Donnerstag, 3. September 2015

Meine ersten Tage der Famulatur in der Endokronologie, Präventivmedizin und Diabetologie



Also, Endokrinoligie ist schon irgendwie mein Ding. Zumindest gibt es nur wenig, was mich mehr interessieren würde. Und so eine Famulatur ist nicht mal ansatzweise mit dem Pflegepraktikum zu vergleichen! Das Pflegepraktikum ist wie ein Job, den man absolut nicht leiden kann, den man aber machen muss, weil man zumindest halbwegs Geld braucht um seine Miete zu bezahlen, bei dem aber das Team sehr angenehm ist und alles Negative raus reißen muss. Diese Famulatur hingegen ist interessant, man lernt was und die Arbeit besteht weitestgehend aus Patientenkontakt.

Dabei habe ich jetzt vor allen Dingen gelernt, dass ein Hochschulstudium nicht mein Ding ist, sondern es für mich wesentlich besser wäre, wenn der Arztberuf ein betrieblicher Ausbildungsberuf wäre.

Ich weiß nicht wie oft ich schon pauken musste welche Hormone die Hypophse produziert und wo diese wirken und welche Hormone die Nebenniere produziert und ob diese in der Nebenierenrinde oder im Mark produziert werden. Das habe ich immer nur ins Kurzzeitgedächtnis gelernt, wenn überhaupt, damit ich es für die Klausur parat hatte und in einer Klausur kam es noch nie dran, also habe ich es immer wieder vergessen. Jetzt, ist das plötzlich wichtig! - Jetzt geht es um Patienten! Und nachdem es mir die mir zugeteilte Ärztin am Montag noch mal erklärt hat, ist es jetzt schlagartig glasklar! - Und das ist gut, denn das ist relativ abstrakt. Für den Laien und den angehenden Mediziner. Wie heißt es: Grau ist alle Theorie,...Ich weiß nicht ob nur 4 Famulaturen ausreichen, damit ich das Examen bestehe, wenn ich mir nur so Sachverhalte merken kann!

Was habe ich gelernt? Die Endokrinologen verschreiben absolut jedem Patienten Vitamin D. Das war lustig. Ich war am Montag mit der Ärztin zusammen in ihrer Sprechstunden und jeder einzelne Patient nahm Vitamin D. Der Chefarzt hatte in einer Vorlesung schon mal erzählt, dass die kölner Endokrinologen sehr großzügig mit Vitamin D sind. Die Ärztin war, wahrscheinlich wie der Chefarzt der Meinung, dass es im Winter satte 12 Stunden Mittagssonne in Mitteleuropa brauche um ausreichend mit Vitamin D versorgt zu sein. Sie erwähnte in einem Gespräch mit mir darüber aber auch, dass der Richtwert mehr oder weniger wahllos festgelegt worden sei und niemand wirklich sagen könne, ob man genau diese Menge Vitamin D brauche. Nichts desto trotz hat Vitamin D in einer vernünftigen Dosis quasi nur Vorteile und keine Nachteile und so ist es eine gängige Prophylaxe wie Aspirin oder Vitamin C. - Und ich sitze da als Pflanzenesser ohne Vitamin D Supplement und bin mir fast sicher, dass ich diesen Richtwert bestimmt auch nicht erreiche. Allerdings habe ich auch keine Symptome wie Winterdepression oder sowas.

Ja, und damit bin ich bei meinem Tag 2 - Dienstag: Die ersten paar Stunden war ich bei der Knochendichtemessung zugegen. Das funktioniert mit sehr, sehr schwachen Röntgenstrahlen und dauert nur wenige Minuten. Für die Knochen ist Vitamin D halt sehr, sehr wichtig, Eine Frau mit Osteoporose stellte sich vor, die Medikamente dagegen nahm und wo die Osteoporose immer noch gravierend war, bzw. sich absolut gar nichts getan hatte. Medikation nutzlos. Am Montag bereits sprach ich mit meiner Ärztin über Milchprodukte, weil sie die einer Patientin nahe gelegt hatte woraufhin ich sie gefragt habe, ob sie die Studie aus Uppsalla kenne wo man beobachtet hatte, dass Milchprodukte dass Frakturenrisiko steigern. Sie entgegnete mir, dass die Menschen auch gerne ihr Calcium aus Mineralwasser beziehen könnten, oder aus grünem Gemüse, aber wenn sie beides nicht verzehren, wäre es immer noch besser sie beziehen ihr Calcium aus Michprodukten bevor sie gar keins verzehren. Das machte in gewisser Hinsicht natürlich auch Sinn. Außerdem erwähnte sie mir gegenüber dann auch noch, dass zu viel Calcium selbstredend auch schlecht sei, weil es zu Arteriosklerose beiträgt.

