Sonntag, 8. November 2015

Inke Jochims' "Süchtig nach Süßem"



Ich habe mir vor ein paar Wochen Inke Jochims Buch Süchtig nach Süßem?: So schaffen Sie den Ausstieg aus der Zuckersucht bestellt, weil Amazon mich darauf aufmerksam gemacht hat mit der Werbung "So schaffen Sie den Ausstieg aus der Zuckersucht in nur 10 Wochen" - Das hat mich angesprochen, weil ich dachte: Ach, das ist ja interessant. Hat sie die selben 2-3 Monate zur Heilung ausgemacht, wie der Arzt in dem Video der Suchthilfe, der behauptet es seien 2-3 Monate erforderlich bis man von der Alkoholsucht wirklich weg ist?

Ich war von dem Buch, gelinde gesagt, sehr enttäuscht, denn erstens wird auf 10 Wochen überhaupt nicht eingegangen und zweitens ist es im Vergleich zu ihrem Buch Zucker und Bulimie: Wie richtige Ernährung hilft, aus Bulimie und Binge Eating auszusteigen einfach ziemlich schlecht. Der Verlag hat gerade eine neue Auflage raus gebracht und im Vorwort der Autorin heißt es, dass die bisherige Ausgabe überarbeitet werden musst. (Ich frage mich wie mies der Vorgänger wohl war...!!!) Wobei der Verlag sich mit dem Design dieser Ausgabe echt Mühe gemacht hat. Es ist sehr schön gestaltet, aber der Inhalt ist halt mies. Ich hatte mir vorgestellt, dass es eine Anleitung über 10 Wochen Selbsttherapie wäre oder sowas. Statt dessen sind es ein Paar sehr kurze Kapitel die sehr oberflächlich diverse Themen angehen, ohne eine einzige Quellenangabe woher die Autorin diese Behauptung nimmt. Das ist vor allem zu bemängeln.

Allerdings hat die Autorin ihre Idee einer optimalen Ernährung, die sie in Zucker und Bulimie vorstellt, scheinbar über den Haufen geworfen. In Zucker und Bulimie werden Eier noch als sehr gesund angepriesen, was aufgrund ihres Fett- und Cholesteringehalts selbstredend nicht behauptet werden kann sowie aufgrund der 40% Herztode in der westlichen Welt.

Sie ist nämlich in der zwischenzeitlich auf Dr. Joel Fuhrman, dessen Buch Eat to Live ich letzten Monat verlost habe und der seit er dieses Buch geschrieben hat sich ebenfalls mit dem Thema "Essen als Sucht" beschäftigt hat. Er sieht eine häufige Ursache neben dem Belohnungssystem auch darin, dass wir zu wenig Mikronährstoffe verzehren, daher empfiehlt auch Inke Jochims jetzt vollwertige Nahrungsmittel. Sie räumt außerdem ein, dass sie beim Thema Insulin und Kohlenhydraten zuvor eine falsche Ansicht vertreten habe, dass es sowohl gute als auch schlechte Kohlenhydrate gebe und dass vollwertige Kohlenhydrate ein Schlüsselwerkzeug seien um Zuckersucht zu heilen. Die LowCarb Theorie sei falsch. - Ich hab 3 Kreuze gemacht!!!.

Aber sie schreibt auch Blödsinn: So erklärt sie, dass Spaghetti Bolognese deshalb so lecker sei, weil in ihm konzentriertes Tomatenmark drin sei und konzentrierte Produkte seien nicht gut. Ich dachte ich spinne! - Das schreibt sie nachdem sie darauf eingegangen ist dass Fett, Kasomorphine und Opiate aus der Glutenverstoffwechselung auch auf das Belohnungssystem wirken und kommt nicht auf die Idee, dass Fett, Gluten und Weißmehl viel extremer auf das Belohnungssystem wirken als Tomatenmark! - Ich habe 450 Leute in der Raus-aus-der-Lustfalle Facebookgruppe und kein einziger hat jemals ein Problem mit Tomatenmark gehabt. Mich triggert es auch absolut NULL. Ich finde es auch eher bitter als süß.

Sie behauptet es habe einen hohen Fructosegehalt und da Fructose süßer sei als Glucose und dann eben im Tomatenmark konzentriert, würde es die Zuckersucht erhalten.

