Mittwoch, 17. September 2014

Von der Fähigkeit Gesundheitsinformationen zu finden, sie zu verstehen, sie zu beurteilen und umzusetzen...



Woah, ich gehe gerade völlig im Lernen von MedSoz auf. Es ist hochinteressant, ich kann es auf ettliche Lebensbereiche anwenden und es ist irgendwie philosophisch. Ich finde es interessant, dass sich Menschen damit beschäftigen, die Soziologen, und dass sie Konstrukte aufstellen mit denen sie versuchen menschliches Verhalten zu erklären mit dem Ziel, so nehme ich jedenfalls an, Veränderungen vornehmen zu können, um die Welt zu verbessern.

Da wahrscheinlich jeder irgendwie die Welt verbessern möchte ist es interessant, dass sich jemand Gedanken über Strukturen gemacht hat, nach denen zwischenmenschliche Interaktion stattfindet, wie Menschen ticken und was es braucht Menschen auf seine Seite zu ziehen, denn man muss ja irgendwie auch andere verbessern um die Welt zu verbessern oder besser, man muss ihnen die Möglichkeit geben sich selbst zu verbessern.

In einem Freiheitsstaat macht man das aber nicht mit Diktatur. Das funktioniert ja nicht. Alle Diktaturen sind gescheitert oder sie werden scheitern. Was gibt es da sonst noch?

MedSoz wird im 2. Semester gelehrt, die Vorlesungen werden sehr schlecht besucht, weil sie als allererstes morgens stattfinden, es ist nicht wirklich das, weshalb Menschen an eine medizinische Fakultät gehen, aber am allerschlimmsten ist, dass im 2. Semester auch Histologie gelehrt wird. Gewebslehre, wo man nur über Mikroskopen hockt, sich Gewebeproben anschaut von Organen, von denen man noch nicht mal weiß wo die sitzen, weil Anatomie erst im 3. Semester dran ist. Man malt diese Strukturen ab und lerne abstrakte Worte auf Latein auswendig und Hormone von denen man nicht weiß was sie machen, weil man Biochemie und Physiologie noch nicht hatte. Mit anderen Worten: Histo ist schwer, umfasst viel Stoff, man hat regelmäßig Testate und man legt seinen Schwerpunkt darauf statt auf MedSoz.

Und jetzt bin ich völlig gefesselt davon, weil ich mich erstmals sehr intensiv damit auseinadersetzte es begreife, erkenne welche Relevanz es für mein Privatleben, aber auch auf meine zukünftige Tätigkeit als Arzt und meine jetzige Tätigkeit als Blogger hat.

65% aller Menschen sterben entweder an Krebs oder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ich bin mir sicher, dass kein Mensch auf dieser Welt diese Krankheiten bekommen möchte. Die häufigste Ursache für alle beiden Erkrankungen ist fehlerhafte Ernährung. Also, was, zum Geier, soll man ändern und diese Todesursachen zu vermeiden? Oder sie zumindest in ein sehr, sehr hohes Alter zu verschieben und das Leid, das diese Krankheiten verursachen, zu mindern?

Die Soziologen haben ein Konstrukt erstellt nach welchem Menschen für ihre Gesundheit sorgen bzw. sorgen könnten. Eine Tabelle, die in der horizontalen Spalte folgendes enthält

- Fähigkeit Gesundheitsinformationen zu finden
- Fähigkeit Gesundheitsinformationen zu verstehen
- Fähigkeit Gesundheitsinformationen zu bewerten
- Fähigkeit Gesundheitsinformationen umzusetzen

In der vertikalen Spalte sind aufgeführt: Prävention, Therapie und Gesundheitsvorsorge. Alles in der horizontalen Spalte lässt sich auf die jeweilige vertikale Spalte beziehen.

