Sonntag, 17. Juli 2016

Und Übergewicht erhöht doch die Sterblichkeit und betrifft mindestens 52% der Bevölkerung in Deutschland


Vor 3 Jahren erschien eine aufsehenerregende Studie im Journal of the American Medical Association. Eine Metanalyse, also eine Studie, die viele andere Studien miteinander vergleicht, um die Quintessenz heraus zu finden. Hier wurden 97 Studien mit Daten von insgesamt 2,8 Mio Menschen heran gezogen und das Ergebnis war, dass Übergewicht nicht zu eine höheren Sterblichkeit führt.

Das widerlegte alles was man bisher wusste.

An der Uni wird gelehrt, dass Übergewicht ein Risikofaktor für fast jede Krankheit ist. Und das hat sich auch nach dieser Studie nicht verändert.

Sandra Aamodt, die ich hier kürzlich vorgestellt habe, deren Buch Why Diets Make Us Fat: The Unintended Consequences of Our Obsession With Weight Loss soeben erschienen ist, bezieht sich hingegen auch auf die Studie, wahrscheinlich um den Lesern den medizinischen Druck abnehmen zu MÜSSEN von den Schultern zu nehmen.- Nicht, dass nicht jeder Übergewichtige es eh als erstrebenswert ansieht, abzunehmen.

Seither spricht man in Bezug auf Übergewicht und Sterblichkeit von dem Obesity-Paradox. Die Sterblichkeit war, laut dieser Studie, nämlich bei leichtem Übergewicht, also einem BMI zwischen 25 und 30 verringert.

Nun erschien eine neue Studie in der Lancet, die diese Daten widerlegt.

Die Global BMI Mortality Collaboration hat 500 Forscher aus 300 Instituten daran gesetzt raus zu finden, ob das wirklich so ist. Hier wurden 239 Studien mit Daten von 10,6 Mio Menschen ausgewehrtet und signifikante, das Ergebnis verzerrende Fakten, heraus gerechnet.

Man hat zum Beispiel alle Raucher aus dieser Studie ausgenommen. Viele Raucher sind schlank (sie bedienen ihr Belohnungssystem mit Nicotin, nicht mit Essen), haben hingegen dennoch eine erhöhte Sterblichkeit.

Ebenfalls raus gerechnet wurden Krebskranke, da Krebs den Körper auszehrt und damit auch schlank macht. Das Risiko Krebskranker zu sterben, ist selbstredend gravierend erhöht.

Und so kamen die Forscher dieser neuen Studie dann zu dem Schluss, dass Übergewicht sehr wohl die Sterblichkeit steigert. Ein BMI zwischen 20 und 25 gewährleistet die geringste Sterblichkeit. Sowohl unter 20 als auch über 25 ist sie erhöht. Und ein BMI über 25 betrifft in Deutschland im Jahr 2009 51,4% der Bevölkerung. Tendenz steigend. Und diese Zahlen sind veraltet. 60% der Männer waren 2009 übergewichtig. 43% der Frauen. Wir haben in diesem Land damit mehr Übergewichtige als Normalgewichtige und das ist schon krass.

Und hat irgendjemand eine Idee, was man dagegen tun soll?

Gott sei Dank wird jetzt auch in Deutschland über eine Besteuerung ungesunder und dick machender Lebensmittel nachgedacht. - Dachte ich doch, dass das Beispiel Großbritannien,
Jamie Oliver sei Dank, Schule machen würde. Im Deutschen Ärzteblatt hieß es, dass man mit Steuern auf Zigaretten, die Anzahl rauchende Jugendlicher halbiert habe. Alkopops seien nach der Besteuerung quasi völlig vom Markt verschwunden.

