Mittwoch, 10. Juni 2015

Warum Kartoffeln statt Prozac?



Ich möchte nicht behaupten, dass man mit Kartoffeln jegliche Depression heilen kann. Sicherlich gibt es viele Variablen, die mit da rein spielen warum jemand depressiv ist. Kathleen DesMaisons behauptet ihr Programm würde bei leichten bis mittelschweren Depressionen funktionieren. Sicherlich ist es aber erstmal ratsam, bevor man zu Psychopharmaka greift, die Möglichkeit der Kartoffel zu eruieren. Denn die hat Methode.

Beim erstmaligen Lesen von Potatoes Not Prozac: How To Control Depression, Food Cravings And Weight Gain habe ich es nicht begriffen, wie und warum die Kartoffel wirken soll. Jetzt, ein halbes Jahr später, ist es mir klar, daher möchte ich es auch gerne erklären.

Die Kartoffel vor dem zu Bett gehen ist dazu da den Serotoninspiegel zu heben und das nicht nur für den Moment sondern grundsätzlich. Serotonin ist verantwortlich für die Zufriedenheit und auch für die Impulskontrolle, sprich, das Widerstehen gegen unerwünschte Nahrung oder auch andere Drogen und Substanzen. Laut Wikipedia wirkt Serotonin stimmungsaufhellend, beruhigend und gewichtsreduzierend. Bzw. das wird  von der Aminosäure Tryptophan behauptet, die in Serotonin umgewandelt wird und daher so wirken kann.

Serotonin zu Essen macht jedoch keinen Sinn, weil Serotonin nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Man muss daher Tryptophan essen, was der Grund ist warum Kathleen DesMaisons es als so wichtig ansieht ausreichend Eiweiß zu essen.

Nun hat Tryptophan an der Blut-Hirn-Schrank jedoch ein Problem: Es konkurriert mit 5 anderen Aminosäuren um den Übertritte in das Gehirn. Und die Idee ist jetzt folgende: Diese 5 anderen Aminosäuren werden stärker als Tryptophan im Rest des Körpers gebraucht so dass ein paar Stunden nach einer Mahlzeit nur noch das Tryptophan an der Blut-Hirn-Schranke wartet und hofft rein zu kommen. Das ist der Auftritt der Kartoffel, die einen relativ hohen glykämischen Index hat und damit eine relativ hohe Insulinausschüttung bewirkt und Insulin ist ja nicht nur zuständig dafür Kohlenhydrate in die Zellen zu schaffen, sondern auch Aminosäuren. Jetzt wo keine weiteren Aminosäuren verzehrt werden, kann sich das Insulin ausschließlich um das vor der Blut-Hirn-Schranke wartende Tryptophan kümmern, es ins Hirn schaffen und da kann aus ihm dann Serotonin hergestellt werden. Wenn man vor dem zu Bett gehen Eiweiß UND Kohlenhydrate isst kümmert sich das Insulin auch um alle anderen gegessenen Aminosäuren und Tryptophan steht in Konkurrenz zu den 5 anderen.

Vor 10 Jahren oder so konnte man noch überall lesen, man solle vor dem zu Bett gehen noch mal ne Extraportion Eiweiß essen. Nach eine Nahrungspause würde dann die 5 anderen Aminosäuren im Körper gebraucht und Tryptophan wäre seine Konkurrenz los. Das hört man aber nicht mehr oft, wahrscheinlich weil bei einer reinen Eiweißmahlzeit auch einfach nicht so viel Insulin ausgeschüttet wird.

Also. Schritt 1 und 3 ist ausreichend Eiweiß essen. Schritt 4 ist dann eine Kartoffel vor dem zu Bett gehen um die Serotoninproduktion zu verstärken und erst dann soll man sich Weißmehl und Zucker ab gewöhnen. Das ist die Methodik dahinter. Wenn man es früher macht, kann man den Versuchungen ggf. nicht widerstehen und er Teufelkreis von Vorwüfen, Schuldgefühlen und schelchten Gefühlen geht weiter.

