Sonntag, 7. Juni 2015

Die Schritte 2 und 3 von "Potatoes not Prozac"



Es ist doch immer wieder ein Unterschied ob man Dinge intellektuell begreift oder tatsächlich.

Seit 12 Tagen setzte ich mich mit den Schritten 2 und 3 von Potatoes Not Prozac: How To Control Depression, Food Cravings And Weight Gain auseinander. Ich war zwar der Meinung, dass ich eh Tagebuch führe über das was ich esse, aber das stimmt eigentlich nicht. Oder besser, ich schreibe es an Tagen an denen ich blogge auf, aber an anderen Tagen nicht und vor allem schreibe ich meine Gefühle dazu nicht auf. Mir sind zwar auch so viele Sachen klar geworden, innerhalb der Challenge zum Beispiel oder auch, weil ich darüber blogge, aber es ist mir nicht so klar geworden wie in den letzten 12 Tagen an denen ich notiert habe was ich esse und wie ich mich dabei fühle.

Zum Beispiel lässt sich dabei tatsächlich ziemlich leicht erkennen, dass häufig Stress gar nicht die Ursache dafür ist, dass man sein Essen schleifen lässt weil man keine Zeit zum Kochen hat oder so oder weil man Schoko braucht um den Stress zu bewältigen. Tatsächlich ist es so, dass man Stress hat, weil man sein Essen hat schleifen lassen. Das merkt man im Alltag aber nicht. Man vertrauscht Ursache und Wirkung.

Oder man erkennt, dass man gereizt oder genervt ist, oder mit Leuten aneinadergeraten ist, weil man sich gerade irgendeiner Substanz entzieht. Das erteilt eine gewisse Absolution. Man ist selber nicht schuld, auch die anderen sind nicht schuld, sondern es ist einfach nur der Entzug, der gereizt macht. Wenn man das erkennen kann, ist man leicht in der Lage seine zwischenmenschlichen Spannungen ins rechte Licht zu rücken und muss nicht die Scheidung einreichen nur weil man falsch isst.

Und dabei stelle ich fest, das bei den Schritten das selbe passiert wie bei der Challenge, aber nicht so schnell. Dafür aber auch mit weniger Kraftaufwand. Die Challenge hat das Ziel die Ernährung für 3 Wochen umzustellen in der Hoffnung, das etwas davon hängen bleibt. Die 7 Schritte dienen dazu, seine Ernährung für immer umzustellen und deshalb kann man sich dafür so viel Zeit lassen wie man will. (Ob das bei drängende Erkrankungen auch noch möglich ist, weiss ich allerdings noch nicht).

Die meisten Klagen kommen von Leuten bezüglich des Frühstücks, aber ich habe es auch in der Challenge so erlebt, dass viele sich schwer tun ein Ernährungstagebuch zu führen. Klar, das ist Arbeit, aber es lohnt sich auch, stelle ich gerade fest. Es erinnert mich an Morgenseiten, was die tollste Erfindung der Welt ist.

Morgenseiten sind eine Erfindung von Julia Cameron, die das Buch Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität geschrieben hat. Ich habe es auf der Schauspielschule erstmals gelesen und es enthält Übungen, die man machen kann, um künstlerische Blockaden zu lösen. Es ist Gold wert!

Morgenseiten sind so eine Art Tagebuch, eine ganze Seite, die man Handschriftlich morgens automatisiert voll schreibt. Also einfach alles, was einem in den Kopf kommt, dass man Wäsche waschen muss, dass man keinen Block hat zur Arbeit zu gehen, dass die Kinder nerven oder aber auch, was der letzte Tag gebracht hat, was man heute vor hat und was einem so durch den Kopf geht. Oder man schreibt einfach alles nieder was einen so nervt und jammert Tag ein Tag aus über das selbe, was den Vorteil hat, dass man erkennt, dass man das tut und sich selber damit nervt und dann endlich seinen Arsch hoch kriegt was zu ändern! - Ich liebe Morgenseiten und schreibe sie seit 15 Jahren.

Das Ernährungstagebuch funktioniert auch so. Man macht sich bewusst was man isst, schreibt dazu wie man sich fühlt und wenn man sich nicht an das gehalten hat, was man vor hatte schreibt man halt auch darüber. Oder man schreibt, dass man vergesse hat, was man gegessen hat. Oder man schreibt, wie wohl oder unwohl man sich mit einem Nahrungsmittel fühlte. Ich wette, wenn man quasi gezwungen ist sich IMMER damit auseinander zu setzten, was man gegessen hat, man sich auch mehr bemüht es gut zu machen. Deshalb ist bereits Schritt 2 die Auseinandersetzung mit dem was man isst und nicht damit, ob man perfekt isst. Das ist sehr interessant.

