Samstag, 3. Dezember 2011

Psychosomatik - und Verdauung in Reagenzgläsern...

Ich bin völlig gestresst habe aber auch diese Woche wieder unglaublich viel gelernt und bin ein bisschen klüger aber noch weit entfernt davon alles zu verstehen. Viele Fragen haben sich mir aufgeworfen und ich habe mit verzücken festgestellt, dass das Semester zu Weihnachten fast schon vorbei ist, dann stehen nur noch Klausuren an und uns wird genug Zeit im Stundenplan gelassen uns darauf vorzubereiten.

Zunächste mal darf ich gleich in Biologie Verdauung im Reagenzglas betreiben, was ich supergeil finde. Ich darf Amylase, das Enzym was im Speichel und wie ich gestern gelesen habe, auch im Magen vorhanden ist im Reagenzglas mit Glucose mischen und gucken wie verdaut wird. Amylase ist zuständig für die Kohlenhydratverdauung und wenn sie auch im Magen vorkommt ist das Trennkostding ziemlich weit hergeholt.

Da es um Verdauung ging, ging es auch um Aminosäuren. Wenn 100 oder mehr Aminosäuren zusammen kommen, spricht man von einem Protein. Aminosäuren, entgegen aller Rohkosttheorie, werden beim erhitzen an sich nicht verändert. So eine lange Kette aus mehr als 100 Aminosäuren legt sich nur in einer anderen Form zusammen und bildet verknäult Wasserstoffbrückenbindungen und ändert dadurch seine Strucktur. Eiweiß wird von klar und flüssig zu weiß und fest, aber die Aminosäuren an sich ändern nicht ihre Struktur. Fragen könnte man an dieser Stelle, ob es dem Körper bei der Verdauung schwerer fällt diese Wasserstoffbrücken zu lösen. Sie sind aber auch in nicht gekochtem Eiweiß vorhanden, ich weiß nur nicht ob in größerer Anzahl oder nicht.

Zur Verdauung sind immer auch Enzyme notwendig und schlussendlich sind auch Enzyme aus Aminosäuren aufgebaut. Wenn man also zu wenig Eiweiß isst hat man auch zu wenig Enzyme. Doch hat man! Auch bei Rohkost, weil die Enzyme von denen in Rohkost immer so geschwärmt wird, keine Verdauungsenzyme sind, sondern Enzyme, die die Pflanze zum Wachsen nutzt. Wenn es Verdauungsenzyme wären, würde sie sich ja selbst verdauen. Enzyme sind entweder substrat- oder wirkungsspezifisch und nicht etwas Multifunktionssubstanzen. Und sie sind an absolut allem, was der Körper so macht beteiligt. Es wird oft behauptet es gäbe keine Eiweißmangelkrankheit. Das liegt meines Erachtens daran, dass es keine einzelne Krankheit geben kann, wenn eine Substanz fehlt, die an absolut allen Körperfunktionen beteiligt ist. Ich habe aber kürzlich auch gelesen, dass Kinder in den Slubs von Brasilien, wenn sie unterernährt sind und Eiweißmangel haben, blonde Haare haben, statt der normalen schwarzen, was mich gelinde gesagt erstaunt hat. Wenn Eiweiß so wichtig ist für alle Lebensprozesse wundert es mich auch nicht mehr, dass ich mich besser fühle, wenn ich mehr davon esse, so viel wie die DGE fordert und nicht so wenig wie Cousens sagt reichen würde. Die Vorteile von Rohkost liegen wissenschaftlich betrachtet in dem Mehr an Ballaststoffen, Vitaminen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen, aber bestimmt nicht an den Enzymen. Das ist Humbug! Selbst wenn sie die Magensäure überleben würden, hätten sie keinen besonderen Nutzen im Körper.

Und mit derartigen Erkenntnissen, fange ich regelrecht an mich für oraganische Chemie zu interessieren, obwohl mich Chemie bisher immer gelangweilt hat.

