Donnerstag, 31. März 2016

Histaminintoleranz



Mich hat ein Leser gebeten im True North mal nach zu fragen, ob man diätetisch irgendwas gegen Histaminintoleranz machen könnte.

Diesem Wunsch bin ich selbstredend sofort nachgekommen und habe zunächst mal eine naturheilkundliche Ärztin hier gefragt, die darauf keine Antwort wusste.

Gestern morgen war dann Visite mit Dr. Klaper und auch ihn habe ich darauf angesprochen. Er sagte, er würde einen Patienten mit Histaminintoleranz zunächst einmal fasten lassen und ihn dann auf fettarme, vollwertige, pflanzliche, SOS-freie Ernährung setzen und dabei Nahrungsmittel mit hohem Histamingehalt streichen. Eine derartige Ernährung würde er dann 6 Monate lang beobachten und dann schauen, wie die Person auf histaminhaltige Nahrungsmittel reagiert. Ich habe ihn daraufhin gefragt ob er klinische Erfahrung damit habe und das hat er bestritten.

Also dachte ich mir, wenn das jemand weiß, dann Goldhamer und habe ihn mir beim Mittagessen geschnappt.


Aber auch Goldhamer wusste dazu nicht viel zu sagen. Vielmehr stellte er mir eine Gegenfrage und zwar, was denn die Ursache von Histaminintoleranz sei. Ob das autoimmunbedingt sei und wenn dem so sei, dann würde es auf Fasten wahrscheinlich sehr gut ansprechen. Alles was ich weiß ist, dass Histaminintoleranz häufig mit Leaky Gut oder Colitis Ulcerosa und ähnlichen Darmproblemen vergesellschaftet ist und dafür ist Fasten ziemlich gut geeignet,

Laut Wikipedia existiert Histaminintoleranz nicht. Da heißt es: "Kontrollierte Einzelstudien[4][5] und eine umfassende Metaanalyse aus dem Jahr 2003 konnten bisher keine wissenschaftlichen Nachweise für die postulierte Nahrungsmittelintoleranz durch biogene Amine wie das Histamin finden.[6]"

Gleich im nächsten Absatz aber: "Die Histamin-Intoleranz ist weder eine Allergie noch eine nichtimmunologische Nahrungsmittelunverträglichkeit, sondern eine Abbaustörung. Sie ist möglicherweise Folge oder Begleiter anderer Unverträglichkeiten oder Allergien".

Das Ganze hat also einen leicht unwissenschaftlichen Anstrich. Wenn man keinen wissenschaftlichen Nachweis finden konnte gibt es ihn entweder nicht oder man hat ihn NOCH nicht gefunden. Wenn es ihn nicht gibt, ist es möglicherweise psychosomatisch etc. 

Also habe ich es gegoogelt und Ursache für Histaminintoleranz (wenn es sie gibt) ist eine Fehlfunktion einen Enzyms namens Diaminoxidase oder DOA, welches besonders im Dünndarm vorkommt. Diese Enzym braucht unter anderem Vitamin B6 um zu funktionieren. Es wird von Alkohol und manchen biogenen Aminen gehemmt. Es ist verantwortlich dafür Histamin aus der Nahrung abzubauen. Ein weitere Enzym welches Histamin abbaut ist die Histamin-N-Methyl-Transferase (HNMT). Sie kommt intrazellulär, vor allem in der Leber vor, und baut das vom Körper selber produzierte Histamin ab.

Die Frage ist also, was ist hier wirklich los? Warum funktioniert das Enzym nicht? Aufgrund eines Nährstoffmangels? Oder eines Alkoholüberschusses? Oder eines zerstörten Darms? - All das kann man mit Fasten und Ernährungsumstellung in den Griff kriegen.
Möglicherweise ist es aber auch genetischer Defekt und der Körper produzierte noch nie funktionierende Enzyme. Oder epigenetische ist die DNA verändert.

Wikipedia: "80 % der erkrankten Patienten sind weiblichen Geschlechts mittleren Alters. Die Krankheitssymptome können in der Schwangerschaft verschwinden, treten jedoch nach der Schwangerschaft wieder auf". - Damit ist sie ziemlich wahrscheinlich erworben. 

Was man sich auch fragen muss ist, wie die Histaminintoleranz diagnostiziert wurde. Durch eine Auslassdiät selbst beobachtet? Oder einen Labortest? Ist die Diagnose klinisch bestätigt? - Als aussagekräftigster Test gilt die Auslassdiät, was reichlich unwissenschaftlich ist.

