Montag, 8. Oktober 2012

Der Weisheit letzter Schluss???


45 Tage Pflegepraktikum sind vorbei und obwohl ich niemals jemals Krankenschwester sein wollen würde, noch nicht mal auf dieser menschlich so netten Station, habe ich echt ne Menge gelernt. Über medizinische Praktiken, über Patienten und auch über mich.

Und innerhalb der letzten Tage ist mir ebenfalls, so glaube ich, klar geworden, warum sowohl Graham als auch Cousens Recht haben. Ein Widerspruch, der mich mindestens seit 2,5 Jahren umtreibt.

Und zwar sagt Dr. Lustig in Sugar - The bitter truth, dass es eine Ausnahme gäbe, eine Funktion im Körper für die die Fructoseaufnahme tatsächlich sehr entscheidend ist: für das Auffüllen der Glycogenreserven in Muskeln und Leber, nachdem man z.B. einen Marathon gelaufen ist. Fructose helfe beim Aufbau von Glyogen, deshalb sei sie auch in Sportdrinks enthalten!

Jemand der keinen Ausdauerspürt betreibt braucht nicht die Mengen Fructose die ein Ausdauersportler braucht und deshalb funktioniert 80/10/10 so gut bei Leuten die Ausdauersport betreiben und bei anderen eben nicht. Graham hat Recht, dass man die überschüssigen Kalorien auch verbrennen muss, aber nicht um der Kalorien willen, sondern damit die Fructose auch verbraucht werden kann.

Cousens arbeitet hauptsächlich mit übergewichtigen, kranken Menschen und auch wenn er, während er studiert hat, aktiv Profi-Football gespielt hat, treibt er als Arzt sicherlich nicht mehr so viel Sport wie man muss, um mit den Mengen Fruktose gesund zu bleiben.

Und so kann völlig ohne Widersprüche erklärt werden warum die beiden Psitionen, nicht nur diese beiden, sondern überhaupt die gegensätzlichen Positionen von low fat vs. low carb zustande kommen und beide Recht haben.

Wenn man anfängt sich mit low carb zu beschäftigen stößt man schnell auf so Aussagen, wie, dass Kohlenhydrate schuld seien an Herz-Kreislauf Erkrankungen und man diese weglassen soll. Auf der anderen Seite heißt es, tierische Produkte seien schuld daran und man solle die und das viele Fett, welches sie enthalten, weglassen. Dr. Robert Lustig erklärt, dass Fructose wie ein Fett verstoffwechselt wird, sie Endprodukte wie von der Verstoffwechselung tierischer Produkte bildet, nämlich auch Harnsäure, Triglyceride und einige andere und so kommt es in Studien zu solchen Resultaten wie, dass der Verzicht auf Kohlenhydrate, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko senken kann. Das liegt aber nicht am Verzicht auf Kohlenhydrate sondern am Verzicht auf Fructose, denn Glucose hat diese Nebenwirkungen nicht. Ergo, der Verzicht auf raffinierten Zucker ist schuld. Daher ist low carb erfolgreich bei der Gesundheitsverbesserung, wegen der Reduktion des raffinierten Zuckers und nicht weil Fleisch gesund ist.

Dass Fleisch nicht gesund ist, habe ich auch in den letzten Tagen in einem low carb Buch gelesen und wenn es da schon drin steht, dass sind das keine veganen Mythen sondern die nackte, wissenschaftliche Wahrheit.

Weil sich Barnard in seinem Buch Breaking the Food Seduction: The Hidden Reasons Behind Food Cravings---And 7 Steps to End Them Naturally auch mit dem glykämischen Index beschäftigt und sagt, man solle, um Heißhunger zu vermeiden, nicht unbedingt Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index essen, habe ich in der Stadtbibliothek ein Buch ausgeliehen mit dem Titel Die SLOW CARB-Diät: Dauerhaft abnehmen mit langsamen Kohlenhydraten und dem Plus an Eiweiß Sticker (eingedruckt): Mit 2-Wochen Diätplan.

Es handelt davon, dass man zunächst mal, um abzunehmen 2 Wochen low carb machen soll. Weil das auf die Dauer aber nicht gesund ist, steigt man danach auf "slow carb" um, also auch Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischem Index. Hier wird zunächst erwähnt, dass Studien gezeigt hätten, dass es bei low carb zu keiner Steigerung des LDL Cholesterin und der Triglyceride gekommen sei und es deshalb kein größeres Risiko gäbe an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben.

