Dienstag, 10. Januar 2017

Ich hab den Bioladen verklagt...



Ich will euch heute mal ein Update geben, was nach der Kündigung im Bioladen diesbezüglich so passiert ist. Ich habe nämlich mehrere großartige Leser und Zuschauer da draußen, die sich weit besser mit Jura auskennen als ich und mir auf die Sprünge geholfen haben.:-) - Viele haben mich darauf hin gewiesen, dass eine fristlose Kündigung ohne Abmahnung absolut nicht rechtens sei, es sei denn man etwas gemacht, was dem Unternehmen vorsätzlich schadet, wie zum Beispiel Diebstahl. Die letzte fristlose Kündigung im Bioladen erfolgte z.B. weil eine Kollegin nach und nach mehrere tausend Euro gestohlen hatte. Damit ist meine Weigerung den Kunden aktiv Braten zu verkaufen natürlich nicht vergleichbar.

Eine Leserin und FB-Freundin von mir klärte mich nicht nur über die Möglichkeiten einer Klage und deren Finanzierung über Prozesskostenhilfe auf, sondern stellte auch den Kontakt zu einer Anwältin her, einer Frau Dr. des Arbeitsrechts, die dann ein Auge auf meinen Vertrag und meine Kündigung warf und wiederum einen Kontakt zu einem Arbeitsrechtler in Köln vor Ort herstellte, der ebenfalls einen Doktortitel hat und meistens Unternehmen vor Gericht vertritt. Mit diesem Herren habe ich mich dann letzte Woche getroffen und der hat Klage gegen den Bioladen eingereicht. Nicht nur auf regelrechte Kündigung sondern auch auf Abfindung.

Unternehmen mache es sich wohl häufig, besonders in Bezug auf 450€-Kräfte leicht, diese einfach nicht fristgerecht zu kündigen, weil sehr häufig eben keine Klage kommt und weil man 450€-Jobs auch recht leicht wieder findet. Außerdem sind die meisten Leute wohl nicht über die Prozesskostenhilfe informiert, die man beantragen kann, wenn man keine Rechtschutzversicherung und nur ein sehr geringes Einkommen hat. Ohne diese Aufklärung in Sachen Jura, hätte ich mir aber sicherlich auch nicht die Mühe gemacht mich zu wehren und es einfach so hin genommen. Der Staat kann das Geld aber auch im nachhinein bis zu 4 Jahren zurück fordern und es könnte schon sein, dass mir das passiert, sollte ich verlieren und sollte ich in 4 Jahren als Arzt gutes Geld verdienen.

Das ist es mir aber in jedem Fall wert, da es in meinem Fall moralisch darum geht, dass das Unternehmen versucht den Kunden zu verkaufen, dass sie an Umwelt- und Tierschutz interessiert seien, sich besonders an Kunden wendet, die gesundheitsbewusst sind, aber dann keinen Respekt für Angestellte haben, die diese Werte tatsächlich haben. Und sich diesen Angestellten gegenüber dann auch noch rechtswidrig verhalten...das geht alles, für ein Unternehmen, dass sich als Weltverbesserer fühlt, gar nicht.

Laut Anwalt kommt es da dann wohl ca. in einem Monat zu einem Termin vor Gericht und dann schauen wir weiter.

Am Samstag war ich dann bei meiner Kommilitonin zu Gast, deren Ehemann kürzlich einen Herzinfarkt hatte. Auf meine Empfehlung hin, hatte sie sofort das Buch Essen gegen Herzinfarkt: Das revolutionäre Ernährungskonzept von Dr. Esselstyn gekauft und es ihrem Mann zu lesen gegeben. Der war dann sofort Feuer und Flamme und hat bereits im Krankenhaus schon aufgehört irgendwas Ungesundes zu essen, Ich war jetzt eingeladen um ein bisschen zu erzählen was ich so darüber weiß und wir haben gemeinsam Mittagessen gekocht - Linsenbolognese mit Vollkornspaghetti - es hat allen gut geschmeckt und meine Kommilitonin isst ziemlich solidarisch mit ihrem Mann mit.

Sie ist die letzte in meinem Uni-Freundeskreis, die noch Fleisch isst. Eine weitere Kommilitonin lebt vegetarisch und eine dritte zuhause vegan und draußen auch mal vegetarisch. Und so habe ich aktuell mal wieder das Gefühl, dass sich da draußen doch was tut und dass sich, zumindest unter zukünftigen Ärzten ein Wissen darüber verbreitet.

Bei den Fragen, die ihr Ehemann hatte, ging es hauptsächlich darum, dass von offizieller Seite immer Öl und Nüsse empfohlen werden, aber Esselstyn zu kompletten Fettverzicht rät. - Ich bin mir nicht sicher, warum das so ist, aber meine Vermutung ist auch hier, wie bei den Empfehlungen der DGE, dass dem Menschen einfach nicht zugetraut wird eine "zu restriktive" Ernährung durchzuziehen und dass befürchtet wird, dass sie sich dann gar nicht verbessern. Das halte ich aber für falsch, weil es einer Bevormundung des Patienten gleich kommt. Klar, Nüsse und Öle sind besser als gesättigtes Fett und Cholesterin in der Nahrung und sie heben sogar den HDL-Spiegel, aber mit ihnen kriegt man den LDL Spiegel auch nicht so niedrig, wie er nach einem Herzinfarkt sein sollte. Man muss sich halt einfach darüber im Klaren sein, dass, je strenger die Ernährung, desto weniger Medikamente kann man nehmen.

