Krankenhaus dann noch diesen Schrott zu essen und warum stützen Ärzte die Bestrebungen ihrer Patienten LowCarb zu machen?

Menü des Tages am 3. November 2014

Haferflocken, Sunwarrior Vanille, Rosinen, Chia, Sesam, Birne, Kakao


2 Brennnesseltee

Laugenbrezel
Koffeinfreie Sojamilchkaffee mit Stevia

Rote Beete-Meerrettich-Suppe


Popcorn mit Salz in 1 TL Kokosöl zubereitet
1 Banane

½ Apfel
½ Birne
Salat aus Paprika, Frühlingszwiebel, Gurke und gemischtem Blattsalat mit Cashew-Vinaigrette


Rote-Beete-Suppe mit Reiseinlage
Alkoholfreies Krombacher
2 handvoll Rosinen

Diese 3 Tage „Romanverschlingungspause“ hat mir unendlich gut getan. Wie Urlaub! Ich kann mich schlagartig wieder auf Lernstoff konzentrieren und habe sogar wieder Spaß daran. Außerdem habe ich gestern meine neue Semesterfreundin gefunden! - Da ich nicht in Regelstudienzeit studiere, mangelnder neuronale Plastizität im Alter zu schulden, habe ich kaum mehr Kommilitonen, mit denen ich angefangen habe zu studieren. Die meisten haben mich überholt, ein paar habe aber auch ich überholt. Bereits letztes Semester fiel mir auf, dass man offensichtlich jedes Semester neue Freunde hat je nachdem was man gerade belegt und das ist einerseits schade, weil man Leute später wieder aus den Augen verliert und andererseits gut, weil man viele neue Leute kennen lernt. Meine neue Semesterfreundin ist 9 Jahre älter als ich, mir als Bioladenkundin schon länger bekannt und nun hockt sie in der selben Vorlesung wie ich. Naheliegend war also, dass wir gestern nach der Vorlesung im Bioladen einen Kaffee trinken waren und das beide unbedingt wiederholen wollen. Das Semester ist geritzt!:-)

Alles Liebe,

Silke,


Kommentare:

  1. Das wirst du als Ärztin dann anders machen! Uns bis dahin öffnest du uns mit deinem Blog die Augen ;).

    Nachdem ich noch nicht so lange eine Mitleserin bin: Was hältst du denn von weißem Reis? Ich habe die letzten Tage unterbewusst vier Mal hintereinander weißen Reis zum Abendessen gekocht und als es mir bewusst wurde hab ich mich gefragt ob es überhaupt gesund ist? Den Chinesen schadet es ja auch nicht.

    AntwortenLöschen
  2. Naja, eigentlich doch! - Weißer Reis wurde in China erst von den kolonialistischen Besatzungsmächten eingeführt, zuvor hatte man ausschließlich Vollkornreis. Da es in China zu der Zeit für viele Menschen Reis als einziges Nahrungmittel gab kam es bei den Einheimischen zu der Krankheit Beriberi, die auf einen Vitamin B1-Mangel beruht. Die Besetzter bekamen die Erkankung nicht, weil sie auch noch andere Nahrungsmittel als Reis verzehrten. So wie du auch, daher wirst du wohl kaum Beriberi bekommen. Weißer Reis hat jedoch weniger B-Vitamine als brauner und er geht schneller ins Blut, braucht mehr Insulin und man wird schnell wieder hungrig,Brauner Reis ist in jeder Hinsicht besser. Es gibt sehr leckeren Vollkorn-Basmatireis von Dennree, den ich für Reisgerichte verwende.

    LG Silke

    AntwortenLöschen
  3. Was ist ein Cashew-Vinaigrette? Das hab ich nun schon öfters gelesen...
    LG

    AntwortenLöschen
  4. Ist es eine Marinade aus gemixten Cashews und Essig, etc.?

    AntwortenLöschen
  5. Das ist eine Abwandlung von Isa Chandra Moskowitz' Rezept Balsamic Vinaigrette. Du findest es hier http://www.food.com/recipe/vegan-balsamic-vinaigrette-463159 oder in ihrem Buch "Appetite for Reduction"

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Silke Rosenbusch,

    Sie erinnern mich an Frau Dr. Petra Bracht.

    Nichts für ungut!

    AntwortenLöschen