Sonntag, 22. Januar 2017

Ab wann ist Esssucht Esssucht?



Ich hatte letzte Woche Praktikum in der Psychiatrie und hatte mich eigentlich darauf gefreut, weil ich dachte, es wäre vielleicht so ähnlich wie das Praktikum in der Psychosomatik. Dem war aber nicht so.

Der ein oder andere Leser weiß es viellicht schon, ich wurde in den letzten Tagen auch mehrfach auf YouTube dazu befragt, ich möchte meinen Facharzt in Psychosomatik machen. Hauptsächlich, weil die Essgestörten von Psychosomatikern betreut werden, aber auch weil man sich in der Psychosomatik mehr Zeit für Patienten nehmen kann, weil die Diagnose weniger über Untersuchungen als über Gespräche erfolgt, was mir liegt, weil ich gut in Empathie bin und auch weil man da weniger kaputt machen kann als z.B. in der Chirurgie.;-) - Abgesehen davon habe ich mich schon immer für die Psyche interessiert und könnte es mir auch sehr gut vorstellen Psychologie zu studieren. Als Psychosomatiker ist man sowohl Arzt als auch Psychotherapeut und das sagt mir zu,

In der Psychiatrie war es aber doch anders, da die Menschen andere Krankheitsbilder haben. Besonders wahnhafte Störungen oder Halluzinationen zeichnen die Psychiatrie gegenüber der Psychosomatik aus. Depressionen findet man in beiden Bereichen. Aber Patienten auf der geschlossenen Station einer Psychiatrie sind nun mal eine ganz andere Nummer als psychosomatisch Erkrankte.

Obwohl das Praktikum also nicht so toll war wie das in der Psychosomatik, habe ich doch interessante Dinge gelernt. Zum Beispielt, dass psychische Erkrankungen ja häufig einfach nur Übersteigerungen völlig normaler Gefühle sind. Trauer oder Niedergeschlagenheit kennt jeder. Eine Depression ist eine übertriebene, eigentlich normale Gefühlsäußerung. Ängste kennt auch jeder, aber wenn es zu einer Phobie wird, welche es einem unmöglich macht am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, ist es krankhaft.

Hinzu kommt dann natürlich auch, dass es nicht einfach nur krank und gesund gibt, sondern auch Übergänge zwischen krank und gesund. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich begegne schon in regelmäßigen Abständen Leuten, entweder im richtigen Leben oder online, bei denen ich das Gefühl habe, dass die sie nicht alle haben. Also habe ich den Prof. gefragt, woran man den fest macht ob etwas krankhaft ist oder nicht. Darauf erklärte er, dass entscheidend sei ob der Patient einen Leidensdruck verspürt und ob er durch sein Verhalten sich und/oder anderen schadet.
Theoretisch könnte also jemand da draußen rum laufen, nicht unter seinem Verhalten leiden aber dennoch psychisch krank sein. - Das macht mir Angst.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich wollte in diesem Post eigentlich darauf hinaus, dass ich völlig von dem Thema Essstörung und Esssucht fasziniert bin, weil ich das Gefühl habe, dass auch Otto Normalverbraucher mit Übergewicht eigentlich genau das selbe Problem hat. Wie ich oben schrieb, gibt es nicht nur krank oder gesund, sondern eben auch Stufen dazwischen und ich denke nicht, dass jemand 5 Tafeln Schokolade bingeeaten muss um als essgestört oder esssüchtig eingestuft zu werden. Wenn es darum geht, dass jemand unter seiner Situation leiden muss, damit diese als pathologisch eigestuft werden kann, ist dann nicht auch jeder Übergewichtige krank, der seine Ernährungsweise nicht umstellen kann und daruntern leidet, dass er es nicht kann? Auch wenn er/sie täglich nur eine Tafel Schokolade isst und nicht fünf?

Ich habe zufällig einen Betrag von 3Sat auf YouTube gesehen, welcher mit Essen als Sucht betitelt war. Ich bin immer wieder völlig fasziniert, wenn ich esssüchtige Menschen im Dokumentationen sehe, weil ich auf einer gewissen Ebene selber nicht begreifen kann, warum die nicht einfach ihre Ernährungsweise umstellen. Und gleichzeitig doch weiß, dass das bei ihnen wirklich nicht geht. Essen müssen ist genau so wie eine Zwangshandlung ausführen zu müssen.


Fatalerweise suchen die beiden Patienten, die in dieser Doku auftreten, schlussendlich einen Adipositaschirurgen auf um sich den Magen verkleinern zu lassen und ich bin bis heute nicht in der Lage zu begreifen, warum das sinnvoll sein soll. - Die Patienten können dann für den Rest ihres Lebens nicht mehr richtig essen und müssen alle möglichen Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Und in diesem Beitrag wird sogar gesagt: "Die Sucht ist dann immer noch da" - Ich finde diese Maßnahme ungefähr so, wie einem Kokser die Nase zu zu nähen. - Vielmehr sollte der Patient Strategien entwickeln wie er Kraft seines logischen Denkens die Sucht austricksen kann.

