Sonntag, 22. Juli 2012

B12 und Low Carb...

Heute will ich vorab mal kurz auf mein B12-Experiment zurück kommen.

Ich habe eine Packung Mikro-Cobalamin von Nutrient Logistics geschenkt bekommen und es 60 Tage lang genommen bis die Packung leer war.

Ich hatte noch nie irgendwelche B12 Mangel-Symptome und obwohl ich schon seit fast 10 Jahren viiiiiiel zu wenig B12 verzehre, ist da nie irgendwas aufgetaucht. Entgegengesetzt dem, was ich die letzten 2 Jahre geglaubt habe, glaube ich jetzt nicht mehr, dass B12 bei Hitzeeinwirkung zerstört wird. Ich habe mehrere Tabellen gewälzt, in denen Temperaturen angegeben waren bei welchen Vitamine kaputt gehen und B12 wurde immer als hitzeunempfindlich eingestuft. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass ich mehr Ahnung davon kriege und nicht mehr auf irgendwelche blöden Internettabellen zurückgreifen muss, wenn ich im übernächsten Semster Biochemie habe. Also habe ich auch in meinen Jahren als Vegetariere mit Milchprodukten, das waren ca. 15, immer noch genug B12 aus pasteurisierten Milchprodukten aufgenommen. Aber auch in der Zeit kam es vielleicht 2-4 Mal vor, dass ich vor dem Kühlschrank meiner Eltern stand und alles was ich riechen konnte und essen wollte war die Salami, die dort lag. Meistens habe ich dem nachgegeben und „heimlich“ ein oder 2 Scheiben gegessen und mich gleichzeitig dafür geschämt.

Ich war zudem auch nie wirklich vegan. Nur den größten Teil der Zeit. Ich habe auch rumprobiert mit Rohmilchkäse und rohem Fisch, aber damit immer noch viel zu wenig B12 konsumiert. Und dennoch keine Symptome. Andererseits habe ich mich aber auch nie testen lassen. Nicht konkret auf B12 jedenfalls, sondern nur auf Größe meiner roten Blutkörperchen, weil das die Krankenkasse bezahlte, und bei B12 Mangel sind die roten Blutkörperchen vergrößert. Meine waren normal. Also wieso sollte ich nicht annehmen, dass Prof. Neiss Recht hat mit seiner Aussage, dass ein gesunder Darm ausreichend B12 produziert? Das ist doch eine qualitativ wertvollere Aussage als irgendwelche Selbsterfahrungsberichte im Internet!

Ich habe aber auch nie mein Obst und Gemüse gewaschen. Vielleicht hängt es damit zusammen. Und ich habe keine Medikamente eingenommen, keine Antibiotika, die die Darmflora zerstören. Zudem erzählte ein andere Professor kürzlich, dass auf und in unserem Körper ca. 10000 unterschiedliche Bakterien mit uns in Symbiose leben, von denen erst ein paar hundert entdeckt sind. Symbiose bedeutet so viel wie: Sie nützen uns auch! Weiß man welches Bakterium welche Aufgabe übernimmt? Nein.

Also habe ich 60 Tage B12 geschluckt, oder besser gelutscht und es hat sich rein gar nichts geändert. Mehr kann ich darüber nicht berichten. Von B12-Spritzen weiß ich nur, dass man sie nach ca. 1 Woche als Wohlbefindensverbesserung erleben soll. Das ging mir nicht so. Also, sollen doch die beiden Ärzte Recht haben, dass ich einfach keinen B12 Mangel habe. Punkt. Oder?

Am Dienstag rief mein Joggingfreund an, der nach 6-Wöchigem Urlaub wieder in Köln war und mit mir Kaffee trinken gehen wollte. Darüber hinaus schlug er am Telefon vor, wir sollten doch die nächsten Tage schwimmen gehen, was wir in den 8,5 Jahren, die wir und kennen noch nie gemacht haben. Der Hauptgrund dafür war, dass entweder er oder ich oder wir beide uns unseres Körpers geschämt haben. Entsprechend wunderte es mich, dass er das vorschlug, ich war aber genau so einverstanden, weil ich schließlich seit mindestens 4 Jahren (wahrscheinlich länger) nicht mehr so dünn war wie jetzt!