Zufällig habe ich dann auch irgendwo gelesen, dass Multiple Sklerose eine Autoimmunkrankheit ist und habe mir überlegt, warum ich schon so oft gehört habe, dass Rohkost, wenn man MS hat, beschwerdefrei machen kann. Ist doch faszinierend. Ich habe dann mal Autoimmunkrankheiten bei Wikipedia nachgeschlagen und festgestellt, dass auch Diabetes Typ I, Morbus Chron und Zöliakie Autoimmunkrankheiten sind. Was da passiert ist, dass das eigene Immunsystem den eigenen Körper als Krankheit ansieht. Es gibt noch tausende Krankheiten mehr die Autoimmunkrankheiten sind und wenn Rohkost bei MS hilft, dann womöglich doch auch bei Typ I Diabetes. Wobei ich hier eigentlich nicht von Rohkost sprechen würde, denn ich glaube es geht nicht um Rohkost, sondern um genug Nährstoffe und Otto Normalverbraucher isst ja meist nur Zucker, Weißmehl, Milchprodukte und Fleisch und hat dann vielleicht genug Eiweiß aber nicht genug, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Wenn man dann zu Rohkost wechselt isst man erstmals normales Essen, Obst und Gemüse und nicht immer nur in Verpackung gesteckten, mit Chemikalien haltbar gemachten Kleister.

Rohkost-Buch

Meine eigene Ernährung war diese Woche auch eher suboptimal, weil wir wieder Monatsende hatten und ich eigentlich die ganze Woche nur bei 50% Rohkost war. Meine Haut hat sich auch wieder gemeldet, aber vielleicht war das auch der Stress. Oder es war regelrecht Vitamin K Mangel, weil auch der Brokkoli meinem Teller fern bliebt. Statt dessen gab es Hirse und Linsen. So ein paar andere Faktoren, wie auch Schlafmangel, könne auch hinzu kommen. Außerdem habe ich ein riesen Defizit an sozialen Kontakten, weil ich meine ganze Freizeit zum Lernen nutze. Mit meinem Joggingfreund war ich kurz verabredet, aber es hat keinen Spaß gemacht, weil ich gereizt war, weil ich in der Stunde Chemie davor nichts verstanden habe…

Und in Neuroanatomie habe ich dann vielleicht eine Erklärung dafür gefunden warum alles psychosomatisch ist. Es gibt da eine Region im Mittelhirn die sich Ergotrophe Zone nennt. Die schüttet die Hormone aus die uns binne Sekundenbruchteilen entscheiden lässt ob wir, wenn uns Gefahr droht, kämpfen, flüchten und Angst haben. Das hat nichts mit Verstand oder logischem Denken zu tun. Dafür hat man in einer lebensbedrohlichen Situation keine Zeit hat die Evolution entschieden. Wenn dieser Mechanismus falsch gepolt ist, wie es in der heutigen Zeit häufig sein kann, wird was falsches ausgeschüttet. Ich habe z.B. keine Angst davor gefressen zu werden, aber Angst vor einem Casting und noch mehr vor einem Vorsingen. In einer Fluchtsituation schaltet der Körper schlagartig die Darmperistaltik ab, weil für Verdauung dann keine Zeit ist. Ich, wenn ich Angst habe, kriege dann Durchfall.

Krebs ist psychosomatisch auf Groll zurückzuführen. Groll, der in einer Angriffsituation, oder wenn das Leben bedroht ist, durchaus sinnvoll sein kann, bei einer Hausfrau die sich nicht wertgeschätz fühlt aber womöglich unangebracht. Trotzdem schüttet der Körper fight, flight, fright Hormone aus, die dann im Körper zirkulieren. Wenn man nach einem Streit dann Joggen geht oder Sport macht, ist man wieder in seinem evolutionsbedingten Verhalten und kann diese Hormone natürlich abbauen. Wenn man es nicht tut….nun….da kann alles Mögliche passieren.

Jedenfalls sind alle Gefühle nur Hormone. Auch Liebe: Oxitozin ist ein Bindungshormon, was außerdem dafür sorgt, dass sich bei gebärenden Frauen die Brust umwandelt auf eine Milchproduktion. Es sorgt aber auch dafür, dass Männer nach dem Sex nicht einfach hingehen und ihrer evolutionären Aufgabe folgen, möglichst viele Nachkommen zu produzieren, sondern (vorerst) bei der Frau bleiben bei der sie in körperlicher Nähe Bindungshormone ausgeschüttet haben.