Ich nehme, an dass es sich bei 99% der Betroffenen um folgendes handelt: Nährstoffmangel, Abusus und zerstörter Darm. Demnach kann eine Entzündungsreaktion im Darm die Ursache sein oder eine Autoimmunreaktion im Darm, welche wiederum zu einem Nährstoffmangel führt. Damit ist dann auch klar, dass nur ein Meiden von histaminhaltigen Nahrungsmitteln nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Man muss auch die Ursache beseitigen und das kann man dann tatsächlich mit Fasten, fettarmer, vollwertiger, pflanzlicher, sos-freier Ernährung sowie Auslassdiät bis sich der Darm regeneriert hat.

Das ist hier natürlich alles graue Theorie und wenn jemand da draußen Erfahrung mit Histaminintoleranz hat würde mich diese sehr interessieren.

Menü des Tages am 30. März 2016

Brokkoli, Haferflocken, Walnüsse, Zimt, Leinsamen, Obst



Reis, Süsskartoffeln , Auberginenstew, Rosenkohl, Erbsen, Kidneybohnen



Spargel, Kartoffel, Süsskartoffeln, Tomaten, Tahinidressing und Salsa



Es ist Tag 20 meines Zuckerverzichts und ich bin völlig frei von jeglichen Gelüsten. Dieses Mal muss ich es mir wirklich und endgültig merken: Das einzige Mittel gegen Süßgelüste ist das Weglassen von Süßem und ich muss es mir hinter die Ohren schreiben, dass es wirklich nur das gibt.

Viele Leute, auch ich, haben Angst auf Zucker komplett zu verzichten weil sie denken: "Ja, aber was soll ich denn dann machen, wenn ich Gelüste auf was Süßes kriegen und Zucker BRAUCHE" - Und genau das passiert dann nicht mehr. Man hat keine Gelüste auf Süßes mehr.

Es kann sein, dass man rückfällig wird, wenn man hungrig wird und gerade nichts anderes da ist als Kekse oder Kuchen oder Chips. So weit sollte man es aber nicht kommen lassen. Jemand der satt ist und vom Zucker entwöhnt hat keine Süßgelüste mehr. Die einzige Therapie ist das Weglassen von Zucker, wenn man keine Gelüste mehr haben will. In der initialen Phase kann man seine Gelüste mit frischem Obst bekämpfen. Ich will also weiterhin nie wieder Zucker anrühren. So ist das Leben wirklich besser. Und für Weihnachten etc. bin ich gewillt auf Trockenfrüchte und Nüsse auszuweichen. Mal gucken wie das läuft...

Alles Liebe,

Silke


Kommentare:

  1. Meine Mutter hatte einige Zeit lang mit Histamin zu kämpfen. Der Test beim Arzt ist zwar negativ ausgefallen, aber mit einer histaminarmen Diät konnte sie ihre gesundheitlichen Probleme stark verringern (u.a. asthmatischer Husten und Ausschläge). Natürlich total unwissenschaftlich und abgesehen davon ernährt sich meine Mutter auch nicht unbedingt gesund. Aber ihr hat die Tatsache, dass es einen Namen und eine "Behandlung" für ihre Probleme gab, geholfen.

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  2. Hallo Silke,
    Verstehe ich dich richtig dass du somit auch komplett für immer auf Obst verzichten willst?

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    1. Das verstehst du falsch. Obst gilt laut WHO nicht als Zucker. Ich will es aber nur noch zum Frühstück essen.

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    2. So mache ich das aktuell. Merke, das Süße Früchte ganz stark triggern.... esse ich jetzt wenn die Zeit reicht 1h vor dem Gemüse und dem Müsli. Ansonsten im/mit dem Müsli.

      Später, also vor dem Mittag oder Abendbrot gibts ggf. noch mal einen Apfel.. der Triggert nicht so stark.

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  3. Hallo Silke,

    hast Du zum Thema Jod auch noch etwas erfahren können? Denn bei einer SOS-Freien Ernährung greift ja auch nicht die Zwangsjodierung mit Kaliumjodid bei Salt. Was macht / empfiehlt das True North hier?

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    1. Goldhamer sagt, es sei genug Jod in der Nahrung. - Ich kann es nicht überprüfen. Deutschland ist ja Jodmangelgebiet. Keine Ahnung wie das hier ist.