Ich hab am Wochenende mal wieder eine Facebook-Diskussion mit einem omnivoren 100%igen Rohköstler geführt, der immer wieder darauf rum hackte, dass vegane Ernährung nicht richtig für den Menschen sein kann, weil es ja keine Naturvölker gibt, die sich vegan ernährt haben. Ich glaube  aber auch, dass dieser Mensch sich so vehement gegen Veganer ausspricht, weil er selber mal vegane Rohkost probiert hat, damit gescheitert ist und von vielen Veganern angegriffen wurde, weil er nicht mehr vegan ist. Mit omnivorer 100%iger Rohkost geht es ihm seit mehr als 10 Jahren sehr gut und er glaubt den Stein der Weisen gefunden zu haben und versucht jeden Menschen davon zu überzeugen. Er weiß ne Menge über Ernährung, nur stimmt ca. 70% davon nicht. Er hat damit Gesundheitswissen gefunden, welches keine wissenschaftliche Grundlage hat. Wie bei der Eiweißspeicherkrankheits-Theorie sind auch hier alle Fakten verdreht, Ursachen auf falsche Gründe zurück geführt, was Denaturierung bedeutet weiß er gar nicht, wirft mit dem Begriff aber um sich und mir fällt es schwer ihn mit wissenschaftlichen Argumenten zu begegnen, weil die einfach nicht in sein Konzept passen, dass er sich in den letzten 10 Jahren aufgebaut hat. So verbreitet auch er, dass Fleischessen gesund sei, diese Erfahrung hat er schließlich selber gemacht, als er die vegane Ernährung ablegte und argumentiert, wie die Paleo-Szene, damit, dass der Urmensch ja auch Fleisch gegessen habe. Wenn man sich aber mal die Lebenserwartung in der Steinzeit anschaut stellt man fest, dass diese bei Durchschnittlich 21 Jahren lag. In der Steinzeit wurde man nicht alt, weil man erfroren, verhungert oder verdurstet ist, oder weil man von einem Raubtier gefressen wurde. Wenn man aber als Steinzeitmensch bis zu seinem 50 Lebensjahr so weiter gegessen hätte, hätte man Artherosklerose bekommen und damit auch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das ist die eine Theorie. Die andere Theorie ist, dass selbst in der Steinzeit gar nicht so viel Fleisch gegessen wurde, wie ursprünglich immer behauptet. Es war halt wissenschaftlich immer leichter bei Ausgrabungen Funde von tierischen Mahlzeiten wie Knochen zu finden. Rückstände von pflanzlicher Nahrung findet man erst neuerdings durch die Verbesserung der Technologie in der Forschung.

Schlussendlich spielt das aber keine Rolle, denn bisher hat nur eine einzige Ernährung Artherosklerose jemals wieder rückgängig machen können. Ach was, nicht nur eine einzige Ernährung, es gibt nur eine einzige Möglichkeit überhaupt, in der gesamten Medizin, Artherosklerose rückgängig zu machen, nämlich Dr. Ornish' Programm. Kein einziges Medikament wurde jemals entwickelt, dass Ablagerungen in den Gefäßen wieder beseitigen kann und wenn es mal jemand erfinden sollte, wird dieser Mensch, bzw. dieses Pharmaunternehmen das reichste der gaaaaanzen Welt! Cholesterinsenker sind jetzt schon die am meisten verkauften Medikamente.

Es ist mir also völlig egal, was in der Steinzeit vielleicht passiert ist oder nicht passiert ist. Wichtig ist, dass es eine Möglichkeit gibt, die noch nicht mal Kostenaufwendig ist, die schlimmste Todesursache der westlichen Welt zu beseitigen!

Also zurück zu dieser Tabelle. Gesundheitsinformationen zu finden geht noch relativ leicht. Die meisten Leute kriegen das so nebenbei hin. Durch das Internet, das Fernsehen, die Tageszeitung etc. Wenn ihr hier lest seid ihr schon mal in der Lage Gesundheitsinformationen zu finden.

Aber wie sieht es damit aus sie zu verstehen und sie zu beurteilen?

Sobald ich anfange irgendwelchen Biochemie-Kram von mir zu geben, können mir die meisten Leser wahrscheinlich schon nicht mehr folgen. Ich hätte es vor meinem Medizinistudium jedenfalls nicht gekonnt. Wenn man also keine Biochemie gelernt hat, wie soll man dann Gesundheitsinformationen verstehen? Wie soll man sie beurteilen? Es kann doch nicht jeder Mensch eine medizinische Fakultät besuchen!

Und damit sind wir dann leider bei dem Aspekt des Vertrauens. Auch darauf gehen die Soziologen ein, wie ich im letzten Posting schon schrieb. Vertrauen mindert Unsicherheit und damit Stress und damit die Ausschüttung von Stresshormonen und damit bewirkt es ein besseres Immunsystem. Damit sind wir bei der Arzt-Patienten-Kommunikation und damit beim Göttertum in Weiß!

