Freitag, 28. November 2014

Gelassenheit...



Challenge Tag 15:

Ich glaube nicht, dass sich ein „normaler“ auch nur ansatzweise vorstellen kann wie sich ein zuckersensibler fühlt, genau so wenig, wie sich ein zuckersensibler vorstellen kann, wie sich jemand normales fühlt. Ich wage zu behaupten, dass ich so langsam einen Einblick in beides kriege, obwohl ich ein relativ geringes Zuckerproblem habe, was mir aber auch vermittelt, dass das Problem in den unterschiedlichsten Facetten daher kommt.

Ich habe eine Kommilitonin, die mir schon vor 1,5 Jahren ganz konkret sagte, sie könne ihre Ernährung nicht verbessern, denn sie sei zuckersüchtig. Dabei ist sie schlank und geht joggen und eigentlich ist alles in Ordnung. Allerdings tut sie sich sehr schwer ihr Leben auf die Reihe zu kriegen, Motivation zu Lernen fehlt, alles ist immer voll Probleme, das Leben ist Chaos und irrational und ich frage mich wie und ob da ein Zusammenhang besteht. So manche Biochemie legt das nahe. Ich hab aber auch eine Kommilitonin, die zu Aldi geht und 10 Tafeln Schokolade kauft worauf die Kassiererin fragt: „Sie müssen viel lernen, oder?“ Oder ich beobachte mich selbst dabei, wie ich in Gesellschaft oder auf einer Party bin oder noch besser bei Dreharbeiten und erkennen muss, dass ich die einzige bin, die wirklich so oft zu Süßkram greift.

Gestern wurde mir besonders klar, wie es normalen Menschen geht, denn die essen nicht wenn sie Lust darauf haben, sondern wenn sie hungrig sind. Die essen nicht aus Spaß, sondern weil eine Mahlzeit ansprechend schmeckt, sättigt und nahrhaft ist. Ich frage mich aber auch, wie viele Menschen noch normal sind oder ob nur Menschen, die noch andere Drogen konsumieren in der Lage sind der Lustfalle zu entkommen, oder ob wir alle früher oder später rein tappen, schließlich werden wir alle im Laufe unseres Lebens immer dicker. Ich hab kürzlich gelesen, dass irgendwer raus gefunden habe, dass es daran läge, dass wir über die Feiertage jeweils 1 kg zunehmen, was wir dann nach den Feiertagen nicht mehr loswerden. Ich weiß nicht, ob man das so konkret sagen kann. Gleichzeitig stelle ich fest was für eine elende Erfindung dieser Adventskalender doch ist, denn bei einer Sucht macht nicht die Dosis das Gift sondern die Regelmäßigkeit. In Anbetracht von Zuckerrausch werden mir auch diese himmelhoch jauchzenden und dann zu Tode betrübten Gefühle der Kinder an Weihnachten klar. Ich und meine Schwester waren an Weihnachten auch immer völlig aufgedreht, chaotisch, es wurde gelacht und unter Garantie auch geheult, Mutter ist ausgeflippt und all dieser typische Weihnachsstress. Ist es nicht nur Zuckerstress?

Ich habe aber auch eine Arbeitskollegin, die einfach nicht auf süß steht. Sie mag herzhafte Sachen viel lieber und wird von den süßen Verkostungen einfach nicht verführt. Sie ist schlank, aber sie sagt auch ganz konkret, dass sie auch aufpassen würde.

Bei Zuckersucht hingegen, kann man nicht aufpassen, man nimmt den Drang nach Zucker als lebensnotwendiges Bedürfnis wahr, ähnlich wie Durst und man MUSS das Zeug haben. Es ist aber nicht lebensnotwendig und da liegt die Krux. Das ist das Irre daran. Das ist Sucht.

Was gerade bei mir passiert, kann ich aber nicht wirklich erklären. Mein einziger Ansatz wäre, dass Brokkoli/Gemüse die Aufnahme von Kohlenhydraten in den Darm immens verlangsamt. Allerdings ist mein Blutzuckerspiegel morgens auch normal, wenn ich keinen Brokkoli esse, das habe ich im Pflegepraktikum alle Nase lang gemessen, also ist es vielleicht nicht dass, sondern doch was, dass mit Neurotransmittern und Rezeptoren zusammen hängt.

Ich hab 3 Mahlzeiten eingehalten, weil ich kaum Lust hatte zu essen.Während der Mahlzeit hatte ich dann aber echten Hunger. Sonst/früher/immer ist es so, dass ich alle 2-3 Stunden einen weiteren Kick brauchte und dieses Bedürfnis nehme ich als Appetit war.

Menü des Tages am 27. November 2014

6:30 Uhr: 430 g Brokkoli mit Salz und Pfeffer


Haferflocken  - wie immer


1 Kaki

11:15 Uhr: 2 Kaki
½ Schüssel Eintopf


1 Mandarine

16 Uhr: 2 Bananen
400 g Brokkoli
90 g Instant Tabouleh



Ich hab so wenig gegessen, dass ich hätte schwören können, dass ich von gestern auf heute abgenommen habe, aber das war mir diesmal nicht vergönnt. Verflixt und zugenäht...


