Sonntag, 20. November 2016

Glaub' nicht alles, was du im Internet liest, sondern hinterfrage es.


Ich leide immer noch unter den Nachwehen der Präsidentschaftswahl, da sich ja die Medien immer noch damit beschäftigen, warum es dazu gekommen ist und was in der Welt los ist. Ich kann verstehen wo das her kommt.

Da die Medien ja häufig in Großstädten angesiedelt sind die größtenteils eben nicht Republikaner wählen, wissen sie nicht, was auf dem platten Land ab geht. Und auch weil viele Experten überhaupt keine Ahnung haben, wie Laien ticken. - Mir fällt das immer auf, wenn ich Ärzte mit Patienten über Ernährung kommunizieren höre. Ärzte haben nämlich keinen Schimmer, woher die Patienten ihre Ernährungsinformationen so beziehen und auf welchem Wissensstand die sind. Sie haben keinen Schimmer, dass im Internet Geschichten rum geistern, die eine Ernährung mit Vollkorngetreide mit den Nazis in Verbindung bringt, sie haben keine Ahnung, dass es sowas wie eine Rohkostideologie gibt und wie deren Anhänger ihre Ernährungsweise begründen, sie glauben, dass Patienten schon wissen, was die Worte "Gesunde Ernährung" bedeuteten. Wissen sie aber nicht. Und so geht unglaublich viel Information innerhalb der Kommunikation verloren.

Ich habe mit diversen Leuten auf Facebook Sachverhalte bezüglich der Präsidentschaftswahl diskutiert und immer, wenn ich nach Quellen gefragt habe, auf die sich ihre Position gründet, kamen Websites wie sott.net, KenFM oder Russia Today als Quellen welche unter anderem zum Beispiel behaupte, dass Bill und Hillary Clinton pädophil wären. - Das klingt für jeden Otto Normalverbraucher wahrscheinlich wie totaler Irrsinn, aber manche Leute glauben das. Man kann bei Wikipedia nachschlage, was genau diese Websites sind und dort heißt es dann sie seien voll mit Verschwörungstheorien, Esoterik und rechter Propaganda, Russia Today wird zum Beispiel direkt von der Russischen Regierung finanziert. Und wenn man den Leuten, die das glauben, dann mit dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag kommt, erklären sie, dass Wikipedia auch nur Teil der gleichgeschalteten Massenmedien sei und alles was da stünde gelogen ist. - Ich mein, eigentlich braucht man eh kein Wikipedia. Das diese Seiten nicht seriös sind. erkennt man an der Darstellungsweise. Es gibt nämlich nie Quellenangaben und die Anschauung ist nie differenziert und stets generalisiert. Aber ich nehme an, wenn man kein Feingefühl dafür hat, weil man keine Erfahrung hat, sieht man diese Dinge nicht. Und das ist ein Problem. Wenn alles, was man jemandem an Wissenschaft vorlegt, was seine Position entkräften könnte als Verschwörung der Massenmedien und als Massenspychologie tituliert wird, dann haben wir gar nichts, was wir vorbringen können um Menschen Wissen und Wahrheit nahe zu bringen. Und das Argument, dass Wissenschaft immer nur der aktuelle Stand der Dinge ist, reicht zu Entkräftigung nicht aus. Wissenschaftler differenzieren nämlich immer und niemand, der jemals eine Studie durchgeführt hat, hat je behauptet, dass seine Studie ausreicht um eine entgültige Aussage zu treffen. Verschwörungstheoretiker haben allerding IMMER eine entgültige Aussage und keine einzige wissenschafltiche Bestätigung. Es ist echt zum Heulen und ich hab keinen Schimmer, wie man das Problem lösen soll als damit, dass man das Internet zensiert, was natürlich nicht geht, weil wir ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben. Aber wenn mazedonische Teenager raus finden, dass sie Adsense Kohle damit machen können, indem sie möglichst skandalträchtige Storys über die Clintons veröffentlichen, auf die die Trump Wähler so scharf sind, dann geht es in der Welt nicht mehr mit rechten Dingen zu. Erst dann wieder, wenn wirklich jeder in der Lage ist wissenschaftlich Fakten zu checken.

Jedenfall gibt es solche Dinge halt auch immer in der Ernährung und genau wie Politik läuft auch da vieles über Facebook. So postete Matt Monarch von der Raw Food World dieses Foto.