Vorher aber erst einmal Kaffee trinken. Das passierte am Dienstag und ich war reichlich gespannt, ob er meinen Gewichtsverlust bemerken würde. War mir aber ziemlich sicher, dass er das würde, weil er das immer sieht! Er sieht wenn man zunimmt und wenn man abnimmt. Ich sehe so was überhaupt nicht!

Was mich betrifft, bei Männern achte ich auf Augen, Lächeln und vor allem Haare. Der Körper ist mir ziemlich egal. Wenn ein Waschbrettbauch zu Augen, Lächeln und Haaren hinzu kommt, meinetwegen, ist aber nichts was mich sonderlich anturnt. Ist nicht notwendig. Als ich meinen Joggingfreund kennenlernte war er locker 10-15 Kilo schwerer. Ich auch. Damals ging aber auch noch keiner von uns Joggen ;-)))


Naja, Verabredung stand und seine erste Bemerkung als er mich sah war:

„Toll siehst du aus!“

Ich: „Danke….(und weil man ein Kompliment immer zurück geben soll)….du auch!“:-)))

- Obwohl, ich gar nichts gesehen habe…

Und daraufhin erzählte er mir, dass er den ganzen Urlaub über Diät gehalten hätte. Er war in Italien und hat keine Pizza und keine Pasta gegessen, keine dickmachenden Kohlenhydrate.

Also, Low Carb stößt mich immer wieder vor den Kopf. Ich nehme ab von high carb low fat und er von low carb high fat. Wie geht das? Warum geht das? Ticken Stoffwechsel wirklich so unterschiedlich?

Während des Kaffeetrinkens bekam er Hunger, wollte aber kein Stück Kuchen kaufen, genauswenig wie ich und ich meinte: „Ich habe eine Banane dabei“ – Er wollte eine halbe und sie mit mir teilen. Und beim ersten Biss in die Banane sagte er zu mir: „Aber Bananen machen dick!“

Ich habe scheinbar irgendwie die Augen verdreht, weil ich dachte: „Wie können denn Bananen dick machen, die enthalten doch gar kein Fett! Ich esse jeden Tag ca. 5“

Und er hat mich auf mein Augenverdrehen angesprochen. Verrückterweise ist er fest davon überzeugt, dass Zucker und Stärke und Obst dick machen, Fleisch aber nicht, ebenso wenig wie Olivenöl oder Lachs. Ich bin voll davon überzeugt, dass Fett fett macht! Also jedenfalls mich.

Das ist die gute Erfahrung die ich mit 80/10/10 gemacht habe. Ich habe endlich über mich rausgefunden, dass ich mit wenig Fett sofort an Gewicht abnehme. Mein Joggingfreund hat gelernt, dass er, wenn er Süßigkeiten weglässt sofort abnimmt.

Aber es ist ja nicht alles Abnehmen allein.

Da ist ja auch noch die Gesundheit!

Für mich sind alle Argunente von Barnard, Fuhrmann, Esselstyn, McDougal und Co. einleuchtend, wissenschaftlich begründet und sogar die Uni bestätigt diese Theorien. Erst gerade in der Myokardinfarkt-Vorlesung und in Hypertonus wurde mir das bestätigt. Schlaganfall und Herzinfarkt sowie hoher Blutdruck gehen auf zu viel gesättigtes Fett zurück. Ich dachte immer, das gehöre schon zu Allgemeinwissen.

