Dienstag, 23. Februar 2016

Steigert High Carb das Brustkrebsrisiko?



Mir hat am Wochenende jemand eine Studie zukommen lassen und mich gebeten mich dazu zu äußern. Dabei handelte es sich um jemanden, der derzeit nach McDougall lebt, aber derzeit Bedenken bekommt, weil sich die Belege zu häufen scheinen, dass eine High Carb Ernährung nicht das Non Plus Ultra sei. Ein Beleg sei diese Studie.

Bevor ich aber auf die Studie eingehe möchte ich noch mal kurz darauf eingehen, wie ich den Sachverhalt mit dem Non Plus Ultra empfinde, denn es stimmt, dass momentan auch z.B. in Facebook Starch Solution Gruppe vermehrt Leute erzählen, dass sie sich mit mehr Fett besser fühlen, wobei ich da nicht genau weiß, was jeder einzelne unter "sich besser fühlen" und "mehr Fett" versteht.

Es ist, aus wissenschaftlicher Sicht, absolut kein Thema mehr Fett zu verzehren, als McDougall "suggeriert" dass man mit seiner Ernährung aufnimmt. Er sagte mal in einem YouTube Video, dass man mit seiner Ernährung auf 8% Fett kommt. Das mag sein, wenn man absolut keine Nüsse und hauptsächlich Kartoffeln isst. - Ich komme mit der Challenge-Ernährung auf 12-15% Fett. Es ist hingegen aber auch absolut nicht verwerflich auf 20-25% Fett in seiner Ernährung zu kommen und dabei auf Omega 3 zu achten. Und wenn jemand sich mit 25% Fett besser fühlt als mit 8% dann kann er ohne in den Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Hypercholesterinämie zu rutschen 25% Fett essen. Man kann auch abnehmen mit 25% Fett, wenn man es mit den Kalorien nicht übertreibt. Viele Wege führen nach Rom, man darf nur nicht vergessen dass es gute und schlechte Fette, gute und schlechte Kohlenhydrate und gutes und schlechtes Eiweiß gibt. Viele Anhänger von High Carb essen ja allen möglichen Zuckerschrott und haufenweise Trockenfrüchte und denen ist damit genau so wenig geholfen wie Leuten die z.B. Atkins machen, aber das Thema hatten wir hier schon...

Also zu der Studie:

2004 erschien sie in Cancer Epidemioloy, Biomarkers & Cancer und wurde durchgeführt, weil die Hypothese bestand, dass ein hoher Kohlenhydratverzehrs aufgrund seiner hohen Insulinausschüttung und der Produktion von Insulin-like-Growth-Faktor 1 sowie ihren Einfluss auf die Östrogenverfügbarkeit zu einem höheren Brustkrebsrisiko beitragen könnte. Man hat 475 Frauen im Alter von 20-75 Jahren, die an Brustkrebs erkrankt waren,  als Probanden gewinnen können und eine Kontrollgruppe von 1391 Frauen, allesamt aus Mexiko City gewonnen und untersucht wie sich Kohlenhydratkonsum auf das Brustkrebsrisiko auswirkt. Dazu hat man einen Fragebogen zusammen gestellt, welcher insgesamt 116 Nahrungsmittel enthielt und die jeweilige Ankreuzoption wie oft am Tag man sie essen würde. Dabei zeigte sich, dass die Frauen, welche mehr Kohlenhydrate gegessen hatten ein höheres Brustkrebsaufkommen hatten als Frauen die weniger Kohlenhydrate aßen und dass die verzehrte Fettmenge keinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko hatte. Zudem zeigte sich, dass der Verzehr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren das Brustkrebsrisiko senkte.

Ich konnte innerhalb der Veröffentlichung keine Liste der Lebensmittel finden, welche man ankreuzen konnte, was schade ist. Ich hab keine Ahnung, ob man zwischen vollwertigen Kohlenhydraten und raffinierten Kohlenhydraten unterschieden hat. Was man gemacht hat war die unterschiedlichen Kohlenhydrate zu betrachten: Glucose, Fructose, Saccharose und Lactose, wobei besonders Fructose und Saccharose, das Brustkrebsrisiko erhöhten. - Haushaltzucker!

