Samstag, 17. November 2012

Montignac für Veganer...

--> Also, zunächst mal, Michel Montignac würde mich wahrscheinlich in der Lust zerreißen für das, was ich hier schreibe, denn er rät von einer veganen Ernährung explizit ab. Einen Satz äußert er dazu: “Vom Veganismus wird abgeraten, da dieser zu Mangelerscheinungen führt und deshalb gefährlich ist.”

Zu seiner Verteidigung sei zu sagen, dass er wenigstens auf Vegetarier eingeht und sagt, dass das Eiweiß aus Pflanzen nicht hochwertig genug sei, dass Lysin und Methionin zu wenig vorkomme, dass die Annahme dass Fleisch irgendwelche “Toxine” enthalte überholt sei, dass Harnsäure über die Nieren ausgeschieden würde, vorausgesetzt man trinke genug Wasser, dass in Sojamilch nicht die selbe Menge Kalzium sei, wie in Kuhmilch, dass es zu Eisen und B12 Problemen kommen kann. Man solle also, wenn man sich vegetarisch ernähren wolle, auf sehr ausgewogene Kost achten, Aminosäuren gut kombinieren etc.

Nun ist das Buch von 1999. Also erschienen vor allen Veröffentlichungen und Studien von Dr. Barnard und ich nehme auch an, dass er von Dr. Esselstyn oder der Chinastudie noch nie gehört hat.

Die obigen Argumente sind mittlerweile völlig entkräftet, wenn man auch immernoch auf ausgewogene Ernärhung achten muss, egal ob als Omnivorer, Vegetarier oder Veganer.

Und das weiß Montignac auch und spricht es immer wieder an. Er erwähnt wie wichtig Vollwertkost ist, Salat, schonende Zubereitungsmethoden etc.

Ich bin nur jahrelang an seinem Buch vorbei gegangen, weil auf dem Cover Schinken und Rotwein ist und es heißt: “Essen und dabei abnehmen”. Ich habe es für so einen Atkins-Schmuh gehalten, tatsächlich ist es aber weit davon weg, sehr wissenschaftlich und, abgesehen von dem Fleischkonsum auch sehr vernünftig. Montignac hat für mir jedenfalls wieder ein Puzzlestück in das Ernährungsmysterium eingefügt und quasi erklärt warum Low Carber und Low Fater beide behaupten Herz-Kreislauferkrankunge damit zu heilen. Es geht nämlich nicht nur um low fat oder low carb. Es geht auch noch um den glykämischen Index und es geht auch um die Fructose. Barnard hat Fructose nie erwänt. Auch Graham z.B. nicht. Ich glaube nicht mal Cousens. Montignac rät von Fructose als Diabetikersüße ab, weil Studien gezeigt hätten, dass davon der Triglyceridspiegel steige. Recht hat er.

Das Rätsel bleibt aber bestehen: Wie verzehrt man Süßes mit niedrigem Glyx und gleichzeitig wenig Fructose? Alles, was an Obst einen niedrigen Glyx hat, enthält mehr Fructose als Glucose. Da fallen mir wieder nur die Kochbananen ein...

Mein “Vanillekekse mit Kokosblütenzucker-Experiment” hat nämlich ergeben, dass ich davon durchaus Blähungen kriege. Wenn ich sie mit Reissirup süße nicht. Aber der hat einen Glyx von 100. Das mit den Blähungen hat übrigens wieder angefangen als ich ihm Krankenaus wieder mit Trockenfrüchten angefangen habe. Vorher hatte ich als einzige Süßigkeit nur Bananen oder normales Obst, welches keine Blähungen gemacht hat. Vielleicht ist es die Fructose-Ballaststoffkombi?!. Dr. Lustig sagt ja, Fructose mit Ballaststoffen sei ok (also Obst), weil diese dann nicht vom Körper aufgenommen wird, sondern im Darm landet. Seine konkreten Worte dazu sind: “In life you've got 2 choices: It's either fat or fart!” Also entweder man setzt Fett an oder man muss furzen. Wenn man nicht furzen muss, wie von raffiniertem Zucker, landet die Fructose im Körper. Leider möchte ich mich aber weder auf das eine noch das andere einlassen und daher ist Fructose ein Problem...

Aber kommen wir zu Montignac: Das Buch heißt: Die Montignac-Methode: ..essen und dabei abnehmen. Die wissenschaftlich bewiesene Methode, die europaweit Millionen Diätverdrossene begeistert. Aber eigentlich geht es mir in diesem Fall garnicht ums Abnehmen. Ich habe tatsächlich, obwohl ich die letzten Wochen nichs nichts gezählt habe, nicht zugenommen. Aber ich habe auch da schon auf eher niedrigen glykämischen Index geachtet. Ich wog gestern 61,7 kg bei einer Größe von 1,69 m und einem BMI von 21,6. Also alles im grünen Bereich. Wenn ich unter 60 kg komme meckert mein Joggingfreund eh nur, dass ich zu dünn sei. Was mich vielmehr umtreibt ist, dass ich keine Lust habe für den Rest meins Lebens alles mögliche zu zählen. Und das so Konzepte wie: “Hauptsach roh” oder “hauptsache vegan” eben nicht aufgehen. Und dass dauerhafte Fettverzicht dann irgendwann Heißhunger darauf auslöst.