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    2. Danke für die schnelle Antwort.

      Ja, eigentlich sollte es so sein. Das es nicht so war (historisch) zeigen ja genug Berichte. Und ich denke, die/viele Menschen damals haben sich auch noch mehr Pflanzlich ernährt als heute.

      Leider ist Jod insb. in Tierprodukten enthalten - mit Ausnahme der Algen. Teils liesst man auch das in Himalayasalz Jod sein soll, dafür habe ich aber keine ernstzunehmende Quelle gefunden (die DGE warnt sogar wegen dem Jodmangel vor diesem Salz).

      Dann mache ich mal mit meiner Wakame weiter und schaue wie sich der TSH Spiegel entwickelt.

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  4. Schön das Du Deine Erfahrungen hier fest hälst :-)

    Ich habe die Tage auch wieder einiges an coolen Videos gesehen (u.a. Arzneimittel und Mikronährstoffe sowie zu Toxikologische Bewertung der Ernährung, u.a. Plastik-, Hilfs- und Zusatzstoffen). Es zeigt sich da immer wieder: Ohne Darmgesundheit, ausreichend Vitaminen und Mikronärstoffen geht nichts. Und Alte und Kranke brauchen dann noch mal deutlich mehr, wobei Sie meist weniger essen.

    Als meine Mutter letztens im Krankenhaus und auf der Reha war... also mir hat es nur gegruselt was die da so bekommen haben an (geliefertem) Essen. Da stimmt es wirklich, das das Krankenhaus ein Haus ist das Kranke macht. Alles nicht vollwertig, viel Fett, sogar Margarine, Schrottjogurt, viel Fleisch - vegan gleich mal gar nicht und vegetarisch total unterkalorisiert und ohne Proteinquelle - oder mit Käse/Milchprodukten sowie viel zu wenige Obst und Gemüse.

    Das Essen entsprach "nicht mal" den Empfehlungen der DGE.... zum heulen...

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  5. Hallo Silke,
    aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Fasten und pflanzliche Ernährung bei Histaminintoleranz nicht so einfach umzusetzen sind. Zum einen weil Fasten den Histaminspiegel ganz schön in die Höhe treiben kann (Stess für den Körper - wobei es sicherlich nochmal was anderes ist, wenn man sich zum Fasten in professionelle Hände begibt ;)) und zum anderen weil die meisten mit Histaminintoleranz keine Hülsenfrüchte vertragen was es extrem erschwert genügend Proteine zu essen. Seitan und Proteinpulver sind ebenso problematisch.
    Aber das ist alles sehr individuell auch weil eine HI so viele Ursachen haben kann - was auch die labertortechnische Diagnose sehr erschwert. Eine gute Übersicht über Ursachen und Diagnosen gibt es hier: http://www.histaminintoleranz-es.de/
    Liebe Grüße,
    yacurama

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  6. Hallo Silke, ich lese begeistert deine Updates bzgl. deiner Erfahrungen im TrueNorth und gratuliere dir herzlich dazu. Wenn ich jemals in die USA reise, werde ich dort definitiv vorbeischauen.
    Ich habe zwar eigentlich alle Artikel gelesen, wollte aber nochmal nachfragen, wie es mit dem destillierten Wasser steht. Ich kenne dazu nur die Rohkost "clean eating/drinking" Mythen (bzw. noch aus meinem biologischen Wissen die Diffusion und ultimo das Platzen von Zellen bei krassem Mineralien-Disverhältnis) - wie begründen die Docs im TrueNorth denn das Wasserfasten (oder den allgemeinen Konsum) von destilliertem Wasser? LG und gute Reise aus Deutschland! :-)

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  7. Hallo Silke, ich habe auch eine Histaminintoleranz. Mir ist schon als Kind von gekochten Tomaten sowas von schlecht geworden mit Sodbrennen und damals hieß es: Psychosomatisch. Einbildung. Etc. Dann habe ich Jahre später eine Tasse Kaffe getrunken und wieder ausgespuckt, roter Wein das gleiche. Aspirin auch :-/ Einen Nachweis beim Arzt gab es bei einer Darmuntersuchung. Ich habe den Darm saniert mit OmniBiotic StressRepair. Hat bei MIR gut funktioniert. Fasten kann ich gar nicht, Sport triggert meine Histaminintoleranz auch. Und wenn ich Hülsenfrüchte esse (und ich liebe Linsen!) dann bin ich für 24 Stunden außer Gefecht gesetzt. Fängt an mit Blähungen, dann ewig Verstopfung und Bauchschmerzen und dann heftigste Durchfälle. Habe das ein paarmal probiert, immer das gleiche. Ich lasse einfach alles weg - Tomaten, Wein, Kaffee, Sauerkraut und Hülsefrüchte - was nicht geht und dann passt es.. Viele Grüße von Ni
    Ps. Eröffnest du eigentlich in ein paar Jahren dann das TrueNorth Europe? ;-)