Man fand auch heraus, dass Frauen die mehr Ballaststoffe aßen wiederum ein geringeres Brustkrebsrisko hatten und legte den Schwellenwert bei 20 g pro Tag fest. Frauen mit mehr als 20 g Ballaststoffe am Tag hatten ein geringeres Brustkrebsrisiko. - Zum Vergleich, ich hab bei der Challenge im Januar ca. 80 g Ballaststoffe pro Tag gegessen...

Um ein möglichst objektive Ergebnis zu erzielen hat man Anpassungen vorgenommen für den BMI, für das Alter, für den Status bezüglich Menopause, ob davor oder danach, für die Kalorienmengen und für das genetisch bedingte Brustkrebsrisiko.

Nun wurde ich, wie gesagt, gefragt, was ich davon halte und das ist folgendes:

 Ich denke, in Bezug auf Biomarker, vor allem bezüglich IGF-1, ist die Studie als relativ alt anzusehen. 12 Jahre ist in der Forschung eine ziemlich lange Zeit und man weiß heute über IGF-1 wesentlich mehr als damals. Unter anderem weiß man, was ich in der letzten Zeit bereits mehrfach geschrieben habe, dass IGF-1 durch vegane Ernährung gesenkt werden kann. Ebenfalls durch Fasten. Wie tierproduktlastig die Frauen gegessen haben, wird hier nicht erwähnt. Es erfolgt auch keinerlei Anpassung der Studienergebnisse in Bezug auf Verzehr tierischer Produkte.

Als weiterer Faktor wird die Insulinausschüttung erwähnt, welcher selbstredend katastrophal ist, wenn man Zucker oder Weißmehl isst, aber völlig unproblematisch beim Verzehr von Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide sowie Obst. Die Leitlinien bei Diabetes empfehlen ausdrücklich vollwertige Kohlenhydrate und auch Obst und bei vorhandener Insulinresistenz, was ja vor allem bei Typ-II-Diabetes eine Rolle spielt, den Fettverzehr zu senken. Bei einer gesunden Person, fällt dann auch der Fettverzehr weniger ins Gewicht. Ohne hohe Insulinausschüttung also auch kein höheres Brustkrebsrisiko.

Der Wert für erhöhten Ballaststoffverzehr wird meines Erachtens zu niedrig angesetzt. 20 g sind quasi nichts und ich kann mir kaum vorstellen, dass es Menschen gibt, die so essen. Allerdings war ich gestern auch vom Donner gerührt, als eine Kundin im Bioladen sich nach Gerstengraspulver erkundigte, was ihr empfohlen wurde, bezüglich dessen ich ihr gesagt habe, sie könne alle Inhaltsstoffe auch mit normaler Nahrung aufnehmen. Sie sagte, ja aber das schaffe man doch nicht: 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen! - Ich schaffe sogar an schlechten Tagen locker 7 Portionen! - Das ist echt wichtig!!!

Und was auch nicht beachtet wurde war der Verzehr an vor Krebs schützenden Antioxidanzen.

Ich finde die Studie daher wenig aussagekräftig. In der Diskussion am Ende erwähnen die Forscher, dass man bisher bei Studien, wenn man Kohlenhydratkonsum und Brustkrebs untersucht hatte, uneinheitliche Ergebnisse bekommen habe. Es werden Studien erwähnt, die keinen Zusammenhang lieferten und solche die einen Zusammenhang fanden. Man müsse weiter forschen...Vor allem, finde ich, darf man andere Aspekte nicht außer Acht lassen, was hier eindeutig passiert ist. Das finde ich schade, denn es ist irgendwie rausgeworfenes Geld. Klar ist Zucker und Weißmehl ein Faktor, der IGF-1 erhöht, aber es ist nicht der einzige Faktor und das wird hier völlig außer acht gelassen.

