Mittwoch, 3. Februar 2016

Ärzte unterm Mikroskop

Momentan scheinen Ärzte gerade besondere Lust daran zu haben sich selbst zu untersuchen und die Ergebnisse sind nicht gerade betören.

Bereits im Dezember erschien ein Artikel im Deutschen Ärzteblatt darüber wie viele Nachwuchsärzte an Depressionen leiden. Dabei wurde sich die Mühe gemacht eine Meta Analyse aufzustellen, also eine Studie, die etliche bisher zu dem Thema erschienene Studien miteinander vergleicht. Die Studien die verglichen wurden stammen aus den Jahren von 1963 bis 2015 und sind aus der ganzen Welt zusammengetragen. Das Ergebnis war, dass durchschnittlich 29% der Assistenzärzte unter Depressionen leiden, was damit zusammen hängt, dass sie viel Verantwortung tragen und gleichzeitig viel zu viel arbeiten, nämlich weit mehr als die üblichen 40 Stunden die Woche.

Ich habe mich, als dieser Artikel erschien unglaublich darüber aufgeregt, dass sowas überhaupt möglich ist, denn wer, wenn nicht Mediziner, wissen was erforderlich ist um psychisch gesund zu bleiben. Man weiß doch, dass mit Schlafmangel und unbefriedigender Tätigkeit Depressionen nur darauf warten zuzuschlagen. Mit unbefriedigender Tätigkeit meine ich, dass man zum einen einen gewissen Dienstweg zu gehen hat und seinen Facharzt zu machen. Man MUSS bestimmte Tätigkeitsfelder durchlaufen und das über 6 Jahre und währenddessen ist man das kleinste Licht in der Nahrungskette. Sowas wie der Praktikant vom Dienst. In vielen Abteilungen sind die hierarchischen Strukturen derart, dass der Assistenzarzt jeden Mist aufgedrückt bekommt und wenn der dann ein Streber ist, was viele Mediziner sind, macht er es aus Gefallsucht natürlich mit.

Eine weitere Studie hat den Kaffeekonsum von Ärzten unter die Lupe genommen. Dabei zeigte sich, dass bestimmte Berufsgruppen mehr Kaffee trinken als andere. Dabei hat sich das Schweizer Krankenhaus, dass die Studie durchgeführt hat nur mit dem Kaffeekonsum der Ärzte in der Kantine auseinandergesetzt. Wer noch Cola oder Energy Drinks zu sich nimmt ist hier nicht vermerkt und auch nicht wer sich den Kaffee am Automaten zieht oder eine Kaffeemaschine in der Abteilung hat. Die Endokrinologie in Köln jedenfalls hat eine eigene Kaffeemaschine, aber der Kantinenkaffee schmeckt natürlich besser. Hier zeigte sich, dass Chef- und Oberärzte mehr Kaffee kaufen als Assistenzärzte und Orthopäden lagen am weitesten vorne gefolgt von Radiologien und Allgemeinchirurgen.

Aber Ärzte konsumieren nicht nur Kaffee als Droge. Hier eine schöne Zusammenfassung von Doc Check

Die Universität von Los Angeles hat rausgefunden, dass Ärzte allgemein wenig auf ihre Gesundheit achten. Jeder zweite Arzt war in deren Studie nicht gegen Hepatitis oder Grippe geimpft, wobei bei Hepatitis eher das Problem ist, dass man die Krankheit noch bevor sie bei einem selber aufgetreten ist, bereits an die Patienten weiter geben könnte, wenn man keinen Schutz hat. Jeder fünfte Arzt trieb keinen Sport. 90% alle Ärzte hingegen behandeln sich selbst, so fand eine Genfer Studie raus und 65% hatten in den letzten 7 Tagen verschreibungspflichtige Schmerzmittel, Sedativa oder Antidepressiva eingenommen. Die Hälfte alle Ärzte hatte trotz gesundheitlicher Probleme keinen Kollegen aufgesucht und nur jeder fünfte hatte einen Hausarzt. Zwischen 10 und 20% aller Ärzte nehmen Alkohol oder Medikamente um den Stress zu bekämpfen, aber das ist noch relativ harmlos.