Streng genommen hat Montignac viele Regelen aber es gibt immer wieder Ergänzungen, weil der menschliche Körper einfach nicht so einfach gestrickt ist.

3 Hauptregeln gibt es, wobei man immer darauf achten sollte, dass der Glyx am Ende einer Mahlzeit so niedrig wie möglich ist:

1) Entweder eine Eiweiß-Fett-Mahlzeit mit Kohlenhydraten mit einem Glyx unter 35

2) Eine Kohlenhydrat-Protein-Mahlzeit ohne gesättigte Fett. Der Glyx muss in Phase 1 unter 35 liegen, in Phase 2 unter 50

3) Oder eine Kohlenhydrat-Protein-Mahlzeit ohne Fett, wenn der Glyx zwischen 35 und 50 liegt.

Also, es gibt Phase 1 und 2. 1 ist zum Abnehmen, 2 um das Gewicht zu halten. Wobei man nach Möglichkeit auch nur 3 Mahlzeiten verzehren sollte. Evtl. einen Nachmittagssnack mit Obst unter glyx 50. 

Grundlage der “Kalorien spielen keine Rolle”-Theorie sind für Montignac Studien dass insbesondere die Amerikaner ihren Fett und Kalorienkonsum runter geschraubt haben und dennoch fetter geworden sind.

Ich probiere jetzt eine Woche lang Phase 1. Das ging so, dass ich zum Frühstück den Frischkornbrei gegessen habe, Glyx unter 50 mit 10% Fett – vielleicht müssten es noch weniger sein, weiß ich nicht...

Mittags Salat mit reichlich pflanzlichem Fett aber mit Glyx unter 35.

Abends Kohlenhydrate mit Glyx unter 50 und ohne Fett.

Montignac, anders als “Schlank im Schlaf” behauptet man hätte den besten Abnehmerfolg, wenn man Abends kein Fett esse.

So, und gelandet bin ich bei sage und schreibe 3205 kcal. 23,2% Fett und 11,3% Eiweiß. Alles ausreichend vorhanden, außer natürlich Vitamin D und B12.

Und jetzt will ich wissen ob man davon entweder nicht zunimmt, oder evtl. sogar abnimmt! Dann ist für mich bewiesen, dass Kalorien keine Rolle spielen. Montignac schreibt noch sehr sehr viel mehr und auch alles sehr interessan. Über unterschiedliche Verfügbarkeit von Nährstoffen, über chemische Veränderungen beim Kochen oder Abkühlen, was passiert wenn man unterschiedliche Lebensmittel mischt, z.B. einen TL Honig in Salat gibt. Honig, der ja einen Glyx von 60 hat, aber Salat mit einem Glyx von 15. Klar, dass man bei einer kleinen Menge Honig den Salat nicht gleich über 50 kriegt. Und so ist es dann unter Umständen eben auch, wenn man ein Plätzchen mit Reissirup gesüßt, nach einen Salat isst. Das mache ich aber erst wieder, wenn ich nicht mehr Phase 1 teste.

Montignacs Ziel ist hier übrigens auch Diabetes und Herz-Kreislauf Erkrankungen in den Griff zu kriegen. Er weist in dem Zusammenhang auch immer wieder darauf hin, dass Milchprodukte und gesättigte Fette einen hohen Insulinindex haben und das ist ja auch genau der Grund warum Barnard und Cousens vegane Ernährung für Diabetiker empfehlen.

Also ich finde, dass sich Montignac mit Cousens, Barnard und Esselstyn ganz schön ergänzt. Was irgendwie raus fällt ist alles was Graham schreibt, und das macht mich ihm gegenüber immer skeptischer. Gut, vieles Obst hat tatsächlich keinen allzu hohen Glyx, normale Bananen liegen bei 60, und wenn man die ohne Fett isst, setzt man auch nicht an. Aber die Sache mit der Fructose??? Und natürlich alles andere, was man bei 80/10/10rv falsch machen kann?!

Menu des Tages am 16. November 2012 (Zahlen hinter dem Lebensmittel ist der Glyx)

Frischkornbrei aus
Buchweizen 40
Quinoa 35
Nackthafer 40
Kochbanane 45
1 Paranuss, ½ TL Chia und Zimt

5 Grüntee mit Stevia
½ Mango 50 mit 3 g Frucotse
1 Kochbanane 45 mit 0,5 g Frucotse

15 g Cashews Salat aus Romana, Vita Verde Oliven, ½ Avocado, Zwiebel, Tofu, Paprika, Tomate, Apfelessig, Minze, Salz, Pfeffer und 1 TL Kokosnektar


4 Vanilleplätzche mit Kokosnektar
2 Riegel Ombar

(wie gesagt hatte ich danach Blähungen, was ich nicht habe, wenn ich ausschießlich Schokolade esse. Möglichweise wegen des Ballaststoffgehalts, der bei Schokolade gering ist, bei Plätzchen aus Mandeln aber sehr hoch. Schlussendlich ist die Hälfte bei Kokosnektar aber doch Fructose also schätze ich das waren wohl 6 g Fructose in den Plätzchen und 3 g in der Schoko. Weitere 3-4 g im Salat – also eigentlich gar nicht so viel)

1 Kaki 50 – dafür 21 g Fructose
Buchweizen-Farfalle-Pfanne 45


aus Buchweizen, Vollkornnudeln, Pilzen und Zwiebel mit Salz, Pfeffer und Dill
50 g Trauben 45 3,5 g Fructose

Hätte ich den Fructosegehalt von Kaki gewußt bevor ich sie gekauft habe, hätte ich davon Abstand genommen. Man lernt nie aus....