In einer der Vorlesungen sagte wieder ein anderer Professor man solle seinen Patienten davon abraten irgendwelche blöden Crash Diäten, so was wie Atkins-Diät oder so zu machen. Ich weiß nicht, ob er mit der Erwähnung von „Atkins“ speziell auf low carb Diäten hinaus wollte, oder ob das nur ein Beispiel für Crash-Diäten sein sollte.

Dennoch habe ich mir die Freiheit genommen mal Low Carb in Wikipedia nachzuschlagen, weil sich Wikipeadia meist als eine ziemlich objektive Quelle erweist. Ich habe zumindest im Medizinbereicht noch keine Falschaussagen gefunden. Bei Wikipedia wurden mehrere Studien angeführt, in welchen nicht nachgewiesen werden konnte, dass low carb ein höheres Herz-Kreislauf-Erkrankungs-Risiko mit sich bringt als eine Ernährung wie sie die DGE empfiehlt, mit 55-60% Kohlenhydraten. Außer – ganz am Ende des Artikel findet sich die aktuellste Studie zu dem Thema, von 2012:

Eine im Juni 2012 im BMJ (British Medical Journal) veröffentlichte Studie bestätigte ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten bei einer Low-Carb-Ernährung. Das Risiko etwa für Herzinfarkt oder Schlaganfall würde bei täglich 20 Gramm weniger Kohlenhydrate und 5 Gramm mehr Protein um 5 Prozent ansteigen. Das Risiko steige auch immer weiter, je kohlenhydratärmer und eiweißreicher man sich ernährt.[27]

Genau so lehrt es auch die Uni. Und zu viele Ketone, wie sie bei low carb Diäten freigesetzt werden übersäuern wiederum das Blut. Diabetiker können davon sogar ist Koma fallen!

Ich habe auch ein Buch ausgeliehen über Muskeltraining zum "Bodyforming" und auch da hieß es man solle fettarm mit viel Obst und Gemüse essen.

Also die Fürsprecher:

DGE und WHO
Barnard, Esselstyn und Co…alles Ärzte
Medizinische Fakultät Köln
Mein eigener Körper

Leider bin ich auch der letzte Mensch, der jemandem versucht eine Ernährung auszureden, die bei ihm funktioniert. Wir haben uns auch darüber ausgetauscht und er hat sich durchaus meine low fat Theorie angehört, machte auch Sinn für ihn, aber wenn man erst mal etwas glaubt ist es schwer umzudenken. Ich habe auch soooo lange an 100% Rohkost geglaubt!

Meine Befürchtungen gehen in die Richtung, dass low carb eine dumme Idee für die Gesundheit ist, aber zum Abnehmen durchaus funktioniert. Low Carb funktioniert dann dummerweise auch für Diabetiker, wenn auch angeblich nicht so gut wie Dr. Barnard von seinem eigenen Programm mit low fat behauptet, aber darüber gibt es noch viel zu wenig Studien.

Gruselig finde ich die Vorstellung, dass Menschen ihr Gewicht in der Lage sind zu reduzieren mit low carb aber dann dennoch schwer krank werden könnten. Und nicht nur sie sondern auch unser Planet und die Tiere, die als Nahrungsmittel für low carb dienen…

Also, ich finde das nicht gut. Ich hoffe, dass meine 4 Fürspreche alle Recht haben und dass sich das durchsetzt und zum Allgemeinwissen wird, und das keiner mehr auf die Idee kommt low carb zu machen.

Und dennoch lasse ich meinen Joggingfreund. Weil es sinnlos ist zu versuchen jemandes Ernährung zu ändern. Weil ich ihn als Mensch respektiere. Weil ich mich freue, dass es für ihn funktioniert und er sich in seinem Körper wohler fühlt.

Ich habe ihn aber auch gefragt, ab er dann nicht gereizt ist und genervt, wenn er auf Kohlenhydrate verzichtet. Er meinte, das sei schon schwer…

Für mich ist das unmöglich. Ich muss denken und das kann ich nur im Fasten oder auf Kohlenhydrate. Im Fasten greift der Körper ja auch auf Ketone zurück, aber da wird er nicht durch zusätzliche Nahrung übersäuert und man macht es nur ein paar Tage.