Abends war ich im Theater, aber ich fand das Stück so schlecht, dass ich keine Lust mehr hatte auf meinen Schauspielerfreund zu warten um nachher noch was trinken zu gehen, der in dem Stück mitgespielt hat. Also keine Bierverführung, wobei ich momentan eh denke, dass mich das nicht reizen würde, weil ich mich so „un-getrieben“ von Essen fühle und das sehr genieße, Gewicht hin oder her.

Der Frühstücksbrokkoli macht allerdings tatsächlich keinen Spaß mehr. Ich möchte morgens als allererstes was Süßes und sei es Obst und ich weiß nicht, ob ich das nach der Challenge wieder völlig einstampfe und zu meinem üblichen Frühstück zurück kehre. Spätestens dann sollte sich zeigen, ob der Effekt vom Brokkoli herrührt oder von anderen Dingen.

Alles Liebe,

Silke


Kommentare:

  1. Ich finde das schon Interessant mit der Zuckersucht.. hatte ich heute morgen auch... Blutzucker auf '65' (und saukalte Finger), dann 5 Bananen, 7 Medjol Datteln und zwei Kahis. 30 min später '75', nach Einkauf ca. 1,5-2h später '90'.

    Beim kalten Wetter verbrauche ich sehr spürbar mehr... unter 3000 Kal läuft gar nix. Dein Tip mit dem mehr Fett ist aktuell sehr wichtig für mich und bei 20-25% fühle ich mich gut, bei 10% habe ich dauernd Hunger und esse riesige Portionen, so das es selbst mir schon etwas lästig wird (und ich nehme mir im Vergleich zu meinem Umfeld extrem viel Zeit für das langsamere Essen und die frische Zubereitung).

    Da frage ich mich, ob die fettarme Ernährung nicht zusätzlich die Zucker/Kohlenhydrat'lust' befördert. Bei mir ist dies auf jeden Fall so - wo soll sonst auch die Energie herkommen?

    AntwortenLöschen
  2. Nicht speziell die fettarme, aber eine fettarme, die schnell ins Blut geht, wie auch Trockenfrüchte und Obst.
    Mich würde interessieren, wie du dich fühlst, wenn du morgens direkt 500 g Grünzeug isst. Fett verlangsamt natürlich die Verdauung, daher bleibt man länger satt. Das selbe gilt für Ballaststoffe.

    Ich kenne aber auch ein Mädel, das morgens einen Smoothie a la RawTill4 verzehrt hat und sich kurze Zeit später mit einem Blutzuckerabsturz, Hypogycämie, in der Apotheke wiederfand.

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Silke,

    Morgens aber schon gleich gekochtes Gemüse essen? Ich bin mit 2/3 Rohkostanteil, also nur eine Mahlzeit Gekocht, sehr zufrieden. Ich werde das mit dem Grünzeug auf jeden Fall probieren.

    Teils mache ich mir auch Smoothies am morgen - Selerie, viel Blattkrams und 1-2 Banane und/oder 1-2 Äpfel. Ich komme da gut mir sogar besser klar - aber irgendwie ist diese Kombo bei mir nicht ganz "Pupsfrei" :-)

    Der Aspekt mit der Hypogycämie ist interessant.... also wenn ich die Zuckerbomben einwerfe, dann kann es zu einer solch starken (und langfristig ungesunden) Insulinreaktion kommen, das ich Blutzuckertechnisch nicht mal was davon habe - wenn ich es richtig verstanden habe?

    Bin ja schon froh, das ich mir damals ein Blutzuckermessgerät gekauft habe - damit ich nicht total im Dunkeln stochere. Aber richtig Interpretieren ist noch eine ganz andere Geschichte :-)

    Ggf. gehe ich einfach wieder zurück zu meinem (selbst gequetschtem) Frischkornbrei mit einer Banane zurück - das hatte damals immer sehr gut funktioniert - letztendlich besser als die Sache mit den Früchten... die ich immer mehr reduziere (wenn ich nicht gerade total "undercarbed" bin).

    Langsam verstehe ich Dich und die Problematik bei RawTill4 & Co. aber immer mehr - insb. bei den Smoothies, wo die pürierten Fibers (Ballaststoffe) die Zuckeraufnahme/verstoffwechslung nicht mehr bremsen.

    AntwortenLöschen
  4. Suchtverhalten. Gerade der dosierte Genuss oder Hochgenuss ist für die Lebensqualität doch total entscheidend. Mein Jahr in Frankreich hab ich ganz schön gestaunt, wie das Savoir-Vivre der Franzosen doch aussieht. Die gönnen sich echt reichhaltiges und gutes Essen, doch von Fettsucht oder Alkoholsucht hab ich da kaum was bemerkt. Die Leute sind generell schlanker als in Deutschland, soweit meine empirisches Auge das vermelden darf.