Macht Sinn weil, siehe oben, auch Fructose zu einem Anstieg von LDL Cholesterin und der Triglyceride führt und wenn man bei low carb den Industriezucker und das Obst reduziert, nimmt man keine Fructose mehr auf. Dann wird aber auch erwähnt, dass man viele Ballaststoffe essen müsse und die sind ja in tierichen Produkten nun mal nicht drin, daher solle man auf jeden Fall viel Gemüse essen.

Für Gemüse wird umso mehr auch geworven, weil die Balaststoffe darin den Magen füllen und somit satt machen.

Dann wird erwähnt, dass es auch wichtig sei viele sekundäre Pflanzenstoffe aufzunehmenen und dazu mindestens "5 am Tag" Portionen Gemüse zu essen. Später dann auch niedrig glycämisches Obst.

Dann heißt es, dass Methionin, eine Aminosäure die viel in tierischen Produkten vorkommt und die es mir immer schwer fällt in ausreichenden Mengen aus Pflanzen zu beziehen, den Homocysteinspiegel im Blut ansteigen läßt, welcher aktuell als weiterer Indikator für Herzerkrankungen und Arteriosklerose gesehen wird. Um das Risiko einzudämmen soll man viel Folsäure essen, welche in tierischen Produkten kaum vorkomme, dafür aber in Gemüse. Also wieder viel Gemüse zum Ausgleich.

Dann solle man Salz niedrig halten (auch viel in Salami etc enthalten).

Und dann kommt der Knaller:

Tierisches mache einen Säureüberschuss im Körper und senke den pH-Wert. Eine pH-Wert-Sekung führe dazu, das den Knochen Kalzium entzogen wird, und dass führe widerum zu Osteoporose. Um das zu ändern solle man viel Vitamin D konsumieren, also Sonne tanken und im Freien sein und Salz reduzieren, denn auch Salz reduziere die Knochensubstanz.

Und dann kommt der unter diesen Aspekten völlig bekloppte Hinweis, dass Kalzium in Milchprodukten stecke. (tja, da sind wir an dem Punkt wo all die veganen Ärzte sagen, dass die Kalziumausscheidung die Aufnahme übertreffe, wenn man Milchprodukte und Fleisch verzehre)

Abschließend zittieren ich noch mal kurz:

"Auch die Herkunft des Proteins spielt eine Rolle. Eine Studie, in der Freiwillige zwar alle die gleiche Menge, aber von verschiedenen Proteinquellen stammendes Kalzium zu sich nahmen, zeigt, dass die Kalziumausscheidung über den Urin nach Sojapreoduktaufnahme um 33 Prozent (50 mg) geringer ist. also nach dem Verzehr von ausschließlich tierischen Produkten."

Sowas steht in einem low carb-Buch!!! Ist das zu fassen?! Jetzt weiß ich, wenigstens, dass es wirklich stimmt... Und dann folgen reichenweise Rezepte mit tierischen Produkten und kaum Gemüse....wie das so ist...

In meinen Augen ist das gespndere immernoch eine fructosearme, vegane high carb-low fat-Ernährung als low carb. Auf die Kohlenhydrate kommt es an und damit muss ich noch experimentieren.

Aber wenn man die Prinzipien von "Slow Carb" auf Rohkost überträgt, landet man ungefähr beim Programm von Gabriel Cousens, Barnard erlaubt noch ein wenig mehr Kohlenhydrate und auch das "Slow Carb"-Buch sagt, dass wenn jemand mehr Sport treibt, er auch mehr Kohlenydrate zu sich nehmen darf und muss.

Und damit lande ich wieder am Anfang des Beitrags von heute. Beides stimmt, je nachdem wie viel Sport man treibt. Und der eine oder andere braucht wohl auch was in der Mitte.

Low carb andereseits, heißt nicht automatisch high fat. Das ist wohl auch ein Fehler, den viele Leute machen. Um die Wahrheit zu sagen: das menschliche Dasein war über Jahrhunderte so beschissen, dass wir an eine Ernährung mit wenig Fett und Kohlenhydraten mit niedrigem glykämischen Index angepasst sind. Und auch an viel Rohkost. Herzlichen Glückwunsch!

Was mich bei Cousens immer zurückhaltend gemacht hat ist seine Abneigung gegen, ja, z.B. Bananen. Zu hoher glykämischer Index. Sollte man nur selten verzehren, wie auch Trockenfrüchte. Barnard erlaubt sowas, aber bei beiden kommt nicht ein Mal das Wort Fructose vor. Auch bei den Low Carbern wird Fructose nicht erwähnt. Immer nur "Kohlenhydrate" Das ist aber halt nicht alles.