Schritt 3 läuft auch, so dass ich weiterhin jeden Tag 15 Min. mehr zwischen meine Mahlzeiten lege, was nicht immer astrein klappt aber so gut, dass ich heute bei 5 Stunden zwischen den Mahlzeiten bin. Und weil ich das aufschreibe und reflektiere stelle ich fest, dass wenn Appetit zwischen den Mahlzeiten aufkommt, oder besser gesagt Durst, denn mit dem Trinken von Wasser geht auch der Appetit weg! Meistens habe ich dann, wenn der Timer zur nächsten Mahlzeit klingelt, noch nicht mal allzu großen Hunger. Aber der Hunger kommt dann beim Essen. Noch habe ich aber auch das Gefühl, dass ich dazu neige in einer Mahlzeit zu viel zu essen, weil ich Angst habe zwischenzeitlich Hunger zu kriegen. Ich hoffe das wird sich legen.

Nun ist Schritt 3, die 3 Mahlzeiten, auch noch weit vor Schritt 6, dem Zuckerentzug. Das hat zur logischen Folge, dass man allen Süßkram, den man zu dem Zeitpunkt noch isst innerhalb dieser 3 Mahlzeiten essen muss. So ergab sich bei mir folgendes, dass ich im Bioladen am Freitag abend nach meinem Abendessen noch 3 Riegel Ombar, die da rum lagen, gegessen habe und mich nicht getriggert fühlte. Eine Kollegin gab, weil es an dem Tag so heißt war auch noch 2 Kugeln Eis aus und ich fühlte mich auch nicht getriggert. Ist ein Geheimnis der Zuckersucht vielleicht wirklich, dass der Zucker, wenn man ihn auf leeren Magen isst, so wahnsinnig schnell ins Blut geht? Kann man sich "Desserts" vielleicht regelrecht erlauben?

Und dann denke ich ja auch noch an Gluten rum. Ich finde nämlich, dass man auf Vollkornnudeln aus Weizen z.B. anders reagiert als auf Vollkornreisnudeln. Da kommt irgendwie ein größerer Kick bei rum und ich frage mich ob das am Gluten bzw. dem Gliadin aus Weizen liegt. Ich fühle mich jedenfalls irgendwie gebremster, wenn ich keinen Weizen bzw. wenig Gluten esse. Tatsächlich macht Kathleen DesMaisons auch weitgehend einen Bogen um Gluten aber ich kann mich nicht mehr erinnern ob sie auch auf die Opiatwirkung eingeht oder nur darauf, dass manche Menschen allergisch auf Weizen reagieren. Ich glaube aber, ich würde mich erinnern, wenn die das mit den Opiaten gesagt hätte. Sehr interessant jedenfalls.

Ich will in regelmäßigen Abständen mal durchrechnen was ich gegessen habe und gestern waren es auch 2400 kcal.

Menü des Tages am 6. Juni 2015

Brokkoli, Paprika, Tomaten


Buchweizenflocken mit Banane, Pfirsich, Flohsamenschalen, Sojamilch, Traubenkernmehl, Paranuss, Chia, Kokosflocken


1 Banane

Misosuppe


Salat aus Romana, Paprika, Linsen, Frühlingszwiebeln, Tomaten und Maisdressing
Kartoffeln


1 Banane
150 g Trauben

Möhren, Paprika, Zucchini, Buchweizennudeln und Linsen, alles mit Salz


2,5 Bananen
3 Reiskekse

Ich schlafe gerade relativ schlecht, auch so, wie ich es schon in der Challenge beobachtet habe und frage mich ob es da einen Zusammenhang gibt. Wahrscheinlich gibt es den, dennoch so clean wie in der Challenge ist das Essen noch nicht. Aber schon ziemlich clean. Ich denke ich werde heute mal zu Schritt 4 übergehen: Die Kartoffel vor dem zu Bett gehen. Vielleicht ist es gerade der Glutenentzug, der bei mir wirkt...

Alles Liebe,

Silke

Kommentare:

  1. Hi Silke,

    Zum Schlafen: Barnard schreibt in "Powerfoods for the Brain" auf Seite 126, das proteinreiches Esen am Abend vermieden werden sollte, weil es die Serotoninproduktion blockiert (weswegen es morgens gut ist!). Ggf. ist das ja auch >ein< Aspekt des schlechten Schlafens bei Dir?!?

    Im gleichen Buch habe ich auch noch was zum Fett gefunden - Auf Seite 115 schreibt Barnard was zu "Type I" und "Type II" Muskelzellen. Type I Menschen sind eher Ausdauersportler (was auf mich zutrifft) - und diese Zellen sollen durch das Enzym "Lipoprotein Lipase" Fett besser als Brennstoff verwerten können.

    Wenn das letztere so ist - dann finde ich es schade, das McDougal & Co. diesbezüglich nicht informieren. Denn ich (BMI von 20, 70Kg, ggf. Type I ) komme bei mäßig Sport nicht mit den 10% Fett zu rande - auch nicht bei 3000 Kal/Tag (bei ca. 70Kg). Barnard hat mir aufgezeigt warum das ggf. so ist.... und ich mich bei 20% (aus Saaten, Samen, Nüssen, Avocados - kein Öl, etc.) viel wohler fühle. Zumindest ist das mein aktueller Stand der Erfahrungen.