Die Diätassistentin der Uniklinik, die auch die Knochendichtemessungen macht, habe ich später am Dienstag bei einem Beratungsgespräch erlebt und die Frühstückspause mit ihr zusammen verbracht. Mit Ausnahme davon, dass sie keine rein pflanzliche Ernährung empfehlen würde, waren wir uns ziemlich einig. Also, wir sprachen nicht über rein pflanzliche Ernährung, aber die ist auch nicht zwingend notwendig um gesund zu sein. So viel dazu.

Die Patientin die zu ihr kam hätte eigentlich ein Ernährungstagebuch schreiben sollen, hat dies aber nicht gemacht. Sie nahm Medikamente gegen die üblichen Zivilisationerkrankungen und hat vor ein paar Jahren einen Stent bekommen. Ihr BMI war 32 und sie wollte abnehmen. Sie fragte ob man abends besser keine Kohlenhydrate essen solle. Die Diätassistentin erklärte, dass sei Blödsinn und dass man nicht alle Kohlenhydrate in einen Topf werden solle. Zucker sei nicht Kartoffeln! Wie alle Übergewichtigen frühstückte auch diese Frau nicht, und aß dann abends eine riesige Mahlzeit und danach noch Süßigkeiten etc, Und die Diätassistentin hat versucht ihr zu erklären, wie sie mehr Gemüse in ihren Alltag einbauen soll. Aber auch sie war ziemlich frustriert. Denn eigentlich weiß ja jeder was gesund ist und schlank macht und was nicht. Ha, und da kommen wir zu dem Punkt: die Patientin sagte irgendwann ziemlich duckmäuserisch: "Also, ich hab da auch irgendwie schon so ein bisschen das Gefühl, dass Zucker auch irgendwie süchtig macht. Ich hab mal 6 Wochen gar keinen gegessen und da hatte ich diesen Heißhunger nicht" - Da ist die Frage, was man da machen kann: Muss der Therapeut vehementer werden und dem Patienten mehr einbläuen, was er zu tun hat? Braucht der Patient eine unterstützende Psychotherapie? Braucht es ein gutes deutsches Buch über Esssucht? Ich glaube es braucht eine Bedienungsanleitung für das Belohnungssystem ist Stil der Bildzeitung oder sowas...

Ich sprach sie an auf die Erfolgsquoten, die das von der Uniklinik betreute Abnehmprogramm welches über ein Jahr geht hat. Verschwindend gering. Wenn jemand 5 kg abnimmt und diese dann hält ist das schon ein Riesenerfolg, den nur einstellige Prozentzahlen der Teilnehmer haben. Alkoholiker haben eine besserer Heilungsrate!

Menü des Tages am 2. September

Brokkoli mit Tomaten


Vollkornreis, Banane, Zimt, Chia, Paranuss, Sunwarrior , Apfel



1 Banane

Süßkartoffelsalat


1 Banane
1/4 Apfel

Salat mit gelben Erbsen und Reis


1 orange Paprika

Ich kaue gerade jeden Bissen 40 Mal, was super anstrengend ist und zwar, weil ich am Wochenende in Pamela Peekes Buch The Hunger Fix von einer Studie gelesen habe, die raus gefunden hat, dass wenn man 40 Mal kaut, man automatisch 10% seiner Kalorien einspart.

Darüber werde ich den nächsten Blogbeitrag schreiben. Jetzt stellt euch mal vor, dass jeder "Du kannst alles essen was du willst"-Diät vielleicht weitestgehend deshalb bei manchen Leuten funktioniert, weil diese viel langsamer essen als die Leute bei denen diese Diät ggf. nicht funktioniert. Subjektiv wird darauf aber nicht geachtet. Ich beobachte das also und gucke, ob sich das über einen längeren Zeitraum bestätigt. Ich kann bisher so viel sagen, dass es viel Zeit kostet und dass Essen damit weniger Spaß macht!

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. Liebe Silke,

    ich wünsche Dir eine gute Zeit in der Klinik!