Ich hab die letzen 3 Tage mit grünen Säften gefastet um mich zu dekalibrieren und muss sagen, so leicht war Fasten noch nie. Tja, habe auch noch nie fructosefrei gefastet (Fructose macht hungrig) und jetzt schaue ich mal wo hin die Reise geht.

Alles Liebe,

Silke

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Kommentare:

  1. Was bitte schön heißt dekallibrieren?
    Ist das so ein Mythos wie Entschlacken?

    Gruß
    Sabine

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  2. Sorry, Sabine, das hääte ich erklären sollen ;-)))

    Das ist eine Formulierung die ich immer verwende. Wenn ich unter Stress gerate und meine Hormone meinen Verstand übernehmen und ich dann anfange auf so doofe Ideen zu kommen wie zu viel Alkohol zu trinken oder Zucker zu essen und einfach unglaublich angespannt bin und da runter will, dann muss ich "dekallibrieren". Einfach aussteigen aus allem. Dann faste ich, finde ich wieder zu mir, mein Körper bekommt mal Ruhe und kann sich um wesentliche Sachen kümmern. Außerdem habe ich sofort viel mehr Zeit, wenn ich keine Zeit zum Essen brauche und kann den Stress aufholen.

    Das Wort "kalibrieren" bedeutet so viel wie "normen". Ich habe mich zu sehr von der Krankensschwesterngesellschaft normen lassen und finde durch Fasten wieder zu mir selbst und raus aus der Norm.

    Dann bin ich "dekalibriert". Ich habe mich oben übrigens verschrieben. Man schreibt es mit nur einem "l" - Korrigiere ich mal ;-))

    LG Silke

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  3. Hast du denn auch mitgeraucht?

    Gruß
    Sabine

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  4. Hallo Silke,
    ist schon komisch - kein Primat hat auch nur den blassesten Schimmer von all diesen verkopften Ansätzen - dennoch sind bei ihm (solang er in seiner natürlichen Umgebung lebt) weder Magen-Darm-Probleme noch sonstige Zivilisationskrankheiten bekannt. Hast Du eine Idee, wieso das so ist?
    Liebe Grüße,
    Ralph

    PS: Gibt man Affen Zugang zu Zivilisationskost, so ändert sich das, vgl. http://www.allesrohkost.de/forum51774/messages/17999.htm.

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  5. Liebe Sabine,

    nein, mitgeraucht habe ich diesmal nicht, was nicht heißt, dass mir das auf der einen oder anderen Party schon mal passiert ist.

    Lieber Ralph,

    wir Menschen haben unsere natürliche Umgebung zerstört, der Primat nicht. Und es hat unter Garantie auch keinen Spaß gemacht darin zu leben. Ständig um sein Leben fürchten, verhungern, frieren, jagen, popelige Beeren sammeln...

    Ich lebe dennoch lieber kopflastig in dieser Welt, als frierend und hungrig in einer Höhle. Es gibt aber eh kein zurück!

    LG Silke

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  6. Hallo Silke,
    ich freue mich über ein paar versöhnliche Worte in Richtung Doug Graham ;)

    Darüber hinaus möchte ich Zweifel daran anmelden, dass beim Fruktosestoffwechsel Harnsäure entsteht, obwohl ich sicher kein Chemiker bin. Habe mal nach Quellen im Netz gesucht und konnte hierzu kaum eine Bestätigung finden. Ist auch irgendwie unlogisch, da die Fruktose als Kohlenhydrat gar kein Stickstoff im Molekül aufweist. Dieser müsste ja dann irgendwo her kommen.

    Sicher gibt es offenbar Menschen, die Fruktose anscheinend nicht verstoffwechseln können. Es handelt sich dabei offenbar um eine Stoffwechselstörung. Aber zu sagen, dies werde durch zuviel Fruktose ausgelöst wäre sicher nicht ganz richtig.

    Viele liebe Grüße,
    Christoph

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  7. Mann, Christoph, ich rede nicht gegen Graham, ich rede gegen Freelee und Durianrider, die was anderes propagieren als Graham in seinem Buch!!!!

    Dr. Lustig erklärt die verstoffwechselungskette ausführlich in "Sugar - The bitter truth".

    LG Silke

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