Freitag, 27. Juli 2012

Gesättigte Fette, gut für uns??? - Dr. Donald W. Miller Jr.

Nach meinem letzten Post hat einer meiner Leser in den Kommentaren einen Link zu einem YouTube Video gepostet in welchem ein Herzchirurg aus den Staaten einen Vortrag hält in welchem er sich für gesättigte Fett ausspricht. Das Video ist betitelt mit: Enjoy eating saturated fats, they are good for you – Donald W. Miller. Jr. MD

Ich muss gestehen, zunächst hatte ich überhaupt keine Lust mich diesem Video auszusetzen. Immerhin komme ich mit meine jetzigen Ernährung ganz großartig zurecht. Ich fühle mich wohl, stark, satt, habe die Gewissheit, dass ich alle Nährstoffe konsumiere, die ich brauche und dass ich damit, ohne zu leiden, Gewicht verlieren kann. Also warum noch woanders schauen?

Weil andere Leute vielleicht zuvor woanders geschaut haben und weil vielleicht auch nicht alle Menschen gleich sind und sich manch anderer mit einer andere Ernährung als ich sie praktiziere vielleicht wohler fühlt. - Und eines Tages, am Ende meines Studiums, werde ich Menschen Ratschläge geben müssen, medizinische Ratschläge, nicht nur Diättipps, die auch hinhauen müssen. Also sollte ich auch wissen, was die andere Seite vorzubringen hat.

Hier also erstmal das Video:



Es ist nicht alles Blödsinn was er erzählt, aber in vielerlei Hinsicht ist seine Theorie für mein Empfinden doch sehr unausgegoren.

Zunächst mal erzählt er darüber wie sich die Ernährung in der westlichen Welt seit der Industriellen Revolution verändert hat und dass wir seitdem so ungesund sind. Das stimmt so weit, da sind sich wohl alle einig. Dr. Miller argumentiert aber, dass es daran läge, dass wir seit den 50er Jahren keine gesättigten Fett wie Butter und Schmalz mehr verzehren, sondern auf Margarine und erhitzte Pflanzenöle umgestiegen sind und diese Transfettsäuren enthalten. Zudem verzehrten wir viel zu viele raffinierte Kohlenhydrate wie Zucker uns Weißmehl. –Auch hier kein Einspruch von mir. Transfette und raffinierter Zucker sind eine reichlich ungesunde Erfindung.

In dem Zusammenhang erklärt er, wie es dazu kam, dass alle Ernährungsinstanzen auf der Welt den „Blödsinn“ von „gesättigte Fette sind böse“ vertreten und legt dem grundsätzlich eine Verschwörung zugrunde. Dafür hat er eine Reihe von Comicbildern ausgewählt und ein paar Aussagen von weiteren Ärzten gesammelt um das anschaulicher zu machen. - Da wusste ich nicht so recht was drauf zu erwidern, weil ich das natürlich einfach nicht weiß. Die Studienlage ist da unterschiedlich. Manche Studien beweisen dies, einige was anderes, aber man muss halt definitiv auch immer schauen, WER die Studie in Auftrag gegeben hat.

Man kann bei Studien an Universitäten eigentlich pauschal davon ausgehen, dass da keine Interessensgruppe hinter sitzt. Völlig anderes als in der Industrie. Daher wurde uns in der Vorlesung „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“ gesagt, wir sollten die Zeit für wissenschaftliches Projekt und Doktorarbeiten genießen, denn in der Zeit könnten wir wirklich an der Wahrheit forschen, was, wenn man in die Industrie geht, nicht mehr gegeben ist. Daher würde ich mal davon ausgehen, dass Doktorarbeiten ziemlich objektiv sind, auch wenn man nicht immer das rausfindet, was man dachte rauszufinden und natürlich jeder Dokotrand auch auf ein entsprechendes Ergebnis hofft, was seine persönliche Meinung stützt.

Zurück zu Miller, es sei eine Verschwörung der Gesundheitsinstitutionen, Industrie und der Politik, dass uns vom Verzehr von gesättigten Fetten abgeraten würde. Dann geht Dr. Miller die Völker durch die sich alle von einem hohen Anteil an gesättigten Fetten ernähren. Das sind so Völker wie die Eskimos und die Massai die entweder fast nur von Fisch oder von Blut und Milch leben mit 60% gesättigtem Fettanteil in ihrer Ernährung.