    Die schlechten Erfolgsquoten bei den Abnehmprogrammen wundern mich gar nicht. Man bekommt ja so einiges im Familien- und Bekanntenkreis mit und die Meisten schmeißen halt lieber Tabletten ein bevor sie ihre Gewohnheiten ändern. Wirklich traurig! Mich macht das auch sehr wütend.
    Sie alles wissen wie falsch sie leben, geben das ja sogar zu, aber wie bewertete jemand aus meinem Familienkreis meine Essgewohnheiten vor kurzem: "DAS ist doch kein Leben!"
    Die Meisten denken, wenn sie die Lebensmittel ändern, haben sie keine Freude mehr, nichts schmeckt mehr, sie sind ein Leben lang quasi auf Dauer-Diät. Aber genau das stimmt nicht! Der Geschmack verändert sich! Dazu gibt es so viele leckere Sachen jenseits von Fast Food, Zucker & Co. Nur mit dem Obst und Gemüse aus deutschen Supermärkten wird man keinen -und das zu Recht- hinterm Berg locken. Dieses Einheitsobst und -gemüse sieht nur gut aus (EU-Norm halt).
    Wenn mein Mann z.B. alte Apfelsorten oder Tomaten ins Büro mitbringt, staunen immer alle über den Geschmack und den Duft (ja so ein Apfel kann schon mal das Büro einparfümieren). Ich glaube, dass das ein Weg sein kann, Leute zu anderen Essgewohnheiten zu verleiten. Leider werden diese leckeren, alten Obst- und Gemüsesorten immer seltener. Auch Bio-Läden haben uns da schon enttäuscht (obwohl es bei kleineren Hofläden einen Trend dazu gibt, eine Sortenvielfalt anzubieten und nicht nur die "Standard-Tomate")

    Viele Grüße,
    Christine

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  2. 40mal kauen? Warum tust du dir das an. Ein gesundes Essverhalten ist das m.E. nicht, so verliert man am Essen doch jeglichen Genuss und Freude. So dringend musst du doch nicht abnehmen, oder doch?
    Wie lang soll dieses Experiment denn gehen?

    Ein Essverhalten wie die Frau im o.g. Beispiel haben tatsächlich ganz viele aus meinem Bekanntenkreis. Zu viel süße, verarbeitete Lebensmittel. Und ein ständiges Wechselspiel aus Verzicht, Einschränkung, Heißhunger und schlechtem Gewissen.

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  3. Alles für die Wissenschaft, Eve! - Ich muss tatsächlich gar nicht abnehmen. Ich habe Normalgewicht.
    Dieses Essverhalten haben fast alle Leute und fast alle Leute sind übergewichtig. 3/4 der westlichen Welt hat einen BMI von über 25.

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  4. Ich kann Christine nur rechtgeben, genau dasselbe erlebe ich auch im Familien- und Bekanntenkreis. Die Leute sind einfach nur faul und kriegen den A nicht hoch um was zu ändern, auch wenn sie genau wissen, was sie tun müßten und dass sie sich mit ihrer Ernährungsweise selbst schaden. Viele sind auch nicht mal bereit, die paar Tage Zucker-Turkey durchzustehen, weil sie auf nichts "verzichten" wollen, und so lernen sie auch nie, wie gut echte Nahrung schmeckt und maulen immer nur über das fade und spartanische Essen. Mich kotzt das einfach nur noch an, und ich bin froh, dass ich der Versuchung widerstanden habe, mich (wenn auch nur nebenberuflich) im Bereich Ernährungsberatung auszutoben.

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  5. Tja, was soll ich sagen. Eine Definition von Sucht ist: Ein Verhalten, welches man nicht abstellen kann, selbst, wenn man sich damit körperlich schadet. Das ist der Knackpunkt bei nicht Verstehen der Lustfalle.

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  6. Das verrückte ist ja, dass die Frau es selber erkennt 'sechs Wochen ohne' und dennoch nicht reagiert...

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  7. Ich finde es verrückt, dass diese Droge ohne Warnhinweis frei verkäuflich ist und nie drüber gesprochen wird, dass es süchtig macht weil alle es konsumieren.

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  8. Hallo Silke,
    in Bezug auf Calcium und Knochen und Ablagerung in den Arterien: Ich habe gelesen,dass eher das Vitamin K2 die Entscheidende Rolle spielt dabei!?

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  9. Hallo Lilie,

    ich verstehe deinen Kommentar nicht. Vitamin K2 soll verantwortlich sein für was? Einlagerung von Calcium in Knochen? Oder für Osteoporose`? Soll es Ablagerungen begünstigen oder verhindern? Was hast du gelesen und wo?

    LG Silke

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    1. Hallo Silke,
      endlich komme ich zum Antworten:Mangel an Vitamin K2 verhindert dass das Calcium ankommt wo es hinsoll. Z.B. in die Kochen. Es lagert sich stattdessen in de Arterien ab, deren Wände dann unelastisch werden etc. Gelesen u.a. : http://naturafoundation.net/monografie/Vitamin_K_K1_und_K2.html?objectId=5813

      http://naturafoundation.net/monografie/Vitamin_K_K1_und_K2.html?objectId=5813

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  10. Hallo Silke, noch eine Frage, gibt es einen Mindestabstand zwischen 1. und 2. Frühstück? Oder reicht es aus, es nacheinander zu essen? Lg, Stella

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    1. Nein, ich esse es innerhalb einer Mahlzeit. Direkt hintereinander. Manche Leute schaffen das aber nicht und machen zwei Mahlzeiten daraus.

      LG Silke

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