Bei Angehörigen aller Heilberufe komme es, so das Uniklinikum Bergmannsheil in Bochum, vermehrt zu Todesfällen durch Propofol. Propofol ist berühmt geworden, weil es auch Michael Jackson auf dem Gewissen hat und ist ein Narkotikum. Unter 39 Propofol-Todesfällen fanden sich 22 Ärzte und 13 medizinische Fachkräfte. Propofol, so weiß Wikipedia, soll in Zukunft auch, in Ermangelung eines anderen Wirkstoffs, zur Exekution von Todeskandidaten in den USA verwendet werden.

Mir erzählte kürzlich eine Freundin, von einem Todesfall, der sich in ihrem Bekanntenkreis abgespielt hatte und zwar sein ein ihr bekannter Chirurg an einer Überdosis gestorben.

Und zufällig weiß ich, dass das bereits im Medizinstudium los geht mit dem Konsum, da auch da schon der Stress enorm sein kann. Während ich mich darüber wundere, dass mein Gehirn so schleicht ist, studiert der ein oder andere einfach besser unter Einwirkung von Ritalin oder ähnlichen Amphetaminen. Überhaupt liegt es bei Studierenden im naturwissenschaftlichen Bereichen sehr nahe, sich mit Substanzen, über die man im Studium gelernt hat wie sie wirken, einfach auch mal auszuprobieren. Besonders von Chemikern, die sich das Zeug selber machen können, hört man immer wieder die wildesten Geschichten.

Und die Moral von der Geschicht? - Keine Ahnung...Je mehr man in den Körper eingreift desto schlechter funktioniert er dauerhaft. Risikoreiches Verhalten rächte sich irgendwann. Ich, als Patient, möchte allerdings lieber nicht von einem Arzt behandelt werden, der unter Schlafentzug voll auf Kaffee ist und am Vortag am besten noch Alkohol und Sedative konsumiert hat. Natürlich trifft das nicht auf alle zu, aber man kann sich ne Menge Arztbesuche sparen, wenn man auf seinen eigenen Lebensstil achtet.

Menü des Tages am 2. Februar 2016 

Brokkoli mit Tomaten


Haferflocken mit Banane, Chia, Paranuss, Sojajoghurt, Ahornsirup, Zimt, Orange


Vollkorn-Dinkel-Nudeln mit Linsenbolognese


1 Lovechock Goji

Erbseneintopf aus der Dose und Rest Nudeln mit Linsenbolognese


1/2 Ciabattabrötchen mit Rucola-Tomaten-Streich

Ich hatte Spätschicht im Bioladen und durfte den Süßkram an der Kasse auf ablaufendes Mindesthaltbarkeitsdatum kontrollieren und habe mehrere Lovechock-Riegel die um 50% reduziert wurden aus dem Sortiment gezogen und mir sogleich einen davon gekauft. Den Linsensalat, der auf dem Foto abgebildet ist, habe ich schlussendlich nicht mehr gegessen, weil ich bereits satt war. Das Tomatenmark auf der Bolognese ist auf dem Teller, weil ich vergessen hatte es in die Sauce zu geben und schlussendlich habe ich es nachträglich unter die Nudeln gerührt.

Am Morgen ist dann Karneval und ich habe keinen Schimmer ob ich feiern werde oder nicht. Erstens muss ich leider am Freitag um 10 Uhr wieder arbeiten, dann schreibe ich  nächsten Mittwoch die Chirurgieklausur und muss lernen und last but not least hoffe, bzw. nehme ich an, dass ich entweder jetzt bereits einen neuen Eisprung hatte bzw. bald haben werde, ich bin immer sehr unsicher mit Ovulationstests und eine neuerliche Empfängnis sollte ich nicht unbedingt gleich wieder mit Alkohol zunichte machen. Ich hab also keine Ahnung, was die nächsten Tage ansteht...

Alles Liebe,

Silke


1 Kommentar:

  1. Die Studien geben einem ja nicht gerade die Hoffnung, dass man beim Arzt auf jeden Fall gut aufgehoben ist, erst recht im Krankenhaus. Da kann man nur hoffen, dass die Regierung irgendwann endlich erkennt, dass Sparen im Gesundheits-Sektor irgendwie der falsche Weg ist...

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