Spätestens hier kam ich schwer ins zweifeln, denn ich bin weder Eskimo noch Zentralafrikaner. Ich lebe in Mitteleuropa und meine Vorfahren auch schon seit tausenden Jahren. Ich habe eine völlig andere Evolution hinter mir. Meine Vorfahren waren Mutanten, die sich an Laktose und an Getreide angepasst haben seit der Steinzeit. Das ist doch wohl kein Vergleich? Oder? (Ich gestehe, dass mich das auch ein bisschen stutzig macht bei der China Study. Auch an der Uni habe ich bereits gelernt, dass durchaus kleine Unterschiede zwischen den Rassen  der Menschen bestehen. Bei Japanern kann man das Diabetesrisiko z.B. nicht am BMI ablesen, wie bei Europäern, sondern muss nach dem Bauchumfang urteilen.. Außerdem vertragen Asiaten keinen Alkohol und Milch)

Dann kommt Miller darauf zu sprechen, dass die Studien zur Arterienverkalkung an Kaninchen durchgeführt worden, die man mit tierischem Fett gefüttert habe. Die seien aber keine Allesfresser wie wir, sondern Herbivore und daher sei es ja klar, dass die Ablagerungen in den Gefäßen bekommen würden.

Hm…weiß ich nicht. Ist plausibel, aber tatsächlich bezweifele ich auch, dass das nur an Kaninchen getestet wurde. Es werden doch immer wieder unterschiedliche Studien zu dem Thema durchgeführt, deshalb herrscht ja so viel Uneinigkeit. Esselystyn hat doch mit Ratten experimentiert über das stärkere Wachstum von Krebstumoren bei Verzehr von tierischem Protein! – Was auch mehr Sinn macht, weil Ratten so gerne verwendet werden bei Tierversuchen, weil sie uns Menschen in vielerlei Hinsicht ähnlich sind. – Andererseits, wenn ich schon bezweifele, dass Asiaten, Zentralafrikaner und Eskimos mir ähnlich sind, warum soll es dein eine Ratte sein?


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Dann kommt Miller zur Frammingham Heart Study, eine der umfangreichsten Studien zur Herzgesundheit, die jemals druchgeführt wurde. Haben wir auch an der Uni in der Woche vor den Semsterferien durchgenommen. Da hieß es noch diese Studie habe erwiesen, dass gesättigte Fette und hoher Cholesterinspiegel zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, Miller legt sie irgendwie zu seinen Gunsten aus... Ich hab sie ja nie gelesen, weiß gar nicht ob es da ein Buch drüber gibt, zur Not würde ich sie wohl in Medizindatenbänken finden, aber noch ist mit Millers Beweislage eh viel zu dünn.

Danach kommt er zu einer Studie die bewiesen habe, dass man von gesättigtem Fett abnehme. Nämlich eine Studie mit Kokosöl, wo die Probanden, die einen EL Kokosöl am Tag verzehrt haben Gewicht verloren haben und die, die das nicht taten nicht.

Das war der Punkt, wo Miller für mich nicht mehr plausibel war. Klar, davon habe ich auch gehört, dass man von Kokosöl abnehmen kann. David Wolfe erzählt so was und auch Dr. Goerg. Das soll aber nicht damit zusammen hängen, dass es sich beim Kokosöl um gesättigtes Fett per se handelt, sondern damit, dass es besondere Fettsäuren enthält, die den Fettstoffwechsel ankurbeln – angeblich…

Man kann doch nicht Kokosöl mit tierischem Fett vergleichen? Die Zusammensetzung ist doch völlig anderes? Miller zeigt keine Studie in der Menschen vom zusätzlichen Verzehr eines Steaks Gewicht verloren haben. – Andererseits, ich nehme von Kokosöl nicht ab. Ganz und gar nicht. Ich hatte auch einen zu hohen Cholesterinspiegel, als ich relativ viel Kokosöl verzehrt habe. Ich find Kokosöl toll, für die Haut und auch für seinen Geschmack, aber bestimmt nicht zum Abnehmen!

Ja, und dann kommt Miller zum Cholesterin. Das sei sehr gesund. Es sei für ganz viele Prozesse im Körper superwichtig, die er alle auch aufzählt. Also, ich hatte noch keine Biochemie, da weiß ich tatsächlich wenig drüber. Aber wie das bei allem so ist glaube ich durchaus, dass Cholesterin eine tolle Substanz ist, die wir brauchen und die unser Köper ja genau deshalb selber herstellt. Aber es macht immer die Dosis das Gift. Zu viel ist zu viel. In Maßen ist fast alles in Ordnung was sonst schädlich ist. Also zu viel Cholesterin ist genau so ungesund wie zu viel Sonne…oder was auch immer….

Naja, also spätestens nach dem Kokosöl war Dr. Miller unten durch bei mir. Das war echt super unwissenschaftlich diese Kokosölstudie da mit rein zu bringen.

