Donnerstag, 28. Juli 2016

ADHS/Ritalin - Krankheit/Droge?



Ein veganer Facebookfreund verkündete vorgestern beinahe stolz, dass sein Psychiater bei ihm eindeutig ADHS diagnostiziert habe. Es sei so ausgeprägt, dass er sich nicht mal die Mühe machen müsse die Punkte zusammen zu zählen.

Damit lag mein Freund mit seiner Selbstdiagnose richtig. Es war jetzt sehr aufgeregt das verschriebene Medikament Medikinet (was, wie ich soeben heraus fand, auch nicht vegan oder vegetarisch ist) auszuprobieren und freute sich darauf endlich leistungsfähiger zu sein. Vor etwa 2 Wochen sprachen wir kurz von Angesicht zu Angesicht darüber, als ich noch dachte, dass es ein Scherz sei, dass er sich ernsthaft selbst mit ADHS diagnostiziert habe, weil ich persönlich ADHS gar nicht für eine Krankheit halte. - Also nicht wirklich. Es ist nämlich völlig normal sich nicht auf Sachen konzentrieren zu können, die einen nicht interessieren. Bei ADHS-Patienten muss man sich allerdings fragen, warum sie sich für manche Sachen nicht interessieren können, die eigentlich wichtig sind.

An mir stelle ich immer wieder fest, dass ich mich nicht konzentrieren kann, wenn ich nicht ausreichend Ruhe hatte. Wenn ich nicht genug Schlaf hatte, aufgrund von Koffein oder anderer Stimulanzien kann ich mich weder ordentlich auf das Lernen konzentrieren, noch auf Gespräche mit meinen Mitmenschen. Das liegt nicht daran, dass mich Lernen und Gespräche langweilen, sondern dass meine Reserven ausgeschöpft sind. Ein Mittagsschlaf wirkt für's Lernen dann Wunder.

Ich bin schon lange der Meinung, dass ADHS vor allem durch Zucker ausgelöst wird, bzw. dass Zucker diese Symptome verursacht. Es gibt einen ganzen Haufen Studien zu dem Thema, aber in Ärztekreisen wird sich darüber immer wieder gestritten. ADHS gilt als unheilbar. Meine Mutter ist heute der Meinung ich hatte auch ADHS als Kind, aber damals hat man das noch nicht diagnostizieren können. Ich bin der Meinung ich habe zu viel Zucker bekommen und zu wenig Aufmerksamkeit.

Dr. Ingo Schymanski erklärt in seinem Buch Im Teufelskreis der Lust: Raus aus der Belohnungsfalle! sehr anschaulich seine These zur Entstehung von ADHS, die sich so ziemlich mit meiner naiven Theorie deckt. Die Kinder sind einfach total überstimuliert. Alles muss immer aufregend, erregend und spannend sein. Computerspiele, Nahrungsmittel und sonstige Erlebnisse. Alles was nicht hyperstimulierend ist, wird von ADHS-Kindern abgelehnt, wie ein Buch lesen oder Brokkoli essen.

Auch hier steckt natürlich das Belohnungssystem hinter. Für normale Tätigkeiten schüttet es keine Belohnungsbotenstoffe mehr aus. Lesen langweilt. Lernen und Schule langweilt. Man ist auch nicht mehr motiviert sich Wissen anzueignen. Schymaski erklärt expizit, dass es sich dabei um eine Hypothese handelt, die er äußere, weil ihm sehr wohl klar sei, dass es haufenweise Gegenwind hageln würde. Der Streitigkeiten bezüglich ADHS in der Ärzteschaft, sei er sich sehr wohl bewusst. Er wolle diese Hyothese jedoch trotzdem äußern, weil sie perfekt in die Funktionsweise des Belohnungssystems passe. Vielleicht würde seine These eines Tages bestätigt, vielleicht aber auch nicht.

Wenn man sich dann die Wirkungsweise von Ritalin bzw. Medikinet anschaut bzw. Ihres Wirkstoffs Methylphenidat, passt auch das alles wunderbar in die These. Methylphenidat wirkt auf das Belohnungssystem in gleicher Weise wie Kokain. Es ist in  der Lage dafür zu sorgen, dass der Neurotransmitter Dopamin nicht wieder abgebaut wird und weiter im synaptischen Spalt verbleibt. Seine Wirkung also weiter besteht. Außerdem wirkt es auch am Serotonin-Rezeptor, obwohl eine agonistische Wirkung nicht nachgewiesen werden konnte.