Wenn ich, in der Vergangenheit, Gesundheitsinformationen nicht verstanden habe, habe ich zu Rate gezogen, wer die Person ist, die sie vorträgt und darauf geachtet wie sie sie vorträgt. Dazu muss man aber auch erstmal Vergleiche erstellen. Ein Franz Konz wirkt vielleicht erstmal durch seinen niederträchtigen Ton so, als müsse man auf ihn hören. Viele Leute kannten derartige Töne vielleicht aus ihrer Kindheit, oder von ihrem Chef und sind dann „folgsam“. Im Vergleich dazu sehe ich dann aber Dr. Robert Lustigs Video Sugar – The bitter Truth, der dann nicht niederträchtig ist, sondern sich 20 Minuten mit Biochemie beschäftigt, tausend kleine Reaktionsschritte erklärt, die ich nicht verstehe, aber dennoch überlege ich: Wenn der das bis in so kleinste Details erklären kann, dann muss da ziemlich viel dran sein.

Bei Dr. Lustig ist mein Vertrauen daher also erstmal größer. Außerdem ist Dr. Lustig Mediziner und nicht Steuerprüfer, wie Franz Konz. Ich habe mir u.B. auch nie die Mühe gemacht mich näher mit der China-Study zu beschäftigen und weiß nicht ob an der Kritik von Denise Minger irgendwas dran ist. Hier setze ich auch wieder mein Vertrauen in T. Colin Campbell, weil mich sein Lebenslauf beeindruckt: Auf einer Milchfarm groß geworden, dann Biochemie studiert in einer Zeit als man dachte, Protein sei der wichtigste Nahrungsbestandteil, für die Industrie gefoscht um Protein auch armen Bevölkerungen in Südamerika zukommen zu lassen, aus versehen raus gefunden, dass Krebs mit bestimmten tierischen Proteinen in Verbindung besser gedeiht. Dann hat er an der Cornell University Biochemie und Ernährung gelehrt und sich dann erst, als er die Gelegenheit hatte eine riesige Feldstudie in die Finger zu bekommen, mit den epidemiologischen Zusammenhängen von Lebensweise und Krebs auseinandergesetzt (Wobei die Soziologen auch darauf hinweisen, dass es in Studien zu Beobachtungs-, Auswertungs- und Interpretionsfehlern kommen kann und von so was kann sich sicherlich niemand frei sprechen, auch wenn man es versucht). Jetzt ist Campbell 80 Jahre als, hat sich seit 55 Jahren mit allen Facetten der Biochemie beschäftigt, und ich vertraue ihm.

Ich nehme an, dass das für meine Leser ähnlich funktioniert, jedenfalls habe ich, seit ich über Biochemie berichten kann, keine Hater mehr. - Blogger haben häufig Hater, besonders solche, die auch viel Persönliches von sich preisgeben. Das sind Kritiker, die in den Kommentaren ihre Meinung ablassen und man kann sehr schnell unterscheiden ob es sich dabei um einen Hater handelt oder um einen wohlgesonnenen Leser, denn Hater werden sehr leicht herablassend und beleidigend und das spürt man schon innerhalb der Formulierung. Kommentare von Hatern habe ich irgendwann einfach nicht mehr veröffentlicht, weil es von Gesetz der Anziehung keinen Sinn macht sich damit zu beschäftigen. Außerdem: "What you think of me, is none of my business". Es sind alles nur Projektionen.

Jedenfalls habe ich keine Hater mehr, seit ich über Biochemie schreibe, weil es sehr schwer ist eine Naturwissenschaft zu beleidigen und als dumm hin zu stellen, besonders, wenn man sie selber nicht versteht. Der Respekt ist größer geworden und die Fähigkeit zu kontern ist gesunken.

Ich bemühe mich daher um euer Vertrauen. Auch indem ich biochemische Mechanismen erkläre, die ihr vielleicht nicht versteht. So was fördert in mir nämlich Vertrauen. Und tatsächlich muss man immer irgendwie und irgendwo Vertrauen aufbringen, denn man kann nicht alles über jedes Fachgebiet wissen. Nicht als Arzt und nicht in irgendeinem anderen Beruf. Wenn ich ein Auto in die Werkstatt bringe, muss ich auch drauf vertrauen, dass es ordentlich repariert wird. Leider. Ich tue mich auch schwer mit Vertrauen. Und ich schildere das, weil ich auch nur ein Mensch bin, der nicht alles weiß und wahrscheinlich sogar T. Colin Campbell nicht alles weiß, weil man, um mit Sokrates zu sprechen, je mehr man weiß auch nur erkennt, dass man zu wenig weiß...