Menü des Tages am 8. Januar

Brokkoli (hab vergessen Tomaten einzukaufen)


Haferflocken mit Banane, Zimt, Leinsamen, Carob, Kaki


Restliche Gemüsepfanne vom Vortag mit zusätzlich Zucchini und Knoblauch


1 Mandarine


Eintopf aus Hirse, Linsen, Zucchini, Zwiebel, Gewürze + 1 Mandarine



Heute sind dann die Semesterferien vorbei und die Uni geht noch satte 3 Wochen bis dann auch dieses Semester, bis auf Klausuren, vorbei ist. Und dann noch zwei Semester und das Studium ist rum. In der Vorklinik sah es so aus, also würde das Studium quasi für den Rest des Lebens dauern.;-) Aber die Klinik geht dann, doch um einiges schneller vorbei als man denkt.

Alles Liebe,

Silke


Kommentare:

  1. "dass das Unternehmen versucht den Kunden zu verkaufen, dass sie an Umwelt- und Tierschutz interessiert seien"
    Das tun die ja tatsächlich (!) "Spendenaktion für Tiere" veranstalten, groß damit werben, und dann in Massen schlachten lassen. Junger Vatter, moralischer Konflikt, aber auf jedenfall Imageschaden! Ich hoffe die lernen und lehren daraus.

    Ein Kündigungsgrund wars auf keinen Fall! Lass dich auszahlen!

    AntwortenLöschen
  2. Ich bin seit 12 Jahren in der Gastronomie selbständig und hab die Erfahrung gemacht, dass MA erstmal alles dürfen. Nicht zur Arbeit kommen ,krank sein nach belieben und nur die schönen Arbeiten machen. Ich bin aus diesem Grunde sicherlich nicht mehr der selbe Mensch wie 2004. Vor Gericht verliert der AG eigentlich immer. Trotzdem musste Ich in der ganzen Zeit nur einmal vors Arbeitsgericht. Der Grund liegt einfach darin, dass mind. 9 von 10 MA den Gang zum Anwalt scheuen , obwohl eigentlich immer was für sie rausspringen würde. Mir hat sogar die gleiche MA gleich zweimal nach Geschäftsschluss die Tageseinnahmen gestohlen und dann sogar noch beim zweiten mal einen Zettel hinterlassen, dass es ihr ja so leid tut aber sie bräuchte nunmal dringend Geld. Selbstredend habe Ich das Geld niemals wieder gesehen. Das arme Ding war leider in hArtz 4 usw. Mit einem cleveren Anwaltsfuzzie und einem Kuschelrichter geht sowas heute ohne weiteres klar. Ich will damit nur herausstellen, dass Unternehmen täglich mit Fehlverhalten von MA konfrontiert sind. Man ist nach einer Zeit durch nichts mehr schockiert. Also wird man in der Folge hart und oft vielleicht auch ungerecht. Meiner Frau hat eine MA mal ihre Uhr geklaut und auf die direkte Konfrontation hat sie das Teil einer anderen untergeschoben. Mich kann nix mehr schocken. Wenn eine sich nicht dem Arbeitsvertrag gemäß verhält stelle Ich sie ab sofort von der Arbeit frei und kündige zum nächstmöglichen Termin. Natürlich stelle Ich auch sofort die Zahlung ein, theoretisch müßte Ich sie bis zum Ende der Frist bezahlen egal ob Ich sie zur Arbeit einteile oder nicht. Dein AG hätte einfach nur eine fristgerechte Kündigung aussprechen müssen und alles wäre gut gewesen. Du wärst wahrscheinlich dann nicht zum nächsten Anwalt gegangen , sondern hättest die Kündigung einfach hingenommen und dir was neues gesucht. Die haben sich da taktisch unklug verhalten. Der Verstoß gegen den Arbeitsvertrag war ja da, dass kann keiner bestreiten. Ich kann nicht einen Job im Verkauf annehmen und mich dann beschweren , dass Ich Ware auch anbieten muss. Der richtige Weg wäre gewesen, DU hättest fristgerecht kündigen müssen. Du fühlst dich in dem Job nicht mehr wohl und suchst dir halt etwas anderes. Basta. Aber einen Aufstand machen und Unruhe unter den MA erzeugen sieht kein AG gern. Ich habe bis zur Selbständigkeit ungefähr 10 AG gehabt, man sieht also, bei mir lief es gewiss auch nicht immer rund . Aber Ich bin zum Anwalt gelatscht weil mir die Arbeit nicht passte , sondern hab gekündigt und mir was anderes gesucht. Oder gesucht und dann gekündigt.
    Nix für ungut. Zwischen Unternehmern und MA liegen leider unüberbrückbare Abgründe. Meine Erfahrungen werden auch von den meisten anderen Unternehmern die Ich kenne geteilt. Also Ich bin kein Sonderfall. Bei einem mir bekannten Unternehmer der Supplements verkauft ist ein MA mit Hilfe eines Nachschlüssels nach der Kündigung , die er Wegen illegaler Geschäfte innerhalb des Hauses bekam, einfach nachts in den Laden und hat für 9000€ Ware mitgehen lassen. Alles gerichtsfest.

    AntwortenLöschen
  3. Wie auch immer, die Kündigung war jedenfalls nicht Rechtens. Und wer die Auseinandersetzung mit Angestellten nicht hinbekommt, sollte besser nicht Unternehmer werden und auch keine selbstmitleidigen Kommentare schreiben.

    AntwortenLöschen