    Silke, ich wünsche dir alles Gute bei der Challenge, aber vergiss nicht DEINE persönlichen Vorlieben und so, keine generelle Empfehlung gilt generell,jeder Körper und jede Psyche ist anders geartet und sollte auch so behandelt werden. Darin sind sich schon die alten Heilkünste/Lebenskünste wie TCM und Ayurveda vollkommen einig. Öfter denk ich, dass in der modernen Kommunikationsgesellschaft gerade der Punkt, dass man sich selbst am besten tuen kann überantwortet wird mit Youtube und Wissenschaftskanälen, und der ganzen heillosen Ratgeberliteratur. Dabei ist die eigene Achtsamkeit eine Tugend, die man wirklich lernen sollte.

    AntwortenLöschen
  5. Kam der erste Teil meines Kommentars überhaupt an?

    Ich wollte nur berichten, dass meine Gemüse Challenge, in der ich in etwas so viel Gemüse, ggf noch etwas mehr, und Stärke, keine Obst, keinen guten Ausgang für den Magen/Darmtrakt hatte. Ehe die Schleimhaut sich erholt hatte, brauchte es ein Jahr.

    Gewicht habe ich in dieser Zeit aber auf alle Fälle verloren, wenn auch eher in dem Jahr danach richtig viel, obwohl ich gegessen habe, was man als normal vegetarisch bezeichnet. Ich habe aber diesmal auf meinen Appetit gehört. Nur das gegessen, was der Körper mir durch den Appetit als Nahrung vorgeschlagen hat. Das war gar nicht schwer, man darf da aber nicht verkrampft rangehen, weil man nichts falsch machen kann. Es gibt keine prinzipiell schlechten Nahrungsmittel, es ist immer die Dosis, die das Gift macht. Und das Mischungsverhältnis ist eben individuell verschieden.

    Heute würde ich sagen, dass meine Fokussierung au gesundes Essen mir echt viel Stress, Planungsstress und Essensstress gemacht hat. Dabei braucht man mit relativ normalen Voraussetzungen gar nicht so viel Angst zu haben. Kaum ein Essen führt gleich zu pathologischen Veränderungen oder Übergewicht oder ist gleich Ausdruck eines Suchtverhaltens. Schablonen zum Essen sind Orientierungspunkte, aber sollten keine Kontrollinstrumente werden :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Amygdala,

      Ich denke der "Essensstress" bei Gesunder bzw. Veganer Ernährung entsteht dadurch das das historisch "abnormale" heute die Regel ist die von der überwiegenden Mehrheit akzeptiert, gefordert bzw. toleriert wird (sehr Milch- & Fleischzentrisch, Billig, Zusatzstoffe, hoch erhitzte Billigöle, Zucker, Weißmehl & Co.).

      Es ist ja nicht nur so, das viel ungesundes verzehrt und akzeptiert wird - sondern auch vieles was theoretisch gesund währe - aber keine Qualität mehr hat. In der Kantine auf meiner Arbeit wird mit "Cook & Chill" gearbeitet. Frisch ist, was weniger als 28 Tage vorher zu >90% gegart und dann wieder aufgewärmt/ent-gegart wurde. Sollte sich da kein "Essensstress" gemacht werden? Ist das akzeptabel?

      Warum ist es zudem oft immer so schwierig Vegan zu essen? Selbst beim Vietnamensen war die Bedienung ratlos als ich nur Reis und Gemüse haben wollte - das gab es auf der Karte nicht.... alles angebraten oder zumindest mit Tofu. Vorgestern wollte ich nur Kartoffeln und Gemüse - das hat dann geklappt. Vegan war auf der ganzen Karte sonst nur der kleinste Salat mit einem Hauch von nichts.... Oder ein Thai, der die (makaber kleine) Reisportion nicht vergrößern wollte wenn ich den Tofu weg lasse. Warum ist das Fleisch vom Volumen her beim Asiaman oft mehr als der Reis? Versuch das mal kalorisch umzustellen - also 1/3 Fleisch und 5 * mehr Reis....

      Die Fokussierung auf gesundes Essen ist meiner Ansicht nach richtig & der Umgang mit den Situationen wird immer einfacher. Nur darüber das sich "einige" diesen "Stress" geben kann sich im großen und ganzen etwas ändern! Das was die "Regel" ist - ist zudem faktisch unbestritten "ungut" - oft selbst nach Empfehlungen der (Lobbylastigen) DGE.

      Schönen Abend.

      Löschen
  6. Was definierst du als "normale" Voraussetzungen?

    Klar führt kaum ein Essen sogleich zu pathologischen Veränderungen. Das ist ja auch das tückische daran. Der Mensch konsumiert und merkt 10 Jahre lang keinerlei Nachteil irgendeines Nahrungmittels. Möglicherweise noch länger. Und dann, mit 65 ist schlagartig alles pathologisch und keiner weiß woher es kam...Zivilisationskrankheit halt...Da gibt es Medikamente gegen...

    AntwortenLöschen