Menü des Tages am 16. September

Guten Morgen Müsli von Rosengarten mit Hafermilch, Banane, Paranuss und Leinsamen



4 Grüntee

1 Banane

Provencale Pfanne von Davert mit zusätzlich Zwiebel, Paprika, Mais und Sojagranulat



Rest von der Pfanne
38 g Ombar Kokosmilch

Ja, ja, ich weiß....

Ich rede mir selbst ein, dass es ja nur noch 5 Tage bis zur Prüfung sind. Das Phänomen: „Morgen fange ich eine Diät an“ - Dennoch war es besser was die meisten Leute so essen.

Das Guten Morgen Müsli habe ich im Bioladen gekauft, als ich verschlafen hatte und nicht frühstücken konnte. Ich sage euch, es ist gesünder im Bioladen zu verschlafen als im Krankenhaus. Wenn man Frühschicht im Krankenhaus hat und verschläft, bleiben einem nur Weißmehlbrötchen mit Butter und Marmelade. Im Bioladen kann man Müsli mit Hafermilch erwerben. Deshalb fühlt sich die Tätigkeit im Bioladen so viel sinnvoller für mich an als die im Krankenhaus. Worauf ich hinaus wollte: Das Müsli ist nicht nur echt lecker, es hat auch Beeren mit drin für Antioxidantien und auf 100 g nur 3 g Fett. - allerdings Honig, welcher für strege Veganer abschreckend sein dürft.

Die Davertpfanne war auch ziemlich gut, besonders wahrscheinlich, weil ich sie noch mit Gemüse angereichert habe. Ohne das schmeckt mir selbst Biofertignahrung überhaupt gar nicht. Hat kein Aroma und keinen Geschmack. Das war was, was ich gekauft habe, für Zeiten in denen ich keine Zeit zum Kochen und Schnibbeln habe und diese Zeit war nie mehr als jetzt vor dieser mündlichen Prüfung.

Und wo ich bisher echt ne Menge Schiss vor der mündlichen Prüfung hatte, fange ich jetzt fast schon am mich darauf zu freuen, weil ich Soz. echt interessant finde, durch meine Ernährungsrecherchen viele Beispiele anbringen kann und weil ich und Biochemie sowieso totale Liebe ist!:-)
Ich bin so dankbar, dass mir der Staat ermöglicht mir all dieses Wissen gratis an zu eigenen, für die Steuerzahler, die diesen Studienplatz finanzieren, der sage und schreibe 200 000 € kostet und für das Bafög, was mir noch zusätzlich gewährt wird, damit ich auch mein Leben in der Lernzeit unterhalten kann.

Ach ja, a propos "Leben unterhalten": Das Abendessen fiel so aus, weil ich in den Bioladen gerufen wurde, weil eine Kollegin einen Fahrradunfall hatte und sich die Schneidezähne ausgeschlagen hat. Ich musste den Laden dicht machen und hatte als einzige Essensoption die Reste vom Mittagessen. Eigentlich wollte ich das Rezept machen, was heute in den Newsletter kommt, aber das muss jetzt bis heute Mittag warten...

Alles Liebe,

Silke


1 Kommentar:

  1. Wahrscheinlich hat der Urmensch Fleisch gefressen, weil ihm nix besseres einfiel. Heute sind wir doch besser dran. Dieses Rumgeistern in der Steinzeit oder bei indigenen Völkern sind doch nur rückwärtsgewandte Versuche den eigenen Tierkonsum zu rechtfertigen. Der Fleischkonsum ist nicht nur eine Gewohnheit, sondern hat auch ähnliche Eigenschaften wie harte Drogen: Wenn man einer Person Naloxon2 verabreicht, hat dies denselben Effekt wie bei einem Drogenabhängigen: Die Lust nach Fleisch (und Fisch) sinkt. Gilt wohl auch für Casomorphine.
    (Naloxon2 ist ein Opiat Antagonist.) Mein Vertrauen liegt bei Campbell, Ornish, Henrich und Co. und natürlich Deinem Blog. Viel Erfolg bei Deinen Prüfungen!

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