Übrigens, Fett niedrig zu halten ist ziemlich leicht. Vorausgesetzt, wahrscheinlich man isst genug von den notwendigen, gesunden Fett. Omega 3 ist reichlich in Grünzeug vorhanden, Omega 6 im entsprechenden Verhältnis ist 5, oder so, Nüssen. Gesättigte Fette will ich aus meinem eigenen Fettgewebe verbrennen.

Ich war auch früher (so vor 20 Jahren) bei Diäten immer gereizt und beobachte das auch bei anderen Leuten, die Diät halten. Gereizt will ich aber nicht sein und ich schätze auch das hängt mit einer Unterversorgung zusammen. Die Unterversorgung an Fett kann es jedoch nicht sein.

Naja, kein Wort zum Sonntag von mir. Ich wünschte irgendjemand würde endlich rausfinden, ob eine Ernährung für alle Menschen optimal ist und dies dann auch mit mindestens 20 Studien belegen. Bis dahin halte ich mich an den aktuellen Stand der Wissenschaft.

Alles Liebe,

Silke

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Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Endlich redest du nicht mehr um den heißen Brei, und gibst zu, dass es dir auch ums Abnehmen geht und nicht nur ums Gesund sein. Welcher Frau ist das nicht egal?! Und endlich distanzierst du dich vom RAW Terror. Warst wirklich sehr viele Jahre darin gefangen. Klare Fortschritte sind also erkennbar. Das Studium scheint dir gut zu tun. Das holt dich in die Realität zurück! Du warst schon sehr auf nem Trip. Mach nicht den Fehler, nun die Wissenschaft 100% als bare Münze zu nehmen, auch die kann nur einen Teil abbilden. Du brauchst doch nicht 100%! Oder?! Wenn du jetzt noch eine Beziehung hinbekommst, dann bist du endlich da, wo du sein willst. Wer ist denn schon freiwillig nicht NORMAL, was?!

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  3. Hallo Silke,
    hier ein Mediziner der sich für gesättigte Fette zur Vermeidung von Herzkrankheiten ausspricht.

    http://www.youtube.com/watch?v=vRe9z32NZHY&feature=related

    Gruß,
    Christoph

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  4. Bevor ich mit der Rohkost begonnen habe, habe ich nach der Insulintrennkost (Schlank im Schlaf, Dr. Pape) einige Wochen herum experimentiert. Dabei habe ich minimal abgenommen, aber dafür sehr gut geschlafen. Am Abend soll der Insulinspiegel durch Verzicht auf Kohlenhydrate gering gehalten werden.

    Jetzt bei der Rohkost habe ich einige Monate viel zu viel Fett gegessen und versuche mich nun an die 801010 heran zu arbeiten. Interessant finde ich, dass ich mit ordentlich Obst (z.B. eine kleine Wassermelone, 5 Bananaen und eine Schachtel Trauben) bis zum Nachmittag satt bin, zur "Kaffeezeit" mache ich mir dann noch einen grünen Smoothie mit Salat, Kräuter oft auch Löwenzahn und am Abend gibts Zuchini mit Tomaten. Ich benutze als Dressing Miso und gebe etwas Fett in Form von Avocado, Oliven, Mandelmus, Kokos oder Hanfsamen dazu im Wechsel. Ich würde davon gerne mehr nehmen als ich sollte.

    Grünzeug bekommt mir in Form von Smoothies am Besten nur Vomittags bekommt mir reines Obst besser. Ich werde mich mal noch besser versuchen zu disziplinieren, da ich am Ende nächsten Monats wieder ein Dunkelfeldblutuntersuchung machen lasse. Wenn Grahams Buch stimmt, sollte mein Blut dann gesund sein, ich bin gespannt.

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