Daraus müsste man natürlich schlussfolgern, dass ADHS-Medikamente süchtig machen und dennoch wird das, wenn man "Ritalin macht süchtig" auf fast allen Internetseiten bestritten, weil es keine euphorisierende Wirkung, ähnlich der des Kokains, hat. Nur wenn man es überdosiert könne es zu einer Suchtentwicklung kommen. - Da befindet man sich dann plötzlich in ähnlichen Gefilden wie in Bezug auf die "Esssucht". Selbst wenn man äußert, dass Kaffee oder Zucker nicht süchtig macht, kann man damit ausschließen, dass man sich schlecht fühlt, wenn man die Substanz von einem Tag auf den anderen weg lässt? Und wird dieses schlecht fühlen, dann als Krankheit bezeichnet? - Vielleicht wird "Sucht" jeweils unterschiedlich definiert.

Die meisten Internetseite sind natürlich für Laien konzipiert. Auf Internetseiten, die von Ärzten für Ärzte gestaltet wurden, zum Beispiel das DocCheck Flexikon, einer Art Wikipedia für Ärzte und Studenten, findet man schockierende Nebenwirkungen von Methylphenidat:

8.2 Sehr häufig

Anorexie
Appetitverlust
Gewichtsabnahme
Verminderung des Längenwachstums bei Kindern nach längerer Anwendung
Schlaflosigkeit
Nervosität

8.3 Häufig

Abnormes Verhalten
Aggression
Affektlabilität
Erregung
Ängstlichkeit
Depression
Reizbarkeit

8.4 Gelegentlich

Psychosen
Verstimmungen
Ruhelosigkeit
Suizidgedanken
Weinerlichkeit
Halluzinationen
Tics des Tourette-Syndroms
Kreislaufstörungen
Euphorie/Dysphorie

8.5 Selten

Desorientiertheit
Libidostörungen

8.6 Sehr selten

Vollendete Suizide
Suizidversuche
Depressionen
Apathie
Repetitives Verhalten
Übermäßiges Fokussieren

Macht in Anbetracht der Wirkweise des Belohnungssystems Sinn.

Es darf auch erst verschrieben werden, wenn alle anderen konservativen Maßnahmen, wie Verhaltenstherapie, Lernplanung etc. nicht erfolgreich waren (Ich frage mich, ob man dabei auch darauf achtet, dass das Kind keinen Zucker, Weißmehl oder Koffein mehr bekommt und ob man seine Computer/Fernsehzeit begrenzt)

Und weil diese Substanz so gut dabei hilft, wenn man eh schon überarbeitet ist sich weiter auf langweilige Dinge zu konzentrieren, hat eine Studie von 2008 raus gefunden, dass jeder fünfte Akademiker im naturwissenschaftlichen und medizinischen Bereich gelegentlich zu Methylphenidat greift, um besser leistungsfähig zu sein.

Die eigentliche Therapie bei ADHS sollte die von Dr. Schymanski vorgeschlagene Entschläunigung sein. Der bewusste Verzicht zum eigenen Nutzen. Theoretisch würde ein Kind, was ohne Substanzen und Fernsehen mal 2 Wochen lang Campingurlaub gemacht hat, sicherlich wieder Interesse daran haben, ein Buch zu lesen. Denn das Buch wäre das Aufregendste, was es dann in seinem Umfeld gibt.

Und ein Student, dessen Konzentrationsfähigkeit nachlässt muss sich vielleicht einfach die Zeit nehmen, ein Stündchen Mittagsschlaf zu machen um seine Neurone wieder aufzutanken. Ich schwöre, das funktioniert. - Ist natürlich für die meisten nicht praktikabel, weil man ja immer nur auf den letzten Drücker lernt und dann braucht man jede Sekunde seiner Zeit.