Ich war gestern auf einem HighCarb Treffen in Köln und auch da haben wir über Besteuerung diskutiert und festgestellt, wie schwer das ist, da man dann ja auch wieder eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufbaut. - Laut Deutschen Ärzteblatt ist die Idee, die gerade in Deutschland diskutiert wird, aber gar keine höhere Besteuerung, sondern eine Umverteilung der Mehrwertsteuer. Gesunde Nahrungsmittel sollen mit 0% besteuert werden und ungesunde mit 19% statt der bisherigen 7%. Find ich gut. Kann ich irgendwo dafür unterschreiben? Als ungesund gilt alles mit viel Fett, Zucker und Salz. - Heißt man hat die Möglichkeit komplett all seine Mehrwertsteuer auf Essen einzusparen. Toll oder? Das ist doch sicher eine Motivation für den steuersparwütigen Deutschen, der eh findet, dass ihm der Staat das ganze Geld aus der Tasche zieht!;-)

Menü des Tages am 16. Juli

Brokkoli und Paprika


Haferflocken mit Cranberries, Kakao, Banane, Apfel


1 Banane

Diverses auf dem High Carb Treffen (Foto vergessen)

Reis, Rote Linsen, Blumenkohl und Salz


4 Becks im Biergarten

Ich hab ein wirklich seltsames Verhältnis zu Alkohol. Und er nervt mich. Ich glaube ich tue mich mit einem grundsätzlichen Selbstverbot von Zucker weniger schwer, als mit konsequentem Verzicht auf Alkohol. Dabei gibt es wahrscheinlich wesentlich mehr Leute die auf Alkohol verzichten statt auf Zucker. Alkohol ist auch für mich ein Gesellschaftsding. Kuchen nicht. Und mein Belohnungssystem gerät in sozialen Situationen wesentlich leichter in Gefahr, verführt zu werden, als alleine. Und das nervt mich.

Ich bin konsequent vegan geworden, weil mir plötzlich auf gegangen ist, dass ich die vegetarischen Ausnahmen nicht mache, weil ich in Gesellschaft bin und mein Umfeld nicht belasten möchte, sondern dass die Gesellschaft eine Ausrede meines Belohnungssystems ist. Ich kann mir aber nicht vorstellen, was ich in Gesellschaft machen soll, wenn Alkohol getrunken wird, ich aber auf Gluten verzichten will und es kein alkoholfreies, glutenfreies Bier zu kaufen gibt. Das gibt's ja nur im Bioladen. Die meisten Antialkoholiker trinken dann Limo. Die ist natürlich zuckerhaltiger Schrott und kommt auch nicht in Frage. Nur mit Wasser irgendwo zu sitzen, würde mich aber glaube ich auch nerven.

Der Kampf mit dem Belohnungssystem, der Konditionierung und der Gesellschaft ist echt eine Sisyphosaufgabe. Alkohol aktiviert mein Belohnungssystem, weil er Spaß macht und er nervt mich daraufhin und macht dann wieder keinen Spaß. Ich komme da nach meinem Vater, der auch jedes Mal, nachdem er was getrunken hat sagt, dass es sich eigentlich echt nicht lohne, weil der nächste Tag immer Scheiße ist. Und er ist 27 Jahre älter als ich und hat seinen Frieden noch nicht damit gefunden. Ich nehme an, wenn ich meinen Frieden mit Zucker gemacht habe und auch mit Verzicht auf vegetarischen Ausnahmen, werde ich ihn eines Tages auch mit Alkohol machen.

Alles Liebe,

Silke


Kommentare:

  1. Ich gehöre auch zu den Übergewichtigen und ich habe nie geglaubt, dass Übergewicht nicht schadet. Aber ich lese auch Barnard, Esselstyn, MCDougall u. ä. Ja genau, ich LESE sie und bin begeistert. Ich glaube ihnen. Ich kann sie aber nicht umsetzen. Nicht auf Dauer. Ich habe 4 tolle Kochbücher hier. Ich habe Deine Challenge-Rezepte gekauft. Ich koche danach. Ich esse gern Gemüse, frisch und fettarm. Ich liebe Kohlenhydrate. Gern vollwertig. Aber ich halte es nicht durch. Ich weiß um die Risiken und falle immer wieder zurück. Nicht dauerhaft, aber immer mal wieder. Es geht schon Jahre so und ich bin immer dabei und nähere mich wenigstens dem an, was ich mal möchte.

    Ich bin sportlich unterwegs. Ich mag Sport! Ich bin beweglich und kräftig, nur Ausdauer ist mein Schwachpunkt (klar, bei dem Gewicht).