Sie schreibt in dem Buch auch über ihre FB-Gruppe, die sie gegründet hat für Teilnehmer ihres Onlinekurses zur Zuckerentwöhnung. Über diese Gruppe habe ich sie kontaktiert und das Thema Tomatenmark angesprochen und keine konkrete Antwort bekommen, außer dass der Glyx nicht alles ist, was sie auch im Buch schreibt, da Fructose ja einen niedrigen glykämischen Index hat und dass natürlich Fett und Weißmehl auch eine Rolle dabei spielen, dass Spaghetti Bolognese so lecker sei. Es meldete sich in der Gruppe, die nur 23 Mitglieder enthält ;-) und in die ich eigentlich gar nicht hätte rein gehen können, weil ich ihren Onlinekurs ja gar nicht belege ;-) eine Frau, welche erklärte, dass alles, was Tomaten enthält, sie unglaublich triggern würde. Sie hätte dabei den totalen Kontrollverlust! - Ich kann mir nicht erklären welche Substanz dafür verantwortlich sein soll!

Auf die Biochemie der Sucht wird auch nicht tief genug eingegangen, was ich schade finde für alle Leute die Zucker und Bulimie nicht gelesen haben. Auf die Gefühle und die Konditionierung die man im Laufe seines Lebens erworben hat auch nicht. Es wird quasi nur gesagt, dass man zum einen das Essen verändern m unüssed zum anderen durch Achtsamkeit darauf achten soll, welche Gefühle man hat, wenn man Gelüste bekommt. Mir hat sie geraten immer wenn ich Gelüste bekomme diese zu notieren.

Persönlich finde ich das sehr schwer, denn in dem Moment wo ICH Gelüste bekomme sind mir die Gefühle absolut nicht bewusst. Deshalb - so denke ich - bekomme ich die Gelüste. Es ist psychosomatisch! Nachdem ich sie aber befriedigt habe und mein Belohnungssystem nicht mehr die treibende Kraft ist, wird mir erst klar, was da emotional los war und ich kann über die Gefühle reflektieren und dann beim nächsten Mal der Situation anders begegnen. Von einer Pychologin hätte ich da auch mehr erwartet...

So war ich am Donnerstag persönlich enttäuscht, davor aber sehr aufgeregt, weil ich auf etwas gehofft hatte, was dann aber nicht eingetreten ist und dann eben enttäuscht war und gleichzeitig standen meine Tage an. Und gleichzeitig war Kokos-Mandel-Creme im Bioladen im Angebot. Ich habe mich weder mit der Aufregung noch mit der Enttäuschumg auseinader gesetzt, hab sie gar nicht gespürt, noch mit PMS sondern habe Kokos-Mandel-Creme gekauft. Tatsächlich war mir nicht mal bewusst, dass ich aufgeregt und später dann enttäuscht war. Weder vorm Kauf der Creme noch danach. JETZT ist es mir bewusst, weil ich bei der Creme zu sehr zugeschlagen habe und wie beim Alkohol einem erst nachher auffällt, dass das keine Lösung war und die Probleme danach noch viel bewusste sind. Ich glaube daher, dass derartige Ausrutscher durchaus ein Schrittt auf dem Weg sind.

Möglicherweise ist dieses Buch vor allem dazu geeignet dem Leser ein Defizit zu lassen so dass er an ihrem Online-Kurs teilnimmt. Schlussendlich ist sie aber mit dieser Ernährungstheorie, die sie jetzt fährt näher an meine Challengeernährung ran gerückt, was mir sehr zusagt und mich bestätigt. Der Kauf des Buchs lohnt sich hingegen nicht für 14,95 €. Dann doch lieber Die Lustfalle: Warum Gesundsein so schwerfällt und was Sie dafür tun können oder Zucker und Bulimie, wenn man ein deutsches Buch zu dem Thema sucht. Auf Englisch ist immer noch Kathleen DesMaisons die ungeschlagene Königing der Zuckersuchtbücher!

Ach und über meinen 21-Tage Food Plan hat die liebe Maisy auf ihrem Blog Becoming Alice berichtet. Sie hat nicht nur viele Rezepte daraus nach gekocht und fotografiert! Sie hat auch ihren Freund dazu gekriegt mit zu essen, was für viele Frauen in unserer FB-Gruppe ein Problem ist, welches immer und immer wieder angesprochen wird. Hier geht's zu Maisys Review: http://be-alice.blogspot.de/2015/11/21-tage-raus-aus-der-lustfalle-food.html

Und wenn du auch ein Blog oder ein YouTube Account hast und die Challenge ausprobieren und vorstellen möchtest, schick mir eine E-Mail, dann überlasse ich dir den Plan kostenlos!.-)
silke-rosenbusch@web.de