Menü des Tages am 27. Juli 2016

Brokkoli mit Tomaten
Haferflocken, Leinsamen, Carob, Banane, Heidelbeeren



Glutenfreie Fussili mit italienischer Gemüsesauce


1 Banane

Einige Trauben



1 Banane

Wieder Glutenfreie Fussili

Es sind endlich Semesterferien und ich hab endlich wieder Zeit mich mehr um YouTube und ähnliches zu kümmern. Allerdings bin ich immer noch völlig ausgepowert und warte darauf, dass mein Elan zurück kommt. Derzeit habe ich keine Lust auf irgendwas. - Ich sollte mir Ritalin besorgen?!;-)

Aber nein, ich weiß ja, dass das normal ist und dass der Elan und die Ideen schon wieder kommen wird. Er kam immer wieder, aber das nur, wenn ich ausreichend ausruhe und regeneriere.

Alles Liebe,

Silke


Kommentare:

  1. Wie kann man "beinahe stolz" auf eine AHDS Diagnose - und (positiv?) aufgeregt sein ein Medikament auszuprobieren - mit solch einer Latte an Nebenwirkungen!?!

    Ach ja, eine Bekannte hat das mit Zucker und Ihren Kindern auch bestätigt... also Süsses generell und zuckerhaltiges... da geht der Punk ab.

    Echt ein Wahn... und das wird dann auch noch trainiert... warst Du Brav, Gut, hast Geburtstag, gibts was zu feiern, gute Norten - dann gibts "Zucker- & Fettkrams", McD, BK, etc. zu essen. Bist Du ungezogen, schlecht, unartig, "Böse", etc. pp - dann gibts "normales Essen", Gemüse, etc. pp.

    Das dann wieder aus den erwachsenen raus zu bekommen.......

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  2. Oh, das ist gruselig. Ich habe gerade gestern meine ADS-Diagnose erhalten und wurde vor der Wahl gestellt, ob ich Medikamente ausprobieren möchte. Habe da noch so bei mir gedacht "Irgendwie würde ich gern bei Silke etwas darüber lesen" :-) :-) :-)
    Witzig, wie manche Dinge manchmal laufen.

    Ich als ADS'ler kann sagen, dass es in erster Linie nicht mal die gestörte Konzentration ist, die mich stark einschränkt - es ist insgesamt das Gefühl, immer unter Strom zu stehen und zu glauben, man müsste 1000 Sachen erledigen (selbst wenn es gar nichts gibt). Ich kann nie entspannen, das Gedankenkarrussel im Kopf hört nicht auf.
    Ich habe mich schon oft dabei erwischt, wie ich fast wahnhaft in der Wohnung von a nach b gelaufen bin und dabei ständig vergessen habe, was ich wollte. Auch Ticks habe ich schon entwickelt (ständig schauen, ob der Herd aus und der Kühlschrank zu ist).
    Dazu kommt, dass ich mich vom Alltag oft total erdrückt fühle. Selbst die simpelsten Dinge - wie an einem Samstag früher aufstehen, Haushalt machen und dann einkaufen fahren - können mich überfordern, weil ich sie fertig haben will und wie ferngesteuert angespannt und gestresst durch die Gegend laufe, bis diese Dinge erledigt sind. Und obwohl es total normale Sachen sind, fühlen sie sich manchmal an wie an Marathon. Und an anderen Tagen kann ich mich gar nicht erst aufraffen.

    Außerdem bin ich ständig verträumt und in mich gekehrt, brauche viel Zeit allein, da sonst Reizüberflutung droht und habe auch sonst ganz oft gemerkt, dass ich in vielen Dingen anders ticke als andere.
    Es braucht nicht den Namen ADS, das bin einfach ich. Aber ich glaube nicht, dass irgendwer, der keine Probleme mit solchen Dingen hat, nachvollziehen kann, wie es sich anfühlt...

    Dass das alles mit Zucker zusammenhängt ist aber sehr gut möglich. Ich habe schon viele Artikel gelesen, die diese alternative Richtung einschlagen.

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  3. Das ist die Beschreibung von ADS????
    Ich bin gerade total schockiert – es liest sich, als würdest du MICH beschreiben?! Mir wird von vielen Leuten vorgeworfen ich wäre ein Kontrollfreak, aber ich hätte nie gedacht, dass das ein Krankheitsbild sein könnte…
    Ich muss das mit dem Zucker wirklich konsequenter in Angriff nehmen.
    Danke Silke und Windimhaar.

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