Danach kommt auch nur noch ein bisschen Propaganda und dann blieb das aus, was ich noch erhofft hatte, eine Erklärung über all die Giftstoffe, die im Fleisch ja so drin sind, einfach weil die meisten Menschen Tiere verzehren, die aus Massentierhaltung stammen, voll mit Hormonen und sonstigen Giften sind, die ein mieses Leben hatten und auch noch Stresshormone auf dem Weg zum Schlachter ausschütten, Wie kann das bitte gesund für den Konsumenten sein, wenn gesättigte Fett „enjoyed“ werden sollen?

Na, Miller argumentiert tatsächlich für den Verzehr von grasgefüttertes Vieh oder Wild.

Tja, da hat er wohl Recht. Er hat auch Recht mit den Transfetten und den raffinierten Kohlenhydraten. Die sind auch schlecht.

Die Propaganda und der Vergleich mit dem Kokosöl nervt, ebenso die Verschwörungstheorie. Das hat mit wissenschaftlichem Arbeiten nichts zu tun. So kriegt man auch bestimmt keine Gesundheitsinstitutionen dazu ihre Verzehrempfehlungen zu ändern. Auf so Sachen wie Grillfleisch oder frittiertes Fleisch kommt er nicht zu sprechen, da das ja eine Kombination von Transfetten mit gesättigten Fetten ist. Acrylamid wird also auch nicht erwähnt, welches krebserregend ist.

Grasgefüttertes Fleisch und Vieh ist für Otto Normalverbraucher gar nicht so leicht auszutreiben, nehme ich an, und viel zu teuer, wenn man sich daran sattessen will. Sattessen sollte man sich dann doch lieber an Hülsenfrüchten, die sind superbillig. Mal völlig abgesehen davon, dass die Rinderhaltung massiv für die Methanproduktion in der Atmosphäre verantwortlich ist!

Tja und am Ende gibt es dann noch eine kurze Frage-Antwort Minute wo Miller irgendwie einen unsicheren Eindruck macht, ganz anderes als in seinem Vortrag. Da wird er gefragt, ob er vollwert Kohlenhydrate anders einordne als raffinierte. Da druckst er irgendwie rum, tritt von einem Fuß auf den anderen und sagt dann schlussendlich die seien unterschiedlich aber gleich. Von einem weiteren Zuschauer wird er gefragt, was denn mit den Ballaststoffen sei, die man aus der Nahrung beziehen muss. Darauf antwortet er tatsächlich völlig dreist: „Fleisch enthält reichlich Ballaststoffe!“

Das ist so was von völlig unverschämt! In jeder popeligen Lebensmitteltabelle steht beim Ballaststoffanteil von Fleisch: 0

Also, Quintessenz des Ganzen ist für mich: Low Carb kann beim Abnehmen durchaus funktionieren. Es ist aber nicht gesund, es sei denn man isst qualitativ hochwertige tierische Produkte, wie es viele Fleischrohkostanhänger machen. Es gibt keine Studien darüber ob rohes Fleisch schädlich ist. Alles Studien, die es gibt sind an gekochtem Fleisch durchgeführt worden.

Ich persönlich stamme zudem von armen Bauern ab, die ihr Vieh lieber verkauft haben, statt es zu essen. Das war jedenfalls so, als mein Vater Kind war und ich nehme an davor auch. Wir leben am besten von Kartoffeln. Sogar die Katzen auf dem Hof wurden mit Kartoffeln und Milch gefüttert, damit die Mäuse jagen gehen.;-)))

McDougall ist da plausibler mit seiner "Starch-Theorie" und damit dass sich von Amerika über Europa nach Asien die Menschen in den letzten 10000 Jahren auf Stärke eingestellt haben als Ernährungsgrundlage. Außer bei den Eskimos und in Zentralafrika!

Ich hab auch was an McDougall auszusetzten, aber dazu in einem anderen Post…

Alles Liebe,

Silke

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Kommentare:

  1. Hallo Silke,

    ich konnte mit dem Video auch nicht besonders viel anfangen. Freut mich aber, dass es Dich interessiert hat. Ich hatte das video gerade noch im hinterkopf und da schien mir Dein Satz "Schlaganfall und Herzinfarkt sowie hoher Blutdruck gehen auf zu viel gesättigtes Fett zurück" doch etwas zu pauschal. Sicher werde ich nicht anfangen wieder tierische Fette zu essen.

    Viele Grüße,
    Christoph

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  2. Lieber Christoph,

    so pauschal hab ich das bisher gelehrt bekommen, aber ich bin ja auch erst im 2. Semster.
    Habe meine Auffassung jetzt in der Form korrigiert, dass ich denke, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf tierische Fett sowie Transfett zurück zu führen sind. Nicht jedoch auf Kokosöl!:-) Danke dir jedenfalls für den Link. Der hat micht in meiner low fat Sichtweise bestärkt.

    LG Silke

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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