Toll, oder? Cashews funktionieren genau wie Prozac, so zeige eine Studie. Nur nirgendwo findet sich diese Studie. Ich hab sie auch auf der Seite nicht gefunden, die das Foto ursprünglich ins Netz gestellt hat. Ich hab sie auch beim googlen nicht gefunden. Auch in Pubmed nicht unter den Stichworten "Cashews/Prozac" - Aber wenigstens habe ich irgendwo im Internet dann die Wirkungsweise der Wundercashews gegen Depressionen gefunden. 75 g Cashews enthalten nämlich 2000 mg Tryptophan, die Aminosäure, die der Vorläufer des Zufriedenheitsbotenstoffs Serotonin ist. Sprich es liegt am Eiweiß und Cashews sollen besonders gute Tryptophanquellen sein. Aber 100 g rohe Linsen haben die selbe Menge Tryptophan, dafür aber wesentlich weniger Fett und wesentlich weniger Kalorien. Sie sind auch viel billiger als Cashews. Und somit könnte dieses Fotos stimmen, aber nicht, weil es Cashews sind. Und ob es tatsächlich eine Studie mit Cashews und Prozac gibt, wage ich zu bezweifeln.

Eine weitere Halbwahrheit wurde mir gepostet, nachdem ich in meinem Herpes Video davon abgeraten habe Kokosöl zu essen, weil es weder essentiell noch gesund ist. Jemand schriebt mir, dass Kokosöl allerdings doch gesund sei, denn es würde ja Erfolge mit Kokosöl bei Alzheimer geben. Ich hab nach der entsprechenden Studie gefragt und es kam keine Studie sondern ein Beitrag auf der Seite www.kokosoel.info. Hier wird sehr wage etwas über den Entdstehungdmechanismus von Alzheimer berichtet, keine einzige Studie, auf die sich die Behauptungen stürzten verlinkt und behauptet, dass bei Alzheimerpatienten, das Gehirn nicht mehr in der Lage ist Glucose als Energiefieferant zu nutzen. Deshalb müsse man Kokosöl essen, weil dieses vom Körper in Ketone umgewandelt werde und das Gehirn ja Ketone zur Energiegewinnung nutzen kann. Abgesehen davon, dass die Pathogenese von Alzheimer wesentlich komplizierter ist und auch genetische Faktoren eine Rolle spielen, ist mir absolut nicht klar, warum die noch bestehenden Gehirnzellen keine Glucose metabolisieren können sollten, noch, warum die Leber aus Kokosöl Ketone herstellen sollte, wenn man nicht in Ketose ist. - Sollte es tatsächlich so sein, dass das Alzheimer Gehirn keine Glucose verwenden kann, müsste man eine ketogene Ernährung anstreben, damit Kokosöl genutzt werden könnte. Aber dann kann man auch jedes andere Fett nehmen. Die Leber wandelt alles Fett in Ketone um, wenn der Körper keine Glucose bekommt. - Es gibt tatsächlich Ansätze bei neurodegenerativen Krankheiten ketogene Ernährungsweise anzuwenden, das findet man auch in PubMed, aber warum sollte jemand, der keinen Alzheimer hat so essen? Das ist die selbe Frage wie bei Epilepsie, die auch recht gut auf ketogene Ernährung an spricht. Nur weil etwas bei einer fatalen Erkrankung die Symptome lindert heißt das nicht, dass man davon keine anderen Erkrankungen bekommt, noch, dass man diese Erkrankung nicht entwickeln wird. Es spielt nämlich noch viel viel mehr da rein.

Leider muss ich aber auch gestehen, das auch mir schon mal passiert ist, dass ich irgendwas im Internet geglaubt habe ohne mit die Quellen an zu schauen. Meistens dann, wenn die Aussage in mein Weltbild passt. Hinterfragen tue ich Dinge, die nicht passen und stelle fest, dass Bullshit erzählt wird. Ich fürchte allerdings, wir müssen alle die Fähigkeit entwickeln immer alles zu hinterfragen, egal ob es uns gefällt oder nicht, sonst kommen wir wohl zu keiner objektiven Einschätzung.

Menü des Tages am 19. November 2016

Brokkoli und Tomaten


Haferflocken mit Chia, Banane, Erdnussmus, Zimt, Carob, Kaki


Fitness-Tofu-Brötchen im Bioladen und Kaffee mit Sojamilch

Brötchen mit Tomate und Avocado


Banane mit Ernussmus


1 Banane

Veganer Burger mit Süßkartoffelfritten


Heidelbeer-Mojito


Gestern war Weihnachtsfeier im Bioladen und es war das erste Mal in 4 Jahren, dass ich nicht die einzige Person war, die kein Fleisch gegessen hat. Es wird! - Mindestens eine Person außer mit hat noch vegan gegessen und eine weitere vegetarisch.

Alles Liebe,

 Silke


1 Kommentar:

  1. da passt auch wunderbar die sache mit der "schokolade hilft beim abnehmen"-studie zu: http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/diaet-fake-studie-behauptet-schokolade-macht-schlank-a-1035685.html

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