In letzter Konsequenz gibt es daher nach wie vor nichts gegen eine fettarme, vollwertige, pflanzliche Ernährung einzuwenden, egal ob diese jetzt 10 oder 25% enthält. Und wenn man nach einer Ernährung sucht, die eine geringe Insulinausschüttung und geringe Produktion von IGF-1 sucht, dann ist auch hier die fettarme, vollwertige, pflanzliche Ernährung die erste Wahl. Es gibt auch noch haufenweise andere Faktoren, die bei der Entstehung von Brustkrebs eine Rolle spielen können oder könnten wie Einnahme der Antibabypille, Stillverhalten, ob man überhaupt geboren hat, Menopause und genetische Komponenten.

Daher finde ich die Studie einerseits wahrscheinlich zu alt und andererseits nicht umfassend genug um aussagekräftige Ergebnisse zu liefern.

Menü des Tages am 22. Februar 

Brokkoli und Tomaten


Vollkornbrot mit Erdnussbutter und Banane sowie Currystreich und Tomate


Fitness-Tofu-Brötchen von Backboard im Bioladen


1 Scheibe Dinkelchen mit Zartbitter-Aufstrich von Dennree

Einige Vollkorncracker


Kokos-Happen


4 Paranüsse

Kürbis-Fertig-Suppe mit Linsen und Roggenwraps mit Avocado bestrichen, Salz und Zwiebelpulver


1 Banane mit Erdnussbutter



Ich war von 10-16 Uhr im Bioladen, ohne offizielle Pause, und ich versuche mein restliches Essen zu verbrauchen, bevor ich morgen in die USA fliege und das gelingt mir ganz gut, auch, wenn ich schlechter esse als wenn ich nicht versuche restliches Essen aufzubrauchen. Es ist sehr kohlenhydratlastig, aber zu eiweißarm, wie ich finde, teilweise ziemlich fetthaltig und enthält für meine Verhältnisse zu wenig Gemüse. Aber 5 am Tag gehen auch jetzt.

Mein Flieger nach London geht morgen um 10:30 Uhr um 7 Uhr werde ich das Haus verlassen und bin ca. 22 Stunden unterwegs bis ich wahrscheinlich todmüde in Hollywood ins Bett falle!

Ich filme während des Aufenthalts, wer also alles mitkriegen will, kann mir auf YouTube folgen und es wird auch weiterhin Blogeinträge geben. Besonders wahrscheinlich vom True North, weil ich da, so nehme ich an, nicht so viel werde filmen dürfen. Es gibt ja Leute, die dort in Behandlung sind, und Leute, die dort arbeiten. Mal gucken wie streng da was gehandhabt wird und ob die Ärzte so nett sind, wie sie auf YouTube wirken!

Ich habe am Freitag 20seitige Instuktionen erhalten, wie ich was zu handhaben habe, wie Patienten eingecheckt werden, welche Telefonnummern relevant sind, wie der Datensatz geführt werden soll, wie sich welche Vitalparameter verhalten wenn man fastet (wobei ich zunächst sehr irritiert war, dass RR in Amerika nicht für Riva Rocci und damit für Blutdruck steht sondern für Respiration Rate also Atemfrequenz.- Oh Gott!!!;-))

Und mir wurde mitgeteilt was welcher Arzt von seinen Famulanten erwartet, wobei Dr. Klaper da so raffiniert sein soll, dass er sich von den Famulaten sagen lassen soll welche Untersuchungen er vorzunehmen habe um zu prüfen, ob sie derartige Dinge wissen. - Auch da kriege ich echt Schiss, weil mir bei Dr. Klaper wahrscheinlich pauschal der Mund und mein Gehirn stehen bleiben wird und ich reagiere wie ein Reh im Scheinwerferlicht! ;-)

Also, es wird sehr spannend werden und auch sehr lehrreich und ich freue mich!:-)

Alles Liebe,

Silke


Kommentare:

  1. Ich wünsch dir eine ganz tolle Zeit und freu mich schon auf deine Erzählungen!! Gute Reise!

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  2. Alles Gute und ganz viel Spaß!!! Freue mich auf die Berichte!! Liebe Grüße, Niki

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