Menü des Tages am 9. Juni 2015

Brokkoli und Paprika


Mochi Reis mit Banane, Erdbeeren, Brombeeren, Sojamilch, Chia, Sesam, Paranuss, Zimt, Flohnsamenschalen


1 Banane

Kichererbsen
Salat mit Avocado-Maisdressing
vegane Frühlingsrollen
Buchweizennudeln mit Pilzrahmsauce


1 Apfel

2 Glutenfreie Brötchen, eines mit Avocado und Paprika, eines mit Soyananda und Banane



Ich horche weiterhin bezüglich Gluten in mich hinein und ob mich die Opioidwirkung antreibt oder echter Hunger. Ich habe es gestern morgen so erlebt, dass ich morgens in der Uni absolut keinen Bock hatte, was ich so gar nicht von mir kenne. Könnte es damit zusammen hängen, dass mein Frühstück kein Gluten enthielt? Haferflocken sind ja durchaus glutenhaltig, aber Barnard spricht explizit immer vom Weizengluten. Mir persönlich, und das wurde kürzlich von einem(er) Leser(in) in den Kommentaren auch so beobachtet, dass selbst Dinkel eine derartige Wirkung haben kann. Nicht so stark, aber stärker als bei glutenfreier Kost. Es fühlt sich irgendwie so an als wolle man immer noch mehr. Ist wahrscheinlich seltsam zu beschreiben, wenn man es noch nicht erlebt hat. Es triggert.

Also habe ich gestern glutenfreie Brötchen gebacken, nach einem fantastischen Rezept, was ich auch noch mit euch teilen werde. Vollkornbrötchen! - Wenn es schon schwer ist normales Vollkornbrot ohne Zucker zu kaufen, so ist es noch schwerer glutenfreies Volkornbrot ohne Zucker zu kaufen. Und diese waren richtig geil fluffig und wunderschön!:-)




Und jeder der schon mal glutenfreies Brot gegessen hat kennt das Gefühl von "das schmeckt doch gar nicht" - aber eigentlich ist es, glaube ich, gar nicht das "schmecken" sondern das "kicken" doch gar nicht. Das fühlt sich an, wie wenn man Kräuterzigaretten raucht in dem Moment wo man nach Nikotin giert...Möglicherweise wurde Weizen einfach nur deshalb gezüchtet, weil der eine beruhigende Wirkung hat. Und nur deshalb das Auszugsmehl! Und vielleicht werden wir alle nur deshalb je älter wird werden fetter, weil, wie bei jeder Droge, man im Laufe der Zeit immer mehr braucht um die selbe Wirkung zu erlangen.

Das ist alles sehr spannend und ich glaube es gibt bisher viel zu wenig Literatur darüber oder ich muss sie noch finden. Meine Mutter jedenfalls, als die glutenintolerant wurde, hat Unmengen gegessen, von allem anderen, als ihr die Glutenwirkung fehlte, sie hat, glaube ich, auch damit einhergehend Depressionen bekommen, daraufhin Psychopharmaka genommen und jetzt bekommt sie, zu ihrer Zufriedenheit, endlich Morphin auf Rezept. Gluten getauscht gegen Schmerzmittel. Aber alles, was eine Wirkung hat, hat auch eine Nebenwirkung...

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. Warum muss es abends Kartoffel sein und kein anderes Lebensmittel das einen hohen GI hat? zB reis oder hat das zu viel Eiweiß im Vergleich zur Kartoffel ?

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  2. Hallo Lara,

    Kathleen DesMaisons schreibt, man könne auch ein anderes vollwertiges Nahrungsmittel nehmen, aber Kartoffeln würden, laut ihrer langjährigen Erfahrung, am besten funktionieren. Die Kartoffel soll übrigens mit Schale verzehrt werden.

    LG Silke

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  3. Hallo Silke,

    herzlichen Dank für diesen interessanten Blog.

    Da ich werktags nur in der Zeit von 18 bis 22 Uhr esse, wäre es sinnvoll, die Kartoffel dann morgens oder mittags oder nachmittags zu verspeisen?

    LG, Niko

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    1. Hallo Niko,

      gemäß Kathleen DesMaison ist es nicht sinnvoll so zu essen. Wichtig ist Frühstück und dann alle 5-6 Stunden eine Mahlzeit. Sonst ist dein Belohnungssystem eine Achterbahn. Wenn du die Kartoffel verspeisen willst um deine Stimmung zu verbessern, solltest du erst mal an regelmäßigen Mahlzeiten arbeiten die gute Mengen an Eiweiß enthalten. Ohne funktioniert die Kartoffel nicht.

      LG Silke

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    2. Ich dachte, die Kartoffel nimmt möglicherweise trotzdem etwas Geschwindigkeit heraus aus meiner Achterbahnfahrt.
      Danke für die schnelle Antwort. :)

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    3. Wenn du die Achterbahnfahrt beseitigen willst, dann iss alle 5-6 Stunden was Anständiges!:-)

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    4. Du kennst vielleicht das Phänomen, daß viele Patienten ihre liebgewonnene Krankheit nicht wirklich ernsthaft loswerden möchten, sondern lediglich perfektionieren.
      ;)

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