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  8. Sind auch unsere Erfahrungen, das nur weglassen bei histaminintoleranz hilft. Im Internet habe ich mal gelesen, das es mit der darmbakterien zusammensetzung zusammen hängt. Die falsch wäre und somit nicht fähig sind histamien abzubauen. Aber kein Arzt hat bisher richtig helfen können.
    Mfg Falk

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  9. Danke noch für deine Mühen
    Mfg Falk

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  10. Hallo liebe Silke,
    Habe selbst eine Histaminintoleranz, hier ist was ich weiss + meine Erfahrungen:

    Die Histaminintoleranz kommt haeufig in Korrelation vor mit Fructoseintoleranz und Laktoseintoleranz, desweiterens sind oft Schilddruesenpatienten betroffen...

    Meiner Erfahrung nach spielen Naehrstoffmangel eine wesentliche Rolle, aber auch die Unfaehigkeit des Koerpers Vitamin D zu bilden und damit Vitamin D Mangel, der zu Calciummangel und damit auch zu Magnesiummangel fuehrt.
    Was sehr sehr viele nicht wissen, dass Vitamin D, Vitamin A und Vitamin K eng zusammen arbeiten bei der Mineralisation des Koerpers. Und dass BetaCarotin und Vitamin K1 bei einer schwachen Leberleistung und zu wenig Gallensaueren (da fettloeslich) schlecht aufgenommen werden.
    Ausserdem ist Ort der Bildung von Vitamin A die Darmschleimhaut, die bekanntlich bei Histamin latent entzuendet sein kann!!

    Bei einer ausgepraegten Fructoseintoleranz kann es schnell zum Mangel von Zink, Folsaeure und Tryptophan kommen, da die freie Fructose diese wohl binden soll.

    Definitiv hilfreich sind intermittierendes Fasten, wenn langes Fasten nicht vertragen wird. Und alle Massnahmen die die Verdauung erleichtern!
    Dazu gehoert auch dass Phytinsaeure haltige Lebensmittel kontraproduktiv sind, da sie die Verdauungsenzyme inaktivieren.

    Vorsicht bei Probiotika, da einige Milchsaeure Bakterien eben Histamin bilden und auch oft schaedliche Begleitstoffe verwendet werden (Nanopartikel: miktrokristaline Cellulos, Siliciumdioxid)

    Bei mir persoenlich sind definitiv folgende Naehrstoffmangel ein Thema: Magnesium, Zink, Calcium, Vitamin A, Vitamin K, Folsaeure...
    Ausserdem habe ich schon immer Probleme mit entzuendlichen oder anfaelligen Schleimhaeuten. Und die Histaminintoleranz ist mit eintreten der Schilddruesenunterfunktion noch viel schlechter geworden...

    Bei einer Schilddruesenunterfunktion wird wohl ausserdem zu wenig Carotin in Vitamin A umgewandelt.

    Zink wird gebraucht um Vitamin A zu bilden und zu transportieren.

    Vitamin B1 (hitzeempfindlich) wird gebraucht um Vitamin B6 richtig zu verwerten und beide werden gebraucht um Magnesium richtig aufzunehmen und zu verwerten.

    Magnesium wird gebraucht um aktives Vitamin D zu bilden!

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  11. Liebe Silke,

    hast du vllt. Erfahrungen mit dem Produkt Daosin (http://sanasis.ch/de/daosin-30-kapseln.html) gegen Histaminintoleranz?

    Ich bin eigentlich gegen solche Mittel, würde es aber dennoch gerne mal probieren, weil es einfach nervt!

    Vielen Dank im Voraus für deine Einschätzung.

    Grüße

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  12. Nein, habe ich nicht, ich hab ja keine Histaminintoleranz,

    LG Silke

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