Naja, es ist ein leichterer Weg, nehme ich an. Vielleicht auch ein schnellerer. Aber ein gesundes Organ fast komplett zu enfernen, kann keine gute Idee sein.

Menü des Tages am 21. Januar 2017

Brokkoli und Paprika


Haferflocken mit Banane, Carob, Leinsamen, Zimt, Muskat und Ananas


Zucchini mit Knoblauch, Kichererbsen und Reis


2 Sharonfrüchte



Brokkoli mit Knoblauch, roten Linsen und Reis


1 Banane



Die Challenge ist seit gestern rum und ich denke ich bin dann auch mal wieder froh, dass sie rum ist. Diese Challenge war erschwert, weil ich echt auf mein Geld geachtet habe. Seit der Bioladen mich gefeuert hat und ich mich entschieden habe mein Geld selbstständig online zu verdienen, bin ich mit Geld wesentlich vorsichtiger. Ich kann mich ja nicht mehr garantiert darauf verlassen, dass wirklich immer die selbe Summe Geld rein kommt.;_) Und natürlich habe ich dann jetzt auch weniger Geld. Vorher hatte ich Geld aus dem Bioladen und aus meiner Online-Tätigkeit. Jetzt nur noch aus der Onlinetätigkeit (und Bafög).

Ich komme garantiert mit meinem Geld zurecht, wenn ich täglich nicht mehr als 5€ ausgebe. Das habe ich mir zum Ziel gesetzt und damit zu challengen ist gar nicht leicht. Alles was billig ist, ist in der Challenge nicht erlaubt (und auch nicht gesund). Wahrscheinlich habe ich etwa 7 € pro Tag ausgegeben. Erschwerend hinzu kam auch, dass derzeit Winter isst und man in der Challenge ca. 1 kg Gemüse am Tag essen soll und Gemüse ist momentan sauteuer. Und dann bin ich ja auch noch Zero Waste! - Dafür war 7 € ganz ok.

Also bin ich froh, dass es jetzt auch wieder Brot geben darf. Brot ist billig.:-)

Alles Liebe,

Silke


Kommentare:

  1. Mal wieder ein sehr interessanter Artikel! Der Vergleich mit der zugenähten Nase ist klasse, den werde ich mir merken. An sich ist so eine Magenverkleinerung ja mal wieder ein Beispiel für eine typische Symptombehandlung...

    Auch wenn du nicht langfristig in einer Klinik arbeiten willst: in einer der Heiligenfeld Klinik könnte ich mir dich gut vorstellen. Dort würdest du auf Menschen treffen, die klare Worte brauchen, durchaus eine Herausforderung darstellen können, aber oft nach einer Weile sehr offen für Behandlungen jeglicher Art sind. Zudem ist in diesen Kliniken Challenge-taugliche Ernährung möglich und viele Patienten sind nach ein paar Tagen / Wochen richtig angetan :-)

    Und zum Gemüse: Mir ist Brokkoli leider immer viel zu teuer, den gibt es doch in Bioqualität selten unter 4€/kg... :-( Ich esse dafür sehr viel Weiß- oder Rotkohl, der kostet konventionell meist nur 1€/kg und im Bioladen gibt es ihn im Winter auch oft für unter 2€/kg. Ist bei dir aber eher selten dabei, woran liegt das? Geschmacksache oder keine besonders gute Nährstoffbilanz? =)

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    1. Danke. Brokkoli ist meines Erachtens zwar das gesündeste Nahrungsmittel der Welt aber Rotkohl ist auch echt nicht meins. Ich denke Rotkohl und Sauerkraut, war das einzige Geüse, was es in meiner Kindheit gab. Darum.

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  2. Was waren nochmal die Besonderheiten beim Brokkoli? Ich vergesse es immer wieder und kann es spontan nicht finden. Irgendwann hatte ich schonmal nach Alternativen gesucht (eben weil Brokkoli so teuer ist und mir gar nicht so gut schmeckt) und kam auf Fenchel als Alternative mit ähnlicher Nährstoffbilanz. Passt das?

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    1. Brokkoli ist quasi wie Feldsalat, nur dass man wesentlich mehr von ihm essen kann. Er enthält viel Eisen und Kalzium Eiweiß, wenig Kalorien und viel Omega 3.

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    2. Dann liege ich ja richtig :-) Für Brokkoli finde ich 0.7mg Eisen / 47mg Kalzium. Gut mithalten kann Fenchel mit 0.7 / 49, Spinat mit 2.7 / 99 oder auch Rosenkohl mit 1.4 / 42. Ebenso Endiviensalat mit 0.8 / 52, Rucola mit 1.5 / 160 und wie du sagst Feldsalat mit 2.2 / 38, aber diese isst man natürlich wirklich eher in geringeren Mengen...

      Kennst du diesen Laden: http://www.the-good-food.de ?

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  3. Liebe Silke

    Vielleicht findest du diesen Artikel bezüglich Essstörungen und Esssucht noch interessant: https://www.edinstitute.org/blog/2012/10/31/bingeing-is-not-bingeing?rq=Overeating

    Falls du ihn dir anschaust, würden mich deine Gedanken dazu wundern :-)

    Herzlichst,
    Manon

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