    Meine üblichen Blutwerte sind gut bzw. normal und jeder Arzt bescheinigt mir Gesundheit. Und trotzdem habe ich jeden Tag Angst, dass mir das Übergewicht schadet. Und ja, das tut es auch. Besonders nach der Lektüre "Essen gegen Herzinfarkt" war mir klar, dass ich um einen Herzinfarkt wohl nicht herkomme, wenn ich nichs ändere. Aber es ist sooooo schwer für mich! Warum, wenn ich doch all dieses Wissen habe? Und Du mich mit diesem Blog auch immer dran erinnerst. ;) Auch die Lektüre von Dr. Lisle (Lustfalle) hat mich in der Umsetzung nicht wirklich weiter gebracht.

    Und dann erwähnst Du vor einigen Posts "Shrink yourself" und etwas in diesem Post berührt eine Saite in mir. Dann habe ich mir das ebook gekauft und finde mich fast auf jeder Seite dieses Buches wieder! Erst hätte ich heulen können, aber letztlich scheint es, ist es das letzte Puzzelteilchen für mich. Etwas das bisher fehlte - nämlich die Erkenntnis, dass ich aus emotionalen Gründen esse. Noch nie ist mir so bewußt gewesen, dass ich Essen als Betäubung einsetze (etwas, dass ich als Kind gelernt habe). Ich kann meine Gefühle nicht aushalten - deshalb esse ich - das betäubt. Andere Dorgen würden auch funktionieren, aber für mich war es schon immer Essen. Das Buch ist super. In kleinen Schritten merke ich, dass ich meine Gefühle doch aushalten kann und sie mir sogar gut tun und "verschwinden", wenn ich sie einfach nur beachte und sie mir eingestehe. Ich lerne gerade, dass ich nicht mehr so hilflos bin wie als Kind. Ich lerne das meine Bedürfnisse zählen und meine Wünsche wichtig bin. Ein wunderbares Gefühl.

    Nach 39 Jahren des Lebens im Food Trance dauert dieser Prozeß natürlich noch an und ich merke, dass ich durchaus noch aus den falschen Gründen esse. Aber es wird besser.

    Ebenso spielt bei mir aber auch die Lebensmittelauswahl eine Rolle. Irgendwie gehört alles zusammen und nur eine Komponente funktioniert nicht. Nicht bei mir.

    Danke für Deinen Blog und danke für Deine Mühe. Und ich danke auch mir für meine Mühe. Vor 20 Jahren stecke ich tief in der Bulimie und da habe ich es (allein) rausgeschafft und das letzte Stückchen schaffe ich auch noch.

    Gruß, Annett

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  2. das mit der besteuerung hört sich ja in der theorie ganz nett an, aber was ist gesund? und wer legt das fest? ich seh schon die klagewelle von als ungesund eingestufter produkte von den großen konzernen.
    klar, chips sind wohl eher weniger gesund. aber wie ist es mit öl, kartoffeln und salz, woraus man sich selbst chips bauen kann? und joghurt bzw. käse? wird der ab ner bestimmten fettstufe besteuert? was ist mit weißmehlprodukten? kokosmilch? trockenobst? nüssen? manche haben ja nen ordentlichen zucker- bzw. fettgehalt. allerdings dann auch viele wichtige gesunde nährstoffe. oder fruchsaft: mehr kalorien als cola. aber wenn jmd kein obst isst, doch ne gute alternative um vitamine zu kriegen.

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  3. Ich nehme an, das wird nach den Empfehlungen der DGE und der WHO entschieden. Und ich gehe auch davon aus, dass die nicht so weit gehen werden, wie ich gerne gehen würde, dass Milchprodukte steuerfrei bleiben, Öle auch, genau wie Trockenfrüchte und Nüsse und das jegliche verarbeitete und zuckerhaltige Nahrung darunter fällt. Alle Süßißigkeiten, Milchprodukte mit Zucker, Weißmehl, aber auch verarbeitetes Fleisch. Jedem kann man es sicher nicht recht machen, aber das soll doch sicher kein Grund sein gar nichts zu machen!

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  4. was nervt dich denn an Wasser? Ich trinke zwar ab und zu gerne mal n Bierchen oder auch ein Gläschen Rotwein in Gesellschaft, kann aber auch gut nen Abend bei Wasser verbringen.

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  5. Wasser trinke ich wenn ich Durst habe. Wenn man zusammen sitzt, redet und was trinkt muss Stimulation von außen dazu kommen!;-) - Vielleicht nervt mich der Gedanke, dass ich ohne Spaß-Getränke keinen Spaß haben werde und mich auch nicht als Teil der Gruppe fühle.

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