Dienstag, 5. April 2016

Gedanken über Fasten, Krebs und den Tod von Guido Westerwelle



Ich habe nach meiner Schicht am Samstag auf YouTube die Trauerfeier für Guido Westewelle geschaut. Ich muss sagen, dass mich sein Tod echt berührt hat. Einerseits, weil ich den Mann echt mochte, weil er untere der Regierung Schröder in der Opposition kein Blatt vor den Mund genommen hat und auch, weil ich eine Schwäche für Minderheiten habe bzw. für die Rechte von Homosexuellen. Ich fand es großartig, dass wir einen offen homosexuellen Außenminister hatten, der in Länder reiste, in welchem Homosexualität teilweise unter Strafe stand und die Regierenden mussten ihn dennoch in Empfang nehmen. Sein Tod hat mich aber auch berührt, weil er in Köln lebte, in der Uniklinik in Köln behandelt wurde, sein behandelnder Arzt ziemlich wahrscheinlich irgendwann meine Ökologie-Vorlesungen halten wird und Last but Not least, weil Westerwelle erst 54 Jahre alt war.

Und parallel dazu dürfte ich letzte Woche durch Dr. Klaper erfahren, dass besonders hormon-positive und „flüssige Krebse“ sehr gut auf Fasten ansprechen. Westerwelle hatte so einen „flüssigen Krebs“ nämlich Blutkrebs, akute Leukämie.

Es gibt Studien dazu, dass sich Fasten positiv auf Krebs auswirkt. Es gibt sogar Studien, wie die Kombination von Fasten und Chemotherapie untersuchen, die sehr vielversprechend aussehen. Ich hatte noch nicht die Zeit die Sachlage zu recherchieren, aber das ganze war vor 2 Wochen Thema im „Doctors Meeting“ im True North. David, Personal Trainer und Ernährungscoach im True North fragte, warum das True North nicht die Kombination aus Fasten und Chemotherapie anbieten würde, denn das sähe ja recht vielversprechend aus. Ich dachte zuerst: „Ist das sein Errnst? Das widerspricht sich doch total!“ Das war aber absoluter Ernst und das TrueNorth macht es natürlich deshalb nicht, weil Goldhamer nichts von Chemo hält. Aber es gäbt er Ärzte, so wurde gesagt, die ernsthaft daran arbeiten. Klaper und Co. empfehlen unterdessen vor Beginn der Chemotherapie ein paar Tage zu fasten, das könne die Chemo ebenfalls unterstützen.

Eigentlich heißt es, das Fasten bei Krebs kontraindiziert sei, was so viel heißt wie, dass man bei Krebs nicht fasten soll.Ich habe mich daher gewundert, dass wir eine Patientin haben die einen Krebs, welchen habe ich vergessen, Stage 4 hatte und habe Klaper im nächsten Intern Meeting darauf angesprochen. Er erklärte, der Grund, warum Krebskranke nicht fasten sollen sei ausschließlich der, dass sie meist vom Krebs bereits völlig ausgezehrt sind und keine körperlichen Reserven mehr haben, von denen sie zehren können. Das war's. Demnach können über- und normalgewichtige Krebskranke mit aller Ruhe wohlgemerkt NUR UNTER ÄRZTLICHER AUFSICHT fasten. Ich kann das nicht oft und entschieden genug betonen!!! -  Hausgemachte Fastenwochen für Gesunde sind wirklich nur für Gesunde. Jeder der Medikamente nimmt darf auf gar keinen Fall alleine zuhause fasten, schon gar nicht Wasserfastens. Das ist gefährlich und man kann sich dann durch veränderte Medikamentenwirkung unter Umständen in der Notaufnahme wiederfinden.

Aber zurück zum Krebs: Chemo zerstört alle Zellen, kranke und gesunde. Fasten entzieht beiden die Nahrung. Aber Chemo zerstört das Immunsystem, Fasten stärkt es.

Bei Westerwelles Trauerfeier sang der Kölner Opernchor, dessen Mitglieder ich fast alle persönlich kenne, weil ich gelegentlich an der Oper arbeite. Ein Mitglied des Herrenchors macht es so ähnlich wie ich und verteilt seine Talente auf Kunst und Medizin. Er hat eine halbe Stelle im Opernchor und eine andere halbe Stelle in der Psychoonkologie der Uniklinik Köln. Dort gibt er Singstunden für Krebskranke weil Singen ebenfalls da Immunsystem stärkt. Auch er sang bei Westerwelles Trauerfeier mit, sein behandelnder Arzt sitzt in der ersten Reihe und ich frage mich: Fühlt der sich gerade eigentlich wie ein Versager? Hat der Selbstzweifel?