Menü des Tages am 7. November 2015

Brokkoli und Tomaten


Glutenfreie Haferflocken, Banane,, Ananas, Zimt, Leinsamen, Paranuss, Mandeln,Kakaobohnen, Lucuma, Sunwarrior


11:30 Uhr: Rest vom Abendessen des Vortag
etwas Tabouleh-Salat
4 Snackmöhren


18 Uhr: Wok-Mix, Kicherebsen, Reisnudeln mit Zwiebelpulver und Gewürzen


1 Banane
2 TL Kokos-Mandel-Creme

Ich war von 8 bis 16 Uhr im Bioladen und muss zu meinem Leidwesen gestehen, dass ich die ganze Zeit zwischendurch Schokolade genascht habe. Ich denke ich habe eine fatale Assoziation mit dem Bioladen. Eine, die wir auch gezielt mit allen Verkostungen beim Kunden erwecken wollten!;-)

Als Schauspielerin war ich immer so arm, dass ich mir Bioladenware nicht leisten konnte. Als ich dort anfing zu arbeiten, war für mich jegliches Warenauspacken wie Weihnachten. Ich wollte alles mal kosten und ausprobieren und habe schlussendlich nur einen Bruchteil jemals probiert und viele Sachen würde ich auch niemals kaufen, weil sie so fetthaltig sind. Oder nicht vollwertig. Aber in den mehr als drei Jahren, die ich da arbeite hat mein Belohnungssystem wohl auch die Assoziation zwischen leckerer Verkostungsware und Spaß beim Arbeiten hergestellt und so bin ich immer motiviert zur Arbeit zu fahren, weil es da was Leckeres zu naschen gibt. Ich glaube, diese Assoziation sollte ich mal lösen und den Job als das sehen was es ist: Geld verdienen mit netten Kollegen und nicht naschen an der Backtheke. Vor allem, weil das nebenbei passiert und nicht gezielt als Dessert nach einer Mahlzeit, was ja viel fataler ist. Daher nehme ich mir vor, das Naschen dort in Zukunft zu unterlassen um diese Assoziation zu löschen. Mal sehen wie das läuft...

Gestern Abend fühlt ich mich niedergeschlagen und bin mir ziemlich sicher, dass das nicht mit einem schlechten Gewissen zusammen hängt. Das hab ich nicht, weil ich weiß, dass ein bisschen Schokolade nicht krank machen kann. Ich glaube es liegt daran, dass der Zucker ab fällt!

Eine Kollegin, mit der ich über die Regel sprach (weil sie ihre gerade auch hat) sowie über Schokolade, sagte mir auf den Kopf zu: "Dann ist es ja kein Wunder, wenn du die Kokos-Mandel-Creme gekauft hast!" Ich glaube da hat sie Recht. Ich glaube nicht, dass ich die Kokos-Mandel-Creme gekauft hab, weil sie im Angebot war, sondern weil sie mich mehr reizte, weil ich meine Tage bekam. Und weil ich diverse Gefühle hatte, die mir nicht bewusst waren. Wäre mal interessant zu eruieren: Neigen Frauen zu Schokolade, weil sie Frauen sind oder ist der Serotoninspiegel vor der Regel niedriger? Haben Frauen wirklich einen niedrigeren Serotoninspiegel als Männer oder ist die Schokolade Selbstmedikation durch Endorphine? Darauf hab ich derzeit keine Antworten...

In der Raus-aus-der-Lustfalle FB-Gruppe sind locker 95% Frauen! - Was ist da los? Reflektieren nur Frauen über ihr Essverhalten, weil sie eine Diätvergangenheit haben, wegen der Schönheitsideale? Stimmt es was Kathleen DesMaisons sagt, dass Männer eher zu Alkoholismus neigen als zur Schokosucht?

Ich habe morgen eine Vorstellungsgespräch am Max Planck Institut für Stoffwechselforschung für eine Doktorarbeit. Ich hoffe es ist nichts, wo man Ratten mit Fructose füttern muss, die Löcher in ihren Mägen haben um zu testen ob der süße Geschmack allein über die Geschmacksknospen wirkt, weil die Nahrung ja nie im Verdauungstrakt ankommt! - Ich will am liebsten was mit esssuchterkrankten, fetten Menschen machen und die untersuchen und nicht mit Versuchstieren.
Find ich auch ethisch korrekter...na, ich bin mal gespannt!

Alles Liebe,

Silke

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