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  2. Also. der Grund, warum abends eine Kartoffel gegessen werden soll ist genau der, dass man kein Protein zu sich nimmt und dabei ein Nahrungsmittel, welches den Insulinspiegel recht gut ansteigen lässt so dass das Tryptophan, welches vor der Blut-Hirn-Schranke wartet, weil es kaum in der Peripherie gebraucht wird, über diese Schranke hüpfen kann (dazu ist Insulin erforderlich) und da zu Serotonin verarbeitet werden kann. Barnard und DesMaisons liegen da auf der selben Wellenlänge und du wiederholst nur meinen Plan!.

    Typ I Muskelfasern sind besser in der Lage Fett zu verbrennen als Typ II Fasern aber dass sie nur mit Fett arbeiten können stimmt nicht. Ich glaube das hast du falsch verstanden.

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  3. Hey, ich mal wieder :) Ich esse super clean und kann dir bestätigen, dass auf leeren Magen gegessener Zucker komplett anders wirkt als wenn man das gleiche als Dessert zu sich nimmt. Ich hatte kürzlich einen Höllentag als ich mal ausnahmsweise beim Wandern ein Eis als "Mittagessen" gegessen habe, der Rest des Tages war komplett im Eimer, Fressgier und Zucker-Jieper ohne Ende. Ich musste dann zwanghaft ne Stunde später noch Kuchen nachschieben und abends Brot. Das ist mir noch nie passiert, wenn ich was Süßes (durchaus auch ganz normale Schokolade) im Anschluß an eine Mahlzeit als Nachtisch verzehrt habe. Da macht mir das überhaupt nicht aus und verleitet sogar dazu zu denken, man habe ja eigentlich gar keine Problem ;)

    Dito mit den Vollkornnudeln, die Erfahrung habe ich auch gemacht, dass alles aus Weizen oder auch dem allseits hochgelobten Dinkel, egal ob komplett ausgemahlen oder Vollkorn wenn man so will "gefährlicher" ist als z. B. Reisnudeln oder eben anderes Getreide. Meine Vermutung ging auch in Richtung Gluten. Bestes Beispiel - gestern abend hatten wir eine Gemüsepfanne mit Hirse gemacht, jeder eine Portion gegessen und den Rest ganz entspannt für heute in den Kühlschrank gestellt. Kein Bedarf noch mehr zu essen. Bei VK-Nudeln wäre das nicht passiert, da hätte ich Nachschlag genommen und es wäre unter Garantie nichts übriggeblieben.

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    1. Das mit dem Weizen kann ich auch nur bestätigen, wobei Vollkorn-Dinkel etwas besser ist. Gleiches passiert bei mir mit weissem- und Naturreis... der weisse Reis 'triggert' echt stark. Seit dem ich den Naturreis nun zusammen mit Amarath koche (75% Reis, 25% Amaranth) schmeckt der mir auch besser und ich mache inzwischen weißen nur noch, wenn es ganz schnell gehen soll/muss.

      Seit dem ich von Silke inspiriert morgens mit stärkefreiem Gemüse anfange - und nicht mit Obst - ist mein Essverhalten ein ganz anderes. Es ist ein Wahnsinn wie gut das klappt und wie bekömmlich das auch ist bzw. mit meinem Müsli harmoniert.

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    2. Hi eighty tenten,

      weißer Reis macht mir komischerweise gar nichts aus, wobei ich den aber auch nur so 3-4 pro Jahr bei Restaurantbesuchen esse, wenn es nichts Akzeptables mit Reisnudeln gibt. Zuhause kann man ja glücklicherweise entscheiden, was man kocht.

      Ja, Gemüse zum Frühstück ist was Feines :) esse ich auch oft, am liebsten Broccoli oder Spinat.

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  4. @Silke

    Danke für Deine Antwort - zu den Type I Muskelfasern hatte ich auch "besser als Brennstoff" geschrieben" ;-) Auf jeden Fall war das für mich aufschlussreich.

    Das mit dem Protein hatte ich so noch nicht mitbekommen - in Bezug auf Serotonin & Tryptophan. Hatte nur direkt nach dem Lesen die Linsen im Bild von deinem Abendessen gesehen - und dann die Verbindung hergestellt. Schon schräg wie das mit dem Lesen/Lernen und der selektiven Aufmerksamkeit so funktioniert :-)

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  5. Hallo Silke,

    ich mache die 10 Schritte mal mit. Obwohl ich momentan wirklich clean lebe, also ohne Zucker und Mehl.

    Ess-Tagebuch und 3. Mahlzeiten habe ich das ganze halbe Jahr nicht geschafft. Ich schreibe jetzt seit 5 Tagen mit, komischerweise fällt mir das richtig schwer..

    Und ich bin richtig glücklich. Heute hatte ich meinen ersten Tag mit nur 3 Mahlzeiten. Ich habe um 6:40, 11:00 (leider muss ich wieder so früh essen, da meine Mittagspause fest ist) und um 16:00.

    Fühl mich trotzdem jetzt am Abend richtig satt und zufrieden.
    Bin gespannt wie es morgen weiter geht :)

    Liebe Grüße
    Sina

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