In meinem letzte Post ging es um meine Selbstzweifel. Das ich ständig das Gefühl habe nicht gut genug zu sein. Ich habe von Westerwelles Tod erfahren, als ich vor zwei Wochen mit meinem Vater telefoniert habe, der es wie folgt formulierte: „ An der Kölner Uniklinik haben sie gestern Westerwelle sterben lassen“

Ich komme nicht umhin mich zu fragen, ob man es besser hätte machen können. Ob man mehr hätte tun können bzw. etwas besseres hätte tun können. Und ich wünschte mir, die Studien an denen gerade gearbeitet wird währen schon veröffentlicht.

Unterdessen, so Goldhamer, arbeitet die Pharmaindustrie daran Medikamente zu entwickeln, die die Wirkungsweisen des Fastens simulieren. So ist das in dieser Welt.

Menü des Tages am 2. April

Haferflocken, Frenchtoast, Obst, Zimt, Walnüsse


Quinoa, Salat, Avocadodressing, dicke Bohnen, Tomaten


Süßkartoffel, Kidneybohnen, Hummus, Salat



Ich bin unterdessen in Venice, LA, angekommen und befinde mich derzeit im Café Gratitude um hier zu tippen. Das ist auch ein langgehegter Traum von mir, denn das Café Gratitude ist das wahrscheinlich bekannteste und größte Rohkostrestaurant bzw. Restaurantkette der Welt. Mehrere Zweigstellen befinden sich in Kalifornien obwohl sie einige Filialen auch schon wieder geschlossen haben. Der Rohkostboom ist vorbei. Das Gratitude hatte jedoch Glück, weil sie nicht nur rohe, sondern auch schon immer gekochte Gerichte angeboten haben. Ich kann es schwer empfehlen hier mal vorbei zu schauen! Es ist das größte vegane Restaurant, was ich bisher in den USA besucht habe. Da ich aber bereits frühstückt hatte, habe ich nur Kaffee mit Mandelmilch und einen Smoothie mit Banane, Hanf, Maca und noch ein paar andren Zutaten bestellt.



Wer es nicht bis Venice schaffen sollte, kann auch mal nach München fahren, denn auch dort befindet sich ein Gratitude, ein Rohkostreastaurant. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob der Name einfach nur geklaut ist oder ob es eine echte Zweigstelle ist. In München muss man allerdings
reservieren, so klein ist es, sonst kriegt man keinen Tisch. In Venice nicht. Das ist angenehm.:-)

Alles Liebe,

Silke


Kommentare:

  1. Habe kürzlich einen sehr gut recherchierten Artikel über das Fasten und intermittierendes Fasten in der Geo gelesen und da wurden die von dir genannten Punkte auch genannt: Studien an Krebskranken haben gezeigt, dass schon ein paar Tage fasten vor der Chemo die Regeneration deutlich verbessern. Man erklärt sich das damit, dass gesunde Zellen dann ketogen arbeiten und sozusagen im Ruhemodus sind, wohingegen Krebszellen das ja nie sind, weil sie mutiert sind und sich weiter teilen und die Chemo dann diese stärker schädigt (genaueres habe ich leider nicht mehr parat).
    Die Substanz, die das Fasten jetzt simulieren soll, ist laut meiner Quellen Spermidin, das wohl sehr ähnliche Effekte hervorruft. Habe mich aber damit weniger befasst, weil ich den ganzen Medikamenten gegenüber auch eher kritisch eingestellt bin. Ich habe mich mehr mit Intermittent Fasting (auch IER) beschäftigt und kann diesen Artikel dazu nur empfehlen: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4250148/ LG aus Deutschland.

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  2. Ja, durch fasten ist man ja in 2-3 Tagen im ketogenen Stoffwechsel. Zum ketogenen Stoffwechsel und Krebs gibt es widersprüchliche Meinungen, ob das wirklich ein generelles Mittel gegen Krebserkrankungen ist, das hängt sicherlich von der spezifischen Art der Krebserkrankung ab.
    Inwieweit das mit Chemo zu kombinieren ist, ist auch nicht klar, hängt wohl auch vom Zeitpunkt ab, wann man was anwendet. Da der ketogene Stoffwechsel (bei Anwendbarkeit auf die Krebsart) den Krebszellen zumindest einen ordentlichen Dämpfer verpasst, sinkt ihre Aktivität, und somit vergiften sie sich mit der Chemo nicht mehr so überproportinal stark gegenüber gesunden Zellen. Möglicher Ansatz: nach Abschluss der Chemo mit Fasten/Keto weitermachen.
    Ebenso wird noch diskutiert, ob durch ketogene Ernährung für den Stoffwechsel ein Langzeit-Fasteneffekt hergestellt werde kann.
    Z.B. sucht die Charite Berlin gerade Probanden mit MS, da festgestellt wurde, dass Fasten kurzfristig positiv auf den Verlauf von MS wirkt, aber nach Ende des Fastens der Anfangszustand schnell wieder eintritt. Deswegen suchen sie nach Langzeiternährung mit ähnlicher Wirkung: http://dmsg.de/multiple-sklerose-news/index.php?w3pid=news&kategorie=forschung&anr=5821

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