Also, kann man bei über 3000 kcal abnehmen oder sein Gewicht halten??? Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen....

Alles Liebe,

Silke

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Kommentare:

  1. Wenn man regelmäßig Sport treibt, muss man gar nicht wirklich auf die Kalorien usw. achten. Stelle ich fest und bestätigt auch mein Pilates-Kreis. Auf Ausgewogenheit sollte man natürlich dennoch achten.
    Zu (rotem) Fleisch und Krebs hier ein Zitat aus dem Focus:

    "Eine Langzeitstudie mit über 500 000 Teilnehmern zeigt, dass der übermäßige Verzehr von rotem Fleisch wie Schweine-, Rind-, Kalb-, oder Lammfleisch das Darmkrebsrisiko erhöhen. Die European Prospective Investigation into Cancer (EPIC) fand heraus, dass täglich 100 Gramm rotes Fleisch das Risiko für Darmkrebs um 49 Prozent erhöht. Amerikanische Forscher bestätigen das Ergebnis anhand von Daten von etwa einer halben Million US-Bürger. Außerdem steigt das Lungenkrebsrisiko um 20 Prozent. Auch Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs treten bei Fleischfans häufiger auf. Vermutlich ist der hohe Eisengehalt für die Bildung schädlicher Nitroso-Verbindungen verantwortlich, die Zellteilung und DNA-Synthese ankurbeln und so Schäden durch freie Radikale fördern."

    Also hin und wieder helles Fleisch müsste okay sein.

    Grüße
    Susanne

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    1. Hallo Susanne,
      unterscheidet die von Dir zitierte Studie zwischen rohem und thermisch behandeltem (gekochtem, gebratenem) Fleisch (Stichwort Maillard, AGE)?
      Viele Grüße,
      Ralph

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  2. Hallo Susanne,

    ja, das lehrt auch die Uni und deckt sich mit meinen Erfahrungen im Krankenhaus mit meinem Bauchspeicheldrüsenkrebspatienten.

    In Maßen ist alles hin und wieder ok.

    LG Silke

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  3. Bei mir war beim Abnehmen immer mehr Bewegung also Sport die Lösung, die Ernährung pendelte sich dann irgendwann ein, obwohl ich da nicht so stark auf irgendwelche Ernährungsregeln geachtet habe. Jetzt habe ich 1 Jahr versucht über Ernährung ein paar Pfund loszuwerden mit mäßig viel Bewegung, da ist nicht viel passiert. Ich Russland ist Bodyflex wieder Inn. Ich hatte vor ein paar Tagen von einer Russin Besuch, die mir Gesichtsmuskeltraining gezeigt hat und dabei auf Bodyflex hinwies.Bei Youtube oder auf meinem Block:
    https://antiagingmanufaktur.wordpress.com/bewegung/
    findet man die Erklärung von Childer Greers, was bei Bewegung passiert und das mit der Bodyflexatmung genau das gleiche passiert und dabei Fett verbrannt wird. Ich mache es seit ein paar Tagen und empfinde es schon als Erfolg, obwohl ich zum Messen zu faul bin. Dennoch fühlt man es an den Hosen.
    Die Ernährungsweise allein führt irgendwie nicht zum Glück, das wird mir immer mehr klar, eher im Gegenteil man ist schwerstbeschäftigt, sämtliche Regeln, Einkäufe usw. zu befolgen, mich nervt und stresst es eher und deshalb bin ich damit wohl auch nicht erfolgreich. (Stress erzeugt viel Säure im Körper). Nachdem ich jetzt fast ein Jahr rumexperimentiert habe, bin ich wieder genau da gelandet, wo immer, Sport macht fitt, schön und schlank.
    Trotzdem werde ich weiterhin Deine Ernährungserfahrungen verfolgen.
    LG Tatti

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  4. Montignac ist soweit ich weiß vor ein paar Jahren an Krebs gestorben. Also so ganz ideal kann sein Programm nicht sein.

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  5. Wow, Patti, du hast Recht!

    Grad recherchiert: Er starb im August 2010 an Prostata-Krebs...Mit nur 66 Jahren!

    Ob das mit dem hohen Fleischkonsum zusammen hängt???

    LG Silke

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  6. Hallo Silke,

    wäre es nicht geschickter, die glykämische Last statt des glyklämischen Index zu Rate zu ziehen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Glykämische_Last)?

    Viele Grüße,
    Ralph

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