Ich habe einen unglaublich klugen ganz jungen Kommilitonen, der mich irgendwie als Bezugsperson sieht. Er hasst Psychosomatik und will sich dauernd mit mir streiten. Für ihn ist alles, was nicht wissenschaftlich nachweisbar ist, nicht real. Ich stelle dann so fragen wie: „Was ist mit Gott?“, „Was mit Bauchgefühl?“, was ist mit „Deja vu und Intuition'?“

Wir haben in Chemie und Physik gelernt, dass alles was ist, nur unterschiedlich geladene Elementarteilchen sind. Wenn alle Gedanken und Gefühle auch nur Teilchen sind, wie kann dann das Gesetz der Anziehung über Kilometer funktionieren? Es ist durchaus wissenschaftlich plausibel, wenn der Placeboeffekt funktioniert und Menschen in sich selbst die Materie verändern. Trotzdem heißt das nicht, obwohl ich es immer dachte, dass Glaube auch außerhalb von sich selbst Berge versetzen kann. Dafür habe ich noch keine Lösung, es sei denn die Außenwelt ist doch nur eine Projektion. Schlussendlich läuft es aber eh darauf hinaus, dass man dann Spaß am Leben hat, wenn die eigene Einstellung stimmt. Meine stimmt gerade nicht, weil ich überlastet bin und mich nicht mit Spiritualitä beschäftigen kann. Oder auch mit sinnlosem Spaß. Und das ist schädlich. Man übersäuert. Wird sauer. Oder wie ich gereizt. Und weiß doch gleichzeitig, dass auch das alles nur Hormone sind.

Und last but not least ist unser momentanes Kompetenzfeld, nach Diabetes, Virushepatitis und Karzinogenese: Tod und Trauer. Da habe ich gelernt, dass die Psyche und die Gefühlswelt des Patienten das Wichtigste ist und auch, dass die Erfindung von Medikamenten durchaus Sinn macht, wenn es darum geht Menschen, die nur noch sehr kurz zu leben haben, diesen Rest ihres Lebens so leicht wie möglich zu machen: Mit Substanzen, die nur Symptome bekämpfen. Denn da ist es egal, ob es zu Nebenwirkungen kommt.

Das Thema war hart und ist auch noch nicht vorbei, denn man reflektiert während der Vorlesung ja auch über sich selbst.

Und in meinem Referat habe ich gelernt, dass das Gespräch das wichtigste Arbeitsmittel ist, was der Arzt überhaupt hat. Wenn die Kommunikation zwischen Arzt und Patient gestört ist, funktioniert die ganze Therapie nicht. Verständlich, denn ich will ja auch keinen Arzt haben, der nicht in der Lage ist Empathie für meine Situation zu empfinden und mich mit Medikamenten vollstopfen will, selbst, wenn ich diese nicht nehmen möchte. Statistisch gesehen, sind die meisten Gespräche zwischen Arzt und Patient unbefriedigend. Liegt wohl daran, dass man zwischenmenschliches Verhalten nicht so richtig gelehrt bekommt. Egal wo. Dafür sind am besten Beziehungsbücher geeignet.

Also, es gilt immer noch rauszufinden, wie leicht oder schwer es dem Körper fällt Wasserstoffbrückenbindungen zu lösen, wie viel Anziehung Elementarteilchen tatsächlich ausüben können und was es noch alles gibt, dass die Physik und die Chemie noch nicht entdeckt hat. Sind Autoimmunkrankheiten grundsätzlich reversibel?

Wobei, dazu fällt mir ein was meine Tutorin kürzlich sagte. Wir waren in der Vorlesung darüber informiert worden, dass eine Lebezirrhose von der Schulmedizin mittlerweile als durchaus reversibel angesehen wird. Das war vor 10 Jahren noch nicht so. Und jetzt zu dem was meine Tutorin sagte: „Es ist kaum jemand in der Lage sein Leben so sehr umzustellen, dass sich die Zirrhose tatsächlich zurückbildet“

Ist ja auch logisch, wenn man nicht mehr Obst und Gemüse isst und weiter Weißmehl und Zucker sowie Fleisch in sich reinstopft. Eine Ernährung im Sinne von Dr. Barnard kann da aber unter Garantie ne Menge ausrichten. Eine auf Pflanzen basierende, vollwertige, ziemlich vegane Ernährung, wobei ich finde, dass Ausnahmen durchaus auch ihren Platz haben. Das übrigens empfinde ich als die von David Rainoshek postulierte integrale Ernährung. Rohkostdogmen bringen nichts. Zudem denke ich kommen bei jahrelanger veganer Rohkost einige Nährstoffe zu kurz.

Ich mach mich jetzt an meine Verdauungsreagenzgläser.

Alles Liebe,

Silke

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Kommentare:

  1. ich dachte dass amylase in sauren millieu, sprich magen nicht gut oder gar nicht arbeiten kann, sondern nur im basischen bereich, wie es im mund vorliegt( deswegen sind im mundraum ja auch so viele bakterien, und man soll stärke nicht mit sauren obst kombinieren, aber da lieg ich ja wohl falsch :D
    lasse mich gern eines besseren belehren, cooler reagenzglas versuch auch jeden fall :)
    generell war die woche anscheinend anstregend, aber es hat ich ja wohl gelohnt, interessant und schön zu lesen =)
    viel erfolg und ein schönes wochenende noch

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  2. Danke:-)

    Genau das habe ich auch immer gedacht, also habe ich die Biologin, die den Versuch überwacht, heute mal gefragt, wie denn Amylase im Magen vorkommen kann.

    Sie sagte, dass sei eine andere Amylase als die im Mund.

    Überprüfen konnte ich es bisher noch nicht!

    Dir auch ein schönes Wochenende und liebe Grüße.

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  3. Hallo Silke, ich habe zwei Frage zu deinem Buchweizen-Porridge, das du kürzlich gepostet hast. Nimmst du das Einweichwasser zum Porridge dazu? Meines ist über Nacht ziemlich schleimig geworden und ich habe es dann abgeschüttet. Und kochst du die Hirse vorher ab oder nicht? Trotz längerem Malens haben die Stückchen beim Essen zwischen den Zähnen geknirscht, das fand ich etwas unangenehm. Ansonsten fand ich das Porrigdge lecker. Ich hab es nachmittags gegessen und war dann für den Rest des Tages pappsatt.

    LG
    Cindy

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  4. Amylasen kommen im Mundspeichel und im Dünndarm vor, nicht aber im Magen :

    http://de.wikipedia.org/wiki/Amylasen#Wirkung_der_.CE.B1-Amylasen_im_menschlichen_K.C3.B6rper

    "Die α-Amylasen werden in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas-Amylase) und in den Speicheldrüsen der Mundhöhle (Speichel-Amylase) gebildet. "

    Normale Menschen wussten das aber schon immer...

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  5. Liebe Cindy,

    ja, ich nehme das Einweichwasser dazu. Es wird schleimig, daber das tut dem Ganzen keinen Abbruch.

    Die Braunhirse koche ich nicht ab, die mahle ich ganz fein, dann stören auch die Stücke nicht.

    Christian,

    das ist der erste Kommentar, den ich von dir seit 1,5 Jahren lese.

    Ich habe heute die mich betreuende Biologin extra nochmal gefragt. Sie hat Biologie studiert und ich denke nicht, dass sie irgendein interesse daran hat eine Lebensmittellobby aufzubauen.

    Sie sagte, wie ich "unbeschreiblich" auch schon geantwortet habe, dass es unterschiedliche Sorten Amylase gäbe. Die im Magen sei eine andere als im Speichel. Ich habe keinen Grund ihr nicht zu glauben, zumal Wikipedia durchaus häufig auch Fehler enthält. Übrigens schrieb ich nichts über Alpha-Amylase sondern nur über "Amylase".

    Du kannst mir glauben, dass ich persönlich der Amylase auf den Grund gehen werde.

    Meine betreuende Biologin ist übrigens ein normaler Mensch, falls du wieder mit Beleidigungen meinst um die werfen zu müssen...Das ist ja auch der Grund warum ich dich nicht